Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Lebensstil und Krebsrisiko:

Ernährung, Vitamine, Nahrungsergänzungsmittel und Sport

Für viele Tumoren scheint es nach bisherigem Kenntnisstand keine sinnvolle Vorbeugung zu geben. Dennoch kann mit ein paar leicht zu umsetzenden Maßnahmen, das persönliche Krebsrisiko zumindest bis zu einem gewissen Maß beeinflusst werden: Der "Europäische Kodex gegen den Krebs" rät, nicht zu rauchen, Übergewicht zu meiden und sich viel zu bewegen, den Alkoholkonsum zu begrenzen und auf Sonnenschutz zu achten. Auch Vorsichtsmaßnahmen am Arbeitsplatz, der Früherkennung und den neu entwickelten Impfungen gegen Krebs auslösende Viren messen europäische wie amerikanische Experten große Bedeutung bei. Die Rolle der Lebensmittelauswahl wurde, so aktuelle Erkenntnisse, möglicherweise lange überschätzt. Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel werden zur Krebsprävention gar nicht empfohlen. Ebenfalls überschätzt wird der Einfluss von Stress und  psychischen Belastungen sowie die Rolle von Umweltfaktoren bei der Entstehung von Tumoren.
Wie der persönliche Lebensstil das Risiko beeinflusst, warum es keine Maßnahme gibt, die hundertprozentig vor Krebs schützt, und welche Fragen aus wissenschaftlicher Sicht noch offen sind, können Interessierte auf den folgenden Seiten lesen. 

Schutz vor Krebs: Was empfehlen die Experten?

Ein Komitee hochrangiger Krebsexperten formulierte 1987 den ersten "Europäischen Kodex gegen Krebs": Diese Zusammenstellung sollte als praktikabler Leitfaden für gesundheitsbewusstes Verhalten im Alltag dienen; Auftraggeber war die Europäische Union. Die europäischen Empfehlungen decken sich weitgehend mit den Ratschlägen, die Experten auch in anderen Ländern wie zum Beispiel in den USA erarbeitet haben.  Die letzte Fassung stammt allerdings von 2003 (www.cancercode.org):

  • Rauchen Sie nicht
  • Vermeiden Sie Übergewicht
  • Bewegen Sie sich mehr
  • Essen Sie mehr Obst und Gemüse, weniger Fett und rotes Fleisch
  • Trinken Sie weniger und nicht täglich Alkohol
  • Vermeiden Sie zu intensive Sonnenbestrahlung
  • Achten Sie auf Risiken am Arbeitsplatz und halten Sie Sicherheitsvorschriften ein
  • Nehmen Sie Angebote zu Früherkennungsuntersuchungen war. Dies betrifft Gebärmutterhalskrebs, Brustkrebs, Dickdarmkrebs
  • Nehmen Sie Impfangebote war, die zur Krebsprävention beitragen

Vorbeugen durch Ernährung?

Der Europäische Kodex gegen den Krebs ist allerdings bereits mehrere Jahre alt. In der Zwischenzeit hat sich vor allem im Bereich der Ernährungsforschung viel getan.  Viele Untersuchungen haben in den letzten Jahren gezeigt, dass die Lebensmittelauswahl das Krebsrisiko wohl weniger beeinflusst als lange erhofft. Eher scheint bei einigen Tumorarten die Energiebilanz eine Rolle zu spielen. Außer dem Körpergewicht kommt dem Faktor Bewegung daher eine wachsende Bedeutung zu.
Es gibt jedoch, auch dies haben die aktuellen Forschungen gezeigt, viele Tumorarten, die sich durch Ernährung und Bewegung gar nicht beeinflussen lassen.

Viele Fragen offen

Noch laufen viele Studien, aus deren Ergebnisse sich Experten langfristig ein  differenzierteres Bild erhoffen. Ernährungsforschung gestaltet sich jedoch schwierig: Entsprechende Untersuchungen dauern oft Jahre oder sogar Jahrzehnte, und sie müssen mit großen Personengruppen arbeiten, um ein halbwegs aussagekräftiges Ergebnis zu erlauben. 

Die Rolle von Obst und Gemüse ist möglicherweise überschätzt worden, auch wenn die Empfehlung zu einer Lebensmittelauswahl mit viel pflanzlicher Nahrung weiter bestehen bleibt. Sie liefert weniger Kalorien als die meisten anderen Lebensmittel, und man vermeidet damit meist auch Zubereitungsformen, bei denen krebsauslösende Schadstoffe entstehen. Für die allgemeine Gesunderhaltung oder das Herz-Kreislauf-Risiko spielen Obst und Gemüse ebenfalls eine wichtige Rolle.

Lange unklar war auch die Rolle der Ballaststoffe: Ernährungswissenschaftler gehen laut der europäischen EPIC-Studie heute aber davon aus, dass diese vor  Dickdarmkrebs schützen.  Zur genauen Rolle von Fisch, rotem oder weißem Fleisch oder von Milchprodukten fehlen noch abschließende Aussagen.

Auch über geschlechtsspezifische Unterschiede oder das "richtige" Alter für bestimmte Präventionsmaßnahmen wird noch diskutiert. Bei Männern ist zum Beispiel der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Darmkrebsrisiko weit ausgeprägter als bei Frauen. Für Frauen gilt Übergewicht nach den Wechseljahren aber als deutlicher Risikofaktor für Brustkrebs. Unklar ist dagegen, ob es bei jungen Frauen nicht sogar eine Phase gibt, in der ein paar Pfunde zuviel eher schützend wirken. Eine ausführliche Darstellung der aktuellen Empfehlungen zur Krebsvorbeugung durch Ernährung und der wissenschaftlichen Begründungen hat der Krebsinformationsdienst in dem Text: "Ernährung in der Krebsvorbeugung" zusammengestellt.

Lässt sich eine bestehende Krebserkrankung durch Ernährung beeinflussen?

Vorsicht vor Krebsdiäten!
Krebsdiäten haben keine nachweisbare therapeutische oder heilende Wirkung.

In der Vorbeugung von Krebserkrankungen spielt die Ernährung eine wichtige Rolle. Was Gesunden hilft, gesund zu bleiben, nutzt möglicherweise auch dem Allgemeinzustand von Krebspatienten – bestehende Tumorerkrankungen können durch gesunde Ernährung allein jedoch nicht beeinflusst oder gar geheilt werden.

Manche Empfehlungen versprechen daher mehr, als sie halten können: Keine der oft in Zeitschriften oder Ratgebern propagierten "Krebsdiäten" hat eine nachgewiesene therapeutische oder heilende Wirkung. Wo der Körper durch Ernährung "entschlackt", "entsäuert" oder "entgiftet" werden soll, ist höchste Vorsicht geboten.

Für viele Krebspatienten wäre eine Diät auch deshalb hoch riskant, weil ihre Krankheit zu Gewichtsverlust führt. Bei einigen Tumorarten beginnt sich dagegen sogar abzuzeichnen, dass Übergewicht das Rückfallrisiko steigert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM, www.dgem.de) weist darauf hin, dass Tumorpatienten eine auf ihre ganz persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Ernährungsberatung benötigen – von Pauschalrezepten raten die Experten ab.

Ob eine Mangelernährung vorliegt, ob eine Unterstützung notwendig ist und wie sie aussehen sollte, ist, ohne die Analyse des genauen Ernährungszustands kaum zu beantworten. Dabei wird unter anderem berücksichtigt, ob ein Problem mit der Nahrungsaufnahme nur vorübergehend besteht, zum Beispiel während einer anstrengenden Behandlung, oder ob die Nahrungsaufnahme auf Dauer eingeschränkt ist. Auch der voraussichtliche Verlauf der Erkrankung spielt bei der Planung einer unterstützten Ernährung eine Rolle.

Welche Ernährungsempfehlungen für Krebspatienten existieren, hat der Krebsinformationsdienst in dem Text: "Ernährung für Krebspatienten" zusammen gestellt.

Vitamine, Nahrungsergänzungsmittel: Mängel ausgleichen?

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Vitamine und Mineralstoffe gehören zu den meist verkauften Gesundheitsprodukten in Deutschland:  Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE (www.dge.de) beklagt, dass viele Verbraucher statt auf gesunde Ernährung lieber auf Pillen setzen. Nicht wenige Menschen, die sich tatsächlich ausgewogen ernähren, befürchten trotzdem, ohne zusätzliche Vitamine oder Mineralstoffe nicht auszukommen. Besonders verbreitet ist diese Meinung bei Krebspatienten, die deshalb gerne zusätzlich zu Vitaminpräparaten greifen.

Immer mehr Experten sehen die Rolle von isolierten Vitaminen und Mineralstoffen allerdings sehr kritisch: An eine Krebs vorbeugende oder gar heilende Wirkung glauben angesichts der Forschungsergebnisse der letzten Jahre nur noch die wenigsten. Vitamine und Mineralstoffe sind zudem keineswegs die harmlosen Nahrungsergänzungsmittel oder gar das gesunde Extra, als das sie oft beworben werden: Aktuelle wissenschaftliche Analysen zeigen, dass durchaus negative Effekte auftreten können. Wissenschaftler des Nationalen Krebsforschungsinstituts der USA (www.cancer.gov) veröffentlichten im Mai 2007 eine Studie zu den Auswirkungen von Multivitaminpräparaten auf das Risiko von Prostatakrebs: Bei Männern, die diese in hohen Dosen eingenommen hatten, trat Prostatakrebs nicht seltener als bei Männern, die keine Vitaminpräparate verwendeten. Darüber hinaus waren die Tumoren in der Vitamingruppe bei Diagnosestellung schon wesentlich weiter fortgeschritten, als in der Gruppe ohne Vitamine. Viele Männer, die auf Multivitaminpräparate vertraut hatten, hatten bereits Metastasen oder Tumoren, die sich über die Prostata hinweg ins Gewebe ausgedehnt hatten. Bereits im Februar 2007 war eine große Meta-Analyse von insgesamt 68 Einzelstudien veröffentlicht worden: Die Autoren konnten keinen der erhofften günstigen Effekte von Vitaminen nachweisen. Im Gegenteil: Unter den Studienteilnehmern, die Vitamin A und E oder Beta-Carotin einnahmen, war die Sterblichkeit sogar höher, als in der Gruppe, die keine Vitamin-Supplemente zur Nahrungsergänzung verwendete.

Nahrungsergänzungsmittel – keine Hilfe für Patienten

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Gesunden wie auch Krebspatienten ist zudem nicht bewusst, dass die meisten Vitamine und vergleichbare angeblich gesundheitsfördernde Produkte gar keine Arzneimittel sind. Sie sind vielmehr als so genannte Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt und gelten nach dem Gesetz als schlichte Lebensmittel: Solche Supplemente unterliegen damit dem Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) und nicht dem Arzneimittelgesetz. Um sie deutlich von Arzneimitteln zu unterscheiden, sind krankheitsbezogene Aussagen ausdrücklich verboten.  

In den Ernährungsempfehlungen von Experten spielen Nahrungsergänzungsmittel dementsprechend auch keine Rolle – weder bei der Behandlung von Krebspatienten noch in der Krebsvorbeugung bei Gesunden.

Sport: In Bewegung bleiben?

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Bewegung gilt heute als wichtiger Faktor in der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Problemen, sie schützt vor Knochen- und Muskelabbau, Diabetes und vielen weiteren Erkrankungen.
Menschen, die sich viel bewegen, erkranken statistisch gesehen aber auch seltener als die Durchschnittsbevölkerung an Dick- und Enddarmkrebs oder Brustkrebs; bei weiteren Tumorarten besteht ebenfalls ein Zusammenhang, wenn auch weniger ausgeprägt.

Was genau an Sport so gesund ist, ist noch nicht eindeutig identifiziert. Lange wurde vermutet, dass eine günstige Beeinflussung des Immunsystems eine Rolle spielen könnte. Heute gehen Experten davon aus, dass eventuell auch hormonelle Funktionen beeinflusst werden und sich alles in allem Sport am stärksten über seine Wirkung auf das Körpergewicht günstig auswirkt. Damit gibt es, was die  Krebsvorbeugung angeht, eine enge Verknüpfung von Bewegung und Ernährung.
Einmal am Tag eine halbe Stunde Bewegung sollte es mindestens sein, so die Experten, mehr ist, so die Ergebnisse neuerer Studien, noch besser. Dabei machen die Fachleute keinen Unterschied zwischen anstrengenden Alltagsaktivitäten, körperlicher Arbeit und Sport.

Sport mindert Einschränkungen

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Nicht ausreichend dokumentiert ist dagegen bisher der Effekt, den körperliches Training auf den Verlauf bereits bestehender Erkrankungen hat. Ob Sport vor Rückfällen schützt oder Metastasen verhindert, wird noch in Studien erforscht.

Bewegung und Sport spielen trotzdem auch für bereits Erkrankte eine wichtige Rolle: Mögliche Krankheits- und Behandlungsfolgen wie etwa eine eingeschränkte Beweglichkeit können durch gezielte Übungen und Krankengymnastik vermindert oder ganz vermieden werden. Selbst bei schwer kranken Patienten mit einer sehr anstrengenden Therapie kann durch ein vorsichtiges Bewegungsprogramm Komplikationen vorgebeugt werden und der Krankenhausaufenthalt verkürzt werden: Das zeigen beispielsweise Studien mit Patienten nach Hochdosistherapie und Stammzelltransplantation.

Angepasstes Bewegungstraining verbessert Erschöpfungszustände, das so genannte Fatigue-Syndrom, unter denen viele Patienten noch lange nach der Therapie leiden. Schließlich gibt es viele Untersuchungen, die den positiven Einfluss von Bewegung auf die psychische Situation von Krebspatienten belegen. Ein Beispiel ist Brustkrebs: Beim so genannte St. Gallener Konsensus-Treffen, bei dem in regelmäßigen Abständen Experten über die begleitende Behandlung dieser Tumorart diskutieren, standen Sport und Bewegung 2007 deshalb mit auf der Liste der empfehlenswerten Maßnahmen. Die bei der Tagung anwesenden Fachleute waren davon überzeugt, dass körperliche Aktivität die Folgen des medikamentösen Hormonentzugs mildert: Dieser trägt zwar bei vielen Frauen dazu bei, das Rückfallrisiko zu senken, zieht aber oft sehr belastende Wechseljahresbeschwerden nach sich. Für Krebspatienten gibt es heute viele genau auf sie zugeschnittene Sport- und Bewegungsangebote. Ansprechpartner sind beispielsweise die Landessportbünde.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 28.05.2010