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Selbst auf den ersten Blick so harmlose Stoffe wie Vitamine unterliegen der Kritik: Aus Studien wusste man seit Mitte der 90er Jahre, dass Beta-Karotin, die Vorstufe des Vitamin A, insbesondere bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko steigern kann. In Medikamenten, wo Karotin oft noch als Farb- und Hilfsstoff eingesetzt wird, darf daher seit mehreren Jahren eine festgelegte Menge nicht überschritten werden. Neuere Studien, in denen der Nutzen von Vitamintabletten insbesondere mit der Kombination A, C und E überprüft wurde, belegten, dass selbst diese viel beworbenen Präparate keineswegs vor Krebs schützen. Im Gegenteil: Sie können das Tumorrisiko sogar steigern. Da in Deutschland laut Umfragen sehr viele Menschen auf Vitamintabletten vertrauen, hat der Krebsinformationsdienst aktuelle Warnhinweise in einem eigenen Text zusammengestellt.
Von Vitaminen, die über die ganz normale Ernährung aufgenommen werden, sind entsprechende Risiken nicht bekannt: Obst und Gemüse schaden nicht, sondern senken das Krebsrisiko.
Eines der weiteren Beispiele für risikoreiche Anwendungen ohne Prüfung liefern etwa Algenpräparate, die immer wieder in Nahrungsergänzungsmitteln festgestellt werden. Sie werden per Inserat, über das Internet oder auf Verkaufsveranstaltungen als Mittel gegen viele gesundheitliche Probleme angeboten. Die Bundesbehörden warnten jedoch schon 2001 vor den von vielen Algen produzierten natürlichen Giften sowie vor Verunreinigungen sogar mit Schwermetallen. Sie wiesen zudem darauf hin, dass die Einnahme solcher Mittel nach bisherigem Kenntnisstand unnötig ist.
Warum Verbraucher und Patienten bei der Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln durchaus Risiken gegen einen weitgehend unbekannten Nutzen aufrechnen sollten, hat der Krebsinformationsdienst unter dem entsprechenden Stichwort hier aufgelistet.
Von traditionellen europäischen oder auch asiatischen Heilmitteln sind in den letzten Jahren unerwartete Risiken bekannt geworden. Populär war vor einigen Jahren beispielsweise ein chinesisches Rheumamittel, das Extrakte einer asiatischen Aristolochia-Art enthielt, der Osterluzei. Auch ein Mittel zum Abnehmen enthielt solche Pflanzenauszüge.
Dabei war schon seit den 1980er Jahren bekannt, dass Substanzen aus diesen Pflanzenarten zu Nierenschäden führen können. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC, www.iarc.fr) wies 2002 darauf hin, dass auch ausreichende Daten für die krebserzeugende Wirkung beim Menschen vorliegen.
In Deutschland sind solche pflanzlichen Arzneimittel inzwischen einer strengen Prüfung unterworfen. Bei Importpräparaten, beispielsweise bei Mitteln der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), geht beispielsweise die Stiftung Warentest allerdings davon aus, dass viele vermeintlich harmlose Präparate nicht nur ungeprüfte pflanzliche Inhaltsstoffe, sondern auch unerlaubte und nicht deklarierte Inhaltsstoffe enthalten. Im Dezember 2007 warnt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor vier Präparaten, die in Großbritannien gefunden wurden. Vermutlich sind die mit Aristolochiasäure verunreinigten Medikamente aber auch in Deutschland erhältlich (www.bfarm.de, Pressemitteilung vom 21.12.2007).
Selbst so vergleichsweise sanfte Mittel wie Tees oder manche Duftöle zur Aromatherapie können bei unkritischer Verwendung ein Risiko bergen: Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnte bereits 2001 vor dem zu hohen Gehalt mancher Produkte an den Inhaltsstoffen Safrol, Methyleugenol und Estragol, die als "genotoxische Kanzerogene" anzusehen seien, so die Bundesbehörde (www.bfr.bund.de/cm/216/duftoele.pdf). Enthalten sein können diese Stoffe in Sassafrasöl, Kampfer, Lorbeeröl, Myrtenöl, Rosenöl, Fenchelöl und Muskatnüssen. Heute muss der Gehalt streng kontrolliert werden. Vor dem regelmäßigen Gebrauch von Tees, die diese Stoffe regelmäßig enthalten könnte, rät das Amt ab (www.bfr.bund.de/, Stichwort "Estragol" oder "Methyleugenol").
Insgesamt gilt: Die arzneiliche Wirkung von Pflanzen sollte niemand unterschätzen. Deshalb empfehlen Experten, Heilkräutertees, andere pflanzliche Zubereitungen oder sogar homöopathische Präparate grundsätzlich nicht ohne den Gedanken an mögliche Nebenwirkungen über längere Zeit zu verwenden. Die meisten Kräutertees, denen eine echte Heilwirkung zugeschrieben wird, sind deshalb auch keine Getränke für jeden Tag.
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