Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Ursachen von Übelkeit und Erbrechen

Auslöser Chemotherapie

Moderne Medikamente können heute Abhilfe schaffen, wenn die Beseitigung der eigentlichen Ursache nicht möglich oder beispielsweise die Unterbrechung einer Chemotherapie nicht vertretbar ist. Sie greifen in mehrere verschiedene Mechanismen ein, über die Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, echte Übelkeit und Erbrechen ausgelöst werden. Auch einige unterstützende Maßnahmen lindern die Beschwerden. Für die Auswahl der passenden Behandlung ist daher eine genaue Diagnosestellung notwendig: Wann tritt die Übelkeit auf, wie lange hält sie an, steht sie in zeitlichem Zusammenhang mit einer Therapie oder scheint sie eher durch die Krankheit selbst ausgelöst zu werden, das sind Beispiele für entsprechende Fragen.

Nach Ausprägung und Zeitpunkt des Auftretens unterscheiden Fachleute dann verschiedene Formen von Übelkeit und Erbrechen:

  • akute Beschwerden
  • verzögerte Beschwerden
  • den sogenannten antizipatorischen oder vorwegnehmenden Typ von Übelkeit, oder
  • chronische Formen, vor allem bei fortschreitender Erkrankung.

Akute Beschwerden

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Akute, also plötzlich einsetzende, kurzzeitige Übelkeit mit Erbrechen tritt bei Krebspatienten vor allem im Zusammenhang mit der Anwendung von Zytostatika auf. Als Zeitraum gelten dabei bis zu 24 Stunden nach der eigentlichen Chemotherapiegabe. 

Die Übelkeit entsteht als Folge von Signalen, die nach der Aufnahme der Zytostatika durch bestimmte Zellen des Magen-Darm-Traktes ausgelöst werden und, weitergeleitet über das Gewebshormon Serotonin, schließlich beim Brechzentrum im Zentralnervensystem ankommen. Diese Reaktion ist eigentlich eine Schutzreaktion des Körpers vor Vergiftungen, der sich durch Erbrechen von giftigen und schädlichen Stoffen zu befreien versucht. Ganz verstanden sind die Abläufe der Signalweitergabe jedoch nicht; mehrere Wege und Auslöser scheinen eine Rolle zu spielen.

Jüngere Frauen sind besonders häufig betroffen. Hohe Dosen und kurze Abstände zwischen den Gaben steigern die Wahrscheinlichkeit von Übelkeit und Erbrechen ebenfalls. Die Schwere der Symptome ist hauptsächlich aber von der Substanz oder Substanzkombination abhängig. So ist Cisplatin ein Beispiel für ein Zytostatikum, bei dessen Gabe ohne wirksamen Schutz Übelkeit bei neun von zehn Patienten auftritt; bei Vincristin leidet auch ohne Vorbeugung höchstens einer von zehn Betroffenen darunter. 

Leider lassen sich Chemotherapie-Substanzen oder –kombinationen wegen ihrer unterschiedlichen Wirkung auf einzelne Tumorarten nicht beliebig gegeneinander austauschen.

Auch nach einer Strahlentherapie kann akute Übelkeit einsetzen. Man vermutet, dass hier die gleichen Signalketten eine Rolle spielen. 

Verzögerte Beschwerden

Erbricht ein Patient später als 24 Stunden nach einer Behandlung, so spricht man von verzögerter Übelkeit und Erbrechen. Cisplatin, Cyclophosphamid, Doxorubicin und Ifosfamid gehören zu den Substanzen, bei denen verzögertes Erbrechen besonders häufig ist, vor allem bei Gabe von hohen Dosen in kurzen Abständen. In erhöhtem Maße betroffen sind Patienten, die auf die Substanz schon mit akutem Erbrechen reagiert haben. Daher begünstigen auch alle dort genannten Faktoren das verzögerte Erbrechen. Je besser dem akuten Erbrechen vorgebeugt wird, desto geringer ist die Gefahr, dass verzögerte Übelkeit auftritt.

Antizipatorische Übelkeit als Folgeproblem

Akute wie verzögerte Übelkeit im Zusammenhang mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung können einen Mechanismus in Gang setzen, der für Betroffene besonders belastend ist: Nach einigen Chemotherapie-Gaben oder Bestrahlungen "lernt" das Brechzentrum im Gehirn den Zusammenhang mit Gerüchen, Örtlichkeiten und Begleitumständen der Übelkeit erzeugenden Therapie – es wird "konditioniert".

So kann später schon der Geruch eines Krankenhausflurs oder der weiße Kittel eines vorbeigehenden Arztes Übelkeit auslösen; unter Umständen erbricht ein Patient schon, bevor er ein Zytostatikum erhält. Ein bis drei von zehn Patienten reagieren mit dieser sogenannten antizipatorischen Übelkeit, die durch Angst noch verstärkt wird. Eine sinnvolle Reaktion des Körpers, die dem Schutz vor erneuter Vergiftung dient, kehrt sich hier gegen den Patienten, lässt sich aber behandeln.    

Verschiedene Risikofaktoren steigern die Wahrscheinlichkeit für antizipatorisches Erbrechen:

  • Alter des Patienten unter 50, besonders ausgeprägt unter 35,
  • akutes Erbrechen nach der vorangegangenen Zytostatikagabe,
  • bekannte Neigung zu Übelkeit bei Auto- oder Bootsfahrten,
  • starkes Erbrechen während früherer Schwangerschaften und
  • ausgeprägte Ängstlichkeit.
  • Frauen sind insgesamt häufiger und stärker betroffen als Männer.

Auslöser Medikamente, Allgemeinzustand, Tumorwachstum

Auch die Krebserkrankung selbst kann zu Unwohlsein, Appetitverlust, Übelkeit und sogar zu Erbrechen führen. Betroffen sind davon eher Patienten, deren Krebserkrankung fortgeschritten ist. Übelkeit darf jedoch nicht automatisch als Anzeichen dafür gewertet werden, dass sich die Krankheit verschlimmert hätte, immer kommen andere Auslöser ebenso in Frage. Wenn die Symptome eindeutig nicht durch eine Chemotherapie oder Bestrahlung verursacht werden, müssen Patienten und Ärzte daher sorgfältig nach möglichen Ursachen suchen.

Medikamente als Auslöser

Dazu gehört zunächst die Überprüfung aller Medikamente durch den Arzt, die ein Betroffener einnimmt.

  • Sind darunter solche, die die Verdauung beeinträchtigen? Bekannt ist diese Nebenwirkung beispielsweise von den zur Schmerztherapie eingesetzten Opioide, morphiumähnliche Substanzen. Sie verursachen bei vielen Patienten eine verzögerte Magenentleerung und starke Verstopfung (Obstipation), die unbehandelt indirekt auch Übelkeit auslösen können. Die Verschreibung von Abführmitteln gehört deshalb heute automatisch zur Opiattherapie hinzu, Hausmittel können unterstützend wirken, reichen aber nicht aus. Übelkeit als Nebenwirkung der Schmerztherapie tritt meist jedoch nur während der Einstellungsphase auf neue Medikamente auf.
  • Schmerzmittel wie einige andere Medikamente können auch direkt auf das Nervensystem wirken und Schwindel und Übelkeit auslösen. Auch hier ist meist nur die erste Zeit ein Problem, eine Dauerbehandlung der so ausgelösten Übelkeit ist selten nötig.
  • Problematischer sind Geschmacksveränderungen und Störungen des Geruchs, die durch Arzneimittel ausgelöst werden oder seltene Spätfolgen einer Chemotherapie oder Bestrahlung sein können.
  • Geprüft werden kann außerdem, ob die schiere Menge, der Geschmack oder die Form von Arzneimitteln zur Übelkeit beitragen. Achtung: Patienten sollten hier jede Änderung bei den vorgesehenen Medikamenten oder der vorgeschriebenen Einnahme mit ihren behandelnden Ärzten besprechen und nicht ohne Beratung selbst aktiv werden. Viele Tabletten dürfen nicht einfach zerkleinert, Kapseln nicht geöffnet werden, und nicht jede Flüssigkeit ist zum Herunterspülen geeignet.

Schlechter Allgemeinzustand

Flüssigkeitsmangel und Austrocknung (Dehydratation), stoffwechselbedingte Verschiebungen im Salzhaushalt und Nierenfunktionsstörungen verstärken unter Umständen sowohl tumorbedingte wie auch durch Medikamente ausgelöste Übelkeit.

Auch Infektionen können Unwohlsein auslösen: Ursachen sind zum Beispiel Pilzbefall in Mund und Speiseröhre, eine mögliche Komplikation bei Chemo- oder Strahlentherapie. Bei Patienten, die bestrahlt werden oder Chemotherapeutika erhalten, kann es zu schweren Entzündungen der Schleimhäute (Mukositis) kommen, die häufig Schluckstörungen und Übelkeit verursachen. Die bei Mukositis unangenehme und vielleicht auch schmerzhafte Mundhygiene macht es Betroffenen ebenfalls nicht leichter.

Tumoren als Verursacher von Übelkeit

Tumoren lösen – nur teilweise abhängig von ihrer Größe oder ihrer Bösartigkeit - Stoffwechselstörungen aus, die zu Appetitlosigkeit, der sogenannten Anorexie und einem auch die Muskeln betreffenden Gewichtsverlust führt, der Kachexie. Anorexie und Kachexie sind bei verschiedenen Tumorarten sehr unterschiedlich ausgeprägt und betreffen längst nicht alle Tumorpatienten. Warum sich Krebszellen so auswirken, ist nicht vollständig verstanden: Es handelt sich um Prozesse, bei denen zwar der Ablauf bekannt ist, nicht vollständig aber das komplizierte Wechselspiel zwischen Ernährung, Tumor und Stoffwechsel. So beobachten Ärzte bei der Kachexie nicht nur einfach einen Verlust an Körpergewicht durch Fettabbau, beeinträchtigt sind auch die Muskeln, und einfach mehr essen reicht für die Patienten meist nicht aus, da Stoffwechselabläufe gestört sind, die Magen-Darm-Passage beeinträchtigt sein kann und häufig Geschmack und Geruch von Essen verändert wahrgenommen werden. Alle diese Faktoren können zu Übelkeit und Erbrechen führen.

  • Bei der Anorexie spielen psychische Faktoren eine große Rolle, darunter Angst, die Anstrengung der Krankheitsbewältigung und die Furcht vor der Zukunft. In dieser Situation können Patienten unter gelegentlicher oder anhaltender Übelkeit leiden.
  • Nicht über den Stoffwechsel, sondern rein mechanisch durch Druck, Schwellung oder Verdrängung führt fortschreitendes Tumorwachstum in ungünstigen Fällen ebenfalls zu Übelkeit.
  • Wenn Patienten unter Hirntumoren oder Metastasen anderer Tumoren im Gehirn leiden, wirkt sich der gesteigerte Druck im Schädel unter Umständen auch auf Teile des Zentralnervensystems aus, die das Brechzentrum stimulieren.
  • Druck auf die Bauchorgane durch einen Tumor, Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle, der sogenannte Aszites, und teilweise oder vollständige Unterbrechung der Darmpassage (Subileus, Ileus) oder Darmlähmung durch einen Tumor im Rückenmarkbereich sind dann mögliche Gründe für Übelkeit und Erbrechen.



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Seite drucken   ganzes Thema drucken    Zuletzt aktualisiert: 02.02.2003