
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de Viele Behandlungsverfahren in der Krebstherapie erfordern heute keine stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus mehr, sie können auch von zu Hause aus durchgeführt werden. Voraussetzung ist allerdings meist, dass die Betroffenen entweder fit genug sind, um sich selbst zu versorgen, oder nicht alleine zurecht kommen müssen, weil Angehörige oder Freunde einen Teil ihrer Betreuung übernehmen.
Auch Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen müssen nicht automatisch in die Klinik, wenn es ihnen schlechter geht, solange professionelle Hilfe ihre Angehörigen und Freunde entlastet und Sicherheit bei der Versorgung gewährleistet.
Bei der häuslichen Krankenpflege können die folgenden Tipps nützlich sein. Sie wurden in Zusammenarbeit mit dem Krebsinformationsdienst vom Brückenpflegeteam des Universitätsklinikums Heidelberg im Tumorzentrum Heidelberg zusammengestellt (hier ein Link zu den Autorinnen unter www.klinikum.uni-heidelberg.de/Brueckenpflege.109935.0.html). Diese Tipps ersetzen jedoch keinesfalls die persönliche Information und Betreuung durch Hausarzt und Pflegedienste. Nicht jeder Tipp kann automatisch auf jede Situation oder alle Patienten übertragen werden. Neu auftretende Probleme oder die Zunahme von Beschwerden beim Patienten sollten grundsätzlich zuerst mit dem Hausarzt besprochen werden!
Wie Pflege zu Hause organisiert werden kann und welche Hilfsangebote zur Verfügung stehen, lesen Sie hier, im Text "Ansprechpartner". Angehörige oder Freunde, die bisher keine Erfahrung in der Krankenpflege haben, sollten sich intensiv erkundigen, was auf sie zukommen kann, und sich möglichst viel Unterstützung sichern.
Die auf diesen Seiten namentlich erwähnten Medikamente und Hilfsmittel stellen lediglich eine Auswahl dar, mit der die Autorinnen arbeiten und Erfahrungen gemacht haben. Sie sind nicht als Empfehlung zu verstehen: Weitere Präparate mit gleichen oder ähnlichen Inhaltsstoffen und Wirkungsweisen können Arzt oder Apotheker nennen, andere Pflegekräfte und Fachdienste haben möglicherweise auch mit anderen Mitteln gute Erfahrungen gemacht.
Mundtrockenheit kann auf allgemeine Austrocknung hinweisen! Auch eine beginnende Entzündung macht sich gelegentlich durch Mundtrockenheit bemerkbar. Als Nebenwirkung einer Schmerztherapie mit Opioiden ist das Problem ebenfalls bekannt.
- Auf ausreichende Trinkmenge achten (mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag)
- Mund alle zwei Stunden mit einer Salzlösung ausspülen (1 Teelöffel Speisesalz auf 1 Liter Wasser)
- Häufige Gabe von Wasser, Früchtetee, Bouillon
- Zuckerfreien Kaugummi kauen, Bonbons lutschen
- Eisstücke (etwa aus Tonic-Wasser, Fruchtsaft, Joghurt) oder fertiges Speiseeis lutschen
- Künstlichen Speichel als Lösung oder aus der Sprühdose verwenden (Glandosane®, Saliva Medac® oder ähnliche Produkte, Ansprechpartner: Apotheken oder Pflegedienst)
- Mundhöhle und Zunge mehrmals täglich mit feuchten Watteträgern auswischen (Salbeitee, Kamillentee) oder Lieblingsgetränk (kann durchaus auch Sekt sein). Bei Borkenbildung etwas Butter auf die Zunge zum Aufweichen geben oder mit Fettsalbe oder entsprechender Lösung ablösen
- Lippenpflege mit Fettcreme, -salbe oder Fettstift
- Raumluft sollte angefeuchtet werden, zum Beispiel feuchte Tücher in Bettnähe aufhängen, Wasserverdunster an Heizkörper befestigen oder Raumluftbefeuchter aufstellen, die im Elektrohandel erhältlich sind.
Etwas anderes ist die verzögert oder auch gleich auftretende dauerhafte Mundtrockenheit bei Patienten, deren Speicheldrüsen erkrankt waren oder durch eine Bestrahlung geschädigt wurden. Betroffene können sich zwar ebenfalls an den Tipps aus der Pflege orientieren. Sie brauchen jedoch eine gute Beratung durch den Strahlentherapeuten oder behandelnden Arzt, wie sie langfristig mit der Mundtrockenheit zurecht kommen und Schäden an Zähnen und Mundschleimhaut vermeiden.
Wunde Schleimhäute in Mund und Rachen treten häufig nach Chemo- oder Bestrahlungstherapie auf. Weißliche Beläge, gelbe Stippchen oder Brennen in der Mundhöhle können Anzeichen einer Pilzerkrankung oder einer anderen Infektion sein - Arzt ansprechen!
Schmerzt der Mund sehr und stört dies auch beim Essen, kann der Arzt eine medizinischen Mundspüllösung (zum Beispiel Doreperol Lsg.®, Hexetidin Lsg.®) oder örtlich betäubend wirkende Medikamente (zum Beispiel Lidocain Spray® , Mundisal Gel®, Anästhesin® Lutschtabletten) verordnen.
Mehrmals täglich schonende Mund- und Zahnpflege (mindestens nach jeder Mahlzeit) ist wichtig. Dabei am besten eine weiche Zahnbürsten verwenden und kein scharfes Mundwasser oder Zahnseide! Geht dies nicht, kann man die Mundhöhle mit Salbei- oder Kamillentee auswischen oder ausspülen.
Vitamin-, eiweiß- und kalorienreiche Ernährung unterstützt die Wundheilung und den Zellaufbau - bei Patienten, die viel Gewicht verloren haben, heilen Schleimhautschäden schlechter aus.
Viele Medikamente in Tablettenform können zermörsert und mit etwas Flüssigkeit gegeben werden (Tablettenmörser sind in Apotheken erhältlich). Aber: Vorsicht! Nicht alle Medikamente dürfen zerkleinert oder kombiniert werden, in der Apotheke nachfragen!
Bei Schluckauf schafft eine feuchtwarme Auflage auf den unteren Brustkorbbereich bzw. den Rippenbogen oft Linderung.
Ein Tipp bei kurzfristig auftretendem Schluckauf: mehrere Schluck Eiswasser trinken. Bei sehr lang anhaltendem Schluckauf (über mehrere Tage) können Antra®-Kapseln zur Hemmung der Magensäureproduktion und Psyquil®-Zäpfchen (vom Hausarzt zu verordnen) in Kombination Abhilfe schaffen. Unter Umständen ist auch Akupunktur eine Behandlungsmöglichkeit, Ansprechpartner sind Schmerztherapeuten.
Verstopfung bei Krebspatienten kann allein durch den Bewegungsmangel beim Liegen entstehen, aber auch ein Symptom für grundlegendere Probleme sein. Die Rücksprache mit dem Arzt ist daher immer wichtig, wenn die Verdauung plötzlich streikt oder die Probleme länger anhalten! Achtung: Manche Schmerzmittel, die sogenannten Opioide, haben Verstopfung als Nebenwirkung zur Folge. Diese Schmerzmedikamente sollten daher nur zusammen mit bestimmten Abführmitteln verordnet werden.
Folgende Hausmittel können helfen, wenn Arzt und Fachpflegekräfte keine Einwände haben:
- Ballaststoffreiche Nahrung (Vollkornbrot, Rohkost, Weizenkeime, Kleie, Leinsamen, frisches Obst mit Schale).
- Wichtig: Vor allem bei älteren Menschen auf ausreichende Trinkmenge achten (mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag)!
- Morgens 1 Glas lauwarmes Wasser oder frische Fruchtsäfte trinken, auch Sauerkrautsaft, Pflaumensaft
- Ein bis zwei Löffel Milchzucker in einem Glas Wasser auflösen, über den Tag verteilt trinken
- Körperliche Aktivitäten steigern, wenn möglich
- Darmmassage (leichte kreisende Bewegung mit der Handfläche im Uhrzeigersinn auf dem Unterbauch)
- Bei hartem Stuhl zwei Glycerinzäpfchen einführen (haben keine Nebenwirkungen und sind frei in der Apotheke erhältlich)
Anhaltende schwere Durchfälle können wegen des ausgeprägten Elektrolyt- und Wasserverlustes gefährlich sein - unbedingt dem Arzt mitteilen! Test auf ausgeprägte Austrocknung: bei Anheben der Hautoberfläche auf dem Handrücken bleibt nach dem Loslassen eine Hautfalte "stehen"!
Wegen des Flüssigkeitsverlustes sollten Patienten mindestens 2 bis 3 Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt trinken (salzhaltige beziehungsweise isotonische Getränke, Bouillon).
Bei dünnflüssigem Stuhl ist es wichtig, nach jeden Stuhlgang den Analbereich mit warmen Wasser und milder Seife zu säubern, gut abzutrocknen und dann mit wasserabweisender zinkhaltiger Salbe einzucremen.
Günstig: leichtverdauliche Kost, mehrere kleine Mahlzeiten am Tag, Weißbrot, Kartoffeln, Teigwaren, weißer Reis, Bananen, Schokolade, drei bis sechs feingeriebene Äpfel pro Tag (mit Schale), Salzstangen, leichter Schwarztee
Ungünstig: fette Speisen, frisches Obst oder Gemüse, koffein- oder kohlensäurehaltige Getränke (Ausnahme eventuell: Colagetränke), Milch oder milchhaltige Getränke
Treten Blähungen im Zusammenhang mit Durchfall oder Verstopfung auf, sollten diese Probleme ebenfalls angegangen werden!
- Schwerverdauliche und blähende Speisen vermeiden (zum Beispiel Hülsenfrüchte, Kohl, frisch gebackenes Brot)
- Lockere, nicht einengende Kleidung tragen
- Anis-Fenchel-Kümmeltee nach dem Essen trinken
- Leibmassage mit Kümmelöl (leichte kreisende Bewegung mit der Handfläche im Uhrzeigersinn)
- Feuchtwarme Leibwickel (ein lauwarmes feuchtes Tuch mit einer Wärmflasche bedecken und auf die schmerzende Stelle legen)
Neu auftretendes Fieber kann auf eine Infektion hinweisen, ist bei manchen Krebsarten aber auch für bestimmte Krankheitsstadien sogar charakteristisch; daher unbedingt dem Arzt mitteilen! Wichtig: bei anhaltendem Fieber kann es zur Austrocknung kommen; daher auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten! Test auf ausgeprägte Austrocknung: bei Anheben der Hautoberfläche auf dem Handrücken bleibt nach dem Loslassen eine Hautfalte "stehen"!
- Heiße Stirn mit feuchtem Tuch kühlen
- Nach Rücksprache mit dem Arzt Fieber durch Wadenwickel langsam senken
- Bei Frösteln gut zudecken
- Bei Schwitzen nur mit einem leichten Bettlaken zudecken und Kleidung häufiger wechseln
- Eventuell Lavendeleinreibung, Franzbranntwein, oder Körperabreibung mit lauwarmen Wasser und einigen Tropfen Pfefferminzöl
- Die Haut immer wieder gut trocknen, besonders in der Leiste, im Genitalbereich, unter der Brust, unter der Achsel und gegebenenfalls Leinenläppchen dazwischenlegen - feuchte Haut liegt schneller wund
- Auf genügende Trinkmenge achten (etwa Mineralwasser, Suppen, Tee)
- Für ausreichende Ruhe sorgen
Die gefährdetsten Stellen sind Ohrmuschel, Hinterkopf, Schulterblatt, Ellenbogen, Wirbelsäule, Beckenknochen, Steiß, Hüfte und Fersen. Risikofaktoren sind Hautprobleme, Schwitzen oder Infektionen. Wichtig: häufige Druckentlastung der betroffenen Stellen durch Veränderung der Lagerung, am besten einen Lagerungsplan für Patienten machen, die sich selbst nicht ausreichend oder gar nicht drehen können. Auch hier wichtig: Test auf ausgeprägte Austrocknung: Bei Anheben der Hautoberfläche auf dem Handrücken bleibt nach dem Loslassen eine Hautfalte "stehen"! Test für Anzeichen von Flüssigkeitsansammlung in der Haut: Bei Druck mit einem Finger auf die geschwollene Hautstelle bleibt eine "Delle" zurück!
- Sitz- oder Liegeposition öfter wechseln, dabei Reibung vermeiden
- Sorgfältige Körperpflege
- Unterlagen und Bettlaken immer glatt und trocken halten
- Haut trocken halten (besonders bei Blasen- und Darmstörung)
- Gefährdete Stellen mit Hautschutzsalbe eincremen (Arzt oder Apotheker fragen)
- Eiweißreiche Kost und viel Flüssigkeit (optimal: mindestens 2 Liter pro Tag)
- Eine zusammengerollte Decke unter der Längsseite der Matratze verändert die Lageposition des Kranken um circa 30 Grad, nach Entfernen werden andere Körperstellen belastet.
Lagerungsmaterialien wie zum Beispiel Schaffell, Lammfell, Anti-Dekubitus-Fell, Spezialmatratzen, Nacken- und Knierollen oder Keilkissen erhält man in Sanitätshäusern, dort auch fachliche Beratung zu Lagerungsmaterialien.
Wichtig: Juckreiz kann auf eine Medikamentenunverträglichkeit oder Leberprobleme hinweisen - Ursachen gemeinsam mit dem Arzt abklären!
- Nicht kratzen!
- Wenn die Haut zu trocken ist, mehr trinken! Test auf ausgeprägte Austrocknung: bei Anheben der Hautoberfläche auf dem Handrücken bleibt nach dem Loslassen eine Hautfalte "stehen"!
- Überwärmte Räume vermeiden
- Lockere, bequeme Kleidung aus kühlenden Naturmaterialien tragen
- Keine starken Waschmittel oder Weichspüler verwenden
- Regelmäßige Körperpflege mit milder Seife, danach mit Feuchtigkeitslotion einreiben
- Badewasser nicht zu heiß, Ölzusatz verwenden
- Juckreizlinderndes Puder (zum Beispiel Ingelan®)
- Juckende Haut behutsam mit einem Frotteehandtuch massieren oder reiben
- Raumluft sollte angefeuchtet werden, zum Beispiel feuchte Tücher in Bettnähe aufhängen, Wasserverdunster an Heizkörper anbringen, Raumluftbefeuchter aufstellen (Elektrohandel)
Schwellungen können durch eine vermehrte Ansammlung von Lymphe entstehen, besonders gefährdet sind Knöchel, Beine, Arme, Hände oder Augenlider. Auf schon früher bekannte Neigung zu Schwellungen achten, zum Beispiel durch Herzerkrankungen, Venenprobleme, oder, nach einer Krebsbehandlung, die Neigung zu Lymphödemen!
- Anzeichen sind Spannungsgefühle und Gewichtszunahme
- Test für Anzeichen von Flüssigkeitsansammlung in der Haut: bei Druck mit einem Finger auf die geschwollene Hautstelle bleibt eine "Delle" zurück!
- Hausarzt fragen, ob Lymphdrainage für Erleichterung sorgt
- Geschwollene Partien mit Kissen hoch lagern (gegebenenfalls Bett am Fußende hochstellen)
- Beim Sitzen die Beine auf einen Fußhocker legen
- Geschwollene Hautstellen sind vermehrt druckgefährdet, deshalb gute vorsichtige Hautpflege und bequeme, luftige Kleidung tragen
- Nicht zuviel Speisesalz verwenden, als Ersatz eignen sich beispielsweise frische Kräuter