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Bronchitiden und Lungenentzündungen, die sogenannten Pneumonien, gehören zu den häufigen Infektionen bei schwer kranken Krebspatienten. Begünstigt werden sie durch Immunsuppression, allgemein geschwächten Gesundheitszustand und Bettlägerigkeit. Patienten auf Intensivstationen oder unter aggressiver Chemotherapie sind besonders gefährdet. Bei Lungenkrebskranken tragen tumorbedingte Verengung der Bronchien wesentlich zum Infektionsrisiko bei. Auch Patienten mit Speiseröhrentumoren oder Schluckstörungen sind vermehrt pneumoniegefährdet, da kleine Mengen Speichel und Speisebrei und mit ihnen Bakterien in die Atemwege geraten können (Aspiration).
Ausgelöst werden diese Infektionen durch verschiedene Keimformen: Bakterien, Viren und Pilze.
Meist äußert sich eine Lungenentzündung durch hohes Fieber; ein hundertprozentig sicheres Anzeichen gibt es jedoch nicht. Bei geschwächten Patienten finden sich unter Umständen nur leicht erhöhte Temperaturen, schneller Atem und Verwirrungszustände. Pneumonien sind vor allem bei immunsupprimierten Patienten potentiell lebensbedrohlich und müssen rasch mit breit wirksamen Antibiotika behandelt werden. Unterstützung des Abhustens - bei Patienten, die künstlich beatmet werden, auch Absaugen des Bronchialsekretes - sind wichtige unterstützende Maßnahmen. Bei schwerer Atemnot kann dem Patienten sauerstoffangereicherte Luft zugeführt und die Sekretbildung mit Medikamenten unterdrückt werden. Tumorbedingte Verengungen der Bronchien müssen unter Umständen mit einer Lasertherapie beseitigt werden, da sonst eine dauerhafte Ausheilung der Infektionen nicht gelingt.
Schwere Atemwegsinfekte sind meist durch eine Reihe von typischen, sozusagen "normalen" Bakterien bedingt, die auch bei ansonsten gesunden Patienten vorkommen können. Bei geschwächten und bettlägerigen Patienten kommen allerdings relativ häufig "atypische" Erreger vor (Pneumocystis, Legionellen), die für Gesunde kaum ein Risiko darstellen. Die Suche nach dem Erreger muss bei der Therapie berücksichtigt werden. Selbst an die Reaktivierung einer alten Tuberkuloseinfektion ist zu denken, von der der Betroffene nicht unbedingt etwas gewusst haben muss.
Schwere virale Infektionen der Atemwege, zum Beispiel durch Herpes simplex oder das Cytomegalievirus, sind eher selten. Allerdings kann eine Grippe, die echte Influenzavirusinfektion, für immunsupprimierte, allgemein geschwächte oder hochbetagte Patienten eine gefährliche Erkrankung sein. Viele Fachleute raten daher zu Beginn der Grippesaison zu einem Schutz durch den jeweils aktuellen Impfstoff und stützen sich dabei auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO am Robert-Koch-Institut, dem Bundesinstitut für Übertragbare und Nichtübertragbare Krankheiten (im Internet unter www.rki.de,Stichwort "Infektionsschutz", Stichwort "Impfen" und weiter zu "Empfehlungen der STIKO"). Patienten mit Immunmangelzuständen reagieren allerdings nicht immer optimal auf eine Impfung, so dass ein sicherer Schutz nicht automatisch und sofort gewährleistet ist.
Bei Chemotherapiepatienten in der Neutropeniephase, wenn für eine Immunabwehr zu wenige weiße Blutkörperchen vorhanden sind, und bei Lymphom- oder Leukämiepatienten in fortgeschrittenen Stadien ist auch an pilzbedingte Lungenentzündungen zu denken. Sie werden durch Candida-Hefen, seltener durch Schimmelpilze wie Aspergillus verursacht. Da diese Infektionen in späteren Stadien schwer zu behandeln sind, sollte unbedingt schon bei Verdacht eine hochdosierte Therapie mit Pilzmitteln, den Antimykotika, begonnen werden.
Bei vielen Krebskranken unter Chemotherapie und bei Patienten nach Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich treten gehäuft Infektionen der Schleimhaut auf. Herpes simplex-Infekte, die viele Menschen haben, ohne je etwas davon zu spüren, können durch die Behandlung reaktiviert werden und äußern sich dann in Form von Lippenbläschen oder auch als Geschwüre der Mundschleimhaut. Um bei immungeschwächten Patienten der Gefahr einer Ausbreitung der Infektion zu verhindern, sollten sie frühzeitig mit antiviralen Mitteln behandelt werden, in der Regel in Form von Tabletten, bei ernsteren Symptomen oder bei einer Herpes-zoster-Infektion auch mit Infusionen. Sie können bei Chemotherapie auch vorbeugend gegeben werden, vor allem dann, wenn jemand von vornherein anfällig für Lippenbläschen war.
Immungeschwächten Patienten werden sehr häufig auch von Pilzinfektionen in Mund, Rachen und Speiseröhre geplagt. Verursacht wird dieser Mundsoor in der Regel von der Hefe Candida albicans, daher rührt auch die Bezeichnung Candidose. Meist finden sich weißliche Beläge, die beim Abstreifen leicht bluten, oder auch geschwürartige Schleimhautdefekte. Für die Betroffenen kann dies sehr schmerzhaft sein und die Nahrungsaufnahme erheblich behindern. Ein leicht übersehenes Risiko für diese Pilzinfektionen sind Zahnprothesen: Sie müssen sehr sorgfältig regelmäßig desinfiziert werden. Gilt normalerweise die Regel, dass Prothesen auch nachts getragen werden, um Kieferverformungen zu verhindern, sollte dies nun mit dem behandelnden Ärzten oder Schwestern und Pflegern besprochen werden. Wandert die Infektion mit Candida in die Speiseröhre und entsteht eine sogenannte Candida-Ösophagitis, passiert dies meist während und nach einer Steroidbehandlung mit Kortisonen oder ähnlichen Stoffen.
Eine Therapie der Candidose mit pilztötenden Mitteln (Antimykotika) in Form von Lutschtabletten oder Kapseln führt bei Mund/Rachen- und Speiseröhrenbefall in der Regel rasch zur Besserung. Lokal betäubende Mittel können die Beschwerden bei der Nahrungsaufnahme lindern, so dass Krebspatienten wegen der Schmerzen nicht an Gewicht verlieren. Bei schwerer Ösophagitis kann die Nahrung vorübergehend über Sonden oder Infusionen zugeführt oder zumindest ergänzt werden. Patienten mit schweren Immundefekten (in der Neutropeniephase einer aggressiven Chemotherapie) können mit Antimykotika auch vorbeugend gegen Candidosen behandelt werden.
Harnwegsinfektionen sind ein sehr häufiges Problem bei geschwächten und bettlägerigen Patienten. Begünstigt werden sie durch langfristig liegende Urinkatheter, tumor- oder operationsbedingte Abflusshindernisse, unvollständige Blasenentleerung mit Restharn und künstliche Ausgänge bzw. Urinstomata. Bei fast allen Patienten mit Dauerurinkathetern sind Bakterien im Urin nachweisbar.
Die Keimbesiedelung kann Entzündungen der Harnröhre, der Harnblase und des Nierenbeckens verursachen, die meist sofort mit Antibiotika behandelt werden müssen. Die Diagnose sichern Ärzte in der Regel durch die Anlage von Kulturen aus einer Urinprobe und passen die Behandlung den Ergebnissen entsprechend an, falls das erste gewählte Mittel nicht schon optimal wirkte. Bei Schmerzen können zusätzlich zu den Antibiotika krampflösende Mittel hilfreich sein. Sowohl bei bestehenden Harnwegsinfekten wie auch zur Vorbeugung ist reichliches Trinken wichtig, um die Harnwege zu spülen und Bakterien auszuschwemmen. Auch ein häufigerer Wechsel von Kathetern hilft.
Wegen der möglicherweise gravierenden Konsequenzen von Harnwegsinfekten für Patienten mit Ersatzblasen nach Blasenkrebs ist bei ihnen besonders auf eine rasche und wirksame Therapie zu achten.
Bei langfristig bettlägerigen Patienten besteht immer die Gefahr, dass sich Aufliegegeschwüre entwickeln, ein sogenannter Dekubitus, der sich leicht infiziert. Schwere Gewebszerstörungen mit Gangrän oder Wundbrand und Streuung der Erreger in die Blutbahn mit lebensbedrohlicher Sepsis als einer allgemeinen Infektion des Körpers können die Folge sein. Schon aus diesem Grund achten Schwestern und Pfleger bei Bettlägerigen sorgfältig darauf, dass Aufliegegeschwüre durch geeignete Lagerung, häufige Umlagerung und penible Hautpflege vermieden werden. Pflegende Angehörige können sich von ihnen schulen und über Warnzeichen aufklären lassen: Versäumnisse in der Pflege hätten sonst weitreichende Folgen. Können Patienten nur irgend mobilisiert werden oder gar aufstehen, hilft dies in der Vorbeugung.
Patienten mit schwer behandelbaren Lymphödemen neigen zu flächigen bakteriellen Hautinfektionen, dem Erysipel. Sie müssen antibiotisch behandelt werden, unter Umständen auch langfristig, da die Infektion leider meist schlecht abheilt. Grundvoraussetzung für die Verringerung der Infektionsneigung ist nach dem Abheilen die bessere Behandlung des Lymphödems.
Eitrige Hautinfektionen (Pyodermien) gehen ansonsten meist von Haarbälgen aus und treten nur bei Immundefekten gehäuft auf. Leidet ein Betroffener gleichzeitig an Diabetes, gilt dies als weiterer Risikofaktor. Abszesse müssen vom Arzt geöffnet, schwerere Infektionen auch mit Antibiotika behandelt werden.
Patienten mit Lymphomen oder Leukämien und allgemein bei Immunsuppression erkranken leichter als Gesunde an Gürtelrose beziehungsweise Herpes zoster. Diese Hauterkrankung beruht auf einer Reaktivierung des Windpockenvirus (Varicella-Zoster-Virus), mit dem fast jeder Mensch schon in der Kindheit in Kontakt gekommen ist. Sie äußert sich in Form von abschnittsweise verteilten Bläschen, meist am Rumpf, seltener im Gesicht oder an anderen Körperstellen. Eine Gürtelrose kann äußerst schmerzhaft sein. Um eine Ausbreitung der Infektion auf innere Organe zu verhindern und sie möglichst rasch zur Abheilung zu bringen, müssen betroffene Patienten unbedingt mit antiviralen Substanzen (Virustatika) behandelt werden.
Gegen die heftigen Schmerzen helfen geeignete Medikamente bis hin zu Morphinen. Sie dienen nicht nur der akuten Linderung der Symptome: Eine wirksame Schmerztherapie im akuten Stadium des Zoster bewirkt möglicherweise auch, dass die häufig noch Wochen und Monate nach Abheilung der Hauterscheinung auftretenden Schmerzattacken (Post-Zoster-Neuralgie) ausbleiben und eine Fixierung der Schmerzen im "Schmerzgedächtnis" vermieden wird.
Pilzinfektionen der Haut (Hautmykosen) sind bei abwehrgeschwächten Patienten keine Seltenheit. Sie finden sich in den Mundwinkeln (franz. "Perlèche", sprich "Perläsch"), im Genital- und Analbereich und bei übergewichtigen Patienten oft in Hautfalten. Auch die Zehen- oder Fingernägel leiden gelegentlich unter einer sogenannten Onychomykose. Während Hautmykosen auf die örtliche Anwendung von Antimykotikasalben gut ansprechen, muss eine Nagelpilzinfektion oft mit speziellen pilztötenden Nagellacken und Tabletten behandelt werden. Ein pilzinfizierter Nagel ist immer ein Reservoir, von dem aus andere Körperregionen infiziert werden können. Eine Nagelmykose sollte also nicht nur aus kosmetischen Gründen saniert werden, und die Geduld, die betroffene Patienten aufbringen müssen, bis ein Nagel gesund nachwächst, lohnt sich.