Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Angst: Die Zukunft zulassen

Angst oder besser Furcht vor konkreten Situationen hat eine dem körperlichen Schmerz vergleichbare Signal- und Schutzfunktion und ist damit lebensnotwendig. Angst zu haben vor etwas, das als bedrohlich erlebt wird, ist also ganz natürlich. Wenn Angst jedoch die Lebensfreude, die Handlungs- und Genussfähigkeit auf Dauer einschränkt, wird sie behandlungsbedürftig.

Weshalb löst Krebs solch starke Ängste aus?

Krebs wird auch heute noch von vielen Menschen als die gefährlichste aller Krankheiten angesehen, ungeachtet der gestiegenen Behandlungs- und Heilungserfolge. Das oft mangelhafte Wissen über das, was sich hinter der Diagnose „Krebs“ verbergen kann – also die Tatsache, dass es etwa 200 verschiedene Tumorarten gibt mit jeweils unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten und Verläufen – ist eine Quelle für unheilvolle Verallgemeinerungen.

Hinzu kommen häufig Erfahrungen mit Krebserkrankten im unmittelbaren Umfeld. Die Erinnerung kann dabei trügerisch sein: Ungünstige Krankheitsverläufe bleiben besonders haften und prägen die eigenen Erwartungen, wenn die Diagnose einen selbst, Familienmitglieder oder enge Freunde trifft.

Wer einmal an Krebs erkrankt war, kennt die Angst vor einem Rückfall (Rezidiv). Eine zunehmende Gewissheit, vom Krebs geheilt zu sein, kann man erst nach einer längeren krankheitsfreien Zeit (im Allgemeinen fünf bis zehn Jahre) entwickeln. Ein Rest von Unsicherheit und Angst bleibt fast immer bestehen.

Als besonders belastend empfinden Betroffene chronische Verläufe von Krebserkrankungen: Phasen, in denen eine Behandlung durchgeführt wird, können dabei ebenso von Angst begleitet sein wie Zeiten, in denen der Krankheitsverlauf nur beobachtet wird (oft mit dem englischen Begriff "wait and see" bezeichnet).

Was kann man gegen Angst tun?

Alles, was dem Gefühl von Unsicherheit entgegenwirkt oder die Bedeutung der ängstigenden Situation verringert, kann die Angst bannen oder zumindest erträglicher machen. So kann man versuchen, die Angst von verschiedenen Seiten anzugehen. Dazu gehört:

  • Informationen einholen: Über die Krankheit ganz allgemein ebenso wie über erprobte Behandlungsmöglichkeiten und darüber, wie man selbst die eigene Gesundung unterstützen kann. Fragen des individuellen Krankheitsverlaufs wie auch des Risikos für ein Wiederauftreten der Krankheit sollte man mit einem Arzt besprechen, der möglichst alle Untersuchungsbefunde kennt.
  • Die Angst möglichst genau "ansehen": Was ängstigt am meisten? Ist es die Furcht vor Schmerzen, vor der Behandlung, vor der Abhängigkeit von anderen und der Hilflosigkeit? Ist es die Angst zu sterben? Wichtig ist dabei, die Befürchtungen zu Ende zu denken, denn wenn die Angst greifbar wird, lassen sich eher Abhilfen finden. Dieses Durchdenken aller Möglichkeiten wird sicher nicht immer möglich und gleich zu verkraften sein, hilft jedoch langfristig, die Erkrankung besser zu bewältigen. Auch Verleugnung, also das Nicht-Wahrhaben-Wollen der Realität, kann in bestimmten Phasen, wenn die Angst sonst unerträglich wäre, eine sinnvolle Reaktion darstellen.
  • Der Angst Ausdruck verleihen: Schreiben, Malen oder mit anderen schöpferischen Mitteln der Angst Gestalt geben kann helfen, sie besser zu verstehen. Gleichzeitig kann dies entlastend wirken.
  • Erinnern an schwierige Situationen, die man schon erfolgreich durchgestanden hat - dadurch wird das Gefühl für die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten und die eigene Kraft gestärkt.
  • Planen, was man im Fall einer Verschlechterung oder eines Rezidivs konkret tun kann und wer dabei helfen könnte - dazu gehört die Mitverantwortung für Behandlungsmethoden, das Ausschöpfen der Möglichkeiten der Schmerzbekämpfung, eine Patientenverfügung, Vereinbarungen mit Familienangehörigen etwa in Form einer Vorsorgevollmacht.
  • Entspannen: Anspannung ist eine Begleiterscheinung der Angst. Sie lässt sich mit Entspannungsverfahren oder, soweit es die körperliche Verfassung zulässt, mit körperlicher Bewegung (Spazieren gehen, Rad fahren, Schwimmen oder anderer Sport) abbauen. Auch physiotherapeutische Maßnahmen können der Anspannung gezielt entgegenwirken.
  • Den erfreulichen Seiten des Lebens mehr Gewicht geben – dazu gehört es auch, positive Bilanz zu ziehen: Was ist in meinem Leben sinnvoll, wo kann ich meine besonderen Fähigkeiten einbringen, was macht mir Freude, was sollte ich erweitern und ausbauen? Kann ich mir dabei von anderen helfen lassen?

Welche Unterstützung gibt es?

Viele Patienten erleben es als Erleichterung, wenn sie unangenehme Situationen, wie etwa  das Warten beim Arzt oder in der Klinik, in Begleitung nahe stehender Menschen verbringen. Wenn Angehörige dann auch beim Arztgespräch dabei sind, besteht anschließend die Möglichkeit, sich über die Inhalte auszutauschen und damit sicherzugehen, dass keine Information verloren geht.

Hilfe aktiv suchen

Jeder hat im Laufe seines Lebens schon reichlich Erfahrung mit den unterschiedlichsten Ängsten gemacht und dabei bestimmte Strategien zur Bewältigung entwickelt. Wenn diese zur Bewältigung der gegenwärtigen Angst nicht ausreichen, sollte man sich Unterstützung suchen: Gespräche mit jemandem, zu dem man Vertrauen hat, sei es ein guter Freund oder eine gute Freundin oder auch der behandelnde Arzt, können helfen.

Hilfreich kann auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Patienten sein: Sie wissen am besten, wie einem zumute ist und können eigene Strategien gegen die Angst vermitteln. Hier bieten sich Selbsthilfegruppen oder Selbsthilfeinitiativen an. In Selbsthilfegruppen können Patienten die Erfahrung machen, dass sie mit ihrer Angst nicht allein sind. Das Beispiel anderer Betroffener, die ähnliche Situationen bereits gemeistert haben, macht Mut. Eine Liste bundesweiter Dachverbände hat KID hier zusammengestellt.

Fachkundige psychosoziale Unterstützung bieten Psychotherapeuten. Sie helfen auch beim Erlernen von angstlösenden Entspannungsmethoden oder informieren über entsprechende Kurse, mehr dazu lesen Sie im Text "Psychologische Hilfen". Krebsberatungsstellen können dabei helfen, das Thema Angst anzugehen. Viele weitere Informationen und Angebote der Krebsberatungsstellen tragen zur Entlastung bei. Eine Liste, geordnet nach Städtenamen, finden Sie hier beim Krebsinformationsdienst. Niedergelassene Therapeuten mit einer besonderen Weiterbildung in der Betreuung von Krebspatienten hat der Krebsinformationsdienst hier gelistet.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 08.05.2005