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Die allermeisten Zytostatika sind nicht wirklich krebsspezifisch wirksam. Sie richten ihre Aktivität gegen alle besonders schnell wachsenden Gewebe.
Folgeerscheinungen können - je nach Substanz und Dosis - daher kurzfristige Beeinträchtigungen der Schleimhäute in Mund, Rachen und Verdauungstrakt sein, sowie die von vielen Patienten besonders mit der Chemotherapie in Verbindung gebrachten Folgen auf das Haar- und Nagelwachstum. Auch die Zellen der Blutbildung im Knochenmark teilen sich weit häufiger als viele andere Gewebe; daher können sie ebenfalls durch Zytostatika beeinträchtigt werden.
Wie ausgeprägt die Nebenwirkungen sind, hängt allerdings von der jeweils verwendeten Substanz und von der Dosis ab, längst nicht alle Patienten sind tatsächlich von schwerwiegenden Problemen betroffen.
Patientinnen und Patienten, bei denen Haarausfall wahrscheinlich ist, erhalten schon vor Beginn der Therapie ein Rezept für eine Perücke. Diese sollte vom Friseur noch individuell nachgeschnitten oder gefärbt werden. Seltener sind Nagelveränderungen durch manche Zytostatika, doch auch diese vergleichsweise schnell nachwachsenden Zellen können betroffen sein. Besonders bei hoch dosierten Chemotherapien werden auch die Schleimhäute im Verdauungstrakt in Mitleidenschaft gezogen. Dies kann zum Beispiel bei der Therapie akuter Lymphome oder Leukämien der Fall sein. Patientinnen und Patienten, die eine adjuvante Chemotherapie erhalten, sind selten betroffen.
Bereits relativ bald nach dem Ende einer Chemotherapie bilden sich diese Nebenwirkungen zurück: Haare wachsen wieder nach, Schäden an den Nägeln werden durch Nachwachsen geringer, und wunde Schleimhäute heilen ab. Ernsthafte oder dauerhafte Schäden durch Zytostatika an Haut und Haaren sind nicht bekannt. Mehr zum Thema Haarausfall, Haut- oder Nagelveränderungen sowie Mundpflege bei Schleimhautproblemen hat der Krebsinformationsdienst in der Rubrik "Belastende Symptome" zusammengestellt.
Insbesondere die Auswirkung der Behandlung auf die weißen Blutkörperchen, die für die Immunfunktion verantwortlich sind (Leukozyten), wird während einer Chemotherapie engmaschig überwacht. Ist die Immunfunktion stark eingeschränkt, müssen die Ärzte unter Umständen die Chemotherapie unterbrechen oder die zeitlichen Abstände zwischen einzelnen Chemotherapie-Zyklen verlängern: Die Infektionsgefahr steigt, wenn zu wenige Leukozyten im Blut sind. Fieber ist hier ein erstes, aber nicht das einzige Warnsignal.
Ist von vornherein zu erwarten, dass eine Chemotherapie das Immunsystem stark in Mitleidenschaft ziehen wird, kann eine stationäre Therapie im Krankenhaus erwogen werden; möglich ist auch die vorbeugende Gabe von Antibiotika. Die Bildung von Immunzellen kann bei Bedarf auch durch Wachstumsfaktoren angeregt werden.
Zu den Blutzellen, deren Nachschub aus dem Knochenmark gestört seien kann, gehören auch rote Blutkörperchen. Sie sind für den Sauerstofftransport verantwortlich. Geht die Zahl dieser Erythrozyten messbar zurück und entwickelt sich eine Anämie oder Blutarmut, spüren dies Krebspatienten je nach Konstitution an wachsender Müdigkeit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit. Auch diese Nebenwirkung bildet sich in der Regel von allein wieder zurück. Ist sie sehr stark ausgeprägt, können Transfusionen helfen oder auch ein Wachstumsfaktor, der die Bildung der Erythrozyten anregt.
Das Knochenmark erholt sich wie andere Zellen normalerweise innerhalb weniger Wochen nach dem Ende einer Chemotherapie. Dauerhafte Einschränkungen sind selten.
Nicht alle Zytostatika lösen Erbrechen aus. Die Stärke der Reaktion und der Zeitpunkt des Auftretens hängen ebenfalls von der jeweiligen Substanz ab: Fachleute sprechen von der so genannten emetogenen Potenz eines Zytostatikums.
Heute erhalten Patienten – falls erforderlich - gleichzeitig mit der Chemotherapie Mittel zur Unterdrückung der Reaktion. Diese dürfen nicht nur bei Bedarf eingenommen werden, sondern sollten vor allem vorbeugend eingesetzt werden. Da bei der Entstehung von Übelkeit auch die Psyche eine Rolle spielt, verhindert die prophylaktische Gabe unbewusste Lernreaktionen des Körpers nach dem Muster "Chemotherapie = Erbrechen". Beachtet man diese Vorgaben, sind anhaltende und nicht beherrschbare schwere Übelkeit und starkes Erbrechen während einer Chemotherapie eher selten.
Tipps zur Abhilfe bei Unwohlsein und zur Ernährung während einer Krebstherapie hat der Krebsinformationsdienst in eigenen Texten zusammengestellt.
Die Reaktion auf Zytostatika ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Das Spektrum der Nebenwirkungen unterscheidet sich von Therapieschema zu Therapieschema. Eine pauschale Auskunft, ob überhaupt Probleme auftreten und wenn ja, wie belastend die zu erwartenden Nebenwirkungen sein werden, ist nur individuell möglich. Ein Gespräch mit den behandelnden Ärzten bringt Aufklärung. Sie sollten auch gefragt werden, wie lange insgesamt mit Nebenwirkungen zu rechnen ist.
Die allermeisten Zytostatika verbleiben nur wenige Stunden oder höchstens Tage im Körper, sie werden über die Nieren oder in geringem Umfang auch über den Darm wieder ausgeschieden. Die meisten Patienten müssen deshalb auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und viel trinken.
Für die meisten Krebspatienten ist relativ bald nach dem Ende der Behandlung auch die Belastung durch Nebenwirkungen vorbei: Übelkeit vergeht, die Haare wachsen wieder nach und der Körper erholt sich innerhalb weniger Wochen.
Die allermeisten Folgen einer Chemotherapie klingen nach kurzer Zeit ab. Trotzdem gibt es eine wachsende Diskussion um Spätschäden durch Zytostatika. Sie wurde vor allem durch die großen Erfolge der Chemotherapie bei Kindern und Jugendlichen mit Krebs angestoßen: Während die Mehrzahl aller Krebspatienten aufgrund eines meist schon höheren Alters wenig Angst vor Spätschäden haben muss, fallen bei jungen Patienten mit hoher Lebenserwartung langfristige Folgen deutlich ins Gewicht.
In der Forschung spielt die Diskussion um Spätfolgen einer Chemotherapie inzwischen aber für alle Patienten eine größere Rolle.
Als Spätfolge wird unter anderem die Gefahr eines so genannten Zweittumors diskutiert. Viele Zytostatika können, wenn auch mit großem zeitlichem Abstand, selbst Krebs fördern. Hinzu kommt das Risiko durch eine Bestrahlung, die ebenfalls langfristige Folgen haben kann, aber nicht muss.
Das Risiko für eine Zweiterkrankung ist jedoch außerordentlich unterschiedlich verteilt und insgesamt betrachtet eher gering. Welche Erkrankung womit behandelt wurde, spielt eine entscheidende Rolle. Auch angeborene individuelle Stoffwechseleigenschaften beeinflussen das Risiko. Pauschale Aussagen sind kaum möglich. Hier kann nur der behandelnde Arzt vorab aufklären!
Was geheilte Krebspatienten nicht vergessen dürfen: Ihr Basisrisiko, unabhängig vom Einfluss einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung an einem anderen, neuen Tumor zu erkranken, bleibt wie bei Gesunden vorhanden.
Einige Zytostatika können länger anhaltende oder dauerhafte Gewebeschäden hervorrufen.
Bekannt ist beispielweise von einigen Substanzen ein gewisses Risiko von Nervenschäden. Sie führen zu Problemen mit dem Tast- und Berührungssinn oder auch dem Hautgefühl oder zu unangenehmem Kribbeln und Schmerzen. Fachsprachlich sind solche Zytostatika neurotoxisch.
Derzeit noch unklar ist aus wissenschaftlicher Sicht eine eventuell neurotoxische Wirkung auf das Zentralnervensystem. Ob es das von amerikanischen Patienten erstmals so bezeichnete "Chemo-Brain" tatsächlich gibt, ob Zytostatika also auch die Hirnleistung direkt beeinflussen, ist noch unklar. Grundsätzlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige Zytostatika die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinträchtigen. Die Mischung aus Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen, leichter Ablenkbarkeit und Wortfindungsstörungen, die zuerst von Frauen aus den USA im Rahmen der Chemotherapie einer Brustkrebsbehandlung beschrieben wurden, ist bisher aber nur wenig untersucht. Dieser "Nebel im Kopf", wie er von einigen Betroffenen genannt wurde, beginnt demnach meist am zweiten Tag nach einer chemotherapeutischen Behandlung und bessert sich innerhalb der nächsten drei Tage wieder. Längerfristige Einschränkungen gehen dagegen eher mit Symptomen einer Fatigue einher, mehr dazu hier.
Als kardiotoxisch werden Substanzen bezeichnet, die Herzmuskelzellen schädigen. Seltener wirkt eine Chemotherapie nephrotoxisch, damit ist eine Einschränkung der Nierenfunktion gemeint.
Wie hoch die Wahrscheinlichkeit dieser Nebenwirkungen ist, kann nur der behandelnde Arzt sagen. Eingesetzt werden Zytostatika mit einem solchen Risikoprofil grundsätzlich nur, wenn es keine gleichwertige Möglichkeit der Linderung oder Heilung gibt.
Eine Chemotherapie kann bei Frauen die Hormonproduktion in den Eierstöcken bremsen. Betroffen sind zum einen Kinder, Jugendliche und junge Frauen, die sehr hohe Dosen bestimmter Zytostatika erhalten mussten. Eine Vorverlagerung des Klimakteriums um vergleichsweise kurze Zeiträume betrifft zum anderen manche Frauen, die zum Zeitpunkt der Chemotherapie bereits kurz vor den Wechseljahren standen, ohne dies schon wahrzunehmen. Bei Männern steigt durch hohe Dosen bestimmter Zytostatika das Risiko, keine Kinder mehr zeugen zu können.
Für männliche wie für weibliche Patienten gilt: Das Risiko einer Störung der Fruchtbarkeit oder des Hormonstoffwechsels durch eine Chemotherapie ist zwar vorhanden. Nur die behandelnden Ärzte können jedoch genauere Angaben zur Höhe und zu vorbeugenden Maßnahmen machen.
Zum Thema Fruchtbarkeit und Kinderwunsch nach einer Tumorerkrankung hat der Krebsinformationsdienst einen eigenen Text zusammengestellt.
Noch vor wenigen Jahren gingen Experten davon aus, dass die typische Müdigkeit vieler Krebspatienten auf eine Störung der Blutbildung durch Zytostatika zurückzuführen sei: Die Chemotherapie beeinträchtigt auch die Bildung der Sauerstoff transportierenden roten Blutkörperchen, was sich am Absinken des Hämoglobin-Wertes im Blut zeigt und als Anämie oder Blutarmut bezeichnet wird.
Heute weiß man, dass das Phänomen der so genannten Fatigue weit komplexer ist und dass auch die Frage der Krankheitsverarbeitung eine Rolle spielt. Vor allem bei lang anhaltender Erschöpfung haben die meisten Patienten gar keine nachweisbare Anämie, so dass eine Behandlung zum Beispiel mit Wachstumsfaktoren der Blutbildung als Fatigue-Therapie nicht in Frage kommt. Schonen und Ruhe haben sich zudem als falsche Strategie erwiesen - heute wird Krebspatienten eher zu Sport und Bewegung geraten.