Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Spontanheilung bei Krebs: Gibt es unerwartete Genesung?

Das Phänomen der "unerwarteten Genesung" von Krebserkrankungen rückt in jüngster Zeit verstärkt ins Blickfeld. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch wird von Spontanremission gesprochen, wenn ein Tumor sich teilweise oder ganz, vorübergehend oder dauerhaft zurückbildet, ohne dass eine Therapie erfolgt ist, oder nach Maßnahmen, die einen derartigen Verlauf nicht schlüssig erklären. Bisher gibt es trotz aller Forschung allerdings keine Hinweise darauf, dass Krebspatienten aktiv etwas tun können, um eine Spontanheilung zu erzielen.
Therapieangebote, die etwas anderes versprechen, werden von Fachleuten deshalb als unseriös bezeichnet. Auf keinen Fall sollten Patienten in der Hoffnung auf eine Spontanremission abwarten und sich nicht behandeln lassen.

Was ist über Spontanheilung bekannt?

Verläufe, die die genannten strengen Bedingungen erfüllen, sind außerordentlich selten. Zwar gibt es immer wieder Aussagen, vor allem in der Werbung für alternative Angebote, dass von der "Schulmedizin" aufgegebene Patienten angeblich eine plötzliche Heilung (Remission) erfahren hätten. Der Überprüfung halten solche Behauptungen fast nie stand. Eine seriöse Schätzung kommt auf weltweit etwa 20 bis 30 Fälle pro Jahr, also etwa einen von 100.000 Betroffenen. Diese Angaben gelten selbst unter dem Gesichtspunkt, dass Fachleute davon ausgehen, dass manche solcher Verläufe gar nicht bekannt werden.

Nur bei wenigen Krebsarten "normal"

Bei einigen Krebserkrankungen werden auf den ersten Blick als Spontanremission erscheinende Heilungen allerdings häufiger beobachtet: Für Nierenzellkarzinome, Melanome, Lymphome und für das Neuroblastom bei Kindern ist bekannt, dass die Krebszellen dieser Tumoren sehr abhängig von bestimmten immunologischen Besonderheiten sind. Sie gehören zu den wenigen Tumorarten, bei denen das Immunsystem – oder möglicherweise andere, noch nicht näher bekannte körpereigene Regulationssysteme - längere Zeit oder sogar dauerhaft selbst große Tumormassen zum Verschwinden bringen können. Allerdings sind solche Rückbildungen ohne Therapie weder mit einer dauerhaften Heilung gleichzusetzen, noch kommen sie bei allen Patienten mit den genannten Erkrankungen in Frage. Beobachtungen an diesen Krebsarten lassen sich nach bisherigem Kenntnisstand außerdem nicht auf andere Tumorerkrankungen übertragen.

Kennt man die Faktoren, die zur Spontanremission beitragen?

Über die Faktoren, die Spontanremissionen herbeiführen, ist noch wenig bekannt. So gibt es bisher kaum Untersuchungen, die aufgrund einer Kontrollgruppe zuverlässige Aussagen beispielsweise über psychologische Aspekte bei Spontanremissionen erlauben. Menschen, die selbst eine unerwartete Genesung erlebt haben, bringen dies mit dem eigenen Schicksal, dem eigenen Bemühen in Zusammenhang.

Die Schilderungen dieser Menschen sind oft höchst eindrucksvoll. Sie machen aber auch deutlich, dass es nicht "den richtigen Weg zur Heilung" gibt, sondern dass jeder seinen eigenen, einzigartigen Weg eingeschlagen hatte. Internationale Studiengruppen sammeln seit einigen Jahren alle verfügbaren Daten. In Deutschland war dies beispielsweise Gruppen des Klinikums Nürnberg oder des Universitätsklinikums Heidelberg. Ihre bisher ernüchternde Botschaft: Beim heutigen Wissensstand gibt es leider keine Empfehlungen, wie eine Spontanremission zu fördern wäre.

Erkrankung bewältigen

Welche Formen der Krankheitsbewältigung heute als günstig gelten, warum aber starre Rezepte wie etwa das „positive Denken“ sich nicht bewährt haben, lesen Sie in dem Text "Krankheitsbewältigung".  Über Möglichkeiten der Unterstützung informiert Sie der Text „Psychologische Unterstützung“.

Weitere Informationen und Unterstützung: Krebsberatungsstellen

Krebsberatungsstellen gibt es in den meisten größeren Städten und regionalen Zentren. Sie können für Patienten und Betroffene, die sich wegen des Verlaufs ihrer Erkrankung Sorgen machen und wissen möchten, was sie selbst beitragen können, eine Anlaufstelle sein. Eine Adress-Datenbank zu bundesweiten Angeboten hat der Krebsinformationsdienst hier bereitgestellt.


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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 14.05.2005