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In mehr als drei Vierteln aller Privathaushalte wird mit dem Handy telefoniert, so das Statistische Bundesamt im März 2009, und meist ist mehr als ein Mobiltelefon vorhanden. Immer mehr Menschen verzichten ganz auf einen Festnetzanschluss und nutzen nur noch das Handy.
Ob Mobiltelefone gesundheitsschädlich sind und möglicherweise sogar Tumoren des Gehirns auslösen können, diese Frage hat die Mobilfunk-Technologie von Anfang an begleitet. Bisher fanden Wissenschaftler aber keinen eindeutigen Zusammenhang mit der Entstehung von Hirntumoren. Abgeschlossen ist das Thema aus der Sicht vieler Forscher jedoch noch nicht.
Der Krebsinformationsdienst fasst die Daten zusammen, die im Frühjahr 2010 verfügbar sind, und nennt weitere Informationsquellen.
Seit der Einführung des Mobilfunks untersuchen Wissenschaftler, ob diese Technologie schädlich für die Gesundheit ist. Wie die Strahlung von Handys oder Sendeanlagen Krebs auslösen könnten, ist nicht bekannt - bisher konnten keine entsprechenden biologischen Mechanismen gefunden werden: Laborversuche ergaben keine aussagekräftigen Hinweise auf eine Zellschädigung. Auch aus den beobachtenden Studien an Handynutzern, die bisher vorliegen, ist bisher kein erhöhtes Krebsrisiko sicher ableitbar. Dazu zählt insbesondere die internationale INTERPHONE-Studie, an der seit dem Jahr 2000 Wissenschaftler aus dreizehn Ländern mitarbeiteten.
Auch das Deutsche Mobilfunk-Forschungsprogramm lieferte wichtige Ergebnisse: Von den Mobilfunksendeanlagen scheint ebenfalls kein messbares Risiko auszugehen.
Noch bleiben Fragen offen, vor allem zum Risiko von Vieltelefonierern. Daher rät das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) weiterhin zur Vorsicht (www.bfs.de/de/elektro/hff/empfehlungen_handy.html):
Die überwiegende Zahl der heute vorliegenden Daten stammt aus so genannten epidemiologischen Studien: Wissenschaftler analysieren dabei die Telefoniergewohnheiten großer Bevölkerungsgruppen. Sie untersuchen zum Beispiel, ob sich die Krebsrate bei Handynutzern von derjenigen von Nicht- oder Wenignutzern unterscheidet. Aus diesem Vergleich lassen sich Rückschlüsse ziehen: Hätten Menschen, deren Lebensumstände und -gewohnheiten sich ausschließlich durch die Handynutzung unterscheiden, nicht die gleiche Krebsrate, wäre dies ein ernst zu nehmender Hinweis auf ein Risiko.
Bereits im Sommer 2006 hatten Wissenschaftler eine vorsichtige, wenn auch nicht endgültige Entwarnung ausgesprochen. Grundlage waren Daten aus der INTERPHONE-Studie. In dieser bisher weltweit größten Untersuchung zum Thema wurden insgesamt rund 2.700 Patienten mit Hirntumoren vom Gliom-Typ nach ihrem Gebrauch von Mobiltelefonen befragt, weiter rund 2.400 Patienten mit Meningeomen des Gehirns r Hirnhäute. Zum Vergleich dienten die Angaben von knapp 7.700 gesunden Menschen mit vergleichbaren Lebensgewohnheiten. Bis zum Frühjahr 2010 konnten Daten aus dreizehn Ländern vorgelegt werden.
In ihrem derzeit letzten Bericht vom Mai 2010 kommen die beteiligten Wissenschaftler zu dem Schluss, dass von einer durchschnittlichen Handy-Nutzung kein gesteigertes Hirntumorrisiko ausgeht.
Für Menschen, die besonders viel und lange telefonieren, bleiben jedoch noch Fragen zum Risiko offen. Als "Vielnutzer" erfassten die INTERPHONE-Befragungen Menschen, die zum Zeitpunkt der Befragung auf mehr als 1.640 Telefonstunden kamen. In der Studie waren in dieser Kategorie auch Nutzer vertreten, die bereits in den frühen 90er Jahren mobil telefoniert hatten, mit noch sehr strahlungsstarken Geräten. Die heute verfügbaren Geräte hingegen sind deutlich strahlungsärmer.
Die Forscher sind sich bei der Interpretation der Daten dieser Gruppe nicht einig. Zwar weicht die Hirntumorrate dieser Gruppe ab. Wie verlässlich diese Angaben sind, darüber diskutieren die Wissenschaftler noch: Einige gehen davon aus, dass sich bei den "Vieltelefonierern" methodische Probleme in der Datenauswertung zeigen und auch die Angaben der Befragten nicht wirklich nachvollziehbar sind. Andere gehen davon aus, dass sich hier möglicherweise doch ein höheres Risiko zeigt.
Eine ausführliche Zusammenstellung der INTERPHONE-Daten mit Details zu den Zahlen bietet das Bundesamt für Strahlenschutz auf seinen Internetseiten unter www.bfs.de/de/elektro/hff/papiere.html/interphonestudie.html.
Weitere Forschung halten alle Experten für notwendig: Dazu gehören weitere, bereits angelaufene Studien, etwa die internationale MOBI-KIDS-Studie: Sie soll die Auswirkungen der Handy-Nutzung bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen untersuchen.
Das Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF) hatte zum Ziel, die geltenden Grenzwerte zum Schutz vor Elektrosmog zu überprüfen. In 54 Studien wurden Fragen zur Strahlenbelastung im Alltag aufgegriffen. In Wiederholungsstudien gingen die Forscher gezielt Hinweisen auf Wirkungen jedweder Art von hochfrequenten Felder auf Mensch und Tier nach. Solche Hinweise hatten zu Beginn des Forschungsprogramms vorgelegen, konnten aber nicht bestätigt werden. Erstmals gab es zudem Studien darüber, wie die Bevölkerung die Risiken der Mobilfunktechnologie wahrnimmt. Auch der Punkt "Elektrosensibilität" wurde untersucht, also die Frage, ob es Menschen gibt, die empfindlicher als andere auf elektromagnetische Strahlung reagieren.
Ergebnisse und Hintergründe sind im Internet abrufbar unter www.deutsches-mobilfunk-forschungsprogramm.de.
Im Zusammenhang mit Handys fällt häufig das Wort "Elektrosmog". Fachleute sprechen dagegen von so genannten elektromagnetischen Felder oder Radiowellen.
Im Gegensatz zur ionisierenden Strahlung, wie zum Beispiel der Röntgenstrahlung, reicht die Energie dieser Strahlung nicht aus, um Atome und Moleküle elektrisch aufzuladen bzw. zu ionisieren.
Ihre Frequenz reicht von 100 Kilo-Hertz (kHz) bis 300 Giga-Hertz (GHz). Zur Übertragung von Telefongesprächen strahlen die Sendemasten der Mobilfunk-Anbieter Funkwellen um 900 Megahertz im D-Netz und um 1800 Megahertz im E-Netz ab. Die Sender haben meist eine Leistung um zehn Watt bis maximal 50 Watt. Das neue UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) Übertragungssystem wird mit einer Frequenz von 1900 bis 2170 MHz und mit einer Senderleistung von zehn bis 50 Watt strahlen.
Handys selbst senden und empfangen über eine eingebaute Antenne mit einer Leistung von maximal zwei Watt im D-Netz und einem Watt im E-Netz. Zwei Watt sind die gesetzlich erlaubte Obergrenze. Moderne Geräte liegen meist darunter. Die maximale Sendeleistung wird zudem nicht immer voll ausgeschöpft, gesendet wird nur mit der Leistung, die für einen guten Empfang nötig ist. Je schlechter die Verbindung, desto mehr nähert sich die tatsächliche Leistung der maximal möglichen an. Das Signal wird nicht gleichmäßig geschickt, sondern "gepulst" mit 217 Hertz (entspricht 217 Pulsen pro Sekunde), also sozusagen aufgeteilt in kleine Portionen.
Bereits 1974 beschäftigten sich internationale Gremien mit Grenz- und Richtwerten für elektromagnetische Felder. 1992 wurde eine wissenschaftliche Kommission zum Schutz vor nicht-radioaktiven Strahlen (auch vor "Elektrosmog") gegründet, die International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection ICNIRP (www.icnirp.de). Sie arbeitet als nicht-staatliche Organisation mit der Weltgesundheitsorganisation WHO (www.who.int) zusammen und legt wissenschaftliche Ergebnisse und Empfehlungen vor, die als Grundlage für nationale Gesetze herangezogen werden können.
Basis des gesetzlich festgelegten Schutzes ist die Messung des so genannten SAR-Wertes. Er gibt die maximale Strahlungsintensität eines Handys an. SAR steht dabei für "Spezifische Absorptions-Rate" und wird in Watt/Kilogramm (W/kg) angegeben. Gemessen wird, wie groß der im Körper tatsächlich ankommende Strahleneffekt ist.
Die aktuellen SAR-Werte gängiger wie auch älterer Handy-Modelle stellt das Bundesamt für Strahlenschutz unter www.bfs.de/de/elektro/oekolabel.html online zur Verfügung. Anhand dieser Auflistung können sich Verbraucher selbst informieren, wie strahlungsarm ihr Telefon tatsächlich ist.
Seit Mitte 2002 könnten Handyhersteller in Deutschland für besonders strahlungsarme Handys den blauen Umweltengel beantragen. Der "Blaue Engel" wird bei einem SAR-Wert von bis zu höchstens 0,6 Watt pro Kilogramm vergeben und verlangt damit weit niedrigere Strahlungsintensitäten, als sie gesetzlich vorgeschrieben sind: Der Grenzwert für die höchstzulässige Belastung für Teilkörperbereiche - wie den Kopf - liegt bei zwei Watt pro Kilogramm. Etwa ein Drittel der modernen Handys würde die Kriterien für die Vergabe des Blauen Engels erfüllen. Bisher habe die Industrie allerdings von der Möglichkeit der Kennzeichnung kaum Gebrauch gemacht, so das Bundesamt für Strahlenschutz: Bis August 2009 hatte gerade einmal ein Handy-Modell den "Blauen Engel" erhalten (weitere Informationen zum aktuellen Stand unter www.blauer-engel.de).