Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de


Psychoonkologie als Fachgebiet: Psychosoziale Auswirkungen von Krebs

Der Begriff Onkologie bezeichnet alle wissenschaftlichen Fachrichtungen, die sich mit Krebs befassen. Der Begriff Psychoonkologie bezieht sich daher auf das Themengebiet der seelischen Faktoren, die mit einer Krebserkrankung zusammenhängen können und ihrer Folgen. Als eigenständige Disziplin hat sich die Psychoonkologie erst vor weniger als 30 Jahren etabliert. Entsprechend groß ist der Bedarf an psychoonkologischer Forschung.  Auch haben psychoonkologische Erkenntnisse nach Ansicht von Experten noch keinen ausreichenden Zugang in die Regelversorgung gefunden: Patienten müssen sich noch zu oft selbst um Angebote bemühen oder diese aktiv einfordern.

Womit befasst sich die psychoonkologische Forschung?

Die psychoonkologische Forschung beschäftigt sich mit Menschen, die mit einer Krebserkrankung konfrontiert sind. Das sind nicht nur die Patienten selbst, sondern auch die Angehörigen der Patienten oder die Ärzte und Schwestern in Krankenhäusern, in denen Krebskranke behandelt werden. Die Forscher sind von ihrer Ausbildung her meist Sozialwissenschaftler (Psychologe, Soziologe) oder Mediziner. In den letzten Jahren hat sich der Begriff „Psychosoziale Onkologie“ immer mehr durchgesetzt. Er berücksichtigt die Tatsache, dass eine Krebserkrankung Auswirkungen nicht nur auf die betroffene Person selbst, sondern immer auch auf das soziale Umfeld hat. Psychoonkologie wird allerdings oft als Kurzbegriff gleichsinnig verwendet.

Belastung erforschen, Abhilfe entwickeln

Bis in die 90er Jahre stand die Frage nach einem möglichen Beitrag psychischer Faktoren zur Krebsentstehung im Vordergrund psychoonkologischer Forschung. Viele ältere Theorien zur so genannten Krebspersönlichkeit haben dieser Überprüfung unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten jedoch nicht standgehalten. Ein wichtiges Ziel der neueren Forschung ist es herauszufinden, wie den Betroffenen bei der Bewältigung von Belastungen geholfen werden kann, die eine Krebserkrankung mit sich bringt. Daneben hat der in der Psychoonkologie entwickelte Begriff der Lebensqualität dazu beigetragen, dass bei der Erforschung neuer Behandlungsmethoden die Belastungen durch die Behandlung viel stärker berücksichtigt wird: Die Zulassung neuer Medikamente in der Krebsmedizin ist heute ohne Aussagen zur Lebensqualität der damit behandelten Patienten kaum noch vorstellbar.

Welche Methoden hat die Forschung zur Verfügung?

Viele Psychoonkologen arbeiten mit Interviews in Gesprächen oder per Fragebogen, neuerdings auch über das Internet: Sie befassen sich mit dem Ausmaß der seelischen Belastung, den Bewältigungsstrategien, Beschwerden oder Schmerzen und mit Aspekten der Lebensqualität insgesamt. Die Beantwortung solcher Fragebogen ist für einige Patienten in ihrer schwierigen Situation oft lästig oder zusätzlich belastend. Leichter fallen diese Auskünfte vielleicht, wenn man sich die Auswirkungen dieser Forschung auf die Verbesserung der Versorgung von Krebspatienten in Deutschland wie in anderen Ländern vor Augen führt. Andere Betroffen nützen diese Möglichkeiten jedoch auch als Anknüpfung zu vertiefenden Gesprächen über ihre Situation.

Forschung nach strengen Richtlinien geregelt

Die Datenerhebung erfolgt meist zu mehreren Zeitpunkten, zum Beispiel während eines Klinikaufenthaltes und dann noch einmal einige Zeit nach Beendigung einer Therapie. Da die psychosoziale Onkologie wie andere Teilgebiete der Krebsforschung den modernen Standards und gesetzlichen Vorgaben für Studien verpflichtet ist, erfolgen Befragungen, Speicherung, Auswertung und Veröffentlichung von Daten unter Beachtung strenger Richtlinien. Patienten, die zur Teilnahme an einer solchen Studie aufgefordert werden, werden zum Beispiel über den Schutz ihrer Daten informiert und können jederzeit die Beteiligung ablehnen, ohne dass ihnen daraus irgendwelche Nachteile entstehen.

Wie sieht psychoonkologische Arbeit in der Praxis aus?

Psychosoziale Aspekte sind bei allen Menschen berührt, die mit einer Krebserkrankung konfrontiert sind. Die eigentliche Unterstützung durch psychoonkologische Fachkräfte konzentriert sich auf folgende Gruppen:

  • Patienten: Sie erhalten Beratung, Betreuung und gegebenenfalls Behandlung in Akutkliniken, Rehabilitationseinrichtungen, über psychosoziale Beratungsstellen und in psychotherapeutischen Praxen. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung; entscheidend für das Vorgehen ist dabei das subjektive Erleben des Betroffenen, also seine eigene Einschätzung, wie er sich fühlt. Angehörige können viele Angebote der Unterstützung ebenfalls in Anspruch nehmen – auch sie müssen die Belastungen mit verkraften und bewältigen.
  • Ärzte und Pflegepersonal: Psychoonkologische Fortbildungen sollen medizinische Fachkräfte dazu befähigen, im Umgang mit Krebspatienten auch psychosoziale Aspekte zu berücksichtigen und Verhaltensweisen der Patienten besser zu verstehen. Supervision, die Auseinandersetzung mit Belastungen im Berufsalltag unter Anleitung, kann dazu beitragen, diese besser zu bewältigen, einem so genannten Burnout in der täglichen Auseinandersetzung mit dem Thema Krebs vorzubeugen und eine größere Zufriedenheit im Beruf zu erlangen.

Wo und wie sind Psychoonkologen zu finden?

Mitarbeiter aus den verschiedenen Berufen des Gesundheitswesens (Ärzte, Psychologen, Sozialwissenschaftler, weitere) und Wissenschaftler, die psychoonkologisch ausgerichtet sind, haben sich in zwei Fachverbänden zusammengeschlossen:

  • Deutsche Arbeitsgemeinschaft für psychosoziale Onkologie e.V. (dapo, www.dapo-ev.de) und
  • Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (PSO, www.pso-ag.de).

Beide Vereinigungen stehen mit entsprechenden Vereinigungen in anderen Ländern im Austausch. Bei der Suche nach psychoonkologisch spezialisierten Psychotherapeuten kann man sich an die dapo wenden oder selbst auf deren Internetseite suchen, unter www.dapo-ev.de/adressen.html. Auch die regionalen Krebsberatungsstellen helfen weiter.

Gibt es besonders qualifizierte Psychoonkologen?

Psychoonkologen

In Zusammenarbeit der beiden Fachverbände wurde ein "Weiterbildungsgang Psychosoziale Onkologie (WPO)" entwickelt, der berufsbegleitend auf zwei Jahre ausgelegt ist. Er umfasst theoretische wie praktische Elemente. Zur Zielgruppe gehören neben Ärzten und Diplom-Psychologen auch Sozialarbeiter, Klinikseelsorger und andere Berufsgruppen, die mit Krebspatienten arbeiten. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Fachhochschul- oder Hochschulstudium. Die erfolgreiche Teilnahme wird durch ein Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. bestätigt.

Der WPO-Weiterbildungsgang wird allerdings erst seit 1994 angeboten. Die flächendeckende Versorgung mit Angeboten der psychosozialen und psychoonkologischen Unterstützung wird also auch durch anders qualifizierte Fachleute gewährleistet.

Um Betroffenen die Suche nach qualifizierten Psychoonkologen zu erleichtern, hat der Krebsinformationsdienst gemeinsam mit den verantwortlichen Fachgesellschaften eine Datenbank zusammengestellt, in der niedergelassene Therapeuten mit WPO-Zertifikat aufgeführt sind, mehr dazu in der Rubrik Wegweiser.

Wo gibt es weitere Unterstützung?

Krebsberatungsstellen als erste Anlaufstelle für psychoonkologische Information und Beratung gibt es in den meisten größeren Städten und regionalen Zentren. Die Beratungsstellen bieten eine Auswahl an psychologischen Hilfen in der Regel selbst an und verweisen wegen konkreter Therapieangebote auch an geeignete Ansprechpartner vor Ort.



Wir beantworten Ihre Fragen: Rufen Sie uns an  |  Schreiben Sie uns eine E-Mail

Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 05.10.2005