Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Psychoonkologie als Fachgebiet: Psychosoziale Auswirkungen von Krebs

Ein Tumor lässt sich meist mit bildgebenden Verfahren sichtbar machen, die Gedanken und Gefühle eines Krebspatienten hingegen nicht. Wie sich diese im Verlauf der Erkrankung verändern, können Außenstehende nicht immer unmittelbar erkennen oder nachempfinden. Eine eigene wissenschaftliche Fachrichtung, die Psychoonkologie, erforscht die seelischen Auswirkungen einer Krebserkrankung auf Betroffene und entwickelt Möglichkeiten der Unterstützung.

Eine Krebserkrankung betrifft nie nur einen einzelnen Menschen: Sie hat auch Auswirkungen auf Angehörige und Freunde und verändert die Beziehungen eines Patienten zu seiner Umwelt. Deshalb spricht man auch von psychosozialer Onkologie. In diesem Text gibt der Krebsinformationsdienst einen Überblick über das Fachgebiet der Psychoonkologie in Deutschland. Die Erläuterungen richten sich an Patienten und ihre Angehörigen, an Interessierte sowie an alle, die mit Krebspatienten arbeiten.
Dabei werden Fragen beantwortet wie: Womit beschäftigt sich psychoonkologische Forschung? Wo finden Patienten und Angehörige psychosoziale Unterstützung? Welche Ausbildungsgänge für Fachleute gibt es?
Als Quelle dienen vor allem Informationen verschiedener Fachgesellschaften. Sofern möglich, sind deren Internetseiten direkt verlinkt oder weitere Kontaktmöglichkeiten aufgeführt. Darüber hinaus wurde bei der Erstellung dieses Textes auf gängige Fachliteratur zurückgegriffen.

Psychoonkologie: Unterstützung für Patienten und Angehörige

Psychosoziale Onkologie
Eine Krebserkrankung ist mit körperlichen und psychischen Belastungen verbunden. Psychoonkologen unterstützen bei der Verarbeitung.

Die Psychoonkologie widmet sich allen Menschen, die von einer Krebserkrankung betroffen sind. In der Praxis zielt sie vor allem darauf ab, die Belastungen von Tumorpatienten zu lindern, die durch Krankheit und Therapie entstehen. Psychosoziale Beratung und Behandlung sollen bei der Auseinandersetzung mit der Erkrankung und ihren Folgen unterstützen. Betroffene und Psychoonkologen suchen gemeinsam nach Wegen, mit der gewandelten Lebenssituation umzugehen.

Ziele: Belastung erforschen, Abhilfe schaffen

Psychoonkologische Forschung im heutigen Sinne wird seit Mitte der 1970er-Jahre betrieben. Bis in die 1990er-Jahre beschäftigte sie sich vor allem mit der Frage, inwiefern psychische Faktoren zur Entstehung eines Tumors beitragen. Viele ältere Theorien zur sogenannten Krebspersönlichkeit haben einer Überprüfung unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten jedoch nicht standgehalten. Die Erforschung von psychischen und sozialen Einflüssen auf Krankheitsentstehung und -verlauf beschäftigt die Psychoonkologie aber nach wie vor.

Besonderes Augenmerk richten die Wissenschaftler heute auf die psychischen und sozialen Belastungen von Krebspatienten. Fachleute haben in den vergangenen Jahren Tests entwickelt, die helfen, diejenigen Betroffenen zu erkennen, die Unterstützung besonders nötig haben. Andere Experten untersuchen vorrangig unterschiedliche Hilfsangebote auf Wirksamkeit und Nutzen. Denn auch in der psychosozialen Onkologie gelten die Grundsätze der evidenzbasierten Medizin: Zur Betreuung von Krebspatienten sollte nur angewendet werden, was ihnen nachgewiesenermaßen guttut und ihnen nicht schadet.

Patienten, Ärzte und Pflegende: Wie sieht psychoonkologische Arbeit in der Praxis aus?

Die Unterstützung durch psychoonkologische Fachkräfte konzentriert sich auf folgende Gruppen:

  • Patienten: Sie erhalten Beratung, Betreuung und gegebenenfalls Behandlung in Akutkliniken, Rehabilitationseinrichtungen, über psychosoziale Beratungsstellen und in psychotherapeutischen Praxen. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung. Wie diese Hilfen aussehen, hängt vom subjektiven Erleben des Betroffenen ab, also davon, wie er selbst sich fühlt. Angehörige können viele Angebote der Unterstützung ebenfalls in Anspruch nehmen - auch sie müssen die Belastungen mit verkraften und bewältigen.
  • Ärzte, Gesundheits- und Krankenpfleger: Psychoonkologische Fortbildungen sollen medizinische Fachkräfte dazu befähigen, im Umgang mit Krebspatienten auch psychosoziale Aspekte zu berücksichtigen und besser zu verstehen, was Patienten bewegt. Dazu können auch spezielle Gesprächs-Trainings beitragen. Regelmäßige "Supervision", die Auseinandersetzung mit Belastungen im Berufsalltag unter professioneller Anleitung, kann dazu beitragen, diese besser zu bewältigen und eine größere Zufriedenheit im Beruf zu erlangen.

Psychosoziale Unterstützung: Qualitätsmerkmal in der Krebstherapie

Verschiedene Studien zeigen, dass psychosoziale Unterstützung die Lebensqualität von Betroffenen verbessern kann. Fachleute sind sich heute einig: Zu einer guten Betreuung von Krebspatienten gehört nicht nur eine wirksame medizinische Therapie, sondern auch psychosoziale Unterstützung.

Dafür, dass diese Erkenntnisse immer mehr Beachtung finden, gibt es Beispiele:

  • In neueren Behandlungsleitlinien wird die Bedeutung psychosozialer Unterstützung in der Krebsmedizin betont, mehr dazu unter www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien.html, Stichwort "Leitlinien nach Fach", Auswahl "Krebs, Onkologie".
  • Auch bei spezialisierten Zentren spielt das Thema eine wichtige Rolle. Zertifizierte Organzentren, Onkologische Zentren und Onkologische Spitzenzentren müssen jeweils nachweisen, dass sie Patienten Zugang zu psychoonkologischer Betreuung bieten. Hintergründe bietet der Krebsinformationsdienst im Text "Gute Ansprechpartner finden: Kliniksuche" sowie als Informationsblatt zum Lesen und Ausdrucken.
  • Auch bei der Zulassung neuer Medikamente ist die Verbesserung der Lebensqualität eines von mehreren gesetzlich vorgegebenen Kriterien, die zur Bewertung der Wirksamkeit und des Nutzens eines neuen Mittels beitragen.

Fachverbände: Wie sind Psychoonkologen organisiert?

In Deutschland bestehen mehrere Fachverbände:

  • Deutsche Arbeitsgemeinschaft für psychosoziale Onkologie e.V. (dapo, www.dapo-ev.de) und
  • Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (PSO, www.pso-ag.de).

Beide Vereinigungen stehen mit entsprechenden Fachgesellschaften und Berufsverbänden in anderen Ländern im Austausch.
Ein weiterer Fachverband ist die "Bundesarbeitsgemeinschaft für ambulante psychosoziale Krebsberatung e.V." (BAK). Sie fördert die Arbeit von psychoonkologischen Krebsberatungsstellen, mehr dazu auf den Seiten des Universitätsklinikums Leipzigs, http://medpsy.uniklinikum-leipzig.de, Rubrik "Patienteninformationen", Stichwort "Krebsberatungsstelle".

Ausbildung: Was qualifiziert Psychoonkologen?

"Psychoonkologe" ist in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung. In der Beratung und Unterstützung von Krebspatienten sind häufig Psychologen, Mediziner, Pädagogen und Sozialarbeiter tätig. Idealerweise verfügen sie über eine anerkannte psychoonkologische Weiterbildung. Mehrere Institutionen bieten Weiterbildungen im Bereich der psychosozialen Onkologie an.

Um die verschiedenen Ausbildungswege vergleichbar zu machen, hat die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) in Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften dapo und PSO im Jahr 2010 Standards entwickelt. Einrichtungen, die entsprechende Lehrgänge und Qualifizierungen anbieten, haben bestimmte Kriterien zu erfüllen. Sie müssen unter anderem nachweisen, dass der Lehrplan grundlegende Kenntnisse über die häufigsten Krebserkrankungen und ihre Behandlung sowie über psychische Störungen, Schmerzen, Gesprächsführung und Sozialrecht vermittelt. Weitere Informationen können Interessierte im Internet unter www.krebsgesellschaft.de nachlesen, Rubrik "Die DKG", Stichwort "Zertifizierte Zentren", Text "Anerkennung psychoonkologischer Weiterbildungsangebote". Dort ist die Anerkennungs-Checkliste im PDF-Format zugänglich.

Einer der am längsten bestehenden Weiterbildungsgänge ist der von dapo und PSO entwickelte "Weiterbildungsgang Psychosoziale Onkologie (WPO, www.wpo-ev.de)". Er umfasst theoretische und praktische Elemente, die in mehreren Themenblöcken vermittelt werden. Zur Zielgruppe gehören neben Ärzten und Diplom-Psychologen auch Sozialarbeiter, Klinikseelsorger und andere Berufsgruppen, die mit Krebspatienten arbeiten. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Fachhochschul- oder Hochschulstudium. Psychotherapeuten können eine verkürzte Weiterbildung absolvieren; diese besteht aus weniger Unterrichtseinheiten. Die erfolgreiche Teilnahme wird durch ein Zertifikat bestätigt.

Psychoonkologische Unterstützung für Krebspatienten: Wo findet man Angebote?

Beratung für Patienten und Angehörige

Psychoonkologen unterstützen in vielen Krankenhäusern bei Bedarf Krebspatienten. Für die Anerkennung spezialisierter Krebszentren gehört ein Angebot psychoonkologischer Beratung sogar zu den Voraussetzungen. Auch im Rahmen von Rehabilitationsangeboten erhalten Betroffene psychosoziale Hilfen. Wie Reha-Maßnahmen Betroffenen helfen können, ihren Alltag zu meistern, erläutert der Krebsinformationsdienst in den Texten zu verschiedenen Tumorarten in der Rubrik "Nachsorge".

Weitere Angebote richten sich an Patienten, die nach einer Behandlung wieder zu Hause sind oder von vornherein ambulant behandelt werden, sowie ihre Angehörigen.
In den meisten größeren Städten und regionalen Zentren gibt es Krebsberatungsstellen. Ihr meist kostenloses Angebot macht sie zur ersten Anlaufstelle für psychoonkologische Auskünfte und Beratung. Die Beratungsstellen bieten in der Regel selbst psychologische Hilfen an und verweisen an geeignete Ansprechpartner vor Ort, wenn der Wunsch nach einem konkreten und längerfristigen Therapieangebot besteht.

Zum Weiterlesen

Für Patienten, die eine solche längere Betreuung und Behandlung wünschen, sind ambulant zugängliche Psychoonkologen wichtige Ansprechpartner. Um Betroffenen die Suche zu erleichtern, hat der Krebsinformationsdienst ein Adressverzeichnis zusammengestellt. Dieses nennt niedergelassene Therapeuten und Mitarbeiter in Klinikambulanzen, deren Ausbildung den Anforderungen der DKG entspricht. Mehr dazu in der Rubrik Wegweiser. Darüber hinaus kann man sich bei der Suche nach psychoonkologisch spezialisierten Fachleuten an die dapo wenden oder selbst auf deren Internetseite suchen, www.dapo-ev.de/adressen.html.

Weitere Informationen für Interessierte und Fachkreise

Informationen zur Anerkennung psychoonkologischer Fort- und Weiterbildungsangebote: Detaillierte Angaben finden sich auf den Seiten der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), www.krebsgesellschaft.de, Rubrik "Die DKG", Stichwort "Zertifizierte Zentren", Text "Anerkennung psychoonkologischer Weiterbildungsangebote".

Fachgesellschaften: Näheres zur Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie (dapo) unter www.dapo-ev.de; weiterführende Angaben zur Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie (PSO) innerhalb der Deutschen Krebsgesellschaft unter www.pso-ag.de. Mehr zur Bundesarbeitsgemeinschaft für ambulante psychosoziale Krebsberatung e.V. (BAK) auf den Seiten des Universitätsklinikums Leipzigs, http://medpsy.uniklinikum-leipzig.de, Rubrik "Patienteninformationen", Stichwort "Krebsberatungsstelle".

Überblicksliteratur zum Thema:

Im Internet zugängliches Fachbuch: Heußner P, Besseler M, Dietzelfelbinger H, Fegg M, Lang K, Mehl U, Pouget-Schors D, Riedner C, Sellschopp A (Hrsg.) (2009). Manual Psychoonkologie. Frei zugänglich auf www.tumorzentrum-muenchen.de unter der Rubrik "Manuale", Stichwort "Psychoonkologie".

Deutschsprachiges Fachbuch: Koch U, Weis J (2009), Psychoonkologie: Eine Disziplin in der Entwicklung.

Englischsprachiges Fachbuch: Holland JC, Breitbart WS, Jacobsen PB, Lederberg MS, Loscalzo MJ, McCorkle R (2010). Psycho-Oncology. Second Edition.


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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 21.02.2011