
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deAuf das körpereigene Immunsystem setzen sowohl Krebsforscher wie Patienten große Hoffnungen in der Therapie - allerdings nicht immer die gleichen. Während Betroffene sich viel von einer allgemeinen Immunstärkung versprechen, wissen Experten heute, dass das Immunsystem von einer ganzen Reihe hoch komplexer Abläufe und Substanzen reguliert wird. Eine Gruppe dieser regulierenden Substanzen sind die Interleukine. Auch wenn sie sich heute zur Behandlung einsetzen lassen - ein "Wundermittel" zur Immunstimulation sind sie nicht.
Die Zellen des Immunsystems,
die innerhalb eines Organismus für die Abwehr von Bakterien, Viren,
Pilzen und anderen schädlichen Einflüssen zuständig sind,
"verständigen" sich unter anderem auf chemischem Weg, über lösliche
Botenstoffe. Die Zellen produzieren eine Vielzahl verschiedener solcher
"Boten", die überall dort abgegeben werden, wo eine Immunreaktion
abläuft, und für andere Zellen Signalfunktion haben. Diese werden so
für ihre Aufgabe aktiviert.
Körpereigene Substanzen, die solche Funktionen haben, werden als
Zellhormone oder auch Zytokine bezeichnet. Werden sie von Zellen des
Immunsystems gebildet, nennt man sie nach ihrem Bildungsort, den
Lymphozyten, auch Lymphokine, oder auch Monokine, nach der Zellart der
Monozyten.
Ein solches Lymphokin ist auch das Interleukin-2 (IL-2). Man hat
festgestellt, dass bestimmte weiße Blutkörperchen mit wesentlicher Funktion in der Abwehr
durch diese Substanz zu Wachstum, Reifung und Teilung angeregt und
überdies funktionell aktiviert werden. Es handelt sich um eine
Eiweißsubstanz deren genauer Aufbau bekannt ist. Seit 1983 kann
Interleukin-2 auf gentechnischem Weg hergestellt werden und steht so in
ausreichender Menge für wissenschaftliche Untersuchungen und für den
Einsatz in der Klinik zur Verfügung.
Insgesamt bezeichnet man die therapeutische Beeinflussung der
Immunreaktion, also der Abwehrbereitschaft des Organismus, als
Immuntherapie oder Immunmodulation. Das Ziel einer solchen Therapie ist
es, den Tumor mit körpereigenen Mitteln zu bekämpfen.
Mit dem Ziel, die Wirksamkeit gegen den Tumor zu steigern und die
unerwünschten Wirkungen zu verringern, wird die Möglichkeit der
Kombination von Interleukin-2 mit anderen Substanzen untersucht, vor
allem mit anderen Lymphokinen wie Interferon alpha (Interferone) und mit Zytostatika wie 5-Fluorouracil.
Die Behandlung mit Interleukin-2 und Präparationen von Immunzellen
des Patienten, sogenannte Lymphokin-aktivierte Killer-Zellen
(LAK-Zellen) und/oder Tumor-infiltrierende Lymphozyten (TIL), trat in
den letzten Jahren eher in den Hintergrund, da die Ergebnisse kaum
besser sind als mit Interleukin-2 allein und den hohen technischen
Aufwand dieser Therapieformen im allgemeinen nicht rechtfertigen.
Die Therapie mit Interleukin-2 ist für Patienten insbesondere bei hoher
Dosierung mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Es treten
auf: Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Hautrötung,
Herzschlagbeschleunigung und Flüssigkeitseinlagerung mit
Gewichtszunahme infolge einer Schädigung der Blutgefäßwände. Auch
Autoimmunerkrankungen, bei denen sich die Immunabwehr gegen
körpereigene Gewebe richtet, können verstärkt werden. Diese
Nebenwirkungen bilden sich allerdings nach der Behandlung wieder
zurück. Mit Ausnahme einiger Fälle von Schilddrüsenunterfunktion wurden
bisher noch keine anhaltenden Schäden beobachtet. Röntgenkontrastmittel
können unter Interleukin-2 Behandlung schwere allergische Reaktionen
auslösen.
Die nebenwirkungsreichste (und daher heute auch kaum noch
angewandte) Therapieform ist die so genannte Bolusinjektion, eine
intravenöse Schnellinjektion innerhalb weniger Sekunden. Wesentlich
geringer ausgeprägt sind die Nebenwirkungen, wenn Interleukin-2 nicht
in eine Vene, sondern unter die Haut (subkutan) gespritzt wird oder
eine kontinuierliche Dauerinfusion erfolgt. Die Wirksamkeit der
Therapie wird dadurch wahrscheinlich nicht beeinträchtigt.
Die Zulassung von Interleukin-2 als Medikament (in Deutschland als einziges Präparat: "Proleukin") bezieht sich derzeit nur auf das metastasierte Nierenzellkarzinom. Alle übrigen Anwendungen, auch beim malignen Melanom, erfolgen ausschließlich im Rahmen von klinischen Studien, um eine Weiterentwicklung dieser Behandlungsform zu gewährleisten. Ziele weiterer Untersuchungen und Forschungsarbeiten sind die Verminderung der Nebenwirkungen und die Steigerung der Wirksamkeit der kombinierten Chemo-Immuntherapie sowie die Bewertung einer langfristigen Anwendung als Erhaltungstherapie.
Interleukin-3 wirkt auf die Stammzellen im Knochenmark und dient der
Stimulation der Blutbildung nach einer Chemotherapie, nach Knochenmark-
und Stammzelltransplantation.
Für viele weitere der bisher insgesamt 26 bekannten Interleukine
ist eine Anwendung in der Krebstherapie denkbar. Ob sie letztendlich
die Behandlung von Krebserkrankungen verbessern, müssen weitere
Untersuchungen und Studien zeigen. Zur Zulassung als Arzneimittel
reichen die bisher vorliegenden Daten nicht aus.