
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDer Genuss von Wein, Bier und Spirituosen wirkt sich auf das Krebsrisiko aus. Welche Folgen regelmäßiger Alkoholkonsum haben kann, hat der Krebsinformationsdienst in diesem Text zusammengestellt. Der Text bietet Hintergründe zu Alkohol und Krebsentstehung. Als Quellen für Informationen, die über aktuelles Lehrbuchwissen hinausgehen, wurden wissenschaftliche Artikel zum Thema sowie Veröffentlichungen nationaler und internationaler Fachgesellschaften herangezogen. Die Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text verlinkt. Eine Übersicht findet sich am Ende dieser Seite.
Wer zu viel Alkohol trinkt, schadet seiner Gesundheit nachhaltig. Dabei muss es nicht gleich um Sucht und Abhängigkeit gehen: Der regelmäßige Konsum auch geringer Mengen kann die Entstehung von Übergewicht sowie Veränderungen an Leber, Bauchspeicheldrüse und anderen Organen begünstigen. Alkoholische Getränke steigern den Blutdruck, beeinträchtigen die Muskelleistung und können die Nerven schädigen. Die psychischen und sozialen Folgen regelmäßigen Alkoholkonsums sollten ebenfalls nicht ausgeklammert werden. Weniger bekannt ist vielen Menschen, dass Alkohol auch das Krebsrisiko steigert.
Wie viel ist zu viel? Ernährungs- und Krebsexperten raten auch Menschen, die nicht als Alkoholiker gelten, ihr Trinkverhalten und die konsumierten Mengen nicht zu unterschätzen.
Für das Krebsrisiko gilt: Wissenschaftler weisen darauf hin, dass es keine Menge an Alkohol gibt, die bedenkenlos konsumiert werden kann. Wer nicht auf Wein, Bier oder Spirituosen verzichten möchte, sollte nach Ansicht von Fachleuten die Menge beschränken. Männer sollten höchstens einen halben Liter Bier oder einen Viertelliter Wein pro Tag trinken. Für Frauen liegt die Grenze bei einem Viertelliter Bier oder einem Achtelliter Wein. Das entspricht 10 bis 15 Gramm Alkohol, so der Fachreport "Food, Nutrition, Physical Actitvity and the Prevention of Cancer" des World Cancer Research Fund und des American Institute for Cancer Research. Andere Quellen geben an, Männer sollten maximal 20 bis 24 Gramm Alkohol pro Tag und Frauen nicht mehr als 10 bis 12 Gramm zu sich nehmen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE, www.dge.de) weist darauf hin, dass auch geringe Mengen nicht jeden Tag getrunken werden sollten: Wer regelmäßig ein bisschen trinkt, kommt alles in allem nicht besser weg, als jemand, der gelegentlich zu viel Alkohol konsumiert.
Häufig bleibt es nicht bei einem Genussgift: Zum Wein, zum Bier oder zu härteren Getränken gehört für viele Menschen auch die Zigarette. So ist es im Einzelfall schwer, die krebserzeugende Wirkung allein dem Alkohol oder dem Tabak zuzuordnen. Experten gehen davon aus, dass die einzelnen Risiken sich nicht einfach addieren, sondern gegenseitig noch verstärken. Trotzdem haben auch Menschen, die außer ihrem Alkoholkonsum kein weiteres Risikoverhalten zeigen, ein erhöhtes Krebsrisiko.
Alkohol und Krebsrisiko sind eindeutig miteinander verknüpft. Das sagen Experten, die sich im Auftrag der Internationalen Krebsforschungsagentur (IARC, www.iarc.fr), einer Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation WHO, mit dem Thema auseinandergesetzt haben. In ihrem Bericht rechnen sie Alkoholkonsum zu den zehn weltweit bedeutendsten Gesundheitsrisiken.
In welcher Form man Alkohol zu sich nimmt, ob man also Bier, Wein oder Spirituosen trinkt, scheint keine Rolle zu spielen.
Wissenschaftliche Arbeiten haben für einige Krebsarten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebsrisiko gezeigt. Der Fachreport "Food, Nutrition, Physical Activity and the Prevention of Cancer" nennt Tumoren
Für diese Krebsarten haben Fachleute keinen unteren Grenzwert ermittelt, ab dem Alkohol ungefährlich wäre: Das heißt, auch geringe Mengen erhöhen die Wahrscheinlichkeit für diese Krebserkrankungen.
Forscher haben festgestellt, dass auch das Darmkrebsrisiko durch Wein, Bier und Schnaps beeinflusst wird. Eine große Übersichtsarbeit belegt: Menschen, die viel Alkohol trinken, erkranken öfter an Darmkrebs als Menschen, die wenig bis gar nicht trinken. Ein Zusammenhang konnte bei dieser Krebsart nur oberhalb eines Grenzwertes nachgewiesen werden. Bei Mengen von bis zu 12,5 Gramm Alkohol pro Tag - etwa ein kleines Bier - fanden Wissenschaftler kein erhöhtes Risiko.
Darüber hinaus ist es nach Ansicht vieler Fachleute wahrscheinlich, dass Alkohol die Entstehung von Leberkrebs begünstigt. Über eine chronische Entzündung und Verfettung der Leber kann Alkohol zu einer sogenannten Schrumpfleber (Zirrhose) führen, die ihrerseits ein hohes Krebsrisiko darstellt.
Die Daten einiger Studien deuten an, dass auch zwischen Lungenkrebs und Alkoholkonsum ein Zusammenhang besteht, der möglicherweise unabhängig vom Tabakkonsum ist. Andere Untersuchungen konnten eine solche Verknüpfung jedoch nicht belegen.
Wie viele Menschen erkranken tatsächlich infolge von Alkoholkonsum an Krebs? Eindeutige Aussagen sind hier schwer zu treffen. Das liegt auch daran, dass Alkoholkonsum oft mit weiteren Risikofaktoren verbunden ist, etwa Rauchen, unausgewogener Ernährung und Übergewicht, auch dies oft eine Folge des Trinkverhaltens.
Eine Gruppe von internationalen Forschern unter Führung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE, www.dife.de) hat im Jahr 2011 eine umfassende Berechnung vorgelegt. Demnach sind in Europa Wein, Bier und andere alkoholische Getränke bei Männern für eine von zehn Krebsneuerkrankungen mitverantwortlich. Bei Frauen ist es eine von 33 Neuerkrankungen. Allerdings bezogen die Wissenschaftler auch Tumoren mit ein, bei denen ein Zusammenhang zum Alkoholkonsum nicht ganz eindeutig belegt ist.
Für ihre Arbeit werteten die Wissenschaftler die Daten von mehr als 360.000 Menschen aus. Die knapp 110.000 männlichen Studienteilnehmer stammten aus sechs Ländern, die gut 250.000 weiblichen kamen aus acht Nationen. Deutschland wurde jeweils mituntersucht. Die Forscher glichen die Angaben der Teilnehmer zu ihrem Trinkverhalten mit Einträgen aus Krebsregistern und weiteren Quellen ab. So berechneten sie den auf Alkohol zurückzuführenden Anteil von Neuerkrankungen. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Alkohol besonders schädlich ist, wenn er in größeren Mengen konsumiert wird:
Die immer wieder aufgegriffene Meldung, regelmäßiger Alkoholkonsum sei gut für das Herz, stößt bei Experten auf wenig Zustimmung. Zwar ist es wahrscheinlich so, dass niedrige Mengen Alkohol eine gewisse Schutzwirkung vor Herzerkrankungen haben. Insgesamt muss aber auch das damit verbundene Risiko für andere Erkrankungen berücksichtigt werden. Deshalb ist bei den genannten Referenzwerten die möglicherweise herzschützende Wirkung von Alkohol schon berücksichtigt.
Weder Krebsforscher noch Ernährungs- oder Suchtexperten empfehlen, Wein zu trinken. Entsprechende Ratschläge, die wegen der möglicherweise positiven Auswirkungen auf das Herz immer wieder zu finden sind, unterstützt zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Ernährung auf keinen Fall (hier eine Klarstellung der DGE zur Aussage, sie würde Alkohol empfehlen www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=98)."
Wie genau Alkohol die Krebsentstehung beeinflusst, wird noch erforscht. Bisherige Erkenntnisse haben Wissenschaftler durch die Auswertung statistischer Daten gewonnen.
Vermutet wird, dass verschiedene Stoffe, die beim Abbau von Alkohol im Körper entstehen, eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen. Dazu zählt beispielsweise Acetaldehyd. Dieser Stoff ist sehr reaktionsfreudig und geht leicht Bindungen mit anderen Molekülen ein, darunter auch mit Bausteinen der Erbsubstanz (DNA, Desoxyribonukleinsäure).