
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de
Einige der meist harmlosen Warzenviren, den humanen Papillomviren (HPV), können unter bestimmten Bedingungen Krebs verursachen. Die meisten Erwachsenen, Männer wie Frauen, sind vermutlich schon mit HPV in Kontakt gekommen. In Studien zeigte sich, dass sich das Virus bei etwa der Hälfte aller sexuell aktiven jungen Frauen und ebenso bei der Hälfte der Männer nachweisen ließ. Angst muss man vor den Viren trotzdem nicht haben: In der Regel siegt das Immunsystem über die Fremdlinge - die Infektion verschwindet unbemerkt ohne Behandlung wieder. Nur bei wenigen Frauen führt die Infektion zu Gebärmutterhalskrebs, der häufigsten durch HPV hervorgerufenen Tumorerkrankung, und noch viel seltener zu weiteren Tumorerkrankungen. Seit einigen Jahren existiert eine Impfung, die vor den wichtigsten krebsauslösenden Virustypen schützen kann.
Der folgende Text vermittelt Interessierten einen Überblick über Biologie und Risiken von HP-Viren. Das zweite Kapitel führt auf, an welchen Krebsarten Papillomviren beteiligt sind und welchen Stellenwert der HPV-Test hat. Diesem Text hat der Krebsinformationsdienst auch eine Auswahl der genutzten Quellen sowie Links zu Fachinformationen beigefügt. Außerdem sind Quellen und Links zu weiterführenden Informationen im Text verlinkt, die sich zum Teil an Fachkreise richten. Informationen aus dem Internet können eine persönliche Beratung durch den Arzt nicht ersetzen.
Weiter: "Sind die Warzenviren gefährlich?"
Nächster Text: "Bei welchen Krebsarten ist HPV beteiligt?"
Quellen und Links zu Fachinformationen zum Thema HPV
Zum Weiterlesen: "HPV-Impfung: Schutz vor Gebärmutterhalskrebs?"
Humane Papillomviren, abgekürzt als HPV, sind Erreger, die Zellen der Haut- und/oder der Schleimhaut infizieren. Meistens verursachen sie keine Symptome. Einige der bislang über 100 bekannten HPV-Typen sind für die Entstehung von gewöhnlichen Hautwarzen (Papillome) verantwortlich, zum Beispiel in Gesicht, an Händen und Füßen. Zirka 40 HPV-Typen befallen indes vorrangig Geschlechtsteile und After. Sie werden als genitale HPV-Typen bezeichnet. Je nach Virustyp kann eine Infektion mit diesen hauptsächlich sexuell übertragbaren Erregern zu harmlosen Genitalwarzen oder zu auffälligen Gewebeveränderungen an Gebärmutterhals, Vulva, Penis oder After führen. Nur selten entsteht daraus über viele Zwischenstufen ein bösartiger Tumor. Die häufigste durch HPV hervorgerufene Krebserkrankung ist Gebärmutterhalskrebs.
Die Antwort auf diese Frage lautet eindeutig: Nein. Schätzungsweise 75 bis 80 von 100 sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit humanen Papillomviren (HPV), möglicherweise liegt die Infektionsrate sogar noch höher. Dennoch hat eine Infektion in der Regel kaum Auswirkungen auf die Gesundheit. Nur vereinzelt ist das Risiko erhöht, an Krebs zu erkranken. Meistens ist das Immunsystem in der Lage, die Virusinfektion erfolgreich zu bekämpfen. Das Krebsrisiko durch eine HPV-Infektion ist nur dann erhöht,
Selbst wenn alle diese Faktoren vorliegen, erkranken nur die wenigsten Betroffenen tatsächlich an Krebs. Am meisten weiß man heute über die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs: Statistischen Erhebungen zufolge kommt es bei 80 von 100 HPV-infizierten Frauen nach rund einem Jahr zu einer Spontanheilung der Infektion. Bei nur 20 von 100 HPV-infizierten Frauen hält die Infektion länger an. Von diesen entwickeln wiederum lediglich fünf bis zehn Betroffene auffällige Gewebeveränderungen. Weniger als eine von hundert Frauen, die mit einem Hochrisikotyp infiziert sind, erkrankt im Durchschnitt nach etwa 15 Jahren (seit Zeitpunkt der Infektion) an Gebärmutterhalskrebs. Männer erkranken noch wesentlich seltener, beispielsweise an einer Tumorerkrankung von Penis oder After. Allerdings liegen dazu weniger Daten vor als zu Gebärmutterhalskrebs.
Seit einiger Zeit wird außerdem deutlich, dass die Hochrisikotypen, vor allem der Virustyp 16, auch an der Entstehung von Kopf-Hals-Tumoren beteiligt sein können, also beispielsweise von Krebs in Mund und Rachen.
Die Übertragung der genitalen humanen Papillomviren erfolgt
hauptsächlich über sexuelle Kontakte wie Geschlechtsverkehr einschließlich Analverkehr. Die Erreger befinden sich in
abgeschilferten Hautzellen und gelangen nach dem derzeitigen
Kenntnisstand durch kleinste Verletzungen der Haut oder Schleimhaut in
den Körper. Die Ansteckung erfolgt in der Regel über Haut- oder
Schleimhautkontakte, beispielsweise über Vagina, After, Schamlippen
oder Penis. Eine Infektion über Blut, Muttermilch oder Speichel (etwa
beim Küssen) ist bis heute nicht sicher belegt. Die
Infektion der Mundschleimhaut durch direkten Kontakt mit betroffenen
Stellen im Genitalbereich bei Oralverkehr ist allerdings nicht ausgeschlossen: Fachleute testen seit einigen Jahren Menschen mit Kopf-Hals-Tumoren auf Papillomviren und stellten fest, dass der Test auf Hochrisiko-HPV bei immer mehr Betroffenen positiv ausfällt.
Nur in
Ausnahmefällen kann eine infizierte Mutter während der Geburt die Viren
auf ihr Neugeborenes übertragen. Es ist auch nicht völlig ausgeschlossen,
dass das Kind infolge der Virusinfektion Genitalwarzen (Kondylome) oder
eine Kehlkopfpapillomatose (Larynxpapillomatose) entwickelt, die durch das Auftreten von
gutartigen Tumoren in den Atemwegen gekennzeichnet ist.
Bislang ist nicht eindeutig geklärt, ob HPV auch auf nicht-sexuellem Weg übertragbar ist, zum Beispiel durch verunreinigte Gegenstände, wie Toiletten, Handtücher oder Seife. Zwar scheint eine Übertragung durch Berührung der betroffenen Stellen nicht ausgeschlossen zu sein: So traten einige unerklärbare Fälle von HPV-Infektionen im Geschlechtsbereich auf, bei denen sexuelle Kontakte der Betroffenen als Ursache ausgeschlossen werden konnten. Allerdings ist das Risiko, sich auf diesem Weg mit krebsauslösenden HPV anzustecken, äußerst gering. Hinzu kommt, dass HPV-Typen meist auf eine bestimmte Körperregion begrenzt sind: Solche Typen, die zu Hand- und Fußwarzen führen und durch Berührung weitergegeben werden, führen nicht zu Warzen im Geschlechtsbereich, und umgekehrt. Die seltene Ausnahme sind Warzen im Genitalbereich von Kleinkindern, für deren Entstehung "nicht-genitale" HPV-Typen verantwortlich sind.
In Deutschland stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung, die vor Infektionen mit humanen Papillomviren und damit verbundenen Folgeerkrankungen schützen können. Die Handelsnamen der beiden verfügbaren Impfstoffe lauten Gardasil® und Cervarix®. Beide Impfstoffe wirken rein vorbeugend (prophylaktisch). Ist die Infektion bereits erfolgt oder sind schon Krankheitszeichen aufgetreten, nützt die Impfung nach bisherigem Kenntnisstand nichts.Ausführliche Informationen zur HPV-Impfung bietet der Text: "HPV-Impfung: Schutz vor Gebärmutterhalskrebs?".
Die meisten Infektionen heilen folgenlos und von alleine aus, so der bisherige Kenntnisstand. Bei einer nicht von allein abklingenden Infektion ist bisher allerdings auch keine ursächliche Behandlung möglich, es gibt kein Medikament, mit dem die Viren beseitigt werden können. Eine Behandlung ist erst angezeigt, wenn sich Anzeichen von Zellveränderungen zeigen, beispielsweise Genitalwarzen und Gebärmutterhalskrebs sowie dessen Vorstufen. Die Entfernung des veränderten Gewebes reicht oft aus, wie das Beispiel von Zellveränderungen am Gebärmutterhals zeigt: So ist bereits wenige Monate nach einer Konisation, bei der alles veränderte Gewebe erfolgreich entfernt wurde, bei den meisten Frauen keine HPV-Infektion mehr nachzuweisen.
Auch die bereits zur Verfügung stehenden Impfstoffe tragen nicht dazu bei, eine bereits bestehende Infektion sicher zu bekämpfen. Therapeutische Impfstoffe befinden sich aber in der klinischen Erprobung. Wann sie für die Praxis zur Verfügung stehen werden, ist noch nicht absehbar.
Lange wurde eine Infektion mit humanen Papillomviren überwiegend als Problem von Frauen wahrgenommen, da sie häufiger als Männer Krankheitssymptome entwickeln. 2011 wurden die Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, nach der jedoch etwa jeder zweite Mann mit HPV infiziert ist. In den meisten Fällen verläuft eine HPV-Infektion völlig beschwerdefrei und hat keinerlei gesundheitliche Konsequenzen für den Betroffenen. Selbst wenn sich das Virus dauerhaft im Körper einnisten sollte, bemerken dies die meisten Menschen - Männer wie Frauen - in der Regel nicht. Theoretisch kann sich jeder Mensch bereits beim "ersten Mal" mit einer infizierten Person anstecken. Bevor es, wenn überhaupt, zu einer virusbedingten Veränderung des Gewebes kommt, etwa zu einem auffälligen Abstrich von Zellen des Gebärmutterhalses bei Frauen, vergehen Jahre. Weist eine Frau eine genitale HPV-Infektion auf, so ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch ihr Partner infiziert, auch wenn er keine Symptome hat: Wer wen angesteckt hat und zuerst mit den Viren in Kontakt kam, bleibt meistens offen.
Wurde in einer festen Beziehung das Virus bei einem der Partner entdeckt, so sind aller Wahrscheinlichkeit nach beide Partner mit HPV infiziert. Dennoch besteht in der Regel kein Grund zur Sorge, da das Immunsystem die Infektion erfahrungsgemäß in Schach hält.
Bisher ist nicht ausreichend untersucht, ob sich beide Partner immer wieder erneut gegenseitig anstecken ("Ping-Pong"-Effekt), und welche Konsequenzen dies für den Verlauf der Infektion und mögliche Folgeerkrankungen hat.
Allerdings scheint konsequenter Kondomgebrauch dazu beizutragen, dass sich virusbedingte Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals besser von alleine zurückbilden, als bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Wissenschaftler führen dies darauf zurück, dass die Partnerin so vor wiederholtem Kontakt mit den Viren durch den infizierten Partner geschützt ist.
Vor allem der frühe Beginn der sexuellen Aktivität, ungeschützter Geschlechtsverkehr und häufiger Partnerwechsel erhöhen rein statistisch die Wahrscheinlichkeit einer HPV-Infektion, ohne dass die Zusammenhänge in allen Details bekannt sind. Welche weiteren Faktoren tragen dazu bei, dass es infolge dieser Infektion zu Tumoren kommt?
Die meisten Daten liegen bisher für Frauen und die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs vor:
Ob und welche dieser Daten sich auf die Entstehung anderer Tumorarten übertragen lassen, bei denen HPV eine Rolle spielt, ist noch weitgehend offen.
Ob eine bestimmte Ernährungsweise die Entwicklung von bösartigen Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals fördert, ist noch offen.
Vor allem junge Menschen sind von einer HPV-Infektion betroffen, da diese in der Regel sexuell aktiver sind.
Bei jungen Frauen scheint die Schleimhaut im Genitalbereich anfälliger für den Eintritt der Viren in den Körper zu sein als bei älteren. So ist beispielsweise fast die Hälfte aller jungen Frauen, die nach ihrem ersten sexuellen Kontakt über einen längeren Zeitraum regelmäßig untersucht werden, mit HPV infiziert. Das Infektionsrisiko nimmt mit dem Alter aber deutlich ab. Nur bei zwei bis acht von 100 Frauen über 30 Jahren lässt sich eine HPV-Infektion nachweisen: Die meisten haben eine HPV-Infektion bereits überwunden. Zudem leben viele Frauen in diesem Lebensabschnitt in einer festen Beziehung, wodurch die Gefahr einer erneuten Infektion verringert ist. Dennoch können auch sie sich mit high-risk HPV-Typen infizieren und bei anhaltender Infektion auffällige Zellveränderungen am Gebärmutterhals entwickeln. Tatsächlich werden länger anhaltende HPV-Infektionen bei Frauen ab 30 Jahren sogar häufiger nachgewiesen als bei jüngeren Frauen. Die Wissenschaftler vermuten hierfür verschiedene Gründe: Zum einen scheint die Immunabwehr mit zunehmendem Alter schwächer zu werden. Eine Virusinfektion ist dann weniger leicht zu bekämpfen. Möglich ist aber auch, dass eine bei einer über 30-jährigen Frau nachgewiesene persistierende HPV-Infektion schon seit mehreren Jahren besteht. Die Frau könnte sich also bereits als junges Mädchen mit HPV angesteckt haben und die Viren seither im Körper tragen.
Zu HPV-Infektionen bei Männern gibt es bisher weniger Untersuchungen als zu Infektionen bei Frauen. Männer spüren meist nichts, und auch Folgeerkrankungen sind bei ihnen sehr viel seltener als bei Frauen. Eine 2011 veröffentlichte Studie zeigt, dass trotzdem etwa jeder zweite Mann mit HPV infiziert zu sein scheint, sowohl mit krebserregenden Untertypen, als auch mit Papillomviren, die nicht im Verdacht stehen, Krebs auszulösen. Diese sogenannte HIM-Studie (vom englischen "HPV in men", HPV bei Männern) wurde von 2005 bis 2009 in den USA, Mexiko und Brasilien durchgeführt. Insgesamt 1.159 Männer zwischen 18 und 70 Jahren ließen sich wiederholt auf eine HPV-Infektion untersuchen. Krebserregende Varianten fanden die Forscher bei 345 der 1.159 Männer. Das entspricht fast 30 Prozent. Von diesen 345 Männern waren zu Anfang der Studie 95 Männer mit den HPV-Typen 16 und/oder 18 infiziert. Bei 445 Männern konnten die Forscher HP-Viren nachweisen, die nicht krebserregend sind, darunter 77-mal HPV 6 und 16-mal HPV 11. Je mehr Sexualpartnerinnen die Männer hatten, desto wahrscheinlicher war eine HPV-Infektion. Im Gegensatz zu den bisherigen Studien bei Frauen war die Infektionshäufigkeit bei den Männern dieser Studie nicht abhängig vom Alter.
Auch dazu liegen bisher hauptsächlich Daten von Frauen vor: Bei den meisten Betroffenen ist die Virusinfektion dank einer effektiven Immunabwehr nach rund einem Jahr nicht mehr nachzuweisen. Bisher ist jedoch nicht vollständig geklärt, ob das Virus dabei tatsächlich vollständig beseitigt wird. Möglich wäre es auch, dass das Immunsystem die Virusmenge so stark verringert, dass Tests die Erreger nicht mehr aufspüren können. Solange das Immunsystem das Virus in Schach hält, haben Betroffene nach heutigem Wissen von diesen möglicherweise noch vorhandenen Viren jedoch nichts zu befürchten.
Warzen im Genitalbereich oder Krebsvssorstufen können bei den meisten Patienten erfolgreich operativ entfernt werden. Welche Folgen das für die Infektion hat, ist ebenfalls am besten für das Beispiel Gebärmutterhals untersucht: Nach erfolgreicher Konisation, bei der alles veränderte Gewebe am Gebärmutterhals entfernt werden konnte, sind bei den meisten Frauen auch die Viren nach etwa sechs Monaten nicht mehr im Zellabstrich nachzuweisen. Dennoch können sich die Erreger auch nach einer Behandlung im angrenzenden Gewebe befinden. Experten vermuten zwar, dass aufgrund der verminderten Virusmenge die Immunabwehr die Infektion effektiver bekämpfen kann. Da Rückfälle aber niemals auszuschließen sind, werden Kontrolluntersuchungen nach der Behandlung empfohlen.