Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Psychische Einflüsse auf die Krebsentstehung:
Gibt es die Krebspersönlichkeit?

Auf der Suche nach Ursachen für eine Krebserkrankung stellen viele Menschen spontan einen Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen und Krebs her. Die Datenlage spricht jedoch eher gegen Stress, Depression, bestimmte Persönlichkeitsmerkmale oder gar eine so genannte Krebspersönlichkeit als Krebsursache.
Die Vermutung, dass psychische Belastungen sich körperlich auswirken und damit die Gesundheit beeinflussen können, gibt es schon lange, und viele Menschen nehmen sie als mehr oder weniger gesichert an. Dass die Psyche das Verhalten bestimmt, liegt auf der Hand: Wer Stress oder Ärger mit Zigaretten und Alkohol begegnet, hat auch ein höheres Krebsrisiko.

Psyche und Immunsystem?

Doch eine häufige Vermutung verknüpft die Psyche noch viel enger mit dem Immunsystem, dem wiederum bei der Krebsentstehung eine große Rolle zugemessen wird: Schon im Stoffwechsel und bei körperlichen Funktionen, die wir nicht willentlich kontrollieren oder ändern können, soll dieser Zusammenhang bestehen.

Zwar konnte gezeigt werden, dass einzelne Immunreaktionen sich infolge psychosozialer Belastungen messbar verändern. Auch spielt das Immunsystem im Rahmen der bisher entwickelten Vorstellungen über den Mechanismus der Krebsentstehung tatsächlich eine wichtige Rolle.

Ob und inwiefern belastungsabhängige Veränderungen im Immunsystem für die Entstehung einer Krebserkrankung beim Menschen von Bedeutung sind, ist allerdings weit weniger gesichert, als viele Menschen annehmen. Die so genannte Psychoneuroimmunologie, in den 90er Jahren ein auch in der Öffentlichkeit viel beachtetes Forschungsgebiet, hat bisher weit weniger greifbare Ergebnisse geliefert als erhofft.

Kummer und Depression als Risikofaktor?

Lexikon
Epidemiologie: Lehre von der Häufigkeit und Verteilung von Krankheiten in Bevölkerungsgruppen; arbeitet mit statistischen Methoden, um zum Beispiel Hinweise auf Krankheitsursachen und Risikofaktoren zu gewinnen.

Da zur Entstehung einer Krebserkrankung immer mehrere, bisher nur teilweise bekannte Faktoren zusammenwirken, ist die Gewichtung möglicher psychischer Einflüsse außerordentlich schwierig. In keinem Fall sind eingleisige Zuordnungen, etwa "wer viel Kummer oder Stress hat, bekommt leichter Krebs", gerechtfertigt.

Die meisten Daten liegen derzeit aus so genannten epidemiologischen Studien vor, in denen größere Bevölkerungsgruppen über ihr Leben und mögliche Krebsrisikofaktoren befragt wurden. Solche Untersuchungen können prospektiv, also vorausschauend sein, oder retrospektiv, also im Rückblick.
Sie ergaben für Kummer, Depression oder einschneidende, sehr belastende Lebensereignisse als Risikofaktor bisher kein wirklich sicheres Bild – die Experten tendieren jedoch eher dazu, diese psychischen Aspekte als solche nicht als Krebsgefahr anzusehen, wenn jemand zur Bewältigung nicht außerdem zu einem riskanten Lebensstil neigt.

Was ist dran an der "Krebspersönlichkeit"?

Schon in der Antike vermutete Hippokrates Zusammenhänge zwischen der psychischen Verfassung "Melancholie" und der Entstehung von Krebs. Diese Vermutung baute allerdings auf der Vorstellung auf, dass durch ein Vorherrschen der schwarzen, zähflüssigen Galle der ganze Organismus und auch die Seele "vergiftet" werde.

Bis heute wird über ein erhöhtes Krebsrisiko von bestimmten Persönlichkeitstypen viel spekuliert. Persönlichkeitspsychologische Untersuchungen an Krebspatienten schienen die Annahme einer Krebspersönlichkeit zunächst zu bestätigen. Krebspatienten zeichneten sich demnach aus durch depressive Züge, einen angepassten Lebensstil, eine Neigung zur Selbstaufopferung sowie einen verringerten Ausdruck insbesondere negativer und aggressiver Gefühle. In vielen Schriften, die sich an Menschen ohne fachliche Ausbildung in der Medizin richten, werden solche Zusammenhänge bis heute fälschlich als erwiesen dargestellt.

Folge, nicht Ursache

Neuere Untersuchungen an Personen, bei denen zwar ein Krebsverdacht bestand, die Diagnose aber noch nicht gestellt war, konnten zeigen, dass die als typisch geltenden Persönlichkeitsmerkmale eine Reaktion auf die Krebserkrankung und nicht ihre Ursache kennzeichnen. Damit lässt sich die These einer Krebspersönlichkeit nach dem heutigen Wissensstand nicht weiter aufrechterhalten.

Kann man sich durch eine bestimmte Lebensführung vor Krebs schützen?

Aus dem derzeit noch sehr bruchstückhaften Wissen über seelische Einflüsse auf die Krebsentstehung lassen sich keine Rezepte für die Lebensführung ableiten. Außer dem Rat, bekannte krebsfördernde Risiken zu vermeiden , gibt es keine Empfehlung für eine Lebensweise mit "Gesundheitsgarantie". Als gesundheitsfördernd im umfassenderen Sinn sollte man alles betrachten, was zum individuellen seelischen Wohlbefinden beiträgt.
Ebenso sind bestimmte, immer wieder als besonders wichtig angepriesene Formen der Krankheitsbewältigung, etwa ein positives Denken oder die völlige Veränderung der bisherigen Lebenssituation, kein „Muss“ für Patienten.

Wo gibt es weitere Unterstützung?

Krebsberatungsstellen gibt es in den meisten größeren Städten und regionalen Zentren. Sie richten ihr Angebot ausdrücklich nicht nur an Patienten, sondern auch an Angehörige und enge Freunde, die sich Gedanken um das Thema psychische Einflüsse auf die Krebsentstehung machen. Eine Liste findet sich im Bereich "Wegweiser" in der Kategorie Adressen.

Um Betroffenen die Suche nach qualifizierten Psychoonkologen zu erleichtern, hat der Krebsinformationsdienst gemeinsam mit zwei Fachgesellschaften eine weitere Adressdatenbank zusammengestellt: Sie listet Therapeuten auf, die eine besondere Qualifikation erworben haben: Die psychoonkologischen Fachverbände PSO und dapo bieten seit 1994 eine berufsbegleitende Weiterbildung für die Arbeit mit Krebskranken und ihren Angehörigen an, die „Weiterbildung Psychosoziale Onkologie“ (WPO). Der erfolgreiche Abschluss wird durch ein Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft dokumentiert. Die Adressdatenbank ist in der Rubrik Wegweiser enthalten.
Weitere Adressen und Ansprechpartner, die Erfahrung mit der Betreuung von Krebspatienten haben, bekommen Patienten über ihre betreuenden Onkologen, über die regionalen Krebsberatungsstellen. Bei der Suche nach psychoonkologisch spezialisierten Psychotherapeuten kann man sich außerdem an die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Psychoonkologie e.V. wenden oder selbst auf deren Internetseite suchen, unter www.dapo-ev.de.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 08.05.2007