Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Kinderwunsch bei Krebs: Nebenwirkungen und Spätfolgen der Therapie

Chemotherapie

Eine Behandlung mit Zytostatika gilt für Männer wie für Frauen als Risiko für eine Schädigung der Fruchtbarkeit. Da die meisten Substanzen mehr oder minder direkt in die Zellteilung eingreifen, treffen sie nicht nur Tumorzellen, sondern auch alle anderen Gewebe, die sich schnell teilen. Bekannt ist Auswirkung vieler Substanzen auf Schleimhäute oder Haare. Doch auch Hoden und Eierstöcke sowie die Gebärmutterschleimhaut können betroffen sein.

Der Effekt hängt von der Art der Chemotherapie oder der verwendeten Kombination ab sowie von der Dosis. Bei den so genannten alkylierenden Substanzen, den Platinverbindungen und einigen häufig genutzten Kombinations-Chemotherapien ist die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung besonders hoch. Generell können jedoch alle Zytostatika schaden.

Welche Art von Chemotherapie jeweils zum Einsatz kommt, erfahren Patienten von ihren behandelnden Ärzten. Ob eventuell auf andere Stoffe gewechselt werden kann, hängt allein von der individuellen Situation ab. Leitlinien zur Behandlung, die von Fachgesellschaften als Empfehlung veröffentlicht werden (zum Beispiel unter www.leitlinien.net), können ein Anhaltspunkt sein. Die Informationen richten sich allerdings an Fachleute; Patienten sollten sie auf jeden Fall mit ihren behandelnden Ärzten besprechen.

Keine Voraussagen möglich

Schwanger trotz Ausbleiben der Monatsregel
Patientinnen, die sicher gehen wollen, sollten auch während der Chemotherapie verhüten.

Wie groß die Chance ist, dass die Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen erhalten bleibt, ist derzeit jedoch noch eine Frage der Statistik: Anzeichen, an denen man vorher erkennen könnte, wer betroffen sein wird und wer nicht, gibt es nicht. So bleiben für die meisten Patienten leider nur Zahlenangaben, zum Beispiel "fünf von zehn Betroffenen", oder auch "zwei von zehn". Ob sie zur einen oder anderen Gruppe gehören werden, kann ihnen bei Therapiebeginn meist niemand sagen. Ganz ausgeschlossen sind Schwangerschaften nach einer Chemotherapie jedoch nicht. Sogar während einer Zellgifttherapie selbst wurden vereinzelt schon Frauen schwanger – das Ausbleiben der Monatsblutung ist kein wirklich sicheres Indiz für Unfruchtbarkeit - und haben Männer ungewollt ein Kind gezeugt. Patienten, die sicher gehen wollen, sollten sich bezüglich ihrer persönlichen Situation und geeigneter Verhütungsmaßnahmen beraten lassen.

Für Frauen: Chemotherapie und Wechseljahre

Bei Frauen spielt auch das Alter eine Rolle bei der Empfindlichkeit gegenüber Chemotherapie – bei über Dreißigjährigen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass bei ihnen die Wechseljahre verfrüht einsetzen und dieser Effekt auch nach Beendigung der Therapie anhält; Frauen über Vierzig müssen fast sicher damit rechnen. Bekannt ist dieser Effekt zum Beispiel von der Brustkrebstherapie, bei der sich nicht selten an die Chemotherapie noch eine Art künstliche Wechseljahre durch eine längere Antihormonbehandlung anschließen.

Für Männer: Schutz der Partnerin

Viele Experten empfehlen Männern während einer Chemotherapie die Verwendung von Kondomen, da einige Substanzen und ihre Abbauprodukte in die Samenflüssigkeit übergehen. Dies kann bei der Partnerin unter Umständen zu einer Reizung der Schleimhaut in der Scheide und am Muttermund führen.

Hormontherapie

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Eine große Rolle spielt die Hormontherapie – besser als Antihormontherapie bezeichnet – bei der Behandlung von Brustkrebs und Prostatakrebs. Sie wirkt sich häufig auf die Fruchtbarkeit aus, da sie tief in den Stoffwechsel der Geschlechtshormone eingreift. Die Erfüllung des Kinderwunsches ist während einer Antihormontherapie normalerweise nicht möglich, selbst wenn es theoretisch bei einigen verwendeten Substanzen zu einer Empfängnis kommen kann.

Antiöstrogene

Antiöstrogene sind Gegenspieler des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen. Sie besetzen auf den für Östrogene empfänglichen Zellen die Hormonrezeptoren und verhindern sozusagen im Wettstreit dessen Wirkung. Angewendet werden sie vor allem bei Brustkrebs. Bei vielen, aber längst nicht allen Frauen bleibt unter dieser Behandlung der Monatszyklus aus. Um sich vor einer ungewollten Schwangerschaft zu schützen, sollten betroffene Patientinnen während der Behandlung mit ihren Ärzten über eine geeignete Methode zur Empfängnisverhütung nachdenken. Die Hersteller der Hormonpräparate empfehlen auch, vor Behandlungsbeginn sicher auszuschließen, dass die Patientin vielleicht schon schwanger ist, ohne es zu wissen.

Antiandrogene

Antiandrogene wirken ähnlich in der Unterdrückung von Testosteron, dem männlichen Geschlechtshormon. Sie werden zum Beispiel beim Prostatakarzinom eingesetzt. Auch hier ist eine Beeinträchtigung des Hormonspiegels und der Sexualfunktion zu erwarten, die Zeugungsfähigkeit setzt jedoch nicht unbedingt aus. Die Hersteller raten zu Empfängnisverhütung. Auch werden die Antiandrogene häufig mit anderen Hormonblockern kombiniert. Hier ist dann deren Wirkung entscheidend.

Gestagene

Gestagene und ihre synthetisch hergestellten Verwandten sind zwar eigentlich Bestandteile der normalen Hormonkette, die beim weiblichen Monatszyklus eine Rolle spielt. Sie kommen jedoch nur bei fortgeschrittener Brustkrebserkrankung oder bei Patientinnen mit einem fortgeschrittenen Endometriumkarzinom zu Einsatz, und dann in vergleichsweise hoher Dosierung. Dies beeinflusst den Monatszyklus. Außerdem bekommen betroffene Patientinnen meist noch eine Reihe von anderen Medikamenten, die eine Schwangerschaft ausschließen.

LH-RH-Analoga, Gn-RH-Analoga

LH-RH-Analoga und Gn-RH-Analoga sind Bezeichnungen für übergeordnete Hormone, die über das Gehirn den Stoffwechsel der Geschlechtshormone sowohl bei Männern wie bei Frauen regeln. Patienten, die damit behandelt werden, müssen mit einem Ausbleiben der Hormonwirkung rechnen, was die Fruchtbarkeit zum Erliegen bringt. Männer müssen auch mit einer Beeinträchtigung des Sexuallebens rechnen. Zu Beginn der Behandlung steigt die körpereigene Hormonproduktion jedoch noch einmal kurzfristig an. Wie in dieser Zeit mit dem Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft umzugehen ist, sollte mit den behandelnden Ärzten besprochen werden.

Aromatasehemmer, andere Enzymhemmer

Aromatasehemmer und andere Enzymhemmer greifen bei der Bildung der Geschlechtshormone im Stoffwechsel ein. Sie kommen überwiegend bei Brustkrebspatientinnen nach den Wechseljahren zum Einsatz. Bei jüngeren Frauen werden Aromatasehemmer nur eingesetzt, wenn mit anderen Medikamenten künstlich die Wechseljahre herbeigeführt wurden.

Fruchtbar nach Therapieende

Setzt die Fruchtbarkeit nach einer Antihormonbehandlung wieder ein? Rein theoretisch normalisiert sich sowohl bei Männern wie  bei Frauen nach Absetzen der Behandlung der Hormonspiegel wieder. Bei Frauen, in der Regel Brustkrebspatientinnen, hängt es jedoch auch vom Alter ab, ob ihre Eierstöcke wieder voll funktionstüchtig werden. Leider hat sich gezeigt, dass bei über Dreißigjährigen nach einer mehrjährigen Antihormonbehandlung die Wahrscheinlichkeit kontinuierlich ansteigt, dass die Wechseljahre früher als normal einsetzen. Bei Männern, die eine Hormontherapie in der Regel wegen eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms erhalten, ist das Absetzen der Therapie aus medizinischer Sicht problematisch und sollte mit den behandelnden Ärzten besprochen werden.

Kortison

Viele Krebspatienten erhalten als Begleittherapie auch irgendwann Kortison oder so genannte Corticoide, meist in hohen Dosen. Ist die Behandlung über einen längeren Zeitraum notwendig, kann bei Frauen der Monatszyklus gestört werden, bei Männern wird der Stoffwechsel der Sexualhormone ebenfalls beeinflusst. Zwar ist eine Schwangerschaft oder die Zeugung eines Kindes deshalb nicht ganz ausgeschlossen. Trotzdem sollten Patienten mit Kinderwunsch über die Folgen der Kortisonbehandlung mit ihren Ärzten sprechen.

Bestrahlung

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Eine Bestrahlung des Bauch- und Beckenbereichs kann bei Männern wie Frauen die Fruchtbarkeit einschränken. Wie sich die Bestrahlung auswirkt, hängt dabei von der Tumorart, dem genauen Bestrahlungsfeld, der Dosis und bei Frauen auch von ihrem Alter ab. Möglich sind eine Schädigung von Hoden, Eierstöcken und Gebärmutterschleimhaut, bei Männern können auch die Nerven und Adern geschädigt sein, die an einer Erektion beteiligt sind. Zu bedenken ist dabei, dass die Grunderkrankung selbst meist schon Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit hat und die Bestrahlung häufig nicht die Therapie ist, die zur Anwendung kommt. Patienten sollten sich bei ihren Radiologen erkundigen, ob und wenn ja wie ihre Fruchtbarkeit beeinträchtigt werden könnte.

Verlegung der Eierstöcke vor Bestrahlung

Bei Kindern und jungen Frauen besteht die Möglichkeit, vor einer Beckenbestrahlung die Eierstöcke durch einen kleinen Eingriff aus dem Bestrahlungsfeld oder zumindest hinter die Gebärmutter zu verlegen. Dies reduziert die Strahlenbelastung und kann später wieder rückgängig gemacht werden.

Bestrahlung des Gehirns

Eine Hirnbestrahlung kann, ebenfalls in Abhängigkeit von der Grunderkrankung, dem Bestrahlungsfeld und der Dosis, zu Problemen mit der Bildung der zentralen, übergeordneten Hormone führen, die die eigentlichen Sexualhormone steuern. Auch hier ist die individuelle Situation entscheidend, so dass nur die behandelnden Ärzte darüber informieren können, ob ein Risiko besteht und, bei einer bereits eingetretenen Schädigung, ob hier eine Hormontherapie ausgleichend wirken kann.

Operationen

Operationen in Bauch und Becken können bei Männern wie Frauen die Fertilität zumindest teilweise beeinträchtigen, auch dann, wenn der Eingriff nicht unmittelbar die inneren oder äußeren Geschlechtsorgane betrifft.

Für Frauen

Operation trotz Schwangerschaft möglich
Auch wenn während einer Schwangerschaft eine Krebsdiagnose gestellt wird, ist eine Operation häufig möglich.

Bei Frauen wirken sich Eingriffe hauptsächlich während einer späteren Schwangerschaft aus. Ob mit Eierstöcken, Eileitern und Gebärmutter noch alles in Ordnung ist oder ob durch Narbenbildung und Verwachsungen die Wahrscheinlichkeit für eine Fehl- oder Frühgeburt steigt, kann mit den behandelnden Ärzten besprochen werden. Wird die Krebsdiagnose erst während einer Schwangerschaft gestellt, sind viele Operationen trotzdem möglich, zum Beispiel bei Brustkrebs. Ob die Narkose ein Risiko darstellt und wie man es auffangen kann, darüber wird von den behandelnden Ärzten informiert.

Für Männer

Männer haben nach manchen Eingriffen in Bauch und Becken Probleme mit Erektion und Samenerguss, wegen durchtrennter oder geschädigter Nerven oder einer verschlechterten Blutversorgung. Die Spermienbildung an sich ist jedoch meist nicht beeinträchtigt. Je nach individueller Situation besteht die Möglichkeit, mit Medikamenten Abhilfe zu schaffen oder durch eine künstliche Befruchtung mit vom Arzt entnommenen Spermien ein Kind zu zeugen.

Neue Therapieformen

Viele neue Medikamente, die nicht zur "klassischen" Chemotherapie oder Hormontherapie zählen, haben die Krebstherapie in den letzten Jahren verbessert. Über die Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit von Patientinnen und Patienten oder mögliche Schädigungen eines ungeborenen Kindes gibt es bisher nur sehr wenige Daten.

Glivec® (Imatinib)

Diese relativ neue Substanz wird zur Behandlung chronisch myeloischer Leukämie eingesetzt. Bisher gibt es überwiegend Daten aus Tierversuchen und nur vereinzelte Berichte über Schwangerschaften und Zeugungsfähigkeit bei Menschen. Frauen sollten unter der Therapie nicht schwanger werden, so raten die Hersteller. Wird während einer bereits bestehenden Schwangerschaft die Behandlung notwendig, ist eine sorgfältige Risikoabwägung nötig, die so viele persönliche Faktoren mit einbeziehen muss, dass eine allgemeine Aussage kaum möglich ist.

Männer, die mit Imatinib behandelt werden, sind dagegen durch das Medikament anscheinend wenig in ihrer Zeugungsfähigkeit eingeschränkt. Aus Tierversuchen hatten Experten hier schlechtere Ergebnisse  erwartet. Im Vordergrund sollte bei der Planung einer Schwangerschaft trotzdem die gesamte Krankheitssituation betrachtet werden.

Herceptin, Rituximab und andere Antikörper

Antikörper sind moderne Medikamente zur Krebstherapie, die bisher allerdings überwiegend bei fortgeschrittenen oder chronischen Erkrankungen eingesetzt werden. Ob sich Patienten mit dem Thema Kinderwunsch überhaupt befassen können, hängt also eher von der Einschätzung ihrer Gesamtsituation ab als von der Anwendung von Antikörpern.

Für Frauen wäre das Absetzen der Therapie Voraussetzung für eine Schwangerschaft. Für einige neue Antikörper gilt sogar nach dem Absetzen eine Wartefrist von einem Jahr. Als Begründung geben die Hersteller im Beipackzettel die mangelnde Datenlage zu den Auswirkungen an. Von Antikörpern weiß man, dass sie die so genannte Plazentaschranke überwinden und daher nicht nur im mütterlichen Blutkreislauf wirken, sondern auch beim Ungeborenen. Über die Auswirkungen gibt es fast nur Daten aus Tierversuchen.

Männer sollten mit ihren behandelnden Ärzten sprechen, wie es um ihre Zeugungsfähigkeit bestellt ist. Die Beurteilung ihrer Gesamtsituation steht jedoch im Vordergrund bei der Diskussion des Kinderwunsches.

Interferon, Interleukine

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Die so genannten Zytokine, darunter Interferone und die Interleukine, sind Signalstoffe des Immunsystems. Sie kommen überwiegend bei fortgeschrittenen oder chronischen Erkrankungen zum Einsatz, häufig in Kombination mit anderen Medikamenten, so dass das Thema Kinderwunsch nur unter Betrachtung der Gesamtsituation diskutiert werden sollte.

Unter einer Interferon- oder Interleukin-Therapie sollten Frauen, so die Hersteller der entsprechenden Medikamente, von einer Schwangerschaft absehen – die Begründung ist die mangelnde Datenlage über die Auswirkungen. Ob eine Zytokintherapie zum Beispiel im Rahmen der Behandlung einer chronischen Leukämie abgesetzt werden kann, um ein Kind zu bekommen, hängt allein von der persönlichen Situation ab und sollte dringend mit den behandelnden Ärzten besprochen werden.

Die Zeugungsfähigkeit von Männern wird durch Zytokine anscheinend nicht eingeschränkt. Auch hier steht jedoch die Auswirkung der Grunderkrankung bei der Beurteilung im Vordergrund.

Alternative Medikamente

Alternative Methoden in der Krebstherapie gehören zu vielen verschiedenen Gruppen, wenn man sie nach der Art der Anwendung, nach den Inhaltsstoffen oder der möglichen Wirkung einteilt. Daher ist eine generelle Aussage zu ihren Auswirkungen auf die Fähigkeit, ein Kind zu zeugen oder empfangen, kaum möglich. Krebspatienten sollten jedoch bedenken, dass viele Mittel zu den so genannten Methoden mit unbewiesener Wirksamkeit gehören. Dies bedeutet, dass sie nicht so gut untersucht sind wie schulmedizinische Medikamente, gelegentlich fehlen Daten zu ihrer Wirksamkeit sogar ganz. Ob ein bestehender Kinderwunsch kurz- oder langfristig durch alternative Methoden der Krebstherapie beeinflusst wird, lässt sich daher meist nur im Gespräch mit den behandelnden Ärzten klären.



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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 08.03.2005