
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deMüssen sich Krebspatienten auch dann die Zähne putzen, wenn das aufgrund von Entzündungen im Mund mit Schmerzen verbunden ist? Warum sollte man einen Zahnarztbesuch einplanen, bevor eine Krebstherapie beginnt? In diesem Text beantwortet der Krebsinformationsdienst Fragen zu behandlungsbedingten Veränderungen im Mund, an Zahnfleisch und Zähnen. Der Text ist Teil umfassender Informationen zum Umgang mit den Nebenwirkungen von Krebstherapien. Er richtet sich an Betroffene, Angehörige und Interessierte.
Soweit es sich nicht um Lehrbuchwissen handelt, sind die Quellen ausdrücklich angegeben, und, wenn möglich, auch direkt verlinkt. Nicht alle Verfahren, die sich im Alltag bewährt haben, sind durch hochwertige wissenschaftliche Studien untersucht. Falls es sich um Tipps handelt, die vor allem auf praktischen Erfahrungen beruhen, ist dies angegeben.
Ist eine Krebsbehandlung planbar und noch etwas Zeit bis zum Beginn, sollten Patienten vorher noch einen Besuch beim Zahnarzt ausmachen: Bestehende Zahn- und Zahnfleischprobleme können so vorab behoben werden. Dazu gehört beispielsweise die Sanierung von Zahnfleischentzündungen oder -taschen, die zur Infektionsquelle während einer Therapie werden können.
Der Zahnarzt gibt außerdem Tipps zur gründlichen, aber schonenden Mund- und Zahnpflege. Auch Fluorgele und Spezialzahncremes aus der Apotheke, die meist nur einmal pro Woche angewandt werden müssen, wirken vorbeugend gegen Karies.
Schleimhautzellen teilen sich häufig, sie sind deshalb empfindlich für Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Auch eine Strahlentherapie wirkt sich häufig auf Schleimhäute aus, allerdings nur, wenn sie auch tatsächlich im Bestrahlungsfeld liegen.
Infolgedessen können bei Krebspatienten Entzündungen der Mundschleimhaut, fachsprachlich als "orale Mukositis" bezeichnet, auftreten. Dabei geht es meist um die Innenseiten der Wangen, die Seiten und Unterseite der Zunge und den Rachen.
Das Risiko für entsprechende Nebenwirkungen steigt zudem durch:
Anzeichen für eine Entzündung sind Rötungen, Schwellungen und Brennen im Mund; oft reagieren Betroffene empfindlich auf heiße oder scharfe Speisen. Bei starker Ausprägung der oralen Mukositis können sich schmerzhafte Geschwüre (Ulzerationen) im Mund bilden. Als Komplikation breiten sich auf der geschädigten Schleimhaut oft Krankheitskeime aus, darunter auch solche, mit denen der Körper normalerweise gut zurechtkommt. Ist die Mundschleimhaut stark angegriffen, sind Essen und Trinken mit Schmerzen verbunden. In der Folge nehmen viele Patienten zu wenig Flüssigkeit und Nahrung zu sich.
Auch wenn die betroffenen Stellen bei den meisten Patienten in den ersten Wochen nach der Behandlung wieder von alleine abheilen: eine gute Mundhygiene hilft vorzubeugen, sie ist auch wichtig, wenn bereits Schleimhautprobleme aufgetreten sind.
Sicher verhindern lassen sich Entzündungen der Mundschleimhaut nach bisherigem Kenntnisstand nicht, auch die beste Pflege garantiert keinen vollständigen Schutz. Trotzdem hat der hygienische Zustand des Mundes einen Einfluss auf das Ausmaß der Schädigungen und das Risiko einer zusätzlichen Infektion. Patienten, die bereits vor Behandlungsbeginn unter Entzündungen von Mundschleimhaut oder Zahnfleisch leiden, sollten vorab zum Zahnarzt gehen.
Auch wenn es für Patienten unangenehm sein kann, empfehlen Fachleute, die Zähne regelmäßig mit einer weichen Zahnbürste zu putzen (mehr dazu hier). Festsitzender oder herausnehmbarer Zahnersatz sollte wie gewohnt intensiv gepflegt werden.
Bei bestimmten Zytostatika (Chemotherapiemedikamenten) kann es helfen, wenn die Patienten während der Infusion Eiswürfel lutschen: Untersuchungen zeigen, dass dies die Durchblutung der Mundschleimhaut verringern kann, sodass dorthin weniger Chemotherapiemedikamente gespült werden. Bei Tumorerkrankungen im Mundbereich ist das Lutschen von Eiswürfeln nicht erwünscht: Hier ist es für den Erfolg der Behandlung unerlässlich, dass genügend Zytostatika angespült werden.
Von Beginn der Chemotherapie oder der Kopfbestrahlungen an sollte der Mund-Rachen-Bereich mehrmals täglich gut mit alkoholfreien Lösungen durchgespült werden. Dies wirkt vorbeugend gegen Infektionen durch Bakterien, Viren und Pilze. Pflegeexperten machen verschiedene Vorschläge, womit gespült werden kann. Sie reichen von Salbeitee, Kochsalz-Lösungen über verschiedene Markenprodukte bis hin zu medizinischen Lösungen mit arzneilichen Wirkstoffen, die Patienten in der Apotheke erhalten.
Nicht alle dieser Ratschläge sind durch hochwertige wissenschaftliche Studien untersucht. Das betont die Fachgesellschaft MASCC in den "MASCC Guidelines 2006 zur Prophylaxe und Therapie der Mukositis bei Tumortherapie". Die Abkürzung steht für die "Multinational Association of Supportive Care in Cancer". Das Dokument ist im Internet in englischer Sprache frei zugänglich, www.mascc.org, Rubrik "Guidelines and Tools", Stichwort "Mucositis Guidelines" (deutschsprachig auf www.onkosupport.de, Rubrik "Supportivtherapie", Stichwort "Leitlinien", Stichwort "Zytoprotektion/Mukositis/Hauttoxizität").
Sobald Patienten erste Anzeichen einer oralen Mukositis entdecken, sollten sie mit ihren Ärzten und Pflegenden die weiteren Behandlungsschritte besprechen, damit schwere Verläufe mit starken Schmerzen verhindert werden können. Erstes Anzeichen können gerötete und geschwollene Schleimhäute sein. Patienten, die bereits vor der Krebsbehandlung zu Lippenherpes neigten, sollten auf entsprechende Bläschen achten, da auch diese Infektion durch die Behandlung leicht wieder aufflackert.
Gegen Schmerzen helfen Spülungen und Gele mit lokal wirkenden Schmerzmitteln. Sie werden meist mehrmals täglich angewendet. Bei starken Schmerzen ist es häufig nötig, Medikamente, die auf den gesamten Körper wirken, einzusetzen. Mehr zum Thema Schmerzbehandlung bei Krebs hat der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text zusammengestellt. Bei Verdacht auf eine Infektion mit Pilzen, Bakterien oder auch Herpesviren verordnet der Arzt entsprechende Mittel.
Zähneputzen - das ist eigentlich selbstverständlich. Doch wer nichts gegessen hat, sondern gegen Übelkeit ankämpft, möglicherweise sogar Bläschen und wunde Stellen im Mund hat, macht häufiger eine Ausnahme von der gewohnten Mundpflege.
Aber: Zähneputzen bleibt wichtig. Sind noch keine wunden Stellen im Mund aufgetreten, gehört eine gute Mundhygiene zur Vorbeugung. Auch wenn schon Entzündungen vorhanden sind, ist die Zahn- und Mundpflege wichtig, damit die Zähne langfristig gesund bleiben. Empfohlen werden oft eine weiche Zahnbürste und eine milde Zahncreme ohne Menthol und ätherische Öle, eventuell auch ein alkoholfreies Mundwasser oder Mundspülungen mit Salbei. Von Kamillelösung raten Fachleute ab. Sie verstärkt Mundtrockenheit.
Ob Zahnseide, Interdentalbürstchen oder eine Munddusche benutzt werden können, ohne das Zahnfleisch bei Infektionen zu gefährden, muss beim Arzt erfragt werden - dies hängt vom Ausmaß der Reizung durch eine Chemotherapie oder Bestrahlung ab.
Ist die Zahnpflege sehr schmerzhaft, helfen leichte Schmerzmittel als Salbe, Lösung oder Spray, die der Arzt verschreiben kann.
Auf die Lippen gehören fetthaltige Cremes oder Pflegestifte, um sie vor dem Austrocknen zu schützen. Da manche Therapieformen die Speichelproduktion beeinträchtigen, kann es auch notwendig sein, Beläge im Mund regelmäßig mit einem Gaze-Pad oder einem Zellstofftuch (etwa ein Papier-Taschentuch) vorsichtig abzuwischen und zu spülen. Achtung: Solche Beläge sind oft erste Anzeichen einer Infektion und sollten auch dem Arzt gezeigt werden.
Viele wissenschaftliche Studien zur Vorbeugung von oraler Mukositis gibt es nach Angaben der Fachgesellschaft MASCC zwar noch nicht, trotzdem ist es unstrittig, dass Zähneputzen sinnvoll ist, mehr dazu auf www.mascc.org, Rubrik "Mucositis Guidelines" (deutschsprachig auf www.onkosupport.de, Rubrik "Supportivtherapie", Stichwort "Leitlinien", Stichwort "Zytoprotektion/Mukositis/Hauttoxizität").
Chemo- und Strahlentherapien können nicht nur Entzündungen zur Folge haben, sondern ebenfalls zu Mundtrockenheit, der sogenannten Xerostomie führen. Auch schwerkranke Patienten, denen Essen und Trinken schwer fällt oder die Probleme mit dem Atmen haben, sind davon betroffen. Bei Mundtrockenheit helfen Lösungen zum Befeuchten und Spülen oder sogenannter "künstlicher Speichel" gegen das unangenehme Gefühl und Folgeschäden an Schleimhaut und Zähnen. Speichel befeuchtet nicht nur Mund und Nahrung, sondern wirkt auch antibakteriell und neutralisiert zahnschädigende Säuren.Viel trinken hilft ebenfalls. In der Regel ist erlaubt, was schmeckt. Vorsicht geboten ist hingegen bei zuckerhaltigen Limonaden, säurehaltigen Säften und sauren Tees zum Spülen oder schluckweisen Trinken und Befeuchten des Mundes über mehrere Stunden: Das frische Gefühl hilft zwar gegen die Mundtrockenheit. Langfristig zerstören Zucker und Säuren jedoch den Zahnschmelz, wenn sie nicht nur beim Trinken, sondern zur Mundspülung dauerhaft mit den Zähnen in Kontakt kommen.
Besonders wichtig ist die Mundpflege nach dem Erbrechen, da die Magensäure sonst ebenfalls die Zähne angreift.
Praktisch alle behandlungsbedingten Reizungen klingen nach dem Ende der Therapie sehr schnell ab, und dauerhafte Nachwirkungen einer Krebsbehandlung sind selten. Ausnahmen treten allerdings bei Patienten auf, die eine Bestrahlung der Speicheldrüsen mit höheren Strahlendosen erhalten haben, oder bei denen die Speicheldrüsen durch eine Operation beeinträchtigt sind. Für sie kann Mundtrockenheit langfristig ein Problem werden. Betroffene Patienten brauchen eine dauerhafte Versorgung mit künstlichem Speichel oder ähnlichen Produkten zum Auftragen, Kauen oder Lutschen, um Schäden an Schleimhäuten und Zähnen vorzubeugen.