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Einige Zytostatika der ersten Generation haben bis heute einen hohen Stellenwert in der Krebstherapie. Diese Medikamente sind inzwischen so gut erforscht, dass über ihre Wirkungen und Nebenwirkungen kaum noch Fragen offen bleiben.
In den letzten Jahren ist das Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten für Chemotherapeutika allerdings auch durch neue Substanzen erweitert worden: Dazu gehören beispielsweise die Taxane oder die Platinverbindungen. Doch die Chemotherapie lässt sich nicht nur durch neue Arzneimittel verbessern: Auch an der Anwendungsform, dem zeitliche Rhythmus oder der Verträglichkeit wird intensiv gearbeitet. Einen Überblick über wichtige Forschungsziele hat der Krebsinformationsdienst im folgenden Text zusammengestellt.
Je genauer Forscher die Wirkungsweise eines Zytostatikums kennen, desto eher können sie es auch verbessern. So werden viele neue Zellgifte aus bereits bekannten Substanzen entwickelt: Manchmal lassen sich eine leicht veränderte Wirkung oder eine bessere Verträglichkeit durch kleinste chemische Abwandlungen eines Moleküls erzielen. Dem Zufall überlassen die Krebsforscher solche Weiterentwicklungen schon länger nicht mehr: Chemische Verbindungen werden heute oft gezielt am Computer "entworfen", bevor man versucht, sie im Labor auch tatsächlich herzustellen.
Eine große Rolle spielt auch die Suche nach neuen Verbindungen. Dabei setzen große Forschungseinrichtungen wie Pharmakonzerne immer häufiger auf Naturstoffe: Pflanzliche oder tierische Gifte haben in reiner Form oft Eigenschaften, die sie für die Krebsforschung interessant machen.
Lässt sich aus einer Pflanze tatsächlich ein Zytostatikum isolieren, hat dies mit "natürlicher" oder "sanfter" Medizin allerdings in der Regel nicht mehr viel zu tun. Als Beispiele wären etwa die Taxane zu nennen - neuere Zytostatika, die aus der Rinde der pazifischen Eibe synthetisiert wurden, oder das Vincristin aus dem Immergrün (mehr dazu im Kapitel "Substanzen"): Als "pflanzliche Naturheilmittel" oder gar "sanfte Kräutermedizin" würde diese wirksamen Arzneimittel wohl niemand mehr bezeichnen. Welchen Prüfungen neue Substanzen unterzogen werden müssen, bevor sie als Medikament zugelassen werden, hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.
Das wachsende Wissen über die Biologie von Tumoren führt aber auch zu einem weiteren Ansatz: Bereits lange bekannte und bewährte Zytostatika werden neu kombiniert oder in anderen Dosierungen und Zeitabständen getestet. So soll ausgelotet werden, ob die optimale Wirkung bei Krebspatienten bereits erreicht wurde oder ob sich nicht doch noch eine Verbesserung erzielen oder Nebenwirkungen reduzieren lassen. Auch die Verringerung von Langzeitfolgen spielt heute eine große Rolle.
Solche Forschungsansätze werden als "Therapieoptimierungsstudien" bezeichnet.
Schon länger gibt es neben der Chemotherapie Medikamente, die gezielt gegen Krebszellen eingesetzt werden, aber keine Zytostatika sind. Dazu gehören beispielsweise die Antihormone, die Brustkrebspatientinnen vor Rückfällen schützen sollen oder bei Patienten mit Prostatatumoren gegen Metastasen wirken: Sie blockieren die natürlichen Geschlechtshormone, die bei diesen Tumorarten oft als Wachstumssignal fungieren. Eine neuere Entwicklung sind Antikörper, die sich gegen Merkmale richten, die nur oder überwiegend auf Tumorzellen zu finden sind.
Die Idee, gezielt in Wachstumsvorgänge von Krebszellen einzugreifen, hat in den letzten Jahren aber noch zu weiteren Fortschritten in der Krebstherapie geführt. Grundlage dafür waren molekularbiologische Forschungen zu tumorspezifischen Stoffwechselwegen, die bei gesunden Zellen nicht oder nicht in diesem Umfang ablaufen. Experten betonen, wie wichtig es heute schon bei der Behandlungsplanung ist, in der Krebszelle zu "lesen".
Grundlage dafür sind neue molekularbiologische Diagnoseverfahren, zum Beispiel die im Deutschen Krebsforschungszentrum mit entwickelte Chip-Technik, die auf kleinstem Raum die Testung vieler hundert Merkmale in einem Durchgang ermöglichen wird (mehr dazu unter dem Stichwort "Wie funktionieren molekularbiologische Tests?").
Um das umfassende Wissen über die Vielfalt der Signalwege zu bündeln, hat sich der Begriff "Systembiologie" etabliert (hier ein Link zum entsprechenden Forschungsnetz in Deutschland www.dkfz.de/de/sbcancer/index.html).
Für die neuen zielgerichteten Medikamente, die in der Folge dieser Forschung entwickelt wurden, hat sich der englische Begriff "targeted therapies" etabliert. Chemisch und pharmakologisch stellen sie keine einheitliche Gruppe dar. Ihnen gemeinsam ist lediglich, dass ihre Zielstrukturen Enzyme oder andere Moleküle sind, die nur auf oder in Tumorzellen zu finden sind und dort eine wichtige Funktion haben. Eine ausführliche Darstellung der Möglichkeiten solcher zielgerichteter Therapien hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt, zum Laden und Ausdrucken gibt es auch ein kurz gefasstes Informationsblatt zum Thema.