Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Risiken für Kinder: Gibt man etwas an die Nachkommen weiter?

Schädigung der Keimzellen

Bei einer Chemotherapie oder Bestrahlung der Beckenregion ist es rein theoretisch nicht ausgeschlossen, dass die Eizellen oder die Spermien geschädigt werden. Insgesamt gehen Fachleute heute allerdings von einer "Alles-oder-Nichts-Regel" aus: Bleibt die Fruchtbarkeit erhalten, bedeutet dies meist auch, dass Keimzellen nicht geschädigt wurden. Ganz ausschließen lässt sich ein Restrisiko angesichts der derzeit vorliegenden Daten allerdings nicht. Die Natur behandelt Männer und Frauen zudem unterschiedlich, was die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung der Keimzellen angeht.

Für Männer

Die eigentlichen Spermien entstehen aus Vorläuferzellen in sehr großer Zahl immer wieder neu. Eine Schädigung wirkt sich meist auf die Form oder Beweglichkeit der Samenzellen aus, was sich unter dem Mikroskop beurteilen lässt.  Spermien, die gut beweglich und zu einer Befruchtung in der Lage sind, enthalten meist auch eine nicht veränderte Erbinformation, so die Einschätzung von Fachleuten. In einer Spermienuntersuchung kann der Anteil gesunder und voll beweglicher Zellen festgestellt werden, am besten erst einige Zeit nach Abschluss der Behandlung.  Während dieser Wartezeit, bis alle in dieser Zeit entstandenen Spermien abgestorben und nur noch später gebildete übrig sind, empfehlen viele Fachleute eine geeignete Verhütungsmethode.

Für Frauen

Frauen bilden dagegen keine neuen Eizellen nach; sie müssen mit einem Vorrat auskommen, den sie schon bei ihrer Geburt besitzen. Lediglich die eigentliche Eizellreifung findet während des normalen Monatszyklus statt. Sind die Eierstöcke durch eine Behandlung geschädigt, ist meist auch eine Schwangerschaft gar nicht möglich.

Beratung hilft bei der Einschätzung

Über die Wahrscheinlichkeit, ein gesundes Kind zu bekommen, können sich Krebspatienten und ihre Partner anhand ihrer persönlichen Behandlungsunterlagen bei den so genannten genetischen Beratungsstellen informieren. Hausärzte oder Frauenärzte sind erste Ansprechpartner für diese Frage, sie überweisen bei Bedarf an die Beratungsstellen.

Vererbtes Krebsrisiko?

Risiken besser einschätzbar
Besteht der Verdacht auf eine familiäre Veranlagung, können Betroffene eine genetische Beratungsstelle aufsuchen. Eine Beratung hilft, Risiken für den zukünftigen Nachwuchs besser einzuschätzen.

Für viel Beunruhigung sorgte im Februar 2004 eine Pressemeldung des Deutschen Krebsforschungszentrums, laut der viel mehr Krebsarten als bisher bekannt auch in einer erblichen Variante auftreten können (www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/
2004/dkfz_pm_04_04.php
).

Zwar bleibt der Anteil der betroffenen Familien im Vergleich zu den "normalen", sporadisch auftretenden Patientenzahlen mit wenigen Ausnahmen sehr klein. Trotzdem sollten sich Betroffene, bei denen der Verdacht auf eine in der Familie weiter gegebene Veranlagung besteht, im Zweifelsfall von ihren behandelnden Ärzten beraten oder zu einer genetischen Beratungsstelle überweisen lassen. Gerade dann, wenn eine Krebserkrankung untypisch früh aufgetreten ist, zum Beispiel Brustkrebs, Darmkrebs oder Prostatakrebs, hilft eine solche Beratung, die Risiken für den zukünftigen Nachwuchs besser einschätzen zu können. Wer schon Kinder hat, erfährt auch, ob diese von einem höheren Risiko betroffen sein können, und wie bei Bedarf geeignete Früherkennungsmaßnahmen aussehen.

Krebs in der Schwangerschaft

Intensive Beratung
Wird eine Krebserkrankung während einer Schwangerschaft diagnostiziert, kann über die weitere Vorgehensweise nur individuell gemeinsam mit den behandelnden Ärzten entschieden werden.

Eine Krebserkrankung, die erst in der Schwangerschaft diagnostiziert wird, stellt betroffene Frauen und ihre Partner vor dramatische Probleme. Kann die Schwangerschaft fortgeführt werden? Wie riskant ist das Warten mit einer Behandlung für die Mutter und kann überhaupt gewartet werden? Schädigt die Therapie das Kind?

Die Antworten auf diese Fragen hängen sehr stark von der Tumorart, der körperlichen Situation der werdenden Mutter, der Schwangerschaftswoche und der geplanten Therapie ab, allgemeine Auskünfte sind kaum möglich. Eine intensive Beratung mit den behandelnden Ärzten ist die Voraussetzung für eine Entscheidung: Nicht nur die tatsächlichen Risiken für Mutter und Kind sollten eine Rolle spielen. Je besser eine Patientin weiß, was auf sie zukommen wird, umso eher kann sie abschätzen, was sie körperlich und psychisch auch verkraften kann.

Operation in der Schwangerschaft

Ganz allgemein stellen viele Operationsformen nicht unbedingt ein größeres Risiko für ein werdendes Kind dar, so lange sie nicht unmittelbar den Bauchraum oder das Becken betreffen. Mit der Wahl einer geeigneten Narkose können auch hier viele Probleme für das Kind aufgefangen werden.

Chemotherapie und Bestrahlung in der Schwangerschaft

Anders sieht es mit Chemotherapie oder Bestrahlung aus. Hier ist eine Schädigung des Kindes vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel möglich. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel kann die Behandlung dem Kind zwar nicht mehr unmittelbar schaden. Es sind jedoch Wachstumsverzögerungen und vor allem eine insgesamt schlechte Versorgung möglich. Zwischen dem Geburtstermin und einer letzten Chemotherapie-Gabe sollte ein gewisser zeitlicher Abstand liegen, damit sich die eigenen Blutzellen des Kindes erholen können. Auch durch den eingeschränkten Allgemeinzustand der Mutter besteht ein erhöhtes Risiko für Fehl- und Frühgeburten, selbst wenn inzwischen viele Daten über die Geburt gesunder Kinder vorliegen. Im letzten Schwangerschaftsdrittel werden die Ärzte versuchen, dass Kind so früh wie möglich zu holen, wenn sich eine Chemotherapie oder Bestrahlung nicht hinauszögern lassen.

Hormontherapie in der Schwangerschaft

Tritt während einer Hormontherapie eine Schwangerschaft auf, muss die Behandlung abgesetzt werden, so die Empfehlung der Arzneimittelhersteller, oder sie darf bei bestehender Schwangerschaft gar nicht erst begonnen werden. Dies gilt auch für die Behandlung mit Antikörpern und anderen neuen Medikamentengruppen.

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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 08.03.2005