Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Durchführung: Wie läuft eine Chemotherapie ab?

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Zytostatika können als Tablette eingenommen oder als Injektion und Infusion gegeben werden. Für die Behandlung einiger Krebserkrankungen der Haut eignen sich auch Salbenzubereitungen.
Diese Anwendungsformen sind allerdings nicht beliebig untereinander austauschbar: Nur für wenige Krankheitssituationen stehen derzeit beispielsweise Zytostatika zum Einnehmen zur Verfügung. Die meisten Krebspatienten erhalten eine Chemotherapie über eine Infusion in eine Vene. Der folgende Text soll einen Überblick über die verschiedenen Anwendungsformen vermitteln und einige häufig gebrauchte Begriffe erläutern. Welche Mittel im Einzelfall wie zur Anwendung kommen, müssen Patienten mit ihren behandelnden Ärzten besprechen.
Einen allgemeinen Überblick über die wichtigsten Fragen an den Arzt bietet zur Vorbereitung eines solchen Gesprächs das Informationsblatt des Krebsinformationsdienstes "Behandlungswahl: Was muss ich wissen?".

Darreichungsformen

Die meisten Patienten erhalten die Medikamente heute mittels Infusion in die Vene. Bei dieser Anwendungsform wirken die Zytostatika im ganzen Körper. Auf diese Weise werden auch winzige Tumoren oder im Körper verstreute Krebszellen erreicht, die mit  Röntgenaufnahmen oder bei einer Operation nicht sichtbar sind. Dieser Ansatz, der sich nicht nur auf eine lokale Behandlung eines Tumors beschränkt, wird auch als "systemisch" bezeichnet.

Eine so genannte lokale oder regionale Chemotherapie ist weit seltener sinnvoll: Hierbei soll die Chemotherapie nur in eine bestimmte Körperregion geleitet und hier besonders hoch dosiert werden. Sehr vereinfacht dargestellt, werden dazu meist Blutgefäße kurzfristig abgeklemmt, um die Verteilung der Zytostatika im gesamten Körper zu bremsen und Nebenwirkungen an anderen Geweben zu minimieren. Die Zytostatika können dann, je nach Situation, auch in die Arterien als zuführenden Blutgefäße gegeben werden statt wie üblich in die Venen (intraarterielle Chemotherapie). Dies gelingt allerdings je nach Situation nur durch einen mehr oder minder großen operativen Eingriff.
Eine Sonderform der regionalen Chemotherapie ist die isolierte Extremitätenperfusion, die hoch dosierte Durchspülung eines erkrankten Arms oder Beins.
Je nach Situation kommt auch die Spülung von Körperhöhlen mit Zytostatika in Frage, die "intrakavitäre" Therapie oder "Instillationstherapie": So erhalten beispielsweise viele Patienten nach der operativen Entfernung eines Blasentumors regelmäßige Spülungen der Harnblase, um die Rückfallgefahr zu senken.

Nur wenige Zytostatika zum Einnehmen

Zum Einnehmen als Tablette, zur so genannten oralen Aufnahme, sind nur die wenigsten Zytostatika geeignet. Die Mehrzahl der Substanzen kann Tumorzellen überhaupt nur erreichen, wenn sie direkt mit dem Blutstrom ins Gewebe gelangen. Die oralen Zytostatika bestehen daher meist aus einer chemischen Vorstufe des eigentlichen Wirkstoffs, der erst im Rahmen der Verstoffwechselung in der Leber freigesetzt wird und von dort ins Blut übertritt. Auch diese Zytostatika wirken dann systemisch, also im ganzen Körper.

Port oder Infusion?

Nutzen-Risiko-Abwägung
Ob sich der Eingriff zum Legen eines Ports vor Beginn einer Chemotherapie lohnt und ob die Pflege gewährleistet ist, muss individuell geprüft werden.

Für Patienten, die häufiger und/oder über einen längeren Zeitraum Zytostatika benötigen, kommt neben der Infusion über einen Venenkatheter auch die Implantation eines so genannten Ports in Frage: 
Ein Port ist ein kleines Reservoir aus sterilem Material, das bei einem ambulanten chirurgischen Eingriff unter die Haut eingesetzt wird, oft in der Nähe des Schlüsselbeins. Von diesem Reservoir aus besteht über einen dünnen Schlauch eine Verbindung mit einer großen Vene.
Ist der Port nach rund einer Woche erst einmal eingeheilt, muss nicht mehr jedes Mal eine Vene angestochen werden, um die Zytostatika-Infusionen zu legen: Nur noch das Reservoir wird mit einer speziellen Nadel durch die Haut anpunktiert. Die Gefahr des "Danebenstechens" entfällt, und das Risiko sinkt, dass Zytostatika in das die Vene umgebende Gewebe austreten (so genannte Paravasation). Mit einem Port sind Baden oder Duschen und Schwimmen möglich.
Ein Port muss allerdings auch gepflegt werden, um Risiken wie etwa das Verstopfen oder Infektionen zu vermeiden. Dazu gehören unter anderem regelmäßige Spülungen, vor allem in Therapiepausen.
Nach Beendigung der Therapie wird der Port meist wieder entfernt. Ist eine erneute Behandlung wahrscheinlich, kann er allerdings auch ohne Folgen länger verbleiben.

Monotherapie, Kombinationstherapie, Zyklen und Schemata

Zytostatika können einzeln gegeben werden, dann spricht man von einer Monotherapie. Häufig werden aber auch mehrere Substanzen kombiniert, um ihre verschiedenen Effekte auf die Tumorzelle zu addieren. Für viele Tumorarten gibt es hier in klinischen Studien als besonders wirksam geprüfte Kombinationen.
Hinzu können Hilfsmedikamente (Adjuvantien, Additiva) kommen, die zum Beispiel die Wirkung der Zytostatika verstärken, ohne selbst toxisch zu sein.
Mittel zur Vorbeugung und Linderung von  Nebenwirkungen gehören heute zu jeder Chemotherapie dazu, vor allem Arzneimittel gegen Übelkeit.

Zeitliche Planung wichtig

Von Bedeutung sind auch die zeitlichen Abstände, in denen die einzelnen Substanzen oder die Kombinationen gegeben werden. Bei der Planung berücksichtigen Krebsmediziner die Kenntnisse über die jeweilige Wirkdauer der Zytostatika, die Zeit, die der Körper braucht, um sich zu erholen, sowie das Wissen über die bestmögliche Gesamtdauer der Anwendung.
Eine Chemotherapie verläuft nach einem festgeschriebenen Schema ab, das wiederholte Medikamentengaben in mehr oder weniger festen Abständen vorsieht. Spricht der Arzt von einem "Schema", das sechs "Zyklen" vorsieht, so bedeutet dies - um ein Beispiel für viele Möglichkeiten zu nennen -, dass über einen Zeitraum von mehreren Wochen sechsmal eine Chemotherapie erfolgt, dazwischen liegt jeweils eine Pause von einigen Tagen ohne Medikamentengabe.
Meist werden diese Behandlungs-Schemata mit den Abkürzungen der verwendeten Substanzen bezeichnet. So steht FEC beispielsweise für die Kombination von Fluoruracil, Epirubicin und Cyclophosphamid, FOLFOX für eine Abfolge von Folinsäure, Oxaliplatin und Fluoruracil.

Dosierung

Die Dosierung der Chemotherapie, also die Festlegung der Menge von Zytostatika, die ein Patient erhält, orientiert sich ebenfalls an den Ergebnissen der klinischen Studien, die vor der Zulassung des jeweiligen Medikaments durchgeführt wurden.
Entscheidend für die Dosierung ist  die Körperoberfläche eines Patienten. Sie  wird anhand des Gewichts und der Körpergröße ermittelt. Sind bei einem Patient Nieren- oder Leberfunktionsstörungen bekannt, werden auch der verlangsamte Abbau und/oder die verzögerte Ausscheidung der Arzneimittel mit einbezogen.
Dosis sowie Abstände der Medikamentengabe sind jedoch keine ganz festgelegten Größen: Leidet ein Patient sehr unter Nebenwirkungen oder erholt sich sein Körper in den Therapiepausen nur schlecht, ist es bis zu einem gewissen Grad notwendig und möglich, die Dosierung individuell auf seine Situation anzupassen.

Ambulant oder stationär?

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Heute wird die Mehrzahl der Chemotherapien ambulant durchgeführt. Dies ist zum einen möglich geworden, weil schwere Nebenwirkungen wie Übelkeit im Vergleich zu früher besser behandelbar sind. Zum anderen bieten viele Krankenhäuser die Chemotherapie über ihre Ambulanzen an, viele Krebsärzte haben die entsprechenden Einrichtungen auch in ihren Praxen geschaffen: Zur Durchführung einer ambulanten Zytostatika-Therapie sind neben den Ambulanzen der onkologischen Zentren Fachärzte berechtigt, die sich in "Medikamentöser Tumortherapie" weitergebildet haben.
Sehr intensive Therapien erfordern allerdings nach wie vor einen Krankenhausaufenthalt. Gründe sind zum Beispiel die notwendige regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion oder andere Überwachungen. Stationär werden auch Patienten behandelt, die während der Therapie voraussichtlich besonders infektionsgefährdet sein werden.
Weitere Kriterien, die bei der Suche nach Ansprechpartnern für die Krebsbehandlung eine Rolle spielen können, hat der KID im Informationsblatt "Arzt- und Kliniksuche" zusammengestellt.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 04.04.2008