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In vier von fünf Privathaushalten wird mit dem Handy telefoniert, so das Statistische Bundesamt, und meist ist mehr als ein Mobiltelefon vorhanden. Immer mehr Menschen verzichten ganz auf einen Festnetzanschluss und nutzen nur noch das Handy.
Ob Mobiltelefone gesundheitsschädlich sind und möglicherweise sogar Tumoren des Gehirns auslösen können, diese Frage hat die Mobilfunk-Technologie von Anfang an begleitet. Bisher fanden Wissenschaftler aber keinen eindeutigen Zusammenhang mit der Entstehung von Hirntumoren.Abgeschlossen ist das Thema jedoch noch nicht: Ein Risiko kann derzeit auch noch nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden.
Der Krebsinformationsdienst fasst die Daten zusammen, die zurzeit verfügbar sind, und nennt weitere Informationsquellen.
Seit der Einführung des Mobilfunks untersuchen Wissenschaftler, ob diese Technologie schädlich für die Gesundheit ist. Wie die Strahlung von Handys oder Sendeanlagen Krebs auslösen könnten, ist nicht bekannt - bisher konnten keine entsprechenden biologischen Mechanismen gefunden werden: Laborversuche ergaben keine aussagekräftigen Hinweise auf eine Zellschädigung.
Auch die Mehrzahl der Beobachtungsstudien, die weltweit zum Thema durchgeführt wurden, hat keine Hinweise auf ein generell erhöhtes Krebsrisiko erbracht. Die wenigen vorliegenden Daten, die auffällige Häufungen andeuten, werden von Experten kontrovers diskutiert und unterschiedlich bewertet.
Im Frühsommer 2011 stufte die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, eine Behörde der Weltgesundheitsorganisation WHO, Handys als "möglicherweise krebserregend" ein (eine englischsprachige Pressemitteilung unter www.iarc.fr/en/media-centre/pr/2011/pdfs/pr208_E.pdf). Wie ist diese Kategorisierung zu verstehen? Die IARC arbeitet insgesamt mit fünf Gruppen (http://monographs.iarc.fr/ENG/Classification/index.php):
Ihre Einstufung stützt die IARC vor allem auf Hinweise auf ein Hirntumorrisiko für Vieltelefonierer, die schon sehr früh und sehr lange ein Handy nutzten. Die zugrundeliegende Bewertung gilt insgesamt dem Risiko hochfrequenter elektromagnetischer Felder und befasst sich nicht nur mit Handys, sondern auch mit den Risiken anderer Strahlungsquellen.
Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) rät wie bisher, beim Telefonieren mit dem Handy auf einige einfache Dinge zu achten (www.bfs.de/de/elektro/hff/empfehlungen_handy.html):
Unter www.bfs.de/de/elektro/papiere/who_stellungnahme.html bietet das Bundesamt außerdem Erläuterungen zur Einstufung der "International Agency for Research on Cancer" (IARC) von 2011.
Die überwiegende Zahl der heute vorliegenden Daten stammt aus so genannten epidemiologischen Studien: Wissenschaftler analysieren dabei die Telefoniergewohnheiten großer Bevölkerungsgruppen. Sie untersuchen zum Beispiel, ob sich die Krebsrate bei Handynutzern von derjenigen von Nicht- oder Wenignutzern unterscheidet. Aus diesem Vergleich lassen sich Rückschlüsse ziehen: Hätten Menschen, deren Lebensumstände und -gewohnheiten sich ausschließlich durch die Handynutzung unterscheiden, nicht die gleiche Krebsrate, wäre dies ein ernst zu nehmender Hinweis auf ein Risiko.
Bereits im Sommer 2006 hatten Wissenschaftler eine vorsichtige, wenn auch nicht endgültige Entwarnung ausgesprochen. Grundlage waren Daten aus der INTERPHONE-Studie. In dieser bisher weltweit größten Untersuchung zum Thema wurden insgesamt rund 2.700 Patienten mit Hirntumoren vom Gliom-Typ nach ihrem Gebrauch von Mobiltelefonen befragt, weiter rund 2.400 Patienten mit Meningeomen des Gehirns r Hirnhäute. Zum Vergleich dienten die Angaben von knapp 7.700 gesunden Menschen mit vergleichbaren Lebensgewohnheiten. Bis zum Frühjahr 2010 konnten Daten aus dreizehn Ländern vorgelegt werden.
In ihrem derzeit letzten Bericht vom Mai 2010 kommen die beteiligten Wissenschaftler zu dem Schluss, dass zumindest von einer durchschnittlichen Handy-Nutzung kein gesteigertes Hirntumorrisiko auszugehen scheint.
Für Menschen, die besonders viel und lange telefonieren, bleiben jedoch noch Fragen zum Risiko offen. Auf Daten zum Risiko nach sehr umfangreichem und langjährigem Handy-Gebrauch stützt auch die IARC ihre Bewertung von 2011, nach der sich ein Krebsrisiko nicht sicher ausschließen lässt.
Als "Vielnutzer" erfassten beispielsweise die INTERPHONE-Befragungen Menschen, die zum Zeitpunkt der Befragung auf mehr als 1.640 Telefonstunden kamen. In dieser bisher größten Studie zum Thema waren unter den "Vieltelefonierern" auch Nutzer vertreten, die bereits in den frühen 90er Jahren mobil telefoniert hatten, mit noch sehr strahlungsstarken Geräten. Die heute verfügbaren Geräte hingegen sind deutlich strahlungsärmer.
Die Forscher sind sich bei der Interpretation der Daten dieser Gruppe nicht einig. Zwar weicht die Hirntumorrate dieser Gruppe ab. Wie verlässlich diese Angaben sind, darüber diskutieren die Wissenschaftler noch: Einige gehen davon aus, dass sich bei den "Vieltelefonierern" methodische Probleme in der Datenauswertung zeigen und auch die Angaben der Befragten nicht wirklich nachvollziehbar sind. Andere gehen davon aus, dass sich hier möglicherweise doch ein höheres Risiko zeigt. Diese Diskussion floss ebenfalls in die Bewertung durch die IARC im Auftrag der WHO ein, wo sich nach wie vor bei den beteiligten Experten unterschiedliche Meinungen behaupteten.
Eine ausführliche Zusammenstellung der INTERPHONE-Daten mit Details zu den Zahlen bietet das Bundesamt für Strahlenschutz auf seinen Internetseiten unter www.bfs.de/de/elektro/hff/papiere.html/interphonestudie.html.
Im Sommer 2011 wurden Daten aus der internationalen CEFALO-Studie vorgelegt. Durchgeführt wurde diese Studie in Dänemark, Schweden, Norwegen und der Schweiz. Wissenschaftler verglichen die Telefongewohnheiten von Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren mit denen gesunder Kontrollpersonen. Ein Zusammenhang konnte nicht belegt werden. Allerdings mussten die Forscher wie in vielen anderen Untersuchungen auf die Erinnerung der Probanden vertrauen, und der untersuchte Zeitraum ist vergleichsweise kurz.Weitere Forschung halten alle Experten für notwendig: Dazu gehören weitere, bereits angelaufene Studien, etwa die internationale MOBI-KIDS-Studie (www.mbkds.net): Sie soll ebenfalls die Auswirkungen der Handy-Nutzung bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen untersuchen.
Das Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF) hatte zum Ziel, die geltenden Grenzwerte zum Schutz vor Elektrosmog zu überprüfen. In 54 Studien wurden Fragen zur Strahlenbelastung im Alltag aufgegriffen. In Wiederholungsstudien gingen die Forscher gezielt Hinweisen auf Wirkungen jedweder Art von hochfrequenten Felder auf Mensch und Tier nach. Solche Hinweise hatten zu Beginn des Forschungsprogramms vorgelegen, konnten aber nicht bestätigt werden. Erstmals gab es zudem Studien darüber, wie die Bevölkerung die Risiken der Mobilfunktechnologie wahrnimmt. Auch der Punkt "Elektrosensibilität" wurde untersucht, also die Frage, ob es Menschen gibt, die empfindlicher als andere auf elektromagnetische Strahlung reagieren.
Ergebnisse und Hintergründe sind im Internet abrufbar unter www.deutsches-mobilfunk-forschungsprogramm.de.
Im Zusammenhang mit Handys fällt häufig das Wort "Elektrosmog". Fachleute sprechen dagegen von so genannten elektromagnetischen Felder oder Radiowellen.
Im Gegensatz zur ionisierenden Strahlung, wie zum Beispiel der Röntgenstrahlung, reicht die Energie dieser Strahlung nicht aus, um Atome und Moleküle elektrisch aufzuladen bzw. zu ionisieren.
Ihre Frequenz reicht von 100 Kilo-Hertz (kHz) bis 300 Giga-Hertz (GHz). Zur Übertragung von Telefongesprächen strahlen die Sendemasten der Mobilfunk-Anbieter Funkwellen um 900 Megahertz im D-Netz und um 1800 Megahertz im E-Netz ab. Die Sender haben meist eine Leistung um zehn Watt bis maximal 50 Watt. Das neue UMTS (Universal Mobile Telecommunication System) Übertragungssystem wird mit einer Frequenz von 1900 bis 2170 MHz und mit einer Senderleistung von zehn bis 50 Watt strahlen.
Handys selbst senden und empfangen über eine eingebaute Antenne mit einer Leistung von maximal zwei Watt im D-Netz und einem Watt im E-Netz. Zwei Watt sind die gesetzlich erlaubte Obergrenze. Moderne Geräte liegen meist darunter. Die maximale Sendeleistung wird zudem nicht immer voll ausgeschöpft, gesendet wird nur mit der Leistung, die für einen guten Empfang nötig ist. Je schlechter die Verbindung, desto mehr nähert sich die tatsächliche Leistung der maximal möglichen an. Das Signal wird nicht gleichmäßig geschickt, sondern "gepulst" mit 217 Hertz (entspricht 217 Pulsen pro Sekunde), also sozusagen aufgeteilt in kleine Portionen.
Bereits 1974 beschäftigten sich internationale Gremien mit Grenz- und Richtwerten für elektromagnetische Felder. 1992 wurde eine wissenschaftliche Kommission zum Schutz vor nicht-radioaktiven Strahlen (auch vor "Elektrosmog") gegründet, die International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection ICNIRP (www.icnirp.de). Sie arbeitet als nicht-staatliche Organisation mit der Weltgesundheitsorganisation WHO (www.who.int) zusammen und legt wissenschaftliche Ergebnisse und Empfehlungen vor, die als Grundlage für nationale Gesetze herangezogen werden können.
Basis des gesetzlich festgelegten Schutzes ist die Messung des so genannten SAR-Wertes. Er gibt die maximale Strahlungsintensität eines Handys an. SAR steht dabei für "Spezifische Absorptions-Rate" und wird in Watt/Kilogramm (W/kg) angegeben. Gemessen wird, wie groß der im Körper tatsächlich ankommende Strahleneffekt ist.
Die aktuellen SAR-Werte gängiger wie auch älterer Handy-Modelle stellt das Bundesamt für Strahlenschutz unter www.bfs.de/de/elektro/oekolabel.html online zur Verfügung. Anhand dieser Auflistung können sich Verbraucher selbst informieren, wie strahlungsarm ihr Telefon tatsächlich ist.
Seit Mitte 2002 könnten Handyhersteller in Deutschland für besonders strahlungsarme Handys den blauen Umweltengel beantragen. Der "Blaue Engel" wird bei einem SAR-Wert von bis zu höchstens 0,6 Watt pro Kilogramm vergeben und verlangt damit weit niedrigere Strahlungsintensitäten, als sie gesetzlich vorgeschrieben sind: Der Grenzwert für die höchstzulässige Belastung für Teilkörperbereiche - wie den Kopf - liegt bei zwei Watt pro Kilogramm. Etwa ein Drittel der modernen Handys würde die Kriterien für die Vergabe des Blauen Engels erfüllen. Bisher habe die Industrie allerdings von der Möglichkeit der Kennzeichnung kaum Gebrauch gemacht, so das Bundesamt für Strahlenschutz: Bis August 2009 hatte gerade einmal ein Handy-Modell den "Blauen Engel" erhalten (weitere Informationen zum aktuellen Stand unter www.blauer-engel.de).