
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDie Antwort auf die Frage "Impfen gegen Krebs - was heißt das?" ist einfach, aber wenig spektakulär: Es kommt darauf an, was mit dem Begriff gerade gemeint ist, wenn er im Zusammenhang mit dem Thema Krebs gebraucht wird. Das Wort Impfen hat sich, teilweise als nicht ganz genaue Übersetzung aus dem Englischen, für höchst unterschiedliche Entwicklungen in der Krebsmedizin eingebürgert: für Verfahren, bei denen eine "Vakzine" oder ein "Antiserum" zur Krebsvorbeugung gespritzt werden, wie auch für solche, die zur Verhinderung von Rückfällen oder Metastasen oder sogar zur Behandlung bereits entstandener Tumoren erprobt werden. Alle diese Ansätze wurden zum Beispiel in Zeitungen oder im Fernsehen schon mit dem Wort Impfen bezeichnet.
Das Heilmittel gegen alle Krebsarten wird mit Sicherheit aus keiner
dieser Methode entstehen: Alle zielen ganz spezifisch auf eine einzige
Tumorform oder sogar nur auf ganz bestimmte Situationen im Verlauf
einer Erkrankung. Praktisch alle Ansätze werden derzeit noch erforscht
oder wissenschaftlich weiter begleitet, längst nicht alle sind schon so
weit, dass Patienten wenigstens an klinischen Studien teilnehmen können.
Nur die einzige echte Impfung in diesem Sammelsurium, im Sinn einer Schutzimpfung vor Viren als Krankheitserregern,
kann helfen, dass bestimmte Krebsarten in Zukunft vielleicht gar nicht
mehr so häufig auftreten. Gegen bestehende Krebserkrankungen nützen
diese Ansätze nach bisherigem Kenntnisstand nichts, sie können also
noch nicht therapeutisch eingesetzt werden.
Weltweit werden etwa 15 Prozent aller Krebserkrankungen durch Viren
verursacht. Möglicherweise sind die winzigen Krankheitserreger sogar an
der Entstehung von sehr viel mehr Tumorerkrankungen beteiligt.
Impfungen gegen Krebs auslösende Viren spielen insgesamt vor allem in
Ländern der Dritten Welt eine große Rolle - dort werden insgesamt bis
zu 80 Prozent der Krebsneuerkrankungen auf Infektionen unter anderem
mit Viren aus der Hepatitis-Gruppe oder mit den
Papillomviren zurückgeführt (hier eine Pressemitteilung des Deutschen
Krebsforschungszentrums unter www.dkfz-heidelberg.de/de/presse/pressemitteilungen/2006/
dkfz_pm_06_48.php).
Sehr weit verbreitet vor allem in Asien und Afrika ist beispielsweise
die Infektion mit Gelbsucht, verursacht durch verschiedene Arten von Hepatitis-Viren.
Bei einigen Menschen verbleiben Viren nach dem Abklingen der Infektion
im Körper und können Schäden am Erbmaterial der Leberzellen auslösen,
in die sie sich eingenistet haben. Auf lange Sicht erhöhen sie das
Risiko für den primären Leberkrebs.
Nur einige der Betroffenen erkranken tatsächlich an dieser
Tumorart. Daran zeigt sich, dass Krebs trotz der Beteiligung der Viren
keine Infektionskrankheit im engeren Sinn ist. Trotzdem setzen die
Krebsforscher große Hoffnungen auf die Ausschaltung dieser
Risikofaktoren. Seit mehr als zwei Jahrzehnten steht ein Impfstoff
gegen das gefährliche Hepatitis-B-Virus zur Verfügung. Zehn Jahre nach
seiner Einführung zeichnete sich ein erster Erfolg von Impfkampagnen in
Taiwan ab, einem Land mit besonders hoher Infektionsrate: Leberkrebs,
der dort teilweise schon bei Kindern auftritt, begann,
deutlich seltener zu werden.
Auch wenn Hepatitis in Deutschland vergleichsweise seltener ist, hat
die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut, dem Bundesinstitut
für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten, schon
1995 die Hepatitis-Impfung für Säuglinge, Kinder und Jugendliche in den
Kalender der empfohlenen Impfungen aufgenommen (auf den Seiten des RKI
unter www.rki.de, Stichwort
"Infektionsschutz", Stichwort "Impfen" und weiter zu "Empfehlungen der
STIKO"). Die Kommission rät sie auch für Personen mit besonderem
Infektionsrisiko.
Besprechen soll man sie, mit Spinnweben und Krötenschleim oder, ein
bisschen moderner, mit Bananenschale bepflastern, auch ein Bad im Licht
des Vollmondes wird gelegentlich empfohlen: Doch vielen Warzen sind all
diese Therapievorschläge egal. Für die Entstehung dieser Wucherungen an
Haut und Schleimhaut sind ebenfalls Viren als Krankheitserreger
verantwortlich. Die gute Nachricht: genau deshalb müssen einige
Warzentypen gar nicht unbedingt behandelt werden, manchmal reicht
Warten. Das Immunsystem der betroffenen Patienten bekommt nach einiger
Zeit die Viren in den Griff, und die Warzen heilen ab.
Auch wenn die meisten Warzeninfektionen also harmlos und gutartig
bleiben, sind einige Ausnahmen seit Anfang der 70er Jahre ins Zentrum
der Krebsforschung gerückt. Bestimmte Papillomviren unter den bisher identifizierten Typen der Warzenviren sind mit Sicherheit an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs
beteiligt.
Auch andere Viren spielen eine Rolle als mehr oder weniger gesicherter
Risikofaktor für bestimmte Krebserkrankungen, beispielsweise die Epstein-Barr-Viren. Die Rolle eines Bakteriums, des so genannten Helicobacter pylori, bei der Entstehung von Magenkrebs wird inzwischen ebenfalls anders eingeschätzt als noch vor wenigen Jahren.
Schwierig ist der Nachweis eines Zusammenhangs vor allem dann, wenn
die betreffenden Krankheitserreger zwar bei vielen Menschen eine
Infektion auslösen, aber nur sehr wenige dieser Patienten irgendwann im
Laufe ihres Lebens an Krebs erkranken. Welche weiteren Faktoren sich
nur bei den Erkrankenden finden und nicht bei Menschen, die eine
entsprechende Infektion folgenlos hinter sich bringen, ist oft nur sehr
mühsam und in langwierigen beobachtenden Studien festzustellen.
1984 erhielten Niels K. Jerne, Georges J.F. Köhler und César Milstein den Nobelpreis (http://nobelprize.org/medicine/laureates/1984/) für
die theoretische und praktische Entwicklung der monoklonalen
Antikörper. So schnell und nachhaltig hat kaum eine Entdeckung die
Medizin verändert: Aus der Diagnostik und der Therapie, auch der
Krebsforschung und sogar der Behandlung, sind die winzigen Eiweiße kaum noch wegzudenken.
Antikörper sind Stoffe, die alle Wirbeltiere und auch Menschen zum
Schutz vor Krankheitserregern und anderen Eindringlingen in den Körper
produzieren. Eine Impfung regt das Immunsystem normalerweise an,
hochspezifische Antikörper gegen den Krankheitserreger zu bilden, gegen
den sich die Impfung richtet. Als Impfstoff wird dabei entweder der
abgeschwächte oder abgetötete Erreger selbst benutzt, bei
Weiterentwicklungen der herkömmlichen Impfstoffe gegen viele
Erkrankungen genügt schon ein Eiweißbestandteil oder ein Stück aus der
Virushülle, um die Abwehr anzuregen. Infiziert sich der Geimpfte später
einmal tatsächlich mit der betreffenden Krankheit, erkennt sein
Immunsystem anhand der Antikörper die Keime als alte Bekannte, markiert
und zerstört sie. Wo echte Impfungen bisher nicht zur Verfügung stehen
oder gegeben werden können, helfen oft so genannte passive
Immunisierungen mit Antikörpern, die allerdings nicht lange vorhalten.
Solch gezielte Attacken gegen Krebszellen zu richten, ist weitaus
schwieriger als die Abwehr von Bakterien oder Viren. Antikörper
brauchen ein unverwechselbares Merkmal, um ihre Ziele exakt
identifizieren zu können. Dass dies selbst bei der normalen Immunabwehr
gegen Krankheitserreger nicht immer funktioniert, zeigt das Beispiel
Schnupfen: Die Viren tarnen sich so geschickt, dass das menschliche
Immunsystem trotz jährlich wiederkehrender Attacken immer wieder auf
das neue mit den Angreifern fertig werden muss.
Krebszellen sind trotz aller Veränderungen jedoch nicht einmal
fremd im Körper. Um so schwieriger, in den letzten Jahren aber auch
zunehmend erfolgreicher gestaltet sich die Suche der Krebsforscher nach
besonderen Merkmalen auf der Oberfläche von Krebszellen, gegen die sich
gezielt Antikörper richten ließen. Diese "Impfungen" dürfen auf keinen
Fall zu unspezifisch sein, also beispielsweise auch sehr intensiv gegen
die Oberflächenmerkmale von gesunden Zellen wirken. Sie müssen
wenigstens eine gewisse Haltbarkeit im Körper haben und auch überall
hintransportiert werden, wo sie wirken sollen.
Die bisher verfolgten Forschungsansätze haben außerdem gezeigt, dass
die Antikörperstrategie als alleinige Therapie eher gegen Krebszellen
erfolgreich zu sein scheint, die sich noch nicht im Gewebe festgesetzt
haben, sondern sich gerade erst in der Blut- oder Lymphbahn verbreiten.
Eine ganze Reihe solcher Präparate hat bereits die Hürde der
Zulassung als Medikament übersprungen, eines ist allerdings bereits
wieder vom Markt genommen worden. Antikörper allein scheinen nach
bisherigen Studien häufig zu schwach zu sein, um gegen mehr als ein
paar Zellen zu wirken. Um sie auch gegen größere Tumoren wirksam zu
machen, werden sie daher manchmal mit anderen Substanzen gekoppelt. Das
können radioaktive Stoffe sein oder auch Vorstufen von Zellgiften.
Bislang haben sich diese Verfahren jedoch überwiegend in der
Krebsdiagnostik bewährt.
Eine Übersicht über das Prinzip, das hinter monoklonalen Antikörpern steht, hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt. Bei welchen Krebsarten Antikörper bereits als Medikament eingesetzt werden, ist unter Rubrik "Krebsarten" nachzulesen.
Auch wenn einige dieser Studien schon recht fortgeschritten sind,
können in die meisten nur wenige Patienten mit sehr schweren
Krebserkrankungen aufgenommen werden, denen keine andere Behandlung
bisher geholfen hat. Die bisherige Erfahrung mit der Aufnahme von
Patienten hat leider auch gezeigt, dass viele Betroffene für die bisher
getesteten Therapieversuche von vornherein nicht in Frage kamen: Bei
ihnen konnte das hochspezifische Merkmal, gegen das sich die jeweilige
Strategie richtete, gar nicht erst nachgewiesen werden.
Wie viele Tumoren sich in Zukunft als angreifbar durch eine
Vakzinetherapie erweisen werden, können derzeit selbst Experten nicht
beurteilen. Patienten, die mit einer geprüften Standardtherapie, also
eine Operation, einer Bestrahlung oder beispielsweise eine
Chemotherapie gute Aussichten auf Besserung und Heilung haben, wären
mit einer klinischen Studie voraussichtlich nicht auf der sicheren
Seite. Ist eine Tumorerkrankung jedoch weiter fortgeschritten, können
Studien in großen Zentren durchaus eine Alternative darstellen. Ob eine
geeignete Studie für betroffene Patienten derzeit in Planung oder
bereits in der Durchführung ist - und ob eine Studie überhaupt in Frage
kommt - können die behandelnden Ärzte am besten in Erfahrung bringen:
Sie verfügen über die notwendigen Unterlagen, aus denen sich die
Situation des Patienten ersehen lässt, und können sich an die
nächstgelegenen Tumorzentren
wegen offener Studien wenden. Die Deutsche Krebsgesellschaft
veröffentlicht ein Verzeichnis zu klinischen Studien, das allerdings
keinen Gesamtüberblick bieten kann (unter www.studien.de abrufbar).
Impfen gegen Krebs - unter diesem Begriff werden leider auch Methoden angeboten, die außerhalb der üblichen klinischen Forschung zum Einsatz kommen, nicht auf Wirkung und Nebenwirkung getestet wurden, die viel Geld kosten, obwohl wenig über sie bekannt ist. Nicht wenige Anbieter nutzen die neuen Erkenntnisse der Immunologie für ihre eigenen Zwecke: Was in den großen Forschungslabors noch mit viel Arbeitsaufwand getestet wird, um alle denkbaren Gefahren für Betroffene auszuschließen, bieten sie schon als angeblich allerneueste Therapien auf dem Markt an. Patienten und Angehörige können sich selbst ein Bild über solche Vakzinen machen, wenn sie bedenken, dass diese Angebote zu den Methoden mit bisher unbewiesener Wirksamkeit gehören.