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Diese Seiten sind Ausdrucke aus den Internetseiten des Krebsinformationsdienstes www.krebsinformationsdienst.de. Angaben zum Erstellungsdatum und zu den Quellen der Information können Sie dem folgenden Text entnehmen. Einige der dort genannten weiterführenden Angaben sind allerdings nur über das Internet zugänglich. Bitte beachten Sie: Die folgenden Informationen sind nicht dazu geeignet, ein Gespräch mit behandelnden Ärzten, Psychologen oder weiteren Experten zu ersetzen.

Jede Vervielfältigung oder Verbreitung dieser Inhalte zum Beispiel zum Nachdruck, zur Kopie oder zur Speicherung und Weitergabe in elektronischer Form bedarf der schriftlichen Genehmigung des Krebsinformationsdienstes KID, Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg.

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Meeresbrandung © Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum

Angehörige und Freunde: Helfen und helfen lassen

Wie man miteinander reden kann, wo es Unterstützung gibt

Krebs betrifft nicht nur die, die erkrankt sind. Auch das Leben von Partnern und Kindern, von Verwandten und engen Freunden verändert sich. Mit der Situation umzugehen, ist für alle Beteiligten nicht leicht. Besonders belastend ist die Erkrankung eines Elternteils für Kinder.
Dieser Text richtet sich an Angehörige und enge Freunde von Krebspatienten. Er geht darauf ein, wie man Patienten helfen kann, aber auch darauf, welchen Belastungen man selbst ausgesetzt ist und wo man Unterstützung findet.

Letzte Aktualisierung: 08.12.2011

Genutzte Quellen und Links

Eine Auswahl genutzter Quellen findet sich am Ende dieser Seite. Weitere Informationen für Interessierte und Fachkreise bietet der Text "Psychoonkologie als Fachgebiet".

Helfen, aber wie? Was Angehörige für Patienten tun können

Kein Patentrezept

Die richtigen Worte bei der Krebserkrankung eines Freundes oder Angehörigen zu finden, ist nicht immer einfach.

Angehörige und Freunde von Krebspatienten möchten oft helfen, wissen aber nicht, wie. Warum ist das Reden über Krebs so schwierig?  Was kann helfen?
Eine pauschale Antwort auf diese Fragen gibt es nicht. Krebs ist zwar für die allermeisten Menschen eine sehr belastende Diagnose. Doch jeder Betroffene reagiert anders auf Belastungen.
Das macht es auch so schwer, einfache Tipps zu geben, wie man Krebskranke unterstützen kann: Was der eine als sinnvolle Unterstützung empfindet, ist für den anderen eine zusätzliche Bürde. Auch die eigene Erfahrung ist nicht immer ein guter Ratgeber: Patienten möchten möglicherweise andere Hilfen, als die, die sich Freunde oder Verwandte in einer solchen Situation für sich selbst wünschen würden.
Hinzu kommt: Im Krankheitsverlauf verändern sich die Bedürfnisse zudem: Zum Beispiel kann ein und derselbe Mensch phasenweise einen starken Wunsch nach Nähe und Zuneigung verspüren, ein paar Tage später aber Zeit für sich alleine benötigen.

Auch die Angst spielt eine Rolle, wenn es um Krebs geht: Nicht wenigen Menschen fällt es schwer, die richtigen Worte oder überhaupt Gesprächsthemen zu finden. Sie wollen Patienten nicht mit Gesprächen über Krankheit, Behinderung oder mit Gedanken an den Tod überfordern. Doch als Aufmunterung gemeinte Aussagen wie "das wird schon wieder" sind nicht immer hilfreich. Je nach Situation können sie bei Betroffenen auch das Gefühl auslösen, nicht wirklich ernst genommen zu werden.
Wenn das Verhältnis zum Betroffenen nicht sehr eng ist, stellt sich für viele Menschen die Frage, ob sie die Erkrankung überhaupt von sich aus ansprechen sollten. Das gilt zum Beispiel unter Kollegen, Nachbarn oder bei Mitgliedern eines Vereins.

Unterstützung: Woran können sich Angehörige und Freunde orientieren?

Fachleute haben jedoch einige Hinweise entwickelt, die Angehörigen und Freunden als grundsätzliche Orientierung dienen können. Was im Einzelfall hilft, müssen die Beteiligten trotzdem selbst herausfinden.

  • Fragen statt Raten: Psychoonkologen raten Angehörigen, Patienten immer wieder zu fragen: "Was brauchst Du?", oder "Was kann ich für Dich tun?". Die eigene Unsicherheit zu zeigen, ist dabei keine Schwäche. So unterschiedlich die Beziehungen sind, die Menschen zueinander haben, so unterschiedlich kann auch die Unterstützung sein, die sie sich bieten.
  • Anteilnahme: Angehörige und Freunde ziehen sich mitunter zurück, weil sie sich fürchten, etwas falsch zu machen. Den meisten Menschen geht es aber besser, wenn sie wissen, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind.
    Es ist im Zweifelsfall gar nicht so wichtig, was man als Nahestehender sagt. Wichtiger ist, dass man da ist, Anteilnahme zeigt und Zuwendung anbietet.
  • Informationen: Nahe stehende Menschen können Patienten bei der Informationssuche unterstützen. Das heißt nicht, dass man Betroffenen seine eigene Meinung oder die eigenen Erfahrungen aufdrängen sollte. Man kann jedoch dabei helfen, Fakten zu sammeln, diese einzuschätzen und sich neu zu orientieren. Informationen können auch gegen Ängste helfen, die Angehörige und Freunde selbst haben.
  • Selbstbestimmtheit: Auch wenn es manchmal länger dauert oder nicht so gut klappt - Angehörige sollten nicht ohne Rückfrage für Betroffene handeln oder über ihren Kopf hinweg Entscheidungen treffen. Langfristig profitieren Patienten oft davon, wenn ihnen nicht alle Aufgaben abgenommen werden. Psychoonkologen raten, Patienten möglichst wie gewohnt in Entscheidungen der Familie oder des Freundeskreises mit einzubeziehen.

Was tun, wenn die Belastung in der Familie zu groß wird?

Nicht immer reicht eine Schulter zum Anlehnen aus. Manchmal benötigen Patienten professionelle Hilfe, um ihre Situation zu bewältigen. Manchmal sind Angehörige mit der Last, die sie mittragen, überfordert. Ausführliche Informationen finden sich im Text "Psychische Unterstützung: Was dazugehört, wann sie sinnvoll ist, wem sie hilft".

Hintergrund: Angehörige leiden mit

Nicht nur Patienten benötigen Trost und Unterstützung. Auch für Familie, Freunde, Kollegen und andere Bekannte kann eine schwere Erkrankung im Umfeld belastend sein. Darauf deuten die bisher veröffentlichten wissenschaftlichen Studien zum Thema hin.

Veränderungen und Herausforderungen: Was war, was kommt?

Wie sich das Leben für Angehörige von Krebspatienten ändert, lässt sich nicht allgemein vorhersagen. Man kennt mehrere Einflussfaktoren: Welche Erkrankung hat der Patient genau, wie verläuft sie? Eine wichtige Rolle spielt auch die Frage: Wie war das Zusammenleben vor der Diagnose? Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob ein Krebspatient schon zuvor gelernt hat, Hilfe anzunehmen, oder ob es sich für alle Beteiligten um eine neue Erfahrung handelt.
Was sich ändert, hängt auch vom Alter des Patienten ab. Für ein junges Paar verschiebt sich möglicherweise die ganze bisherige Zukunfts- und Familienplanung. Paare, die auf ein langes gemeinsames Leben zurückblicken, fürchten vielleicht eher, dass einer der Partner im Alter alleine zurückbleibt.

Trotz aller Unterschiede gibt es Dinge, über die viele Betroffene berichten. Sie zu kennen, kann helfen die Situation besser zu verstehen und damit umzugehen:

  • Gefühlschaos: Krebs löst nicht nur bei Patienten, sondern auch bei ihren Angehörigen starke Gefühle aus. Um die Betroffenen nicht zu belasten, behalten viele Angehörige ihre Empfindungen für sich. Dies kostet Kraft und erschöpft.
  • Mangelnde Erfahrung mit offenen Gesprächen: Wer schon vor der Erkrankung gelernt hat, offen über Probleme zu reden, tut sich auch in Krisensituationen leichter. Menschen, die bisher Probleme eher mit sich allein und nicht mit Partner oder Freunden ausgemacht haben, tun sich oft schwerer: Sie müssen die Bereitschaft, sich zu öffnen, erst üben und erproben, wie weit das gegenseitige Vertrauen sie trägt.
  • Rückzug: Wenn sich Patienten zeitweilig zurückziehen, ist das für Angehörige nicht leicht zu ertragen. Auch wenn man weiß, dass es so nicht gemeint ist, bleibt unterbewusst ein Gefühl der Ablehnung. Geschieht der Rückzug völlig wortlos, suchen Angehörige die Ursache unter Umständen bei sich oder glauben, etwas falsch gemacht zu haben. Dabei ist das oft gar nicht der Fall: Betroffene brauchen die "Auszeit" aus anderen Gründen, oder haben zeitweilig das Bedürfnis, einfach einmal den Kopf in den Sand stecken und nicht über die Belastung reden zu müssen.
  • Handeln und Denken: Eine Krebserkrankung kann für Betroffene der Anlass sein, das eigene Leben neu zu gestalten. Das kann Familie, Freunde und Kollegen einige Umstellungen abverlangen und gelegentlich auch Beziehungen neu definieren.
  • Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität: Bei Krebspatienten kann das Bedürfnis nach körperlicher Zuwendung schwanken. Weiß der Partner nicht, woran er ist, kann das für Zweifel sorgen.
  • Entfernung: Unter Umständen leben Familienmitglieder, Freunde und Bekannte nicht im selben Ort. Wie der Betroffene mit der Belastung im Alltag umgeht, wird nicht unmittelbar miterlebt. Es kann dann schwer sein, über die Distanz eine geeignete Form der Unterstützung zu finden.

Wichtig ist: Diese Probleme müssen nicht zwischen allen Patienten und ihren Angehörigen auftreten. Nicht immer belastet eine Krebserkrankung ein Paar, die Familie oder eine Freundschaft, im Gegenteil: Beziehungen zwischen Menschen, die sich nahe stehen, können sich durch die gemeinsam zu bewältigende Situation sogar verfestigen.

Mit Schwierigkeiten umgehen: Welche Ansätze gibt es?

Allgemeine Hinweise können individuellen Schwierigkeiten nicht immer gerecht werden. Trotzdem gibt es Empfehlungen, die nach Ansicht von Fachleuten bei der gemeinsamen Bewältigung einer Krebserkrankung helfen können.

Informationen: Mehr wissen, weniger Angst haben

Wenn Angehörige helfen wollen, benötigen sie Hintergrundinformationen. Welche Informationen ihnen konkret von Nutzen sind, ist bisher nur teilweise wissenschaftlich untersucht worden. Vorliegende Studien deuten aber beispielsweise an, dass Paare weniger unsicher sind, wenn sie wissen, wo sie Informationen zu für sie wichtigen Fragen erhalten.

Erste Ansprechpartner für enge Angehörige können die behandelnden Ärzte sein, die mit den Einzelheiten von Erkrankung und Behandlung vertraut sind. Wenn der Betroffene einverstanden ist, können nahe Verwandte oder andere Vertrauenspersonen auch mit zu Arztterminen kommen. Ist das nicht möglich, können Angehörige auch selbst den Kontakt zu Medizinern suchen, sollten dies aber nicht über den Kopf des Patienten hinweg tun. Aufgrund ihrer Schweigepflicht dürfen Ärzte außerdem nur Auskunft an Dritte geben, wenn die Patienten dem ausdrücklich zustimmen.

Viele Angehörige und Freunde sind bei Auskünften zur individuellen Situation, etwa zur persönlichen Prognose, auf die Informationen angewiesen, die sie bei Besuchen und in Gesprächen von den Betroffenen erhalten. Informationen aus Broschüren, Büchern, dem Internet, von Beratungsstellen oder auch dem Krebsinformationsdienst können nur einen allgemeinen Rahmen bieten, trotzdem können solche Quellen für Angehörige wertvolle Unterstützung bieten.

Miteinander sprechen: Bedürfnisse aussprechen, sich verstehen

Zum konkreten Nutzen von Gesprächen zwischen den Beteiligten gibt es kaum Forschungsarbeiten. Offene Gespräche fördern allerdings das gegenseitige Verständnis. Es lohnt sich nach Ansicht von Fachleuten, regelmäßig Zeit und Raum für Unterhaltungen zu schaffen. Inhaltlich können sich Angehörige und Patienten etwa über ihre Beziehung, aber auch über die Erkrankung austauschen.
Unter Umständen sind Angehörige unsicher, was ein Patient benötigt. Direkte Nachfragen helfen hier weiter. So sind manche Patienten während der Chemotherapie überempfindlich gegenüber Gerüchen. Das erfahren Angehörige nur im Gespräch, und erhalten so die Möglichkeit, Rücksicht zu nehmen. Wenn nötig, kann professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden, beispielsweise in einer psychosozialen Krebsberatungsstelle.

Leben ist mehr als Krebs: Der Krankheit nicht alles unterordnen

Krebspatienten sind nicht nur krank. Es kann allen Beteiligten gut tun, wenn sie der Erkrankung nicht mehr Raum als nötig geben.
Angehörige können dazu beitragen, dass sich Patienten ihren gesunden Seiten zuwenden. Wenn Angehörige und Patienten miteinander über gute Zeiten sprechen, kann das Kraft geben und von der augenblicklichen Last befreien. Weitere Tipps, die vor allem Patienten helfen können, besser mit den seelischen Belastungen einer Krebserkrankung zurechtzukommen, finden sich im Text "Psychische Hilfen". 

Gut für beide Seiten: Achtung und Respekt bewahren

Vielen Patienten tut es gut, wenn man sie entlastet, versorgt und pflegt. Doch das ist auf Dauer nicht immer notwendig und auch nicht gewünscht: Wer Betroffenen alles abnimmt, neigt leicht dazu, ihre Bedürfnisse zu übergehen und auch einmal zu viel zu tun.
Experten empfehlen, gewohnte Aufgaben und Abläufe in Familie und Freundeskreis so normal  zu belassen, wie es die Situation erlaubt. Patienten können sich so gebraucht und dazugehörig fühlen. Und Angehörige können ihre Kräfte auf das Wesentliche konzentrieren.
Allerdings ist dieser Hinweis im Alltag nicht immer leicht zu befolgen. Was Erkrankte an Alltagsaufgaben übernehmen können, wechselt und hängt von Therapie und Krankheitsverlauf ab. Das erschwert eine zuverlässige Übernahme von Aufgaben: Wer sich morgens noch gut gefühlt hat, kann manchmal erst im Lauf des Tages spüren, dass die Kraft doch nicht für alles Vorgesehene reicht. Von allen Beteiligten erfordert das Flexibilität.
Wissenschaftliche Studien zeigen allerdings auch: Wer als Angehöriger immer im Einsatz ist, keine Ruhepausen mehr hat, kann an die Grenzen seiner Belastbarkeit kommen. Daher sollte man sich rechtzeitig Auszeiten und Unterstützung schaffen.

Hilfe von anderen: Angehörige dürfen Unterstützung annehmen

Die Betreuung eines Krebskranken kann viel Zeit und Kraft in Anspruch nehmen. Berufliche und private Verpflichtungen bleiben für Angehörige oder nahe Freunde aber trotzdem bestehen. Nicht selten nehmen sie sogar zu, beispielsweise wenn in einer Familie bisher zwei verdient haben, und nun der gesunde Partner allein für die finanzielle Sicherheit sorgen muss. Eigene Interessen können ebenso zu kurz kommen wie Gelegenheiten zur Entspannung. Das kann Angehörige überfordern. Sie sollten deshalb nicht alles allein schultern wollen.

Aufgaben an hilfsbereite Menschen zu übertragen, kann mehrere Vorteile haben. Auch die anderen miteinbezogenen Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn können ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen und fühlen sich weniger hilflos. Bei der Überlegung, wer welche Aufgaben übernehmen könnte, sollten Patienten aber einbezogen werden.

Viele Krebspatienten machen die Erfahrung, dass sich der Kreis von Freunden und guten Bekannten nach der Diagnose ändert. Manche Freunde melden sich seltener, als man eigentlich erwartet. Das ist oft enttäuschend. Dafür werden andere Beziehungen intensiver. Manchmal entstehen neue Kontakte zu Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden. Wer entsprechende Kontakte sucht, kann sich zum Beispiel an Selbsthilfe-Gruppen wenden.

Auf sich selbst achten: Auf die eigenen Bedürfnisse hören

Angehörige verlieren leicht ihre eigenen Belange aus den Augen. Um dieser Gefahr zu begegnen, braucht es regelmäßige persönliche Auszeiten. Was kann Angehörigen helfen? Damit Angehörige in der Lage sind, Krebspatienten zu unterstützen, ist es notwendig, dass sie sich auch um sich selbst kümmern. Dazu kann beitragen:

  • In Kontakt mit den eigenen Freunden bleiben, sofern sich die Möglichkeit bietet; sich etwas suchen, das Spaß macht, kurz: Darauf achten, was man selbst braucht.
  • Sich selbst eine Pause gönnen - selbst wenn es nur ein kurzer Spaziergang ist.
  • Wem es schwer fällt, Pausen in den Tagesverlauf einzubauen, kann sich wenigstens andere Belohnungen genehmigen: Die Lieblingssendung im Fernsehen sehen, ein Bad nehmen, ein gutes Buch am Abend lesen.

Unterstützung für Angehörige: Wer hilft weiter, wenn die Belastung steigt?

Angehörige von Krebspatienten sind oft nicht ausreichend in der Lage, ihre Belastung in Grenzen zu halten. In der Sorge um den Kranken kann den Angehörigen der Blick für sich selbst verloren gehen. Das muss nicht so sein. Wem es schwer fällt, das eigene Wohlergehen im Blick zu behalten, kann sich auch Hilfen außerhalb der Familie holen. Viele Unterstützungsangebote, die ursprünglich für Krebspatienten eingerichtet wurden, sind inzwischen auch für Angehörige geöffnet worden.

Beratung: Welche Ansprechpartner gibt es?

Beratungsgespräche geben Raum für Wünsche, Gefühle und Eindrücke, die sonst zurückgehalten werden. Dieses Zurückhalten kann belasten. Schon darüber zu sprechen, hilft oft. Je nach Situation gibt es unterschiedliche Ansprechpartner:

  • Während der Behandlung des Krebspatienten können Angehörige teilweise Beratungsangebote in den Kliniken nutzen, zum Beispiel psychoonkologische oder psychologische Dienste sowie Kliniksozialdienste.
  • In psychosozialen Krebsberatungsstellen kennt man die Auswirkungen von Krebserkrankungen. Berater bieten die Gelegenheit zu Gesprächen, einzeln oder in Gruppen. Dort kann man sich mit Menschen, denen es ähnlich geht, austauschen.
  • Viele Selbsthilfegruppen richten sich ausdrücklich auch an Angehörige. Einige bieten sogar regionale Gruppen nur für Angehörige an, oder haben auf ihren Internetseiten zum Beispiel entsprechende Foren eingerichtet.
  • Für Menschen, die die häusliche Krankenpflege eines Patienten übernehmen wollen, gibt es Unterstützungsangebote, zum Beispiel in Form von Kursen. Interessierte finden Hinweise zum Beispiel über ihre Kranken- und Pflegekassen.
  • Wenn Belastungen eher die zwischenmenschliche Situation betreffen, können auch Paar- und Lebensberatungsstellen eine geeignete Anlaufstelle sein. Diese Angebote sind in der Regel kostenlos. Sie werden von Trägern wie Kommunen, Kirchen, Vereinen oder Sozialverbänden angeboten.

Darüber hinaus können für Angehörige praktische Fragen entstehen: Auf welche Leistungen hat man Anspruch, wie lassen sich Beruf und Pflege in Einklang bringen? Ansprechpartner nennt der Krebsinformationsdienst unter "Adressen und Links: Sozialrechtliche Fragen bei Krebs".

Professionelle Unterstützung: Wann sollte man sich psychologische Hilfe holen?

Ergebnisse von wissenschaftlichen Untersuchungen zur Belastung von Angehörigen sind nicht ohne Weiteres zu verallgemeinern. In bisher vorliegenden Studien wurden meist nur Partner von Brustkrebspatientinnen oder Partnerinnen von Prostatapatienten untersucht. Insgesamt zeigt sich aber, dass Angehörige oft ähnlich stark belastet sind wie die Patienten selbst; in manchen Situationen sogar noch stärker.

Spätestens wenn die Anforderungen des Alltags aufgrund der seelischen Belastung über Wochen hinweg nicht bewältigt werden können, sollte man über professionelle Hilfe nachdenken. Dazu kann Beratung oder psychotherapeutische Unterstützung zählen.

Auf welche Warnsignale sollte man achten? Anzeichen erhöhter Belastung können zum Beispiel

  • Konzentrationsstörungen,
  • Niedergeschlagenheit,
  • Angstgefühle,
  • Reizbarkeit,
  • innere Unruhe oder andauerndes Grübeln sein;
  • aber auch körperliche Beeinträchtigungen wie Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Müdigkeit oder Rückenschmerzen können darauf hinweisen.

Kinder: Was tun, wenn Mama oder Papa Krebs hat?

Wenn Krebspatienten Zeit mit ihren Kindern oder Enkeln verbringen, hebt das oft ihre Stimmung. Das Wissen, von seinen Kindern geliebt zu werden, hilft, sich selbst zu mögen. Die Krebserkrankung an sich ist also kein Grund, Kinder von Patienten fernzuhalten, solange sie mit der Betreuung und Verantwortung im Alltag nicht überfordert sind.

Belastung von Kindern: Wie wird die Erkrankung der Eltern wahrgenommen?

Broschüren

Fachleuten zufolge haben zwölf von 100 neu diagnostizierten Krebspatienten Kinder, die jünger als 18 Jahre sind. Erkranken Eltern an Krebs, ist das auch für Kinder belastend. Nicht nur bei Erwachsenen kann ein Tumor Gedanken an Tod und Sterben auslösen.
Im Alltag verändern sich innerhalb einer Familie gewohnte Abläufe. Auch die Rollen und Zuständigkeiten können sich spürbar verändern. Aufgaben und Pflichten, etwa im Haushalt, müssen neu verteilt werden. Teilweise regeln die Eltern aufgrund der Erkrankung auch die Versorgung des Nachwuchses neu. All dies stellt für Kinder und Jugendliche eine enorme Herausforderung dar.  

Daher ist es kaum verwunderlich: Kinder können mit Verhaltensauffälligkeiten auf die Erkrankung eines Elternteils reagieren. Diese sind oft, aber nicht immer vorübergehend. Wer sich unsicher ist, wie er ein sich veränderndes Verhalten seiner Kinder einschätzen soll, kann professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Ansprechpartner sind psychosoziale Krebsberatungsstellen und die psychoonkologischen Dienste in Kliniken. Bei Schulkindern lohnt es sich mitunter, auch den Schulpsychologen einzubeziehen. Diese Anlaufstellen vermitteln bei Bedarf auch Kontakte zu Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder -psychiatern.

Über die Erkrankung sprechen: Wie sage ich es den Kindern?

Wie sollte man mit Kindern über die Krankheit eines Elternteils sprechen? Eltern sind oft unsicher, sie wollen ihre Kinder nicht unnötig belasten. Das kann dazu führen, dass - besonders jüngere - Kinder unzureichend informiert werden. Fachleute wissen, dass es nicht immer einfach ist, über eine Krebserkrankung und die damit verbundenen Gefühle zu sprechen. Trotzdem ist es oft das Beste, so offen wie möglich zu kommunizieren.

  • Hilfestellungen erhalten Eltern in vielen psychosozialen Krebsberatungsstellen und psychoonkologischen Diensten in Kliniken und in Rehakliniken.
  • Der Krebsinformationsdienst kann am Telefon oder per E-Mail weitere Anlaufstellen für Eltern und Kinder nennen.

Zum Weiterlesen: Quellen für Interessierte und Fachkreise (Auswahl, Stand 4/2014)

Leitlinie "Psychoonkologie": Anfang 2014 haben die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. und viele weitere beteiligte Fachorganisationen eine S3-Leitlinie herausgegeben, auch Patientenvertreter waren einbezogen: "Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten". Sie ist in einer kurzen und einer ausführlichen Fassung abrufbar bei der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften unter www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-051OL.html.

Deutschsprachige Einführung: Schwarz R, Singer S (2008). Einführung Psychosoziale Onkologie.

Deutschsprachiges Fachbuch: Heußner P, Besseler M, Dietzelfelbinger H, Fegg M, Lang K, Mehl U, Pouget-Schors D, Riedner C, Sellschopp A (Hrsg.) (2009). Manual Psychoonkologie.

Englischsprachiges Fachbuch: Holland JC, Breitbart WS, Jacobsen PB, Lederberg MS, Loscalzo MJ, McCorkle R (2010). Psycho-Oncology. Second Edition.

Deutschsprachiges Fachbuch: Koch U, Lang K, Mehnert A, Schmeling-Kludas Ch (2005). Die Begleitung schwer kranker und sterbender Menschen: Grundlagen und Anwendungshilfen für Berufsgruppen in der Palliativversorgung.

Unterstützungsmöglichkeiten der Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen: Scott JT, Prictor M, Harmsen M, Broom A, Entwistle VA, Sowden AJ, Watt I (2003). Interventions for improving communication with children and adolescents about a family member's cancer. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 4. doi: 10.1002/14651858.CD004511.

Fachartikel zu psychischen Belastungen von Angehörigen: Segrin Ch, Badger TA (2010). Psychological distress in different social network members of breast and prostate cancer survivors. Research in Nursing & Health 33: 450-464. doi: 10.1002/nur.20394.

Fachartikel zu Krebs und Beziehungen: Zettl S (2011). Krebs und Partnerschaft. Forum 26: 31-34. doi: 10.1007/s12312-010-0572-4.

Fachartikel zu Krebs und Kindern: Ernst J, Richter D, Schmidt R, Baum C, Brähler E (2011). Krebskranke Eltern mit minderjährigen Kindern. Forum 26: 35-38. doi: 10.1007/s12312-010-0554-6.

Lebensqualität von Angehörigen: Rees J, O'Boyle C, MacDonagh R (2001). Quality of Life: impact of chronic illness on the partner. Journal of the Royal Society of Medicine 94: 563-566. doi:

Welche Bedürfnisse haben Brustkrebspatientinnen und ihre Angehörigen? Schmid-Büchi S, Halfens RJG, Dassen T, van den Borne B (2008). A review of psychiosocial needs of breast-cancer patients and their relatives. Journal of Clinical Nursing 17: 2895-2909. doi: 10.1111/j.1365-2702.2008.02490.x

Welche Informationen möchten Angehörige von Krebspatienten? Adams E, Boulton M, Watson E (2009). The information needs of partners and familiy members of cancer patients: a systematic literature review. Patient Education and Counseling 77: 179-186. doi: 10.1016/j.pec.2009.03.027. Text frei online zugänglich: http://radar.brookes.ac.uk/radar/items/5b3620e1-3055-00a7-a57f-9689db0161cd/1/adams2009information.pdf

Unterstützungsmöglichkeiten für Familien von Prostatakrebspatienten: Northouse LL, Mood DW, Schafenacker A, Montie JE, Sandler HM, Forman JD, Hussain M, Pienta KJ, Smith DC, Kershaw T (2007). Randomized clinical trial of a family intervention for prostate cancer patients and their spouses. Cancer 110: 2809-2818. doi: 10.1002/cncr.23114

Kommunikation und Krankheitsverarbeitung: Badr H, Acitelli LK, Carmack Taylor CL (2008). Does talking about their relationship affect couples’ marital and psychological adjustment to lung cancer? Journal of Cancer Survivorship 2: 53-64. doi: 10.1007/s11764-008-0044-3.