
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deIst vorauszusehen, dass ein Patient schwere Übelkeit und Erbrechen entwickeln wird, versucht man heute immer, schon vor Gabe der Zytostatika vorzubeugen. Dazu geeignete Medikamente, die sogenannten Antiemetika, können allein gegeben werden; zur Wirkungssteigerung sind auch Kombinationen möglich und teilweise sogar erforderlich, die an verschiedenen Stellen der Signalkette für die Übelkeit eingreifen.
Beispiele sind das Metoclopramid und verwandte Substanzen, weiter die sogenannten 5-HT3-Antagonisten (Granisetron, Ondansetron) und die Steroide ("Kortison"). Sinn machen zur Vorbeugung und Behandlung schweren Erbrechens auch Antihistaminika und beruhigende und angstlösende Mittel: Letztere stoppen den Kreislauf aus Übelkeit, Angst und erlernter Übelkeit.
Die Mittel können als Tropfen oder Tablette geschluckt werden, oft ist es bei einer Chemotherapie einfacher, sie intravenös über einen bereits gelegten Zugang zu geben. Dosierung und Dauer der Anwendung und die Auswahl der antiemetischen Medikamente hängen vor allem von der Art der Zytostatika ab, aber auch davon, ob die Chemotherapie stationär im Krankenhaus oder ambulant beim niedergelassenen Arzt oder in der Klinikambulanz durchgeführt wird. Ist nicht von vornherein mit schwerer Übelkeit zu rechnen, kann mit einem einzelnen Medikament begonnen und dann gegebenenfalls ein weiteres oder eine höhere Dosis dazu gegeben werden.
Kommt es trotz antiemetischer Prophylaxe doch zum Auftreten von Übelkeit und Erbrechen, ist in der Regel eine Intensivierung der Behandlung möglich, bis eine Besserung eintritt, auch wenn bereits eine Kombination verschiedener Substanzen eingesetzt wurde.
Die Nebenwirkungen der antiemetischen Mittel sind im Vergleich zur Unterdrückung von Übelkeit und Brechreiz meist harmlos. Vorkommen können je nach Substanz vor allem Müdigkeit, Kopfschmerzen und verstärkte, aber auch verlangsamte Verdauung.
Zu keiner einhelligen Meinung kommen die Experten bisher über die Rolle von Cannabis-Medikamenten. Die aus der Hanfpflanze hergestellten Arzneimittel sind in Deutschland zwar - entgegen immer wieder aufgestellter Behauptungen – völlig legal erhältlich, auch wenn sie den wichtigsten Inhaltsstoff mit den Rauschmitteln Haschisch und Marihuana teilen. Zur Verordnung muss der Arzt ein Betäubungsmittelrezept ausstellen.
Die Hauptindikation ist allerdings die unterstützende Schmerzbehandlung, nicht die Therapie von Übelkeit, Appetitlosigkeit und Erbrechen: Im Vergleich zu den anderen Antiemetika sind Wirkung und Nebenwirkung von Cannabinoiden nicht so gut untersucht. Wenn gewünscht, sollten Cannabinoide nicht alleine, sondern zu anderen Mitteln dazu gegeben werden, ähnlich wie bei der Schmerztherapie. Die Kostenübernahme durch die Krankenversicherung müssen Arzt und Patient auf jeden Fall vorher abklären.
Übelkeit und Erbrechen möglichst schon vorbeugend zu behandeln, ist besonders wichtig, da ein einmal gelerntes antizipatorisches Erbrechen mit Medikamenten nur schwer zu beeinflussen ist. Am besten wirken dann zusätzlich zu den oben genannten Mitteln angstlösende Medikamente, die rechtzeitig genommen werden müssen. Eine Verbesserung gelingt auch mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen, die besonders gut gegen Angst und Stress wirken. Dazu gehören die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Hypnose oder andere Entspannungsverfahren unter Anleitung. Patienten, die bei sich selbst antizipatorisches Erbrechen beobachten, sollten möglichst frühzeitig nach entsprechenden Schulungen und eventuell psychologischer Betreuung fragen, um ihre Behandlungschancen zu verbessern.
Bei der Therapie steht, wenn möglich, immer die Beseitigung der Ursachen im Vordergrund. Hier sind je nach Situation eine Vielzahl von Maßnahmen vorstellbar, unter anderem Tumorverkleinerung durch Bestrahlung, Wiederherstellung der Magen-Darm-Passage durch Operation oder eventuell auch Einlage eines Stents (enges, Passagen offen haltendes Röhrchen), Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr über Infusionen, bei Nierenfunktionsstörungen die Blutwäsche (Dialyse), Therapie von Pilzinfektionen der Mundhöhle, und mehr.
Das Gespräch mit den behandelnden Ärzten über Möglichkeiten und Ziele einer Behandlung ist für Patienten und ihre Angehörigen daher der wichtigste Schritt, um gegen Übelkeit anzugehen. Ist eine ursächliche Therapie nicht möglich, müssen Patienten Übelkeit trotzdem nicht einfach hinnehmen, die Behandlung wird dann an den Symptomen ausgerichtet.
Die Lebensqualität der Patienten bestimmt die Wahl der geeigneten Behandlung. Die Medikamente, die bei Beschwerden unter Chemotherapie oder Bestrahlung helfen, sind bei durch den Tumor selbst ausgelöster Übelkeit jedoch meist weniger geeignet. Dagegen helfen Steroide ("Kortison") gegen Übelkeit, Patienten berichten auch über einen besseren Appetit. Ein Medikamententyp, der unter anderem einen Einfluss auf die Magen- und Darmbeweglichkeit hat, bremst das Unwohlsein ebenfalls besser. In schweren Fällen können diese Mittel als Dauerinfusion verabreicht werden.
Zur Therapie einer die Übelkeit fördernden Verstopfung werden verschiedene abführende Substanzen eingesetzt, sogenannte Laxantien. Da sie den Elektrolyt- und Wasserhaushalt stören können, sollten Patienten hier nicht zur Selbsthilfe greifen und Abführmittel nur nach Absprache mit dem Arzt einnehmen.
Ist sicher, dass die Darmpassage durch einen Tumor eingeschränkt ist, sind Medikamente einen Versuch wert, welche die Sekretbildung im Magen-Darm-Trakt hemmen (Anticholinergika). Bei vollständiger und nicht rückgängig zu machender Verlegung des Darms kommt eine Ableitung der Sekrete durch einen künstliche Magenausgang (Gastrostomie) in Frage. Die Sekretableitung durch eine Magensonde ist für den Patienten belastender und nur übergangsweise akzeptabel.