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Alkohol: Ein Krebsrisikofaktor?
Alkohol selbst ist nur indirekt krebserregend. Trotzdem wirken sich Wein, Bier oder Spirituosen auf das Krebsrisiko aus. Wo die Grenze zwischen Genuss und Gefahr verläuft und welche Effekte ein zu hoher Alkoholkonsum haben kann, hat der Krebsinformationsdienst zusammen gestellt.
Ab welcher Menge ist Alkohol schädlich?
Wer zu viel Alkohol trinkt, schadet seiner Gesundheit insgesamt
nachhaltig. Dabei muss es nicht gleich um Sucht und Abhängigkeit gehen:
Der regelmäßige Konsum auch geringer Mengen kann die Entstehung von
Übergewicht sowie von Veränderungen an Leber, Bauchspeicheldrüse und
anderen Organen begünstigen; alkoholische Getränke steigern den
Blutdruck, beeinflussen die Muskelleistung und können die Nerven
schädigen. Die psychologischen und sozialen Folgen regelmäßigen
Alkoholkonsums sollten ebenfalls nicht ausgeklammert werden. Weniger bekannt ist, dass Alkohol auch das Krebsrisiko deutlich steigert.
Nicht regelmäßig trinken
Wieviel Alkohol pro Tag?
Männer: maximal 20 Gramm
Frauen: maximal 10 Gramm
Hinweis:
20 Gramm Alkohol entsprechen etwa einem großen Glas Bier oder einem Glas Wein
Wie viel ist zu viel? Ernährungs- und Krebsexperten raten auch Menschen, die keineswegs als Alkoholiker gelten, ihr Trinkverhalten und die konsumierten Mengen nicht zu unterschätzen. Die Grenze zwischen Genuss und Gefahr ziehen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE,
www.dge.de) heute wegen der allgemein schädlichen Auswirkung auf die Gesundheit bei höchstens 20 Gramm Alkohol am Tag für Männer. Das entspricht knapp einem halben Liter Bier oder einem Glas Wein. Frauen rät die DGE, maximal 10 Gramm Alkohol an einem Tag zu konsumieren, also nur die Hälfte.
Die DGE stellt außerdem klar, dass selbst diese Mengen nicht jeden Tag getrunken werden sollten: Wer regelmäßig ein bisschen trinkt, kommt alles in allem keineswegs besser weg, als jemand, der gelegentlich zuviel Alkohol konsumiert. Der
Europäische Kodex gegen den Krebs nennt die gleichen Mengen als Obergrenze. Die Autoren dieser europäischen Empfehlungen weisen aber darauf hin, dass sich insgesamt selbst kleine regelmäßig konsumierte Alkoholmengen noch messbar, wenn auch entsprechend geringfügig auf das Krebsrisiko auswirken.
Warum wird Alkohol zum Krebsrisiko?
Alkohol selbst ist zwar nach derzeitigem Wissensstand nur bedingt direkt krebserregend. Er fördert jedoch die Empfindlichkeit für andere Risikofaktoren, und seine Abbauprodukte im Körper, etwa das Acetaldehyd, sind giftig. Häufig bleibt es außerdem nicht bei einem Genussgift: Zum Wein, zum Bier oder zu härteren Getränken gehört für viele Menschen auch die Zigarette. So ist es im Einzelfall schwer, die krebserzeugende Wirkung dem Alkohol oder dem Tabak zuzuordnen. Auch gehen Experten davon aus, dass die einzelnen Risiken sich möglicherweise nicht einfach addieren, sondern gegenseitig noch verstärken. Gleichwohl ist aber auch bei Alkoholikern ohne zusätzliches Risikoverhalten ein erhöhtes Krebsrisiko festgestellt worden.
Weltgesundheitsorganisation warnt
Zur Neubewertung des Einflusses von Alkohol auf das Krebsrisiko trafen sich im Februar 2007 auch Experten im Auftrag der Internationalen Krebsforschungsagentur (
www.iarc.fr), einer Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie kamen zu dem Schluss, dass Alkohol und Krebsrisiko eindeutig verknüpft sind - die Experten rechneten Alkoholkonsum sogar zu den weltweiten "Top Ten" der Krebsrisikofaktoren (in englischer Sprache: "Alcoholic Beverage Consumption", Band 96 der IARC-Monographien, Veröffentlichung unter
http://monographs.iarc.fr/ENG/Meetings/96-alcohol.pdf).
Risiko für viele Krebsarten steigt
Alkoholiker erkranken häufig an Speiseröhrentumoren. Man findet bei bei Menschen, die zu viel trinken, außerdem vermehrt Krebsbildungen in der Mundhöhle, im Rachenraum und im Kehlkopf.
Über eine chronische Entzündung und Verfettung der Leber kann Alkohol zu einer so genannten Schrumpfleber führen, die ihrerseits ein hohes Krebsrisiko darstellt: Frauen, die täglich etwa 20 Gramm Alkohol - ein Viertel Wein oder zwei Glas Bier – trinken, haben ein um das sechsfach erhöhte Risiko, an dieser auch als Zirrhose bezeichneten Leberschädigung zu erkranken; bei Männern liegt die Grenze bei täglich etwa 40 Gramm. In den Industrienationen werden die meisten Leberkrebsfälle durch diese Spätfolge chronischen Alkoholkonsums ausgelöst.
In den letzten Jahren haben sich darüber hinaus die Hinweise gehäuft, dass Alkohol bei viel mehr Krebsarten eine Rolle spielen könnte als lange vermutet. Indirekt finden sich die eigentlichen Krebsursachen anscheinend oft eher bei alkoholbedingten Entzündungen, in durch Alkohol gefördertem Übergewicht oder in anderen Folgen langjährigen zu hohen Alkoholkonsums. Zusammenhänge mit der Förderung von
Dick- und Enddarmkrebs tauchen in Studien immer wieder auf. Den beobachteten Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Brustkrebs stellen die Experten heute sowohl über den Faktor Übergewicht wie auch über den Hormonspiegel her: In einer Studie der amerikanischen Harvard-Universität konnte gezeigt werden, dass ältere Frauen, die regelmäßig Alkohol konsumierten, erhöhte Werte eines Östrogens im Blut aufwiesen. Am auffälligsten war dieser Anstieg nach den Wechseljahren bei übergewichtigen Frauen.
Auch andere Tumoren könnten indirekt gefördert werden, auch wenn noch unklar ist, ob das Risiko tatsächlich nur vom Alkoholkonsum erhöht wird oder ob nicht doch andere Faktoren hinzu kommen müssen. So sehen die Experten der WHO beispielsweise in einigen Studien einen Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Alkoholkonsum, der möglicherweise auch unabhängig vom Tabakkonsum besteht. In anderen Studien konnte eine Verknüpfung jedoch nicht belegt werden. Für Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder des Magens wird ein hoher Alkoholkonsum ebenfalls als Risikofaktor diskutiert, auch wenn ein eindeutiger Zusammenhang noch nicht feststeht. Hier kommen, wie beim Lungenkrebs, möglicherweise ernährungsbedingte Faktoren zum Tragen, da viele Menschen mit regelmäßigem Alkoholkonsum wenig auf eine gesunde Auswahl von Lebensmitteln achten.
Schützt Alkohol, insbesondere Rotwein, das Herz?
Die immer wieder aufgegriffenen Meldungen, regelmäßiger Alkoholkonsum schütze das Herz, stößt bei Experten keineswegs auf uneingeschränkte Zustimmung: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weist ausdrücklich darauf hin, dass bei den genannten Referenzwerten von 20 Gramm für Männer und 10 Gramm für Frauen als tägliche Höchstmenge die möglicherweise herzschützende Wirkung von Alkohol schon berücksichtigt ist.
Weder Krebsforscher noch Ernährungs- oder Suchtexperten empfehlen das Weintrinken. Entsprechende Ratschläge, die wegen der angeblich positiven Auswirkungen auf das Herz immer wieder zu finden sind, unterstützt zum Beispiel die DGE auf keinen Fall (hier eine Klarstellung der DGE zur Aussage, sie würde Alkohol empfehlen www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=98). Viele Forscher gehen zudem davon aus, dass es gar nicht der Alkohol ist, der für die in einigen Studien gefundenen Ergebnisse verantwortlich ist. Sie halten andere Stoffe wie etwa das Resveratrol für viel „interessanter“: Dieser Stoff ist aber nicht nur in Wein, sondern auch in Traubensaft, Trauben und anderen Obstsorten enthalten. Welche Rolle solche natürlichen Substanzen langfristig in der Krebsvorbeugung spielen könnten, ist allerdings noch Gegenstand der Forschung. Mehr dazu lesen Sie in dem Text: "Chemoprävention: Krebsvorbeugung durch Tabletten?".
Weitere Informationen zum Thema im Netz
Informationen zum Thema Alkohol und Krebs hat auch der Europäische Kodex gegen den Krebs zusammengestellt. Die Grundlagen des "Cancer Code" sind unter
www.cancercode.org in englischer Sprache abrufbar.
Beim Krebsinformationsdienst finden sich weitere Informationen zum Thema unter
"Lebensstil und Krebsrisiko".
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) informiert unter
www.dge.de über das Thema Alkohol.
Die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet Informationen, Telefonsprechstunden und Links zum Thema Alkohol, Sucht und Suchtprävention unter
www.bzga.de. Dort gibt es auch Angebote, die sich gezielt an Kinder und Jugendliche richten - deren steigender und immer früher einsetzender Alkoholkonsum bereitet Experten in der EU wie in Deutschland zunehmend Sorgen.