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Auch wenn die Ursache für eine erhöhte Temperatur nicht gleich gefunden wird, werden viele Patienten zunächst doch gegen Krankheitskeime vorsorglich behandelt, um keine Risiken einzugehen.
Gelegentlich stellt sich heraus, dass nicht eine Infektion, sondern eine andere Ursache für das Fieber verantwortlich ist. Zum sogenannten paraneoplastischen Syndrom bei Krebspatienten zählt durch den Tumor selbst verursachtes Fieber. Erhöhte Temperatur kann außerdem durch manche Medikamente ausgelöst werden. Und gerade ältere oder sehr geschwächte Patienten haben häufig aufgrund ihres Zustandes keine normale Körpertemperatur.
Schwierig wird die Abgrenzung zwischen Infektionen und anderen Ursachen vor allem bei Patienten, deren Immunsystem stark eingeschränkt ist. Hier sollte man sich nicht darauf verlassen, dass die Temperatur einfach eine Krankheitsfolge ist. Die behandelnden Ärzte werden daher meist alles versuchen, um eine Klärung der Ursache zu erreichen. Häufig gelingt dies jedoch nicht in den ersten Tagen. Beim Verdacht auf eine Infektion entscheiden sie sich daher meist vorsorglich für eine breit wirksame Antibiotikatherapie, um die Patienten nicht unnötig zu gefährden.
Geht das Fieber nach drei Tagen Antibiotikagabe nicht zurück, ist an eine Pilzinfektion zu denken, und es muss eine zusätzliche Behandlung mit hochdosierten Antimykotika in Betracht gezogen werden – auch hier kann die Medikamentengabe ohne genaue Diagnose notwendig sein, um den Patienten zu schützen.
Bei bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems wie Leukämien oder Lymphomen kann es zu unterschiedlich stark ausgeprägtem Fieber kommen, dann ein Teil der so genannten B-Symptome. Es wird von Fachleuten als Teil des sogenannten paraneoplastischen Syndroms gesehen, einer Reihe von Symptomen, die die Patienten sehr belasten können, ohne dass sie unmittelbar gefährlich wären.
Ein typisches Beispiel ist das so genannte Pel-Epstein-Fieber beim Hodgkin-Lymphom, das zyklisch in 3- bis 10-tägigen Schüben auftritt. Auch bei anderen Lymphomerkrankungen, Leukämien und myelodysplastischen Syndromen ist - meist gering gradiges - Fieber (subfebrile Temperaturen) recht häufig. Manchmal kann anhaltendes ungeklärtes Fieber auch das erste Anzeichen einer solchen Erkrankung sein. Bei Lymphompatienten ist es oft mit Nachtschweiß verbunden, einem Symptom, das allerdings keineswegs charakteristisch für diese Erkrankung ist.
Auch tumorbedingte Gefäßverschlüsse oder Thrombosen, Blutungen oder Gewebszerstörungen (Nekrosen) können Fieber auslösen. Tumorfieber ist oft unregelmäßig und kann nicht sicher von infektionsbedingten Erhöhungen der Körpertemperatur unterschieden werden.
Zu den Medikamenten, die Fieberzustände auslösen können, zählen manche Zytostatika zur Chemotherapie, Interferone, Interleukine und knochenmarkstimulierende Faktoren. Die Temperaturerhöhung tritt meist im Zusammenhang mit der Medikamentengabe auf und hält in der Regel nicht über mehrere Tage an.
Nach Strahlentherapie der Lunge kann es ebenso zu Fieberepisoden kommen (Strahlenpneumonitis) wie bei Bluttransfusionen.
Auch pflanzliche und alternative Mittel, die zu einer bei Krebs sehr umstrittenen "Immunstimulation" beitragen sollen, lösen oft Fieber aus. Dazu kann zum Beispiel die Mistel gehören.
Fieber ist zwar meist ein uncharakteristisches Symptom, es deutet jedoch fast immer darauf hin, dass "etwas nicht stimmt". Nach der Ursache sollte bei Krebspatienten daher unbedingt gesucht werden.
Bei älteren und/oder stark geschwächten Patienten ist Fieber als Warnhinweis aber weniger zuverlässig, da sie untypisch auf Fieberursachen reagieren, oder das Fieber durch Medikamente "maskiert" ist So wirken zum Beispiel Steroide, Schmerzmittel oder Antirheumatika auch fiebersenkend, alles Medikamente, die ältere Patienten häufig unabhängig von der Tumorerkrankung erhalten. Hier ist es oft dann sehr schwer zu unterscheiden, ob eine Infektion vorliegt, oder unklares Unwohlsein und "Grippegefühl" eine Folge anderer Ursachen sind.
Mancher stark geschwächte Mensch nimmt die erhöhte Temperatur auch weniger wahr und viele alte Patienten haben eine generell niedrigere Körpertemperatur, so dass bei ihnen auch vermeintlich leicht erhöhte Temperaturen schwere Infektionen oder andere Probleme anzeigen können. Die regelmäßige Messung der Körpertemperatur ist hier deshalb wichtig. Infekte machen sich in dieser Patientengruppe oft gar nicht besonders bemerkbar - Anzeichen sind eher Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Verwirrung oder Stürze. Auch verstärkter Husten, reduzierte Urinmenge, niedriger Blutdruck und beschleunigter Pulsrate können Anzeichen einer Infektion, im Einzelfall auch einer Sepsis oder Pneumonie sein.