
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deBei einer Chemotherapie oder Bestrahlung der Beckenregion ist es rein theoretisch nicht ausgeschlossen, dass die Eizellen oder die Spermien geschädigt werden. Insgesamt gehen Fachleute heute allerdings von einer "Alles-oder-Nichts-Regel" aus: Bleibt die Fruchtbarkeit erhalten, bedeutet dies meist auch, dass Keimzellen nicht geschädigt wurden. Ganz ausschließen lässt sich ein Restrisiko angesichts der derzeit vorliegenden Daten allerdings nicht. Die Natur behandelt Männer und Frauen zudem unterschiedlich, was die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung der Keimzellen angeht.
Frauen bilden dagegen keine neuen Eizellen nach; sie müssen mit einem Vorrat auskommen, den sie schon bei ihrer Geburt besitzen. Lediglich die eigentliche Eizellreifung findet während des normalen Monatszyklus statt. Sind die Eierstöcke durch eine Behandlung geschädigt, ist meist auch eine Schwangerschaft gar nicht möglich.
Über die Wahrscheinlichkeit, ein gesundes Kind zu bekommen, können sich Krebspatienten und ihre Partner anhand ihrer persönlichen Behandlungsunterlagen bei den so genannten genetischen Beratungsstellen informieren. Hausärzte oder Frauenärzte sind erste Ansprechpartner für diese Frage, sie überweisen bei Bedarf an die Beratungsstellen.
Für viel Beunruhigung sorgte im Februar 2004 eine Pressemeldung des Deutschen Krebsforschungszentrums, laut der viel mehr Krebsarten als bisher bekannt auch in einer erblichen Variante auftreten können (www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/
2004/dkfz_pm_04_04.php).
Zwar bleibt der Anteil der betroffenen Familien im Vergleich zu den "normalen", sporadisch auftretenden Patientenzahlen mit wenigen Ausnahmen sehr klein. Trotzdem sollten sich Betroffene, bei denen der Verdacht auf eine in der Familie weiter gegebene Veranlagung besteht, im Zweifelsfall von ihren behandelnden Ärzten beraten oder zu einer genetischen Beratungsstelle überweisen lassen. Gerade dann, wenn eine Krebserkrankung untypisch früh aufgetreten ist, zum Beispiel Brustkrebs, Darmkrebs oder Prostatakrebs, hilft eine solche Beratung, die Risiken für den zukünftigen Nachwuchs besser einschätzen zu können. Wer schon Kinder hat, erfährt auch, ob diese von einem höheren Risiko betroffen sein können, und wie bei Bedarf geeignete Früherkennungsmaßnahmen aussehen.
Eine Krebserkrankung, die erst in der Schwangerschaft diagnostiziert wird, stellt betroffene Frauen und ihre Partner vor dramatische Probleme. Kann die Schwangerschaft fortgeführt werden? Wie riskant ist das Warten mit einer Behandlung für die Mutter und kann überhaupt gewartet werden? Schädigt die Therapie das Kind?
Die Antworten auf diese Fragen hängen sehr stark von der Tumorart, der körperlichen Situation der werdenden Mutter, der Schwangerschaftswoche und der geplanten Therapie ab, allgemeine Auskünfte sind kaum möglich. Eine intensive Beratung mit den behandelnden Ärzten ist die Voraussetzung für eine Entscheidung: Nicht nur die tatsächlichen Risiken für Mutter und Kind sollten eine Rolle spielen. Je besser eine Patientin weiß, was auf sie zukommen wird, umso eher kann sie abschätzen, was sie körperlich und psychisch auch verkraften kann.
Ganz allgemein stellen viele Operationsformen nicht unbedingt ein größeres Risiko für ein werdendes Kind dar, so lange sie nicht unmittelbar den Bauchraum oder das Becken betreffen. Mit der Wahl einer geeigneten Narkose können auch hier viele Probleme für das Kind aufgefangen werden.
Anders sieht es mit Chemotherapie oder Bestrahlung aus. Hier ist eine Schädigung des Kindes vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel möglich. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel kann die Behandlung dem Kind zwar nicht mehr unmittelbar schaden. Es sind jedoch Wachstumsverzögerungen und vor allem eine insgesamt schlechte Versorgung möglich. Zwischen dem Geburtstermin und einer letzten Chemotherapie-Gabe sollte ein gewisser zeitlicher Abstand liegen, damit sich die eigenen Blutzellen des Kindes erholen können. Auch durch den eingeschränkten Allgemeinzustand der Mutter besteht ein erhöhtes Risiko für Fehl- und Frühgeburten, selbst wenn inzwischen viele Daten über die Geburt gesunder Kinder vorliegen. Im letzten Schwangerschaftsdrittel werden die Ärzte versuchen, dass Kind so früh wie möglich zu holen, wenn sich eine Chemotherapie oder Bestrahlung nicht hinauszögern lassen.
Tritt während einer Hormontherapie eine Schwangerschaft auf, muss die Behandlung abgesetzt werden, so die Empfehlung der Arzneimittelhersteller, oder sie darf bei bestehender Schwangerschaft gar nicht erst begonnen werden. Dies gilt auch für die Behandlung mit Antikörpern und anderen neuen Medikamentengruppen.