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Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

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Wolkenhimmel © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Lymphe, Lymphsystem, Lymphödeme

Grundlagen kurz erklärt

Ursache von Lymphödemen ist eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe, der sogenannten Lymphe. Schwellungen bilden sich vor allem unter der Haut, bis in die tieferen Schichten zum Fettgewebe hin. Krebspatienten können Ödeme nach Lymphknotenentfernung entwickeln, nach Bestrahlung von Lymphknoten, aber auch dann, wenn ein Tumor in das in ihn umgebende Lymphabflussgebiet einwächst oder streuende Tumorzellen die Lymphbahnen verlegen.

Der folgende Text ist Teil umfassender Informationen zum Thema "Lymphödeme bei Krebspatienten". Er zeigt auf, wie die Lymphe gebildet wird und wie das Lymphsystem aufgebaut ist. Außerdem erläutert er, wie Lymphödeme entstehen und warum Krebspatienten davon betroffen sein können.

Genutzte Quellen und Links

Die bei der Erstellung genutzten Quellen, Hinweise auf weiterführende Fachinformationen und den jeweils letzten Stand der Recherche finden sich im Text "Lymphödeme behandeln", unter dem Stichwort "Weitere Informationen: Linktipps, Fachinformationen, Quellen".

Lymphe: Wie setzt sie sich zusammen, welche Funktion hat sie?

Lymphsystem © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
Vergrößerte Ansicht Lymphsystem © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Eine gewisse Menge von Gewebeflüssigkeit umspült alle Zellen des Körpers. Sie trägt dazu bei, einen reibungslosen Stoff- und Flüssigkeitsaustausch im ganzen Organismus zu gewährleisten. Die Gewebeflüssigkeit entsteht, indem durch die Wände der feinsten Blutgefäße hindurch flüssige Anteil des Blutes und darin gelöste Substanzen in die Zellzwischenräume übertreten. Auf diesem Weg gelangen Sauerstoff und wichtige Nährstoffe wie beispielsweise Zucker auch zu Zellen, die keinen direkten Anschluss an Adern haben und weiter entfernt von Blutgefäßen liegen. Die Zellen geben ihrerseits überschüssiges Wasser und Stoffwechselprodukte in die Spalträume zwischen den Zellen ab.

Unter besonderen Umständen, etwa bei körperlicher Belastung, Entzündungen oder auch zum Beispiel bei einem Sonnenbrand, bildet sich mehr Gewebswasser als üblich, was zu vorübergehenden Ödemen führen kann. Normalerweise ist es für den Körper jedoch kein Problem, die Menge der Gewebeflüssigkeit in etwa konstant zu halten.

Neben dem Blutgefäßsystem, in das der größte Teil der Flüssigkeit im Zwischenzellraum zurückgeführt wird, ist daran das Lymphsystem beteiligt. Es transportiert ebenfalls Flüssigkeit und darin gelöste Substanzen ab: Die feinen Gefäße des Lymphsystems, die sogenannten Lymphkapillaren, ragen in die Spalträume zwischen den Zellen. Sie nehmen die sogenannten "lymphpflichtigen Lasten" des Stoffwechsels auf, die zu groß oder im weitesten Sinn zu schlecht löslich sind, um von alleine zurück in den Blutkreislauf zu gelangen. Sobald sich diese Substanzen in den feinen Lymphgefäßen sammeln, sprechen Fachleute von der entstandenen Flüssigkeit als Lymphe: Anders als die Gewebsflüssigkeit zwischen den Zellen besteht sie überwiegend aus Wasser, Eiweißen und Fetten. Es finden sich außerdem Reste abgebauter Zellen, und bei Infektionen auch Krankheitserreger.

Die in der Lymphe ebenfalls enthaltenen freien Zellen des Immunsystems, die sogenannten Lymphozyten, sorgen dafür, dass eine Immunreaktion ausgelöst wird, wenn Krankheitserreger in den Körper eindringen. Und schließlich können Tumorzellen, die sich vom sogenannten Primärtumor gelöst haben, in die Lymphe übertreten.

Lymphbahnen, Lymphknoten: Wie ist das Lymphsystem aufgebaut?

Lymphe

Die Lymphe ist eine klare bis hellgelbe Flüssigkeit im Gewebe. Sie besteht aus Wasser mit vielen darin gelösten Stoffen, darunter vor allem Eiweiße.

Das Lymphsystem, in dem die Lymphflüssigkeit transportiert wird, besteht aus Lymphgefäßen und lymphatischen Organen. Oberflächliche und tiefe Lymphbahnen durchziehen den gesamten Körper. Im Unterschied zum Blutgefäßsystem funktioniert das Lymphgefäßsystem nicht als geschlossener Kreislauf: Die kleinsten Lymphgefäße beginnen einfach blind im Gewebe. Diese Lymphbahnen transportieren Flüssigkeit aus der Haut, der Unterhaut, den Muskeln, Gelenken, Knochen und den inneren Organen zunächst in die Lymphknoten. Diese dienen als Filterstationen. Dort werden aus der Lymphe Abfallstoffe wie Krankheitserreger oder Zelltrümmer herausgefiltert.

Größere Lymphknotenstationen finden sich zum Beispiel in der Ellenbogenbeuge und unter der Achsel, in der Kniekehle und der Leiste sowie an Hals und Schlüsselbein. Im Brust- und Bauchraum sind die inneren Organe von Lymphgefäßen und Lymphknoten umgeben.

  • Auch wandernde Tumorzellen passieren die Lymphknoten und können sich dort unter Umständen festsetzen.

Die gereinigte Lymphe wird über die größeren Lymphsammelgefäße abgeleitet. Diese münden in die großen Venen kurz vor dem Herzen. Die Lymphe gelangt so zurück in ins Blut.

Außer den Lymphknoten zählen auch Milz, Mandeln, Thymus, Knochenmark und Anteile des Darms zu den lymphatischen Organen. Sie spielen außerdem als Teile des Immunsystems eine wichtige Rolle in der körpereigenen Abwehr.

Lymphödeme: Wie entstehen sie bei Krebspatienten?

Lymphknoten

Lymphknoten wirken wie ein Filter für die Gewebeflüssigkeit.

Unter einem Lymphödem versteht man eine übermäßige Ansammlung eiweißhaltiger Flüssigkeit im Gewebe, die zu einer Schwellung führt. Ein solches Ödem entsteht, wenn die Lymphgefäße unterbrochen sind, die das betreffende Gebiet versorgen, oder die zugehörigen Lymphknoten geschädigt sind oder fehlen.

Bei Krebspatienten werden häufig Lymphknoten zu diagnostischen Zwecken entfernt: So soll geprüft werden, ob ein Tumor bereits gestreut hat und sich deshalb wandernde Tumorzellen über die Lymphbahnen noch weiter ausbreiten könnten. Ob Lymphknoten tumorfrei oder von Tumorzellen befallen sind, beeinflusst die Wahl der weiteren Behandlung und ist deshalb ein wichtiger Befund. Besteht ein sehr hohes Risiko einer solchen "lymphogenen Metastasierung", müssen Lymphknoten unter Umständen auch zur Vorbeugung entnommen werden. Bestrahlungen können das Lymphsystem in seiner Funktion beeinträchtigen, und nicht zuletzt sind Lymphknotenmetastasen oder auf Lymphabflusswege drückende Tumoren mögliche Auslöser eines Lymphödems: Sind Lymphabflussgebiete beschädigt oder verlegt, kann die Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe nicht mehr auf dem normalen Weg abtransportiert werden. Es kommt zu einem Rückstau und einer Schwellung.

Die Unterbrechung nur einiger Lymphbahnen kann der Körper normalerweise ausgleichen. Sind jedoch viele Lymphknoten entfernt oder geschädigt, die Arme, Beine oder den Kopf entlasten, baut sich eine solche Flüssigkeitsansammlung im Gewebe nur sehr schlecht wieder ab. Seltener, aber nicht ausgeschlossen sind Lymphödeme am Rumpf oder im Körperinneren, oder Lymphödeme an den Genitalien: In Brust- und Bauchraum existieren viel mehr Lymphbahnen, so dass selbst nach einer umfangreicheren Lymphknotenentfernung bei den meisten Patienten ein ausreichender Lymphabfluss gewährleistet ist.

Folgen eines Lymphödems: Infektionen und verhärtetes Gewebe

Problematisch bei solchen Schwellungen ist, dass die Lymphflüssigkeit nicht einfach nur aus Wasser besteht: Sie enthält viele gelöste Stoffe, darunter vor allem Eiweiße. Verbleiben diese über längere Zeit in höherer Konzentration im Gewebe, kommt es dort zu einer chronischen Entzündungsreaktion. Der Körper bildet vermehrt bindegewebige Zellen aus und versucht, neue Lymphkanäle anzulegen. Langfristig leidet das Gewebe aber trotz dieser Schutzreaktion unter der entzündlichen Veränderung: Die Schwellung selbst führt zu mangelnder Durchblutung durch Druck und mechanische Reizung, das Gewebe wird schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die neuen Bindegewebezellen verhärten das feine Lymphgefäßgeflecht zusätzlich und schränken es in seiner Funktion ein. Die Haut verliert ihre Elastizität, wird anfällig für Krankheitserreger, und unbehandelt baut sich das ganze betroffene Gewebe nach und nach narbig um und verhärtet.

Als Teil des Immunsystems ist das Lymphsystem außerdem dafür zuständig, Infektionen zu bekämpfen. Ist es beeinträchtigt und kommt es zu einem Lymphstau, werden Betroffene noch anfälliger für Infektionen der beeinträchtigten Haut und des tieferliegenden Gewebes.

Häufigkeit: Wer ist betroffen?

Selbst Fachleute können nur schwer vorhersagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Krebspatient ein Lymphödem entwickeln wird. Die Angaben in der Fachliteratur, wie häufig Lymphödeme bei einzelnen Krebserkrankungen oder nach bestimmten Behandlungsmaßnahmen auftauchen, sind zum Teil sehr unterschiedlich. Erschwert wird die Suche nach Fachliteratur auch, weil keine einheitliche Definition des Lymphödems besteht. Die Diagnosemethoden, die in den vorliegenden Studien gewählt wurden, sind nicht immer vergleichbar, ebenso Zeitpunkt und Dauer der Nachbeobachtung von Patienten. Verlässliche Langzeitstudien, in denen nach Lymphödemen bei Krebspatienten auch Jahre nach der Behandlung gefragt wurde, fehlen ganz. Zudem mangelt es an Studien, in denen das Risiko und der Schweregrad von Lymphödemen nach den jeweiligen einzelnen Behandlungsverfahren aufgeschlüsselt wurden.

Lokalisation: Wo treten Lymphödeme bei Krebspatienten auf?

Brustkrebs: Hand,- Arm-, Schulter und Brustlymphödeme

Am meisten weiß man momentan über das Lymphödem bei Brustkrebspatientinnen: Zu diagnostischen Zwecken werden bei Patientinnen mit Mammakarzinom Lymphknoten in den Abflussgebieten der Brust bis hin zur Achsel entfernt. Bei einer Brustbestrahlung liegen diese Bereiche häufig mit im Strahlengang. Die Beeinträchtigung der Lymphbahnen kann zu einem Lymphödem der Hand, des Arms, der Achsel, der Schulter oder im Gewebe der operierten Brustseite führen. Laut der Leitlinie "Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (www.senologie.org/fileadmin/downloads/S3-Brustkrebs-v2012-OL-Langversion.pdf) entwickeln zwei bis drei von zehn Frauen mit Brustkrebs, denen Lymphknoten in der Achselhöhle entfernt wurden, ein Lymphödem.

Durch die Entwicklung von neuen operativen Techniken, wie etwa der brusterhaltenden Therapie, und von moderneren Bestrahlungstechniken hat sich die Zahl der Brustkrebspatientinnen, die mit einem Lymphödem rechnen müssen, jedoch vermutlich deutlich verringert. Neuere Studien belegen außerdem, dass mit der Wächterlymphknotenbiopsie, auch Sentinel-Node-Biopsie genannt, das Risiko sinkt, an einem Lymphödem zu erkranken.

Kopf-Hals-Tumoren: Hals- und Gesichtslymphödeme

Neck dissection

Darunter versteht man eine operative Entfernung der Lymphbahnen und Lymphknoten am Hals. Bei bösartigen Kopf-Hals-Tumoren soll damit die Ausbreitung von Tumorzellen in den Körper verhindert werden.

Patienten mit Tumoren der Nase, der Mundhöhle, des Gaumens, des Rachens, der Speicheldrüsen, des Kehlkopfes und der Luftröhre wird häufig ein großer Teil des Lymphabflussgebietes im Hals entfernt. Diese Operation wird meist in englischer Sprache als "neck dissection" bezeichnet. Sie kann auf einer oder auf beiden Seiten des Halses notwendig werden. Auch die heute bei vielen Patienten übliche Bestrahlung im Halsbereich ist ein Risikofaktor für eine Schädigung der Lymphgefäße.

Bei so behandelten Patienten kann als Folge ein Lymphödem auftreten. Eine Schwellung entsteht meist im Bereich von Gesicht und Hals. Bei einseitiger Neck dissection ist ein Lymphödem dank moderner Operationstechniken selten geworden. Wenn überhaupt ist dann nur eine Seite des Kopfes von einem Lymphödem betroffen. Nur bei ausgeprägtem Versagen der Ausgleichsfunktion kann sich ein Ödem auch auf beide Seiten ausbreiten. Werden die Lymphbahnen bei einer doppelseitigen Neck dissection auf beiden Seiten unterbrochen, ist ein Ödem sehr wahrscheinlich. Bei Betroffenen muss meist schon kurz nach der Krebsbehandlung mit einer Lymphödemtherapie begonnen werden.

Tumoren im Becken: Bein-, Leisten-, Becken- und Genitallymphödeme

Operationen und umfangreiche Bestrahlungen im Becken oder im Bereich der großen Baucharterien steigern das Risiko für ein Lymphödem in den Beinen, in Unterbauch und Leistengegend- oder im Genitalbereich. Auch Tumorzellen können die Abflusswege aus den Beinen in Becken und Leiste verlegen. Betroffen sein können, mit unterschiedlich hohem Risiko, Männer mit Prostatakrebs, Penis- oder Hodenkarzinom, Frauen mit Krebserkrankungen der Scheide, der Eierstöcke, des Gebärmutterhalses oder der Gebärmutter sowie Patienten beiderlei Geschlechts mit Blasen- oder Darmkrebs.

Bei umfangreicher Beeinträchtigung der Lymphabflusswege entstehen am häufigsten Lymphödeme in den Beinen. Besonders belastend sind bei Männern eine Schwellung von Hoden und Penis, bei Frauen von Schamhügel, Schamlippen und Klitoris.

  • Das Risiko für Lymphödeme in Beinen und Unterkörper hängt allerdings sehr stark von Tumorart, Behandlungsform und Krankheitsstadium ab - pauschale Aussagen zur Häufigkeit sind deshalb nicht sinnvoll.

Wenn möglich, werden heute Operations- und Bestrahlungstechniken eingesetzt, die Lymphabflussgebiete schonen.

Weitere Tumorarten und metastasierte Krebserkrankung: Lymphödem abhängig von Tumorlokalisation

Auch weitere Krebsarten sowie Krebsmetastasen führen bei Betroffenen mit einem gewissen Risiko zu Lymphödemen, die sich je nach Lokalisation des Tumors an Armen oder Beinen oder auch am Körper entwickeln können. Streut eine Tumorerkrankung über die Lymphbahnen, können Zellen auch weit vom ursprünglichen Tumor entfernt und ohne erkennbaren Zusammenhang mit einer Behandlung die Gefäße blockieren. Unter Umständen ist ein dadurch verursachtes Lymphödem sogar das erste Symptom einer fortschreitenden Krebserkrankung. Auffällige Schwellungen eines Beines oder eines Armes, oder Ödeme an anderen, eher ungewöhnlichen Stellen sollten Betroffene daher zum Arzt führen.