
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deEin Lymphödem ist keine zwangsläufige Entwicklung. Auch bei Krebserkrankungen und nach Behandlungsformen, bei der ein Risiko bekanntermassen steigt, bekommen längst nicht alle Patienten eine solche chronische Schwellung. Selbst wenn, ist sie keineswegs immer stark ausgeprägt oder sehr belastend. Wichtig ist die Frage nach dem Risiko jedoch für alle Patienten, um gezielt vorbeugen zu können, schon erste Anzeichen auch als Lymphödem zu erkennen und dann möglichst früh zu handeln. So lassen sich das Risiko für Komplikationen und auch das Ausmass von Gewebsveränderungen verringern.
Am bekanntesten ist das Risiko eines Lymphödems für Frauen nach einer Brustkrebsoperation: Die Entfernung von Lymphknoten in den Abflussgebieten der Brust bis hin zur Achsel kann bei ungünstiger Belastung und anderen Risikofaktoren zu einem Lymphödem der Hand, des Arms, der Achsel oder der operierten Brustseite führen. Eine Bestrahlung des Lymphabflussgebietes erhöht die Wahrscheinlichkeit.
Mit der brusterhaltenden Therapie und neuen Bestrahlungstechniken hat sich die Zahl der Frauen, die mit einem Ödem rechnen müssen, jedoch deutlich reduziert. Viele Anstrengungen wurden in den letzten Jahren auch unternommen, um die Entnahme der Lymphknoten ganz zu umgehen oder weiter einzuschränken. Bei der Brustkrebsdiagnostik spielt die Prüfung auf Tumorzellen in den Lymphknoten jedoch nach wie vor eine so wichtige Rolle, dass auf sie nicht verzichtet werden kann.
Ob die Entfernung sogenannter Wächterlymphknoten (englisch sentinel nodes) an wenigen, aber wichtigen Stellen die Entnahme vieler Knoten ersetzen kann, ist noch nicht wirklich endgültig geklärt. Um die Einführung in die klinische Routine unter Beachtung internationaler Qualitätsstandards zu ermöglichen und so für betroffene Frauen ein möglichst gutes Ergebnis zu sichern, hat die Deutsche Gesellschaft für Senologie www.senologie.org im Oktober 2003 ein Konsensuspapier zur Sentinel-Node-Biopsie verabschiedet. Es beschreibt zum Beispiel Qualitätsanforderungen an Kliniken und Ärzte, die die Probenentnahme durchführen, sieht jedoch auch vor, dass nach wie vor jeder Patientin die Alternative zwischen der konventionellen Lymphknotenentfernung und der Sentinel-Node-Biopsie offen gehalten werden soll.
Das Risiko eines Lymphödems ist ebenfalls hoch bei Patienten mit Tumoren im Kopf-Hals-Bereich: Bei ihnen wird häufig ein großer Teil des Lymphabflussgebietes im Hals entfernt oder bestrahlt, um die Ausbreitung des Tumors in den Körper zu beurteilen und sie möglichst zu verhindern. Diese Behandlung wird meist in englischer Sprache als "neck dissection" beschrieben. Sie kann auf einer oder auf beiden Seiten des Halses notwendig werden. Eine Schwellung entsteht je nach Behandlung nur auf einer Kopfseite, sie kann sich bei ausgeprägtem Versagen der Ausgleichsfunktion auch auf beide Seiten ausdehnen. Müssen die Lymphbahnen auf beiden Seiten unterbrochen werden, ist ein Ödem sehr wahrscheinlich, hier wird meist schon kurz nach der Behandlung mit einer Therapie begonnen.
Streut eine Tumorerkrankung über die Lymphbahnen - dies ist bei vielen Krebserkrankungen möglich - können Zellen auch weit vom Primärtumor entfernt und ohne erkennbaren Zusammenhang mit einer Behandlung die Gefäße blockieren und zu einem Lymphödem führen. Unter Umständen ist dies sogar das erste Symptom einer Krebserkrankung, das Betroffene bemerken. So kann zum Beispiel eine Schwellung eines Beins entstehen, wenn Tumorzellen die Lymphgefässe im Becken blockieren. Tumorerkrankungen im Becken führen außer zu einem Lymphödem gelegentlich auch zu einem Venenstau in den Beinen.