
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deFast alle Medikamente, die rezeptfrei erhältlich sind, standen irgendwann in dem Verdacht, Krebs zu verursachen. Dies traf zum Beispiel für Schmerz- und Abführmittel zu: Ihr Marktanteil unter den rezeptfreien Medikamenten ist hoch, und fast jeder hat sie irgendwann schon einmal genommen oder greift sogar regelmäßig danach.
Bei den Schmerzmitteln galt schon vor rund 20 Jahren vor allem die Substanz Phenacetin als kritisch: Sie schädigte die Nieren, was in der Folge auch zu Tumoren führen konnte. Phenacetin wird seit längerem nicht mehr eingesetzt. Es wurde durch Paracetamol abgelöst, dem aus Phenacetin im Körper entstehenden Wirkstoff. Von dieser Substanz ist - bei bestimmungsgemäßem Gebrauch - kein Krebsrisiko bekannt.
Unter den heute frei verkäuflichen Arzneimitteln ist Acetylsalicylsäure (ASS, "Aspirin") schon unter den verschiedensten Gesichtspunkten in der Diskussion gewesen. Die Substanz und ihre chemischen Verwandten greifen in einen sehr wichtigen Stoffwechselweg ein: Sie lindern nicht nur ausgezeichnet Schmerzen, sondern wirken auch gegen Entzündungen oder in der Blutgerinnung. Das macht sie zum Medikament, das heute wohl die vielfältigsten Einsatzmöglichkeiten hat, andererseits auch mit am besten untersucht ist.
Seit längerem mehren sich die Anzeichen, dass ASS und verwandte Stoffe sogar vor Krebs schützen könnten, vor allem vor Darmkrebs. Dies und die möglicherweise vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützende Wirkung hat dazu geführt, dass vor allem in den USA, aber auch in Europa viele Menschen täglich geringe Mengen an frei verkäuflichem ASS schlucken, ohne dass sie dies mit ihren Ärzten abgesprochen hätten.
Andererseits zeigte sich in neuen Studien für andere Tumorarten aber eine leichte Risikosteigerung - durchaus überraschend für viele Krebsforscher, die sich genau das Gegenteil erhofft hatten. Solange die Ursachen dafür nicht geklärt sind, sehen die Experten keinen Anlass zu einer unkritischen Empfehlung zur Einnahme von ASS.
Viel relevanter ist in der Praxis derzeit aber das Risiko von Blutungen, eventuell auch von Bluthochdruck und anderen schweren Nebenwirkungen bei der unkontrollierten Einnahme von ASS, verwandten Substanzen wie Diclofenac oder Ibuprofen oder auch von chemisch ähnlichen Rheumamitteln.
Daher empfahl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte im Sommer 2005 "Schmerz- bzw. Rheumamittel, seien sie verschreibungspflichtig oder nicht, sollten nur so lange verordnet und angewendet werden, wie das aus medizinischen Gründen notwendig ist." Der Schutz vor Krebs gehört noch nicht zu diesen anerkannten Gründen.
Die Packungsbeilagen aller diese Produkte enthalten in Deutschland schon bisher mehrere unterschiedliche Hinweise (Kontraindikation, Warnhinweise, mögliche Wechselwirkung, Nebenwirkungen), die zu beachten sind und die dann ihre Anwendung so sicher wie möglich machen. (www.bfarm.de/cln_042/nn_1095580/DE/
Pharmakovigilanz/risikoinfo/2005/schmerz-
rheumamittel-neubewertung.html__nnn=true). Alle so genannten "nicht Steroidalen Antirheumatika" (NSAR) werden von den europäischen Arzneimittelbehörden seitdem kritisch überwacht (www.bfarm.de/cln_042/nn_1111212/DE/
Pharmakovigilanz/risikoinfo/2006/nsaid-
bewert-kardiovask-2.html).
Wer Abführmittel über längere Zeit regelmäßig einnimmt, hat laut vieler Studien ein erhöhtes Krebsrisiko. Dabei ist es nicht ganz einfach, den tatsächlichen Einfluss der verschiedenen Mittel von dem eines ungesunden Lebensstils oder ungünstiger Ernährungsgewohnheiten zu trennen – sie stecken nicht selten hinter den Verdauungsstörungen, die zum Abführmittel greifen lassen. Zu wenig Ballaststoffe, zu wenig Gemüse und eventuell auch Obst, zu viel Fleisch und auch Fett, zu wenig Bewegung – all das führt zu Darmträgheit und ist an sich als Risikofaktor für Darmkrebs bekannt.
Mit zu häufigem Gebrauch von Abführmitteln insgesamt wird auch ein erhöhtes Risiko von Nieren-, Blasen- oder Harnleiterkrebs beobachtet, vor allem bei Frauen, die Abführmittel zum Abnehmen benutzt hatten.
Worin genau das Risiko bei Abführmitteln liegt, ist nicht gesichert: Bestimmte pflanzliche Wirkstoffe, die so genannten Anthrachinone, aus häufig zum Abführen genützten Pflanzen wie Aloe, Rhabarberwurzel, Sennes oder Faulbaumrinde waren allerdings als Krebs auslösend verdächtig. In Tierversuchen wurden die unterschiedlichen chemischen Einzelstoffe aus dieser Gruppe geprüft, so dass sich Aussagen zum Risiko durch die Pflanzenextrakte treffen ließen.
Entsprechende Mittel werden daher heute streng auf ihren Wirkstoffgehalt hin geprüft und sind auf keinen Fall zur dauernden Einnahme geeignet: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM, www.bfarm.de) schrieb bereits 1996 vor, dass diese Mittel höchstens ein bis zwei Wochen angewendet werden dürften und nicht für Schwangere, Stillende oder Kinder unter zehn Jahren geeignet seien.
Viele Hersteller weisen in ihren Fachinformationen auch darauf hin, dass die Mittel erst eingesetzt werden sollten, wenn durch eine Ernährungsumstellung oder quellende Abführmittel keine Wirkung erzielt werden konnte.
Diese quellenden Mittel sind heute Bestandteil vieler Abführmittel der "ersten Wahl": Sie regen die Darmtätigkeit durch die verstärkte Füllung an. Andere geprüfte Mittel verstärken die Bewegung des Dickdarms direkt oder hemmen den Entzug von Wasser aus dem Stuhl, was die Eindickung vermindert. Von ihnen geht nach bisherigem Kenntnisstand kein Krebsrisiko aus. Trotzdem sollten sich ohne Rücksprache mit dem Arzt nicht über längere Zeit oder in höheren Dosen angewendet werden.
Schmerzpatienten, auch Krebspatienten, die gegen Schmerzen behandelt werden, brauchen unter Umständen regelmäßig Abführmittel: Einige schmerzlindernde Substanzen wie etwa die Opioide wirken sich hemmend auf die Darmbewegungen aus. Hier sollte nicht auf Hausmittel gesetzt werden; der Arzt empfiehlt auch für den Dauergebrauch geeignete Mittel.
Hintergründe bietet auch der Krebsinformationsdienst auch in seinen Texten zur Schmerztherapie oder am Telefon, täglich unter 0800 - 420 30 40.
Wie am Beispiel Abführmittel abzulesen, liegt ein großes Risiko bei vielen Medikamenten möglicherweise auch in der missbräuchlichen Verwendung, zumindest aber im mangelnden Wissen über die richtige Anwendung. Um Patienten vor Missbrauch aus Unkenntnis zu schützen, sind zum Beispiel heute einige früher frei verkäufliche Mittel rezeptpflichtig geworden. Neue Medikamente werden meist erst nach einigen Jahren von der Rezeptpflicht befreit.