Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Interleukin-2: Immunstimulierung in der Krebstherapie

Auf das körpereigene Immunsystem setzen sowohl Krebsforscher wie Patienten große Hoffnungen in der Therapie - allerdings nicht immer die gleichen. Während Betroffene sich viel von einer allgemeinen Immunstärkung versprechen, wissen Experten heute, dass das Immunsystem von einer ganzen Reihe hoch komplexer Abläufe und Substanzen reguliert wird. Eine Gruppe dieser regulierenden Substanzen sind die Interleukine. Auch wenn sie sich heute zur Behandlung einsetzen lassen - ein "Wundermittel" zur Immunstimulation sind sie nicht.

Was ist Interleukin-2?

Die Zellen des Immunsystems, die innerhalb eines Organismus für die Abwehr von Bakterien, Viren, Pilzen und anderen schädlichen Einflüssen zuständig sind, "verständigen" sich unter anderem auf chemischem Weg, über lösliche Botenstoffe. Die Zellen produzieren eine Vielzahl verschiedener solcher "Boten", die überall dort abgegeben werden, wo eine Immunreaktion abläuft, und für andere Zellen Signalfunktion haben. Diese werden so für ihre Aufgabe aktiviert.

Körpereigene Substanzen, die solche Funktionen haben, werden als Zellhormone oder auch Zytokine bezeichnet. Werden sie von Zellen des Immunsystems gebildet, nennt man sie nach ihrem Bildungsort, den Lymphozyten, auch Lymphokine, oder auch Monokine, nach der Zellart der Monozyten.

Ein solches Lymphokin ist auch das Interleukin-2 (IL-2). Man hat festgestellt, dass bestimmte weiße Blutkörperchen mit wesentlicher Funktion in der Abwehr durch diese Substanz zu Wachstum, Reifung und Teilung angeregt und überdies funktionell aktiviert werden. Es handelt sich um eine Eiweißsubstanz deren genauer Aufbau bekannt ist. Seit 1983 kann Interleukin-2 auf gentechnischem Weg hergestellt werden und steht so in ausreichender Menge für wissenschaftliche Untersuchungen und für den Einsatz in der Klinik zur Verfügung.

Insgesamt bezeichnet man die therapeutische Beeinflussung der Immunreaktion, also der Abwehrbereitschaft des Organismus, als Immuntherapie oder Immunmodulation. Das Ziel einer solchen Therapie ist es, den Tumor mit körpereigenen Mitteln zu bekämpfen.

Reicht Interleukin allein zur Immuntherapie?

Mit dem Ziel, die Wirksamkeit gegen den Tumor zu steigern und die unerwünschten Wirkungen zu verringern, wird die Möglichkeit der Kombination von Interleukin-2 mit anderen Substanzen untersucht, vor allem mit anderen Lymphokinen wie Interferon alpha (Interferone) und mit Zytostatika wie 5-Fluorouracil.

Die Behandlung mit Interleukin-2 und Präparationen von Immunzellen des Patienten, sogenannte Lymphokin-aktivierte Killer-Zellen (LAK-Zellen) und/oder Tumor-infiltrierende Lymphozyten (TIL), trat in den letzten Jahren eher in den Hintergrund, da die Ergebnisse kaum besser sind als mit Interleukin-2 allein und den hohen technischen Aufwand dieser Therapieformen im allgemeinen nicht rechtfertigen.

Wie und in welcher Situation wird Interleukin freigesetzt?

Aufgrund der Wirkung von Interleukin-2, nämlich der Aktivierung von spezialisierten Abwehrzellen, die auch Tumoren angreifen, erwarteten Krebsforscher eine Wirkung von Interleukin-2 vor allem bei solchen Tumoren, die eine Immunreaktion des Körpers auslösen können. Dazu zählten in erster Linie das Nierenzellkarzinom und das maligne Melanom.

Erste Ergebnisse aus Tierversuchen waren so viel versprechend, dass die Substanz seit1984 auch in klinischen Studien beim Menschen zur Anwendung kam. Die Therapie mit Interleukin-2 wurde inzwischen bei verschiedensten Krebserkrankungen geprüft, hauptsächlich bei Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungsstadien. Die besten Ergebnisse zeigten sich tatsächlich zunächst beim Nierenzellkarzinom und beim malignen Melanom.

Die Behandlung des malignen Melanoms mit  Interleukin-2 alleine, als so genannte Monotherapie, hat jedoch enttäuscht. In Studien wird derzeit geprüft, ob die Kombination von Interleukin und Interferon Patienten nach Chemotherapie dabei hilft, keinen Rückfall zu erleiden oder diesen hinauszuzögern.

Einen festen Stellenwert hat Interleukin in der Behandlung des fortgeschrittenen, metastasierten Nierenzellkarzinoms, so die Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft (www.krebsgesellschaft.de, Stichwort "kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien 2008", Stichwort "Nierenzellkarzinom", die Informationen richten sich an Fachleute). Kombiniert wird das Zytokin mit Interferonen und auch Zytostatika, meist Fluoruracil, oder anderen Medikamenten.

Welche Nebenwirkungen treten auf?

Die Therapie mit Interleukin-2 ist für Patienten insbesondere bei hoher Dosierung mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Es treten auf: Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Hautrötung, Herzschlagbeschleunigung und Flüssigkeitseinlagerung mit Gewichtszunahme infolge einer Schädigung der Blutgefäßwände. Auch Autoimmunerkrankungen, bei denen sich die Immunabwehr gegen körpereigene Gewebe richtet, können verstärkt werden. Diese Nebenwirkungen bilden sich allerdings nach der Behandlung wieder zurück. Mit Ausnahme einiger Fälle von Schilddrüsenunterfunktion wurden bisher noch keine anhaltenden Schäden beobachtet. Röntgenkontrastmittel können unter Interleukin-2 Behandlung schwere allergische Reaktionen auslösen.

Die nebenwirkungsreichste (und daher heute auch kaum noch angewandte) Therapieform ist die so genannte Bolusinjektion, eine intravenöse Schnellinjektion innerhalb weniger Sekunden. Wesentlich geringer ausgeprägt sind die Nebenwirkungen, wenn Interleukin-2 nicht in eine Vene, sondern unter die Haut (subkutan) gespritzt wird oder eine kontinuierliche Dauerinfusion erfolgt. Die Wirksamkeit der Therapie wird dadurch wahrscheinlich nicht beeinträchtigt.

Gibt es Ansätze zur Weiterentwicklung der Behandlung?

Die Zulassung von Interleukin-2 als Medikament (in Deutschland als einziges Präparat: "Proleukin") bezieht sich derzeit nur auf das metastasierte Nierenzellkarzinom. Alle übrigen Anwendungen, auch beim malignen Melanom, erfolgen ausschließlich im Rahmen von klinischen Studien, um eine Weiterentwicklung dieser Behandlungsform zu gewährleisten. Ziele weiterer Untersuchungen und Forschungsarbeiten sind die Verminderung der Nebenwirkungen und die Steigerung der Wirksamkeit der kombinierten Chemo-Immuntherapie sowie die Bewertung einer langfristigen Anwendung als Erhaltungstherapie.

Kommen noch andere Interleukine in der Krebstherapie zur Anwendung?

Interleukin-3 wirkt auf die Stammzellen im Knochenmark und dient der Stimulation der Blutbildung nach einer Chemotherapie, nach Knochenmark- und Stammzelltransplantation.

Für viele weitere der bisher insgesamt 26 bekannten Interleukine ist eine Anwendung in der Krebstherapie denkbar. Ob sie letztendlich die Behandlung von Krebserkrankungen verbessern, müssen weitere Untersuchungen und Studien zeigen. Zur Zulassung als Arzneimittel reichen die bisher vorliegenden Daten nicht aus.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 14.06.2003