
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDer Begriff Onkologie bezeichnet alle wissenschaftlichen Fachrichtungen, die sich mit Krebs befassen. Der Begriff Psychoonkologie bezieht sich daher auf das Themengebiet der seelischen Faktoren, die mit einer Krebserkrankung zusammenhängen können und ihrer Folgen. Als eigenständige Disziplin hat sich die Psychoonkologie erst vor weniger als 30 Jahren etabliert. Entsprechend groß ist der Bedarf an psychoonkologischer Forschung. Auch haben psychoonkologische Erkenntnisse nach Ansicht von Experten noch keinen ausreichenden Zugang in die Regelversorgung gefunden: Patienten müssen sich noch zu oft selbst um Angebote bemühen oder diese aktiv einfordern.
Die psychoonkologische Forschung beschäftigt sich mit Menschen, die mit einer Krebserkrankung konfrontiert sind. Das sind nicht nur die Patienten selbst, sondern auch die Angehörigen der Patienten oder die Ärzte und Schwestern in Krankenhäusern, in denen Krebskranke behandelt werden. Die Forscher sind von ihrer Ausbildung her meist Sozialwissenschaftler (Psychologe, Soziologe) oder Mediziner. In den letzten Jahren hat sich der Begriff „Psychosoziale Onkologie“ immer mehr durchgesetzt. Er berücksichtigt die Tatsache, dass eine Krebserkrankung Auswirkungen nicht nur auf die betroffene Person selbst, sondern immer auch auf das soziale Umfeld hat. Psychoonkologie wird allerdings oft als Kurzbegriff gleichsinnig verwendet.
Bis in die 90er Jahre stand die Frage nach einem möglichen Beitrag psychischer Faktoren zur Krebsentstehung im Vordergrund psychoonkologischer Forschung. Viele ältere Theorien zur so genannten Krebspersönlichkeit haben dieser Überprüfung unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten jedoch nicht standgehalten. Ein wichtiges Ziel der neueren Forschung ist es herauszufinden, wie den Betroffenen bei der Bewältigung von Belastungen geholfen werden kann, die eine Krebserkrankung mit sich bringt. Daneben hat der in der Psychoonkologie entwickelte Begriff der Lebensqualität dazu beigetragen, dass bei der Erforschung neuer Behandlungsmethoden die Belastungen durch die Behandlung viel stärker berücksichtigt wird: Die Zulassung neuer Medikamente in der Krebsmedizin ist heute ohne Aussagen zur Lebensqualität der damit behandelten Patienten kaum noch vorstellbar.
Viele Psychoonkologen arbeiten mit Interviews in Gesprächen oder per Fragebogen, neuerdings auch über das Internet: Sie befassen sich mit dem Ausmaß der seelischen Belastung, den Bewältigungsstrategien, Beschwerden oder Schmerzen und mit Aspekten der Lebensqualität insgesamt. Die Beantwortung solcher Fragebogen ist für einige Patienten in ihrer schwierigen Situation oft lästig oder zusätzlich belastend. Leichter fallen diese Auskünfte vielleicht, wenn man sich die Auswirkungen dieser Forschung auf die Verbesserung der Versorgung von Krebspatienten in Deutschland wie in anderen Ländern vor Augen führt. Andere Betroffen nützen diese Möglichkeiten jedoch auch als Anknüpfung zu vertiefenden Gesprächen über ihre Situation.
Psychosoziale Aspekte sind bei allen Menschen berührt, die mit einer Krebserkrankung konfrontiert sind. Die eigentliche Unterstützung durch psychoonkologische Fachkräfte konzentriert sich auf folgende Gruppen:
Mitarbeiter aus den verschiedenen Berufen des Gesundheitswesens (Ärzte, Psychologen, Sozialwissenschaftler, weitere) und Wissenschaftler, die psychoonkologisch ausgerichtet sind, haben sich in zwei Fachverbänden zusammengeschlossen:
Beide Vereinigungen stehen mit entsprechenden Vereinigungen in anderen Ländern im Austausch. Bei der Suche nach psychoonkologisch spezialisierten Psychotherapeuten kann man sich an die dapo wenden oder selbst auf deren Internetseite suchen, unter www.dapo-ev.de/adressen.html. Auch die regionalen Krebsberatungsstellen helfen weiter.
In Zusammenarbeit der beiden Fachverbände wurde ein "Weiterbildungsgang Psychosoziale Onkologie (WPO)" entwickelt, der berufsbegleitend auf zwei Jahre ausgelegt ist. Er umfasst theoretische wie praktische Elemente. Zur Zielgruppe gehören neben Ärzten und Diplom-Psychologen auch Sozialarbeiter, Klinikseelsorger und andere Berufsgruppen, die mit Krebspatienten arbeiten. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Fachhochschul- oder Hochschulstudium. Die erfolgreiche Teilnahme wird durch ein Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. bestätigt.
Der WPO-Weiterbildungsgang wird allerdings erst seit 1994 angeboten. Die flächendeckende Versorgung mit Angeboten der psychosozialen und psychoonkologischen Unterstützung wird also auch durch anders qualifizierte Fachleute gewährleistet.
Um Betroffenen die Suche nach qualifizierten Psychoonkologen zu erleichtern, hat der Krebsinformationsdienst gemeinsam mit den verantwortlichen Fachgesellschaften eine Datenbank zusammengestellt, in der niedergelassene Therapeuten mit WPO-Zertifikat aufgeführt sind, mehr dazu in der Rubrik Wegweiser.
Krebsberatungsstellen als erste Anlaufstelle für psychoonkologische Information und Beratung gibt es in den meisten größeren Städten und regionalen Zentren. Die Beratungsstellen bieten eine Auswahl an psychologischen Hilfen in der Regel selbst an und verweisen wegen konkreter Therapieangebote auch an geeignete Ansprechpartner vor Ort.