
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de Für viele Tumoren scheint es nach bisherigem Kenntnisstand keine sinnvolle Vorbeugung zu geben. Dennoch kann mit ein paar leicht zu umsetzenden Maßnahmen, das persönliche Krebsrisiko zumindest bis zu einem gewissen Maß beeinflusst werden: Der "Europäische Kodex gegen den Krebs" rät, nicht zu rauchen, Übergewicht zu meiden und sich viel zu bewegen, mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen, den Alkoholkonsum zu begrenzen und auf Sonnenschutz zu achten. Auch Vorsichtsmaßnahmen am Arbeitsplatz, der Früherkennung und den neu entwickelten Impfungen gegen Krebs auslösende Viren messen europäische wie amerikanische Experten große Bedeutung bei. Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel werden zur Krebsprävention dagegen nicht empfohlen. Überschätzt wird der Einfluss von Stress und psychischen Belastungen sowie die Rolle von Umweltfaktoren bei der Entstehung von Tumoren.
Wie der persönliche Lebensstil das Risiko beeinflusst, warum es keine Maßnahme gibt, die hundertprozentig vor Krebs schützt, und welche Fragen aus wissenschaftlicher Sicht noch offen sind, können Interessierte auf den folgenden Seiten lesen.
Ein Komitee hochrangiger Krebsexperten formulierte 1987 den ersten "Europäischen Kodex gegen Krebs": Diese Zusammenstellung sollte als praktikabler Leitfaden für gesundheitsbewusstes Verhalten im Alltag dienen; Auftraggeber war die Europäische Union. Die europäischen Empfehlungen decken sich weitgehend mit den Ratschlägen, die Experten auch in anderen Ländern wie zum Beispiel in den USA erarbeitet haben. Sie lassen sich zu einfachen Aussagen zusammenfassen:
Eine vollständige Übersicht über die Regeln des Europäischen Kodexes gegen den Krebs bietet der Krebsinformationsdienst in dem Text "Schutz vor Krebs" an. Zusätzlich zu den Regeln sind in diesem Text die wissenschaftlichen Hintergründe und das aktuelle gesetzliche Krebs-Früherkennungsprogramm in Deutschland aufgeführt.
Zu den verschiedenen Faktoren, die die Tumorentstehung beeinflussen können, gehört auch die Ernährung. Zumindest bei einigen Krebsarten scheinen ernährungsbedingte Aspekte eine Rolle zu spielen.
Nur darauf zu achten, w a s man isst, ist für eine erfolgreiche Krebsvorbeugung möglicherweise aber nicht ausreichend, auch das Wieviel beeinflusst das Risiko: Viele Untersuchungen haben in den letzten Jahren die Rolle des Körpergewichts aufgezeigt. Außer der Ernährung kommt dem Faktor Bewegung daher eine wachsende Bedeutung zu.
Durch Übergewicht, mangelnde Bewegung und eine Ernährungsweise mit zu wenig Obst und Gemüse steigt das Risiko für Krebsarten, die in Deutschland mit an der Spitze der Tumorstatistiken stehen, zum Beispiel Dick- und Enddarmkrebs oder Brustkrebs.
Mit Messer und Gabel oder Sport kann man allerdings nicht jeder Krebsform vorbeugen: Leukämien und Lymphome entstehen vermutlich unabhängig vom Lebensstil, hier ist die Studienlage aber nicht eindeutig. Hirntumoren oder auch Krebserkrankungen bei Kindern scheinen tatsächlich aber ganz unabhängig vom Lebensstil zu entstehen.
Aus den vielen hundert Studien zu Ernährungsgewohnheiten und zur optimalen Zusammensetzung von Lebensmitteln ziehen Wissenschaftler zurzeit vergleichsweise knappe Schlüsse:
Noch laufen viele Studien, aus deren Ergebnisse sich Experten langfristig ein differenzierteres Bild erhoffen. Ernährungsforschung gestaltet sich jedoch schwierig: Entsprechende Untersuchungen dauern oft Jahre oder sogar Jahrzehnte, und sie müssen mit großen Personengruppen arbeiten, um ein halbwegs aussagekräftiges Ergebnis zu erlauben.
Bisher ungeklärt ist beispielsweise die Rolle der Ballaststoffe: Europäische Ernährungswissenschaftler gehen laut der EPIC-Studie davon aus, dass diese vor Dickdarmkrebs schützen können. Amerikanische Forscher zögern dagegen noch mit einer Empfehlung zum Verzehr von mehr Ballaststoffen und warten auf weitere Daten. Die Effekte von Fisch und die Unterschiede zwischen rotem und weißem Fleisch müssen ebenfalls noch deutlicher herausgearbeitet werden.
Auch über geschlechtsspezifische Unterschiede oder das "richtige" Alter für bestimmte Präventionsmaßnahmen wird noch diskutiert. Bei Männern ist zum Beispiel der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Darmkrebsrisiko weit ausgeprägter als bei Frauen. Für Frauen gilt Übergewicht nach den Wechseljahren aber als deutlicher Risikofaktor für Brustkrebs. Unklar ist dagegen, ob es bei jungen Frauen nicht sogar eine Phase gibt, in der ein paar Pfunde zuviel eher schützend wirken. Eine ausführliche Darstellung der aktuellen Empfehlungen zur Krebsvorbeugung durch Ernährung und der wissenschaftlichen Begründungen hat der Krebsinformationsdienst in dem Text: "Ernährung in der Krebsvorbeugung" zusammengestellt.
In der Vorbeugung von Krebserkrankungen spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Was Gesunden hilft, gesund zu bleiben, nutzt möglicherweise auch dem Allgemeinzustand von Krebspatienten – bestehende Tumorerkrankungen können durch gesunde Ernährung allein jedoch nicht beeinflusst oder gar geheilt werden.
Manche Empfehlungen versprechen daher mehr, als sie halten können: Keine der oft in Zeitschriften oder Ratgebern propagierten "Krebsdiäten" hat eine nachgewiesene therapeutische oder heilende Wirkung. Wo der Körper durch Ernährung "entschlackt", "entsäuert" oder "entgiftet" werden soll, ist höchste Vorsicht geboten.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM, www.dgem.de) weist darauf hin, dass Tumorpatienten eine auf ihre ganz persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Ernährungsberatung benötigen – von Pauschalrezepten raten die Experten ab. Ob eine Mangelernährung vorliegt, ob eine Unterstützung notwendig ist und wie sie aussehen sollte, ist, ohne die Analyse des genauen Ernährungszustands kaum zu beantworten. Dabei wird unter anderem berücksichtigt, ob ein Problem mit der Nahrungsaufnahme nur vorübergehend besteht, zum Beispiel während einer anstrengenden Behandlung, oder ob die Nahrungsaufnahme auf Dauer eingeschränkt ist. Auch der voraussichtliche Verlauf der Erkrankung spielt bei der Planung einer unterstützten Ernährung eine Rolle.
Welche Ernährungsempfehlungen für Krebspatienten existieren, hat der Krebsinformationsdienst in dem Text: "Ernährung für Krebspatienten" zusammen gestellt.
Vitamine und Mineralstoffe gehören zu den meist verkauften Gesundheitsprodukten in Deutschland: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE (www.dge.de) beklagt, dass viele Verbraucher statt auf gesunde Ernährung lieber auf Pillen setzen. Nicht wenige Menschen, die sich tatsächlich ausgewogen ernähren, befürchten trotzdem, ohne zusätzliche Vitamine oder Mineralstoffe nicht auszukommen. Besonders verbreitet ist diese Meinung bei Krebspatienten, die deshalb gerne zusätzlich zu Vitaminpräparaten greifen.
Immer mehr Experten sehen die Rolle von isolierten Vitaminen und Mineralstoffen allerdings sehr kritisch: An eine Krebs vorbeugende oder gar heilende Wirkung glauben angesichts der Forschungsergebnisse der letzten Jahre nur noch die wenigsten. Vitamine und Mineralstoffe sind zudem keineswegs die harmlosen Nahrungsergänzungsmittel oder gar das gesunde Extra, als das sie oft beworben werden: Aktuelle wissenschaftliche Analysen zeigen, dass durchaus negative Effekte auftreten können. Wissenschaftler des Nationalen Krebsforschungsinstituts der USA (www.cancer.gov) veröffentlichten im Mai 2007 eine Studie zu den Auswirkungen von Multivitaminpräparaten auf das Risiko von Prostatakrebs: Bei Männern, die diese in hohen Dosen eingenommen hatten, trat Prostatakrebs nicht seltener als bei Männern, die keine Vitaminpräparate verwendeten. Darüber hinaus waren die Tumoren in der Vitamingruppe bei Diagnosestellung schon wesentlich weiter fortgeschritten, als in der Gruppe ohne Vitamine. Viele Männer, die auf Multivitaminpräparate vertraut hatten, hatten bereits Metastasen oder Tumoren, die sich über die Prostata hinweg ins Gewebe ausgedehnt hatten. Bereits im Februar 2007 war eine große Meta-Analyse von insgesamt 68 Einzelstudien veröffentlicht worden: Die Autoren konnten keinen der erhofften günstigen Effekte von Vitaminen nachweisen. Im Gegenteil: Unter den Studienteilnehmern, die Vitamin A und E oder Beta-Carotin einnahmen, war die Sterblichkeit sogar höher, als in der Gruppe, die keine Vitamin-Supplemente zur Nahrungsergänzung verwendete.
Gesunden wie auch Krebspatienten ist zudem nicht bewusst, dass die
meisten Vitamine und vergleichbare angeblich gesundheitsfördernde
Produkte gar keine Arzneimittel sind. Sie sind vielmehr als so genannte
Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt und gelten nach dem Gesetz als
schlichte Lebensmittel: Solche Supplemente unterliegen damit dem
Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) und nicht dem
Arzneimittelgesetz. Um sie deutlich von Arzneimitteln zu unterscheiden,
sind krankheitsbezogene Aussagen ausdrücklich verboten.
In den
Ernährungsempfehlungen von Experten spielen Nahrungsergänzungsmittel
dementsprechend auch keine Rolle – weder bei der Behandlung von
Krebspatienten noch in der Krebsvorbeugung bei Gesunden.
Nicht ausreichend dokumentiert ist dagegen bisher der Effekt, den
körperliches Training auf den Verlauf bereits bestehender Erkrankungen
hat. Ob Sport vor Rückfällen schützt oder Metastasen verhindert, wird
noch in Studien erforscht.
Bewegung und Sport spielen trotzdem auch für
bereits Erkrankte
eine wichtige Rolle: Mögliche Krankheits- und Behandlungsfolgen wie
etwa eine eingeschränkte Beweglichkeit können durch gezielte Übungen
und Krankengymnastik vermindert oder ganz vermieden werden. Selbst bei
schwer kranken Patienten mit einer sehr anstrengenden Therapie kann
durch ein vorsichtiges Bewegungsprogramm Komplikationen vorgebeugt
werden und der Krankenhausaufenthalt verkürzt werden: Das zeigen
beispielsweise Studien mit Patienten nach Hochdosistherapie und
Stammzelltransplantation.
Angepasstes Bewegungstraining verbessert
Erschöpfungszustände, das so genannte Fatigue-Syndrom,
unter denen viele Patienten noch lange nach der Therapie leiden.
Schließlich gibt es viele Untersuchungen, die den positiven Einfluss
von Bewegung auf die psychische Situation von Krebspatienten belegen.
Ein
Beispiel ist Brustkrebs: Beim so genannte St. Gallener
Konsensus-Treffen, bei dem in regelmäßigen Abständen Experten über die
begleitende Behandlung dieser Tumorart diskutieren, standen Sport und
Bewegung 2007 deshalb mit auf der Liste der empfehlenswerten Maßnahmen.
Die bei der Tagung anwesenden Fachleute waren davon überzeugt, dass
körperliche Aktivität die Folgen des medikamentösen Hormonentzugs
mildert: Dieser trägt zwar bei vielen Frauen dazu bei, das
Rückfallrisiko zu senken, zieht aber oft sehr belastende
Wechseljahresbeschwerden nach sich. Für Krebspatienten gibt es heute
viele genau auf sie zugeschnittene Sport- und Bewegungsangebote.
Ansprechpartner sind beispielsweise die Landessportbünde.