
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deEin Tumor lässt sich meist mit bildgebenden Verfahren sichtbar machen, die Gedanken und Gefühle eines Krebspatienten hingegen nicht. Wie sich diese im Verlauf der Erkrankung verändern, können Außenstehende nicht immer unmittelbar erkennen oder nachempfinden. Eine eigene wissenschaftliche Fachrichtung, die Psychoonkologie, erforscht die seelischen Auswirkungen einer Krebserkrankung auf Betroffene und entwickelt Möglichkeiten der Unterstützung.
Eine Krebserkrankung betrifft nie nur einen einzelnen Menschen: Sie hat auch Auswirkungen auf Angehörige und Freunde und verändert die Beziehungen eines Patienten zu seiner Umwelt. Deshalb spricht man auch von psychosozialer Onkologie. In diesem Text gibt der Krebsinformationsdienst einen Überblick über das Fachgebiet der Psychoonkologie in Deutschland. Die Erläuterungen richten sich an Patienten und ihre Angehörigen, an Interessierte sowie an alle, die mit Krebspatienten arbeiten.
Dabei werden Fragen beantwortet wie: Womit beschäftigt sich psychoonkologische Forschung? Wo finden Patienten und Angehörige psychosoziale Unterstützung? Welche Ausbildungsgänge für Fachleute gibt es?
Als Quelle dienen vor allem Informationen verschiedener Fachgesellschaften. Sofern möglich, sind deren Internetseiten direkt verlinkt oder weitere Kontaktmöglichkeiten aufgeführt. Darüber hinaus wurde bei der Erstellung dieses Textes auf gängige Fachliteratur zurückgegriffen.
Die Psychoonkologie widmet sich allen Menschen, die von einer Krebserkrankung betroffen sind. In der Praxis zielt sie vor allem darauf ab, die Belastungen von Tumorpatienten zu lindern, die durch Krankheit und Therapie entstehen. Psychosoziale Beratung und Behandlung sollen bei der Auseinandersetzung mit der Erkrankung und ihren Folgen unterstützen. Betroffene und Psychoonkologen suchen gemeinsam nach Wegen, mit der gewandelten Lebenssituation umzugehen.
Psychoonkologische Forschung im heutigen Sinne wird seit Mitte der 1970er-Jahre betrieben. Bis in die 1990er-Jahre beschäftigte sie sich vor allem mit der Frage, inwiefern psychische Faktoren zur Entstehung eines Tumors beitragen. Viele ältere Theorien zur sogenannten Krebspersönlichkeit haben einer Überprüfung unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten jedoch nicht standgehalten. Die Erforschung von psychischen und sozialen Einflüssen auf Krankheitsentstehung und -verlauf beschäftigt die Psychoonkologie aber nach wie vor.
Besonderes Augenmerk richten die Wissenschaftler heute auf die psychischen und sozialen Belastungen von Krebspatienten. Fachleute haben in den vergangenen Jahren Tests entwickelt, die helfen, diejenigen Betroffenen zu erkennen, die Unterstützung besonders nötig haben. Andere Experten untersuchen vorrangig unterschiedliche Hilfsangebote auf Wirksamkeit und Nutzen. Denn auch in der psychosozialen Onkologie gelten die Grundsätze der evidenzbasierten Medizin: Zur Betreuung von Krebspatienten sollte nur angewendet werden, was ihnen nachgewiesenermaßen guttut und ihnen nicht schadet.
Die Unterstützung durch psychoonkologische Fachkräfte konzentriert sich auf folgende Gruppen:
Verschiedene Studien zeigen, dass psychosoziale Unterstützung die Lebensqualität von Betroffenen verbessern kann. Fachleute sind sich heute einig: Zu einer guten Betreuung von Krebspatienten gehört nicht nur eine wirksame medizinische Therapie, sondern auch psychosoziale Unterstützung.
Dafür, dass diese Erkenntnisse immer mehr Beachtung finden, gibt es Beispiele:
In Deutschland bestehen mehrere Fachverbände:
Beide Vereinigungen stehen mit entsprechenden Fachgesellschaften und Berufsverbänden in anderen Ländern im Austausch.
Ein weiterer Fachverband ist die "Bundesarbeitsgemeinschaft für ambulante psychosoziale Krebsberatung e.V." (BAK). Sie fördert die Arbeit von psychoonkologischen Krebsberatungsstellen, mehr dazu auf den Seiten des Universitätsklinikums Leipzigs, http://medpsy.uniklinikum-leipzig.de, Rubrik "Patienteninformationen", Stichwort "Krebsberatungsstelle".
"Psychoonkologe" ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. In der Beratung und Unterstützung von Krebspatienten sind häufig Psychologen, Mediziner, Pädagogen und Sozialarbeiter tätig. Idealerweise verfügen sie über eine anerkannte psychoonkologische Weiterbildung. Mehrere Institutionen bieten Weiterbildungen im Bereich der psychosozialen Onkologie an.
Um die verschiedenen Ausbildungswege vergleichbar zu machen, hat die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) in Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften dapo und PSO im Jahr 2010 Standards entwickelt. Einrichtungen, die entsprechende Lehrgänge und Qualifizierungen anbieten, haben bestimmte Kriterien zu erfüllen. Sie müssen unter anderem nachweisen, dass der Lehrplan grundlegende Kenntnisse über die häufigsten Krebserkrankungen und ihre Behandlung sowie über psychische Störungen, Schmerzen, Gesprächsführung und Sozialrecht vermittelt. Weitere Informationen können Interessierte im Internet unter www.krebsgesellschaft.de nachlesen, Rubrik "Die DKG", Stichwort "Zertifizierte Zentren", Text "Anerkennung psychoonkologischer Weiterbildungsangebote". Dort ist die Anerkennungs-Checkliste im PDF-Format zugänglich.
Einer der am längsten bestehenden Weiterbildungsgänge ist der von dapo und PSO entwickelte "Weiterbildungsgang Psychosoziale Onkologie (WPO, www.wpo-ev.de)". Er umfasst theoretische und praktische Elemente, die in mehreren Themenblöcken vermittelt werden. Zur Zielgruppe gehören neben Ärzten und Diplom-Psychologen auch Sozialarbeiter, Klinikseelsorger und andere Berufsgruppen, die mit Krebspatienten arbeiten. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Fachhochschul- oder Hochschulstudium. Psychotherapeuten können eine verkürzte Weiterbildung absolvieren; diese besteht aus weniger Unterrichtseinheiten. Die erfolgreiche Teilnahme wird durch ein Zertifikat bestätigt.
Psychoonkologen unterstützen in vielen Krankenhäusern bei Bedarf Krebspatienten. Für die Anerkennung spezialisierter Krebszentren gehört ein Angebot psychoonkologischer Beratung sogar zu den Voraussetzungen. Auch im Rahmen von Rehabilitationsangeboten erhalten Betroffene psychosoziale Hilfen. Wie Reha-Maßnahmen Betroffenen helfen können, ihren Alltag zu meistern, erläutert der Krebsinformationsdienst in den Texten zu verschiedenen Tumorarten in der Rubrik "Nachsorge".
Weitere Angebote richten sich an Patienten, die nach einer Behandlung wieder zu Hause sind oder von vornherein ambulant behandelt werden, sowie ihre Angehörigen.
In den meisten größeren Städten und regionalen Zentren gibt es Krebsberatungsstellen. Ihr meist kostenloses Angebot macht sie zur ersten Anlaufstelle für psychoonkologische Auskünfte und Beratung. Die Beratungsstellen bieten in der Regel selbst psychologische Hilfen an und verweisen an geeignete Ansprechpartner vor Ort, wenn der Wunsch nach einem konkreten und längerfristigen Therapieangebot besteht.
Für Patienten, die eine solche längere Betreuung und Behandlung wünschen, sind ambulant zugängliche Psychoonkologen wichtige Ansprechpartner. Um Betroffenen die Suche zu erleichtern, hat der Krebsinformationsdienst ein Adressverzeichnis zusammengestellt. Dieses nennt niedergelassene Therapeuten und Mitarbeiter in Klinikambulanzen, deren Ausbildung den Anforderungen der DKG entspricht. Mehr dazu in der Rubrik Wegweiser. Darüber hinaus kann man sich bei der Suche nach psychoonkologisch spezialisierten Fachleuten an die dapo wenden oder selbst auf deren Internetseite suchen, www.dapo-ev.de/adressen.html.