
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deIn der Vorbeugung von Krebserkrankungen spielt die Ernährung eine bedeutende Rolle. Was Gesunden dabei hilft, gesund zu bleiben, nutzt vielleicht auch dem Allgemeinzustand von Krebspatienten – bereits bestehende Tumorerkrankungen können durch gesunde Ernährung allein aber nicht geheilt werden. Manche Empfehlungen versprechen deshalb mehr, als sie halten können: Keine der oft in Zeitschriften oder Ratgebern propagierten "Krebsdiäten" hat eine nachgewiesene heilende Wirkung. Der folgende Text erläutert, warum die meisten Onkologen solchen Diäten besonders kritisch gegenüberstehen.
Krebsexperten und Fachgesellschaften warnen mit Nachdruck vor einigen Diätkonzepten, da sie teils schwere Komplikationen bei Krebspatienten verursacht haben. Dazu zählen beispielsweise die "Krebskur total nach Breuss", bei der 42 Tage lang nur Säfte und Tees eingenommen werden, oder die aus den USA stammende Gerson-Diät in der ursprünglichen Fassung – sie kombiniert eine streng vegetarische Ernährung mit Kaffee-Rizinus-Einläufen.
Andere Krebsdiäten sind zwar nicht unbedingt gefährlich, bauen aber auf falschen Vorstellungen auf.
Einer dieser fragwürdigen Tipps lautet beispielsweise, auf Schweinefleisch zu verzichten – es sei angeblich "giftig". Ebenso häufig werden Krebspatienten weißer Zucker, Kaffee oder Nachtschattengewächse wie Kartoffeln und Tomaten "verboten". Einen nachvollziehbaren Grund für diese Einschränkung des Speiseplans nennen die Herausgeber solcher Ratschläge nicht. Bei der Überprüfung ihrer Theorien stellt sich oft heraus, dass sie wissenschaftliche Fakten zur Zusammensetzung mancher Lebensmittel schlicht missverstanden haben oder neue Forschungsergebnisse nicht berücksichtigen. Mehr über solche Missverständnisse, die sich zum Thema Ernährung hartnäckig halten und weiter verbreiten, hat der Krebsinformationsdienst in dem Text "Krebsrisiko widerlegt" zusammengestellt.
Statt auf Verbote setzen manche Rezepte dagegen auf die Empfehlung von Tees, Kräuterauszügen oder einfach nur auf besondere Lebensmittel, die angeblich gegen Krebs wirken sollen. "Täglich Brokkoli" gehört in diese Kategorie, ebenso wie die Empfehlung zu Leinöl und Quark bei jeder Mahlzeit, Sauerkrautsaft oder zu "indianischen" Pflanzenaufgüssen als einzigem Getränk. Die Liste ähnlicher unbegründeter Empfehlungen kann beliebig fortgesetzt werden.
Andere, eher allgemein gehaltene Ernährungsempfehlungen können möglicherweise dazu beitragen, dass sich Krebspatienten wohler fühlen. Dazu gehören beispielsweise Ratschläge zur Vollwert- oder "Bio"-Kost oder die zu den verschiedenen Säure-Basen-Diäten. Diese Kostformen unterscheiden sich aber, schaut man genauer hin, meistens nicht wesentlich von den Empfehlungen zu einer allgemein gesunden Ernährung, wie sie von den Fachgesellschaften herausgegeben werden.
Eine den Verlauf ener Krebserkrankung beeinflussende Wirkung haben sie nicht: In allen Ernährungstipps, bei denen man den Körper durch Ernährung "stoffwechselaktivieren", "entschlacken", "reinigen" oder gar "entgiften" soll, wird zu viel versprochen. Mit pauschalen Ernährungsratschlägen sollten Krebspatienten deshalb sehr vorsichtig sein: Für die meisten Betroffenen ist es viel wichtiger, sich entsprechend ihrer individuellen Situation zu ernähren, als strengen Regeln zu folgen. Was für eine Brustkrebspatientin, die meist keine Mangelerscheinung oder Gewichtsabnahme befürchten muss, eine sinnvolle Änderung ihrer bisherigen Lebensgewohnheiten sein kann, wäre für einen Magenkrebspatienten mit seiner schwierigen Ernährungssituation unter Umständen schädlich.
Ob Ernährungsumstellungen das Rückfallrisiko mindern, ist Gegenstand laufender
Forschung – noch liegen wenig gesicherte Fakten zu dieser Frage vor. Auch hier
scheint es keine Pauschalrezepte zu geben: Was bei der einen Tumorart unter
Umständen hilft, kann bei einer anderen gar keinen Effekt haben oder sogar
schaden.
Eine Krebserkrankung kann jedoch ein Anlass sein, den persönlichen
Speisezettel unter die Lupe zu nehmen: Für Menschen, die sich bisher nicht ausgewogen
ernährt haben, lohnt die ein oder andere Umstellung auf jeden Fall, allein schon
wegen des Wohlbefindens. Experten weisen zudem darauf hin, dass man bei der
täglichen Nahrungsauswahl nicht nur das Thema Krebs im Blick haben sollte: Auch
das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, von Diabetes und vielen anderen
Krankheiten lässt sich durch eine gesunde Ernährung mindern.