Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Risikofaktoren: Das begünstigt Fieber und Infektionen

Inhaltsübersicht
"Fieber und Infektionen"

Es gibt viele Situationen, die bei Tumorpatienten Infektionen begünstigen. Längst nicht alle Krebskranke sind davon betroffen, und viele Auslöser sind nur kurzfristig ein Risiko, etwa während einer Therapie. Patienten in einem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium, mit schlechtem Allgemein- und Ernährungszustand, Kranke, die längere Zeit bettlägerig waren, sowie Patienten in höherem Alter brauchen allerdings auf Dauer einen guten Schutz vor Infektionen. Auch bei chronischen Leukämie- und Lymphomformen gehört die Vorsorge vor Entzündungen meist zur Therapie hinzu.

Welche Faktoren spielen eine Rolle?

Anfälliger macht zum Beispiel eine beeinträchtigte Barrierenfunktion der Schleimhäute und der Haut – kleine Wunden ermöglichen das Eindringen von Krankheitserregern. Katheter, Infusionen oder Stents werden trotz bester Pflege ebenfalls leicht zu Eintrittspforten für Bakterien und Pilze. Veränderte anatomische Verhältnisse gehören zu den begünstigenden Faktoren – wo Tumoren oder Narben Gewebe stark verändern oder Hohlräume verengen, siedeln sich leichter Keime an. Chemotherapie oder umfangreiche Bestrahlungen stören die Knochenmarksfunktion, was zu einer verminderten Immunreaktion beiträgt. Dies gilt ebenfalls für andere immunsuppressive Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken.

Beeinträchtigte Barrierefunktion der Schleimhäute und der Haut

Geschädigte Haut wird zur Eintrittspforten für Infektionserreger. Bettlägerige Patienten mit Druckschäden (Dekubitus), Betroffene mit umfangreicher Lymphstauung durch Tumoreinwanderung oder nach Lymphknotenentfernung (Lymphödeme) brauchen eine besondere Hautpflege. Eine empfindliche Haut, die zumindest bis zum Abschluss der Therapie nur vorsichtig gepflegt werden darf, haben Patienten im Bestrahlungsfeld bei einer Radiotherapie.

Obwohl die Schleimhäute im Verdauungs- und Atemtrakt sehr zart und empfindlich erscheinen, sind sie normalerweise genau wie die übrige Haut wirkungsvolle Barrieren, die das Eindringen von Krankheitserregern, Schmutz oder Fremdkörpern sicher verhindern.
Viele Formen der Chemotherapie und unfangreiche Strahlentherapien beeinträchtigen diese Schutzfunktion der Schleimhaut in Mund, Speiseröhre oder Blase, seltener auch im Darm: Wie die Krebszellen wachsen die Zellen der Schleimhäute besonders schnell, deshalb ist vor allem die Erneuerung der Schleimhautschichten beeinträchtigt. Kommt bei einer Bestrahlung im Mund- oder Rachenraum noch eine Schädigung der Speicheldrüsen hinzu, begünstigt dies Infektionen besonders, weil die antibakterielle Wirkung und Spülfunktion des Speichels eingeschränkt ist oder die Speichelproduktion insgesamt schlechter funktioniert.

Veränderte anatomische Verhältnisse, Katheter, Infusionen

Das Tumorwachstum wie auch die zur Therapie nötigen Operationen führen häufig zu einer Veränderung der anatomischen Verhältnisse. So können Hohlorgane verengt werden, wie zum Beispiel bei Lungenkrebs, wenn ein Tumor im Bronchus selbst wächst oder benachbarte Atemwege durch Druck verengt. Die natürliche Entfernung des Sekrets durch die Flimmerhärchen auf der Bronchienschleimhaut ist dadurch gestört. Kann ein Patient nicht richtig abhusten, begünstigt dies eine Bronchitis oder Lungenentzündungen. Prinzipiell ähnliches gilt für Blase und Harnwege, Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge sowie die Speiseröhre: Sind sie durch Tumorwachstum oder Operationen eingeschränkt, fördert dies Infektionen.

Venenkatheter, Blasenkatheter oder auch Schienen (Stents), die in Hohlorgane eingelegt werden, um eine Passage - etwa in einem Bronchus - offenzuhalten, sind remdmaterialien. Sie überschreiten Barrieren, können von Bakterien besiedelt werden und stellen damit immer auch ein Infektrisiko dar.

Verminderte Immunfunktion bei Chemotherapie oder Bestrahlung

Von einigen Behandlungsformen bei Krebs ist bekannt, dass sie die Immunfunktion vorübergehend stören. Sie wirken auf das Knochenmark, dessen schnelle Teilung für einen stetigen Nachschub an spezialisierten Zellen der Immunabwehr und des Blutes sorgt.
Im Verlauf einer Chemo- oder umfangreichen Strahlentherapie kann die Zahl der Granulozyten im Blut absinken, einer wichtigen Klasse von Immunzellen, die vor allem Bakterien und Pilze abwehren. Vorübergehender Granulozytenmangel, die sogenannte Neutropenie, ist eine ernste Begleiterscheinung besonders der aggressiven Chemotherapieformen, vor allem derer, die vor Knochenmark- oder Stammzelltransplantationen durchgeführt werden. Während dieser Phase sind die Patienten einem erhöhten Infektrisiko ausgesetzt. Da die Immunabwehr stark geschwächt ist, verlaufen Infektionen in diesem Zeitraum besonders schwer und müssen daher möglichst frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Dieses Risiko ist jedoch bekannt und bei Patienten wird regelmäßig das Blutbild überprüft. Auch über die Möglichkeiten, einer Infektion selbst vorzubeugen, klären Ärzte und Pflegepersonal auf, bei Bedarf schaffen Medikamente Abhilfe. Nur selten ist es nötig, deshalb während einer Chemotherapie oder Bestrahlung ins Krankenhaus zu gehen, die meisten Maßnahmen können auch zu Hause umgesetzt werden.

Andere Medikamente mit Wirkung auf das Immunsystem

Steroide, von vielen Patienten kurz als "Cortison" bezeichnet, verhindern zwar zuverlässig Schwellungen und unspezifische Reizungen, beeinträchtigen aber auch die Funktion der Monozyten, einer weiteren Klasse von Immunzellen, die besonders Pilzinfektionen abwehren.
Zur Beruhigung oder zur Schmerzlinderung eingesetzte Medikamente (Sedativa) wirken unter Unständen dämpfend auf den Hustenreiz, was zum Beispiel bei Patienten mit Lungenkrebs oder Lungenmetastasen erwünscht sein kann. Der verminderte Hustenreflex kann jedoch die Wahrscheinlichkeit einer Atemwegsinfektion erhöhen, da das Bronchialsekret mit eingeschleppten Bakterien nicht wirksam abgehustet wird.
Diese Beeinträchtigungen der allgemeinen und spezifischen Infektionsabwehr sowie auch Behandlungen mit breit wirksamen Antibiotika können dazu führen, dass die normale, nicht krankmachende Bakterienflora durch potentielle Krankheitserreger verdrängt wird. Auch besiedeln Bakterien dann leichter Schleimhäute, die normalerweise keimfrei sind, zum Beispiel die der Harnwege.

Anfälligkeit und Immunschwäche als Krankheitsfolge

Bei Krebspatienten in erheblich geschwächtem körperlichem Zustand und mit Symptomen einer sogenannten Kachexie, dem Abbau von Körpermasse, nimmt im allgemeinen die Bildung von Antikörperproteinen ab.

Vor allem bei der chronischen lymphatischen Leukämie und dem multiplen Myelom kann die Erkrankung selbst zu erhöhter Infektanfälligkeit führen. Auch andere maligne Lymphome beeinträchtigen die zelluläre Immunantwort. Bei diesen Erkrankungen wurde früher in vielen Fällen die Milz entfernt, was Infektionen mit bestimmten Bakterien begünstigt. Die Milzentfernung ist heute allerdings nicht mehr üblich. Zur Vorbeugung empfehlen die meisten Kliniken heute bestimmte Schutzimpfungen und stützen sich dabei auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut, im Internet unter www.rki.de, Stichwort "Infektionsschutz", Stichwort "Impfen" und weiter zu "Impfempfehlungen".



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Seite drucken   ganzes Thema drucken    Zuletzt aktualisiert: 08.04.2002