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Fieber kann eine Begleiterscheinung einiger Tumorarten sein. Auch Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen, führen nicht selten bei Krebspatienten zu erhöhter Temperatur. Nicht selten ist Fieber allerdings ein ernstzunehmendes Warnsignal: Tumorpatienten sind während einer Therapie oder bei einer fortgeschrittenen Erkrankung anfällig für Infektionen. Unter Umständen werden selbst eigentlich harmlose Keime während einer Tumorbehandlung sogar richtig gefährlich.
Wissen Patienten und ihre Angehörigen oder Betreuer aber über die Ursachen und Anzeichen von Fieber oder von typischer Infektionen Bescheid, können sie vorbeugen und rechtzeitig für eine genaue Diagnose und eine wirksame Therapie durch die behandelnden Ärzte sorgen. Infektionen lassen sich nach dem heutigen Kenntnisstand auch bei Krebspatienten meist gut behandeln - ein Fall für die Hausapotheke oder die Selbstmedikation sind sie jedoch nicht.
Ist eine Krebserkrankung gut überstanden, geht die Anfälligkeit für Infektionen bei den meisten Patienten aber wieder auf ein normales Maß zurück.
Es gibt viele Situationen, die bei Tumorpatienten Infektionen begünstigen. Längst nicht alle Krebskranke sind davon betroffen, und viele Auslöser sind nur kurzfristig ein Risiko, etwa während einer Therapie. Patienten in einem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium, mit schlechtem Allgemein- und Ernährungszustand, Kranke, die längere Zeit bettlägerig waren, sowie Patienten in höherem Alter brauchen allerdings auf Dauer einen guten Schutz vor Infektionen. Auch bei chronischen Leukämie- und Lymphomformen gehört die Vorsorge vor Entzündungen meist zur Therapie hinzu.
Anfälliger macht zum Beispiel eine beeinträchtigte Barrierenfunktion der
Schleimhäute und der Haut – kleine Wunden ermöglichen das Eindringen von
Krankheitserregern. Katheter, Infusionen oder Stents werden trotz
bester Pflege ebenfalls leicht zu Eintrittspforten für Bakterien und
Pilze. Veränderte anatomische Verhältnisse gehören zu den
begünstigenden Faktoren – wo Tumoren oder Narben Gewebe stark verändern
oder Hohlräume verengen, siedeln sich leichter Keime an. Chemotherapie
oder umfangreiche Bestrahlungen stören die Knochenmarksfunktion, was zu
einer verminderten Immunreaktion beiträgt. Dies gilt ebenfalls für
andere immunsuppressive Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken.
Geschädigte Haut wird zur Eintrittspforten für Infektionserreger. Bettlägerige Patienten mit Druckschäden (Dekubitus), Betroffene mit umfangreicher Lymphstauung durch Tumoreinwanderung oder nach Lymphknotenentfernung (Lymphödeme) brauchen eine besondere Hautpflege. Eine empfindliche Haut, die zumindest bis zum Abschluss der Therapie nur vorsichtig gepflegt werden darf, haben Patienten im Bestrahlungsfeld bei einer Radiotherapie.
Obwohl die Schleimhäute im Verdauungs- und Atemtrakt sehr zart und empfindlich erscheinen, sind sie normalerweise genau wie die übrige Haut wirkungsvolle Barrieren, die das Eindringen von Krankheitserregern, Schmutz oder Fremdkörpern sicher verhindern.
Viele Formen der Chemotherapie und unfangreiche Strahlentherapien beeinträchtigen diese Schutzfunktion der Schleimhaut in Mund, Speiseröhre oder Blase, seltener auch im Darm: Wie die Krebszellen wachsen die Zellen der Schleimhäute besonders schnell, deshalb ist vor allem die Erneuerung der Schleimhautschichten beeinträchtigt. Kommt bei einer Bestrahlung im Mund- oder Rachenraum noch eine Schädigung der Speicheldrüsen hinzu, begünstigt dies Infektionen besonders, weil die antibakterielle Wirkung und Spülfunktion des Speichels eingeschränkt ist oder die Speichelproduktion insgesamt schlechter funktioniert.
Das Tumorwachstum wie auch die zur Therapie nötigen Operationen führen häufig zu einer Veränderung der anatomischen Verhältnisse. So können Hohlorgane verengt werden, wie zum Beispiel bei Lungenkrebs, wenn ein Tumor im Bronchus selbst wächst oder benachbarte Atemwege durch Druck verengt. Die natürliche Entfernung des Sekrets durch die Flimmerhärchen auf der Bronchienschleimhaut ist dadurch gestört. Kann ein Patient nicht richtig abhusten, begünstigt dies eine Bronchitis oder Lungenentzündungen. Prinzipiell ähnliches gilt für Blase und Harnwege, Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge sowie die Speiseröhre: Sind sie durch Tumorwachstum oder Operationen eingeschränkt, fördert dies Infektionen.
Venenkatheter, Blasenkatheter oder auch Schienen (Stents), die in Hohlorgane eingelegt werden, um eine Passage - etwa in einem Bronchus - offenzuhalten, sind remdmaterialien. Sie überschreiten Barrieren, können von Bakterien besiedelt werden und stellen damit immer auch ein Infektrisiko dar.
Von einigen Behandlungsformen bei Krebs ist bekannt, dass sie die Immunfunktion vorübergehend stören. Sie wirken auf das Knochenmark, dessen schnelle Teilung für einen stetigen Nachschub an spezialisierten Zellen der Immunabwehr und des Blutes sorgt.
Im Verlauf einer Chemo- oder umfangreichen Strahlentherapie kann die Zahl der Granulozyten im Blut absinken, einer wichtigen Klasse von Immunzellen, die vor allem Bakterien und Pilze abwehren. Vorübergehender Granulozytenmangel, die sogenannte Neutropenie, ist eine ernste Begleiterscheinung besonders der aggressiven Chemotherapieformen, vor allem derer, die vor Knochenmark- oder Stammzelltransplantationen durchgeführt werden. Während dieser Phase sind die Patienten einem erhöhten Infektrisiko ausgesetzt. Da die Immunabwehr stark geschwächt ist, verlaufen Infektionen in diesem Zeitraum besonders schwer und müssen daher möglichst frühzeitig erkannt und behandelt werden.
Dieses Risiko ist jedoch bekannt und bei Patienten wird regelmäßig das Blutbild überprüft. Auch über die Möglichkeiten, einer Infektion selbst vorzubeugen, klären Ärzte und Pflegepersonal auf, bei Bedarf schaffen Medikamente Abhilfe. Nur selten ist es nötig, deshalb während einer Chemotherapie oder Bestrahlung ins Krankenhaus zu gehen, die meisten Maßnahmen können auch zu Hause umgesetzt werden.
Steroide, von vielen Patienten kurz als "Cortison" bezeichnet, verhindern zwar zuverlässig Schwellungen und unspezifische Reizungen, beeinträchtigen aber auch die Funktion der Monozyten, einer weiteren Klasse von Immunzellen, die besonders Pilzinfektionen abwehren.
Zur Beruhigung oder zur Schmerzlinderung eingesetzte Medikamente (Sedativa) wirken unter Unständen dämpfend auf den Hustenreiz, was zum Beispiel bei Patienten mit Lungenkrebs oder Lungenmetastasen erwünscht sein kann. Der verminderte Hustenreflex kann jedoch die Wahrscheinlichkeit einer Atemwegsinfektion erhöhen, da das Bronchialsekret mit eingeschleppten Bakterien nicht wirksam abgehustet wird.
Diese Beeinträchtigungen der allgemeinen und spezifischen Infektionsabwehr sowie auch Behandlungen mit breit wirksamen Antibiotika können dazu führen, dass die normale, nicht krankmachende Bakterienflora durch potentielle Krankheitserreger verdrängt wird. Auch besiedeln Bakterien dann leichter Schleimhäute, die normalerweise keimfrei sind, zum Beispiel die der Harnwege.
Bei Krebspatienten in erheblich geschwächtem körperlichem Zustand und mit Symptomen einer sogenannten Kachexie, dem Abbau von Körpermasse, nimmt im allgemeinen die Bildung von Antikörperproteinen ab.
Vor allem bei der chronischen lymphatischen Leukämie und dem multiplen Myelom kann die Erkrankung selbst zu erhöhter Infektanfälligkeit führen. Auch andere maligne Lymphome beeinträchtigen die zelluläre Immunantwort. Bei diesen Erkrankungen wurde früher in vielen Fällen die Milz entfernt, was Infektionen mit bestimmten Bakterien begünstigt. Die Milzentfernung ist heute allerdings nicht mehr üblich. Zur Vorbeugung empfehlen die meisten Kliniken heute bestimmte Schutzimpfungen und stützen sich dabei auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut, im Internet unter www.rki.de, Stichwort "Infektionsschutz", Stichwort "Impfen" und weiter zu "Impfempfehlungen".
Bronchitiden und Lungenentzündungen, die sogenannten Pneumonien, gehören zu den häufigen Infektionen bei schwer kranken Krebspatienten. Begünstigt werden sie durch Immunsuppression, allgemein geschwächten Gesundheitszustand und Bettlägerigkeit. Patienten auf Intensivstationen oder unter aggressiver Chemotherapie sind besonders gefährdet. Bei Lungenkrebskranken tragen tumorbedingte Verengung der Bronchien wesentlich zum Infektionsrisiko bei. Auch Patienten mit Speiseröhrentumoren oder Schluckstörungen sind vermehrt pneumoniegefährdet, da kleine Mengen Speichel und Speisebrei und mit ihnen Bakterien in die Atemwege geraten können (Aspiration).
Ausgelöst werden diese Infektionen durch verschiedene Keimformen: Bakterien, Viren und Pilze.
Meist äußert sich eine Lungenentzündung durch hohes Fieber; ein hundertprozentig sicheres Anzeichen gibt es jedoch nicht. Bei geschwächten Patienten finden sich unter Umständen nur leicht erhöhte Temperaturen, schneller Atem und Verwirrungszustände. Pneumonien sind vor allem bei immunsupprimierten Patienten potentiell lebensbedrohlich und müssen rasch mit breit wirksamen Antibiotika behandelt werden. Unterstützung des Abhustens - bei Patienten, die künstlich beatmet werden, auch Absaugen des Bronchialsekretes - sind wichtige unterstützende Maßnahmen. Bei schwerer Atemnot kann dem Patienten sauerstoffangereicherte Luft zugeführt und die Sekretbildung mit Medikamenten unterdrückt werden. Tumorbedingte Verengungen der Bronchien müssen unter Umständen mit einer Lasertherapie beseitigt werden, da sonst eine dauerhafte Ausheilung der Infektionen nicht gelingt.
Schwere Atemwegsinfekte sind meist durch eine Reihe von typischen, sozusagen "normalen" Bakterien bedingt, die auch bei ansonsten gesunden Patienten vorkommen können. Bei geschwächten und bettlägerigen Patienten kommen allerdings relativ häufig "atypische" Erreger vor (Pneumocystis, Legionellen), die für Gesunde kaum ein Risiko darstellen. Die Suche nach dem Erreger muss bei der Therapie berücksichtigt werden. Selbst an die Reaktivierung einer alten Tuberkuloseinfektion ist zu denken, von der der Betroffene nicht unbedingt etwas gewusst haben muss.
Schwere virale Infektionen der Atemwege, zum Beispiel durch Herpes simplex oder das Cytomegalievirus, sind eher selten. Allerdings kann eine Grippe, die echte Influenzavirusinfektion, für immunsupprimierte, allgemein geschwächte oder hochbetagte Patienten eine gefährliche Erkrankung sein. Viele Fachleute raten daher zu Beginn der Grippesaison zu einem Schutz durch den jeweils aktuellen Impfstoff und stützen sich dabei auf Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO am Robert-Koch-Institut, dem Bundesinstitut für Übertragbare und Nichtübertragbare Krankheiten (im Internet unter www.rki.de,Stichwort "Infektionsschutz", Stichwort "Impfen" und weiter zu "Empfehlungen der STIKO"). Patienten mit Immunmangelzuständen reagieren allerdings nicht immer optimal auf eine Impfung, so dass ein sicherer Schutz nicht automatisch und sofort gewährleistet ist.
Bei Chemotherapiepatienten in der Neutropeniephase, wenn für eine Immunabwehr zu wenige weiße Blutkörperchen vorhanden sind, und bei Lymphom- oder Leukämiepatienten in fortgeschrittenen Stadien ist auch an pilzbedingte Lungenentzündungen zu denken. Sie werden durch Candida-Hefen, seltener durch Schimmelpilze wie Aspergillus verursacht. Da diese Infektionen in späteren Stadien schwer zu behandeln sind, sollte unbedingt schon bei Verdacht eine hochdosierte Therapie mit Pilzmitteln, den Antimykotika, begonnen werden.
Bei vielen Krebskranken unter Chemotherapie und bei Patienten nach Bestrahlungen im Kopf-Hals-Bereich treten gehäuft Infektionen der Schleimhaut auf. Herpes simplex-Infekte, die viele Menschen haben, ohne je etwas davon zu spüren, können durch die Behandlung reaktiviert werden und äußern sich dann in Form von Lippenbläschen oder auch als Geschwüre der Mundschleimhaut. Um bei immungeschwächten Patienten der Gefahr einer Ausbreitung der Infektion zu verhindern, sollten sie frühzeitig mit antiviralen Mitteln behandelt werden, in der Regel in Form von Tabletten, bei ernsteren Symptomen oder bei einer Herpes-zoster-Infektion auch mit Infusionen. Sie können bei Chemotherapie auch vorbeugend gegeben werden, vor allem dann, wenn jemand von vornherein anfällig für Lippenbläschen war.
Immungeschwächten Patienten werden sehr häufig auch von Pilzinfektionen in Mund, Rachen und Speiseröhre geplagt. Verursacht wird dieser Mundsoor in der Regel von der Hefe Candida albicans, daher rührt auch die Bezeichnung Candidose. Meist finden sich weißliche Beläge, die beim Abstreifen leicht bluten, oder auch geschwürartige Schleimhautdefekte. Für die Betroffenen kann dies sehr schmerzhaft sein und die Nahrungsaufnahme erheblich behindern. Ein leicht übersehenes Risiko für diese Pilzinfektionen sind Zahnprothesen: Sie müssen sehr sorgfältig regelmäßig desinfiziert werden. Gilt normalerweise die Regel, dass Prothesen auch nachts getragen werden, um Kieferverformungen zu verhindern, sollte dies nun mit dem behandelnden Ärzten oder Schwestern und Pflegern besprochen werden. Wandert die Infektion mit Candida in die Speiseröhre und entsteht eine sogenannte Candida-Ösophagitis, passiert dies meist während und nach einer Steroidbehandlung mit Kortisonen oder ähnlichen Stoffen.
Eine Therapie der Candidose mit pilztötenden Mitteln (Antimykotika) in Form von Lutschtabletten oder Kapseln führt bei Mund/Rachen- und Speiseröhrenbefall in der Regel rasch zur Besserung. Lokal betäubende Mittel können die Beschwerden bei der Nahrungsaufnahme lindern, so dass Krebspatienten wegen der Schmerzen nicht an Gewicht verlieren. Bei schwerer Ösophagitis kann die Nahrung vorübergehend über Sonden oder Infusionen zugeführt oder zumindest ergänzt werden. Patienten mit schweren Immundefekten (in der Neutropeniephase einer aggressiven Chemotherapie) können mit Antimykotika auch vorbeugend gegen Candidosen behandelt werden.
Harnwegsinfektionen sind ein sehr häufiges Problem bei geschwächten und bettlägerigen Patienten. Begünstigt werden sie durch langfristig liegende Urinkatheter, tumor- oder operationsbedingte Abflusshindernisse, unvollständige Blasenentleerung mit Restharn und künstliche Ausgänge bzw. Urinstomata. Bei fast allen Patienten mit Dauerurinkathetern sind Bakterien im Urin nachweisbar.
Die Keimbesiedelung kann Entzündungen der Harnröhre, der Harnblase und des Nierenbeckens verursachen, die meist sofort mit Antibiotika behandelt werden müssen. Die Diagnose sichern Ärzte in der Regel durch die Anlage von Kulturen aus einer Urinprobe und passen die Behandlung den Ergebnissen entsprechend an, falls das erste gewählte Mittel nicht schon optimal wirkte. Bei Schmerzen können zusätzlich zu den Antibiotika krampflösende Mittel hilfreich sein. Sowohl bei bestehenden Harnwegsinfekten wie auch zur Vorbeugung ist reichliches Trinken wichtig, um die Harnwege zu spülen und Bakterien auszuschwemmen. Auch ein häufigerer Wechsel von Kathetern hilft.
Wegen der möglicherweise gravierenden Konsequenzen von Harnwegsinfekten für Patienten mit Ersatzblasen nach Blasenkrebs ist bei ihnen besonders auf eine rasche und wirksame Therapie zu achten.
Bei langfristig bettlägerigen Patienten besteht immer die Gefahr, dass sich Aufliegegeschwüre entwickeln, ein sogenannter Dekubitus, der sich leicht infiziert. Schwere Gewebszerstörungen mit Gangrän oder Wundbrand und Streuung der Erreger in die Blutbahn mit lebensbedrohlicher Sepsis als einer allgemeinen Infektion des Körpers können die Folge sein. Schon aus diesem Grund achten Schwestern und Pfleger bei Bettlägerigen sorgfältig darauf, dass Aufliegegeschwüre durch geeignete Lagerung, häufige Umlagerung und penible Hautpflege vermieden werden. Pflegende Angehörige können sich von ihnen schulen und über Warnzeichen aufklären lassen: Versäumnisse in der Pflege hätten sonst weitreichende Folgen. Können Patienten nur irgend mobilisiert werden oder gar aufstehen, hilft dies in der Vorbeugung.
Patienten mit schwer behandelbaren Lymphödemen neigen zu flächigen bakteriellen Hautinfektionen, dem Erysipel. Sie müssen antibiotisch behandelt werden, unter Umständen auch langfristig, da die Infektion leider meist schlecht abheilt. Grundvoraussetzung für die Verringerung der Infektionsneigung ist nach dem Abheilen die bessere Behandlung des Lymphödems.
Eitrige Hautinfektionen (Pyodermien) gehen ansonsten meist von Haarbälgen aus und treten nur bei Immundefekten gehäuft auf. Leidet ein Betroffener gleichzeitig an Diabetes, gilt dies als weiterer Risikofaktor. Abszesse müssen vom Arzt geöffnet, schwerere Infektionen auch mit Antibiotika behandelt werden.
Patienten mit Lymphomen oder Leukämien und allgemein bei Immunsuppression erkranken leichter als Gesunde an Gürtelrose beziehungsweise Herpes zoster. Diese Hauterkrankung beruht auf einer Reaktivierung des Windpockenvirus (Varicella-Zoster-Virus), mit dem fast jeder Mensch schon in der Kindheit in Kontakt gekommen ist. Sie äußert sich in Form von abschnittsweise verteilten Bläschen, meist am Rumpf, seltener im Gesicht oder an anderen Körperstellen. Eine Gürtelrose kann äußerst schmerzhaft sein. Um eine Ausbreitung der Infektion auf innere Organe zu verhindern und sie möglichst rasch zur Abheilung zu bringen, müssen betroffene Patienten unbedingt mit antiviralen Substanzen (Virustatika) behandelt werden.
Gegen die heftigen Schmerzen helfen geeignete Medikamente bis hin zu Morphinen. Sie dienen nicht nur der akuten Linderung der Symptome: Eine wirksame Schmerztherapie im akuten Stadium des Zoster bewirkt möglicherweise auch, dass die häufig noch Wochen und Monate nach Abheilung der Hauterscheinung auftretenden Schmerzattacken (Post-Zoster-Neuralgie) ausbleiben und eine Fixierung der Schmerzen im "Schmerzgedächtnis" vermieden wird.
Pilzinfektionen der Haut (Hautmykosen) sind bei abwehrgeschwächten Patienten keine Seltenheit. Sie finden sich in den Mundwinkeln (franz. "Perlèche", sprich "Perläsch"), im Genital- und Analbereich und bei übergewichtigen Patienten oft in Hautfalten. Auch die Zehen- oder Fingernägel leiden gelegentlich unter einer sogenannten Onychomykose. Während Hautmykosen auf die örtliche Anwendung von Antimykotikasalben gut ansprechen, muss eine Nagelpilzinfektion oft mit speziellen pilztötenden Nagellacken und Tabletten behandelt werden. Ein pilzinfizierter Nagel ist immer ein Reservoir, von dem aus andere Körperregionen infiziert werden können. Eine Nagelmykose sollte also nicht nur aus kosmetischen Gründen saniert werden, und die Geduld, die betroffene Patienten aufbringen müssen, bis ein Nagel gesund nachwächst, lohnt sich.
Auch wenn die Ursache für eine erhöhte Temperatur nicht gleich gefunden wird, werden viele Patienten zunächst doch gegen Krankheitskeime vorsorglich behandelt, um keine Risiken einzugehen.
Gelegentlich stellt sich heraus, dass nicht eine Infektion, sondern eine andere Ursache für das Fieber verantwortlich ist. Zum sogenannten paraneoplastischen Syndrom bei Krebspatienten zählt durch den Tumor selbst verursachtes Fieber. Erhöhte Temperatur kann außerdem durch manche Medikamente ausgelöst werden. Und gerade ältere oder sehr geschwächte Patienten haben häufig aufgrund ihres Zustandes keine normale Körpertemperatur.
Schwierig wird die Abgrenzung zwischen Infektionen und anderen Ursachen vor allem bei Patienten, deren Immunsystem stark eingeschränkt ist. Hier sollte man sich nicht darauf verlassen, dass die Temperatur einfach eine Krankheitsfolge ist. Die behandelnden Ärzte werden daher meist alles versuchen, um eine Klärung der Ursache zu erreichen. Häufig gelingt dies jedoch nicht in den ersten Tagen. Beim Verdacht auf eine Infektion entscheiden sie sich daher meist vorsorglich für eine breit wirksame Antibiotikatherapie, um die Patienten nicht unnötig zu gefährden.
Geht das Fieber nach drei Tagen Antibiotikagabe nicht zurück, ist an eine Pilzinfektion zu denken, und es muss eine zusätzliche Behandlung mit hochdosierten Antimykotika in Betracht gezogen werden – auch hier kann die Medikamentengabe ohne genaue Diagnose notwendig sein, um den Patienten zu schützen.
Bei bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems wie Leukämien oder Lymphomen kann es zu unterschiedlich stark ausgeprägtem Fieber kommen, dann ein Teil der so genannten B-Symptome. Es wird von Fachleuten als Teil des sogenannten paraneoplastischen Syndroms gesehen, einer Reihe von Symptomen, die die Patienten sehr belasten können, ohne dass sie unmittelbar gefährlich wären.
Ein typisches Beispiel ist das so genannte Pel-Epstein-Fieber beim Hodgkin-Lymphom, das zyklisch in 3- bis 10-tägigen Schüben auftritt. Auch bei anderen Lymphomerkrankungen, Leukämien und myelodysplastischen Syndromen ist - meist gering gradiges - Fieber (subfebrile Temperaturen) recht häufig. Manchmal kann anhaltendes ungeklärtes Fieber auch das erste Anzeichen einer solchen Erkrankung sein. Bei Lymphompatienten ist es oft mit Nachtschweiß verbunden, einem Symptom, das allerdings keineswegs charakteristisch für diese Erkrankung ist.
Auch tumorbedingte Gefäßverschlüsse oder Thrombosen, Blutungen oder Gewebszerstörungen (Nekrosen) können Fieber auslösen. Tumorfieber ist oft unregelmäßig und kann nicht sicher von infektionsbedingten Erhöhungen der Körpertemperatur unterschieden werden.
Zu den Medikamenten, die Fieberzustände auslösen können, zählen manche Zytostatika zur Chemotherapie, Interferone, Interleukine und knochenmarkstimulierende Faktoren. Die Temperaturerhöhung tritt meist im Zusammenhang mit der Medikamentengabe auf und hält in der Regel nicht über mehrere Tage an.
Nach Strahlentherapie der Lunge kann es ebenso zu Fieberepisoden kommen (Strahlenpneumonitis) wie bei Bluttransfusionen.
Auch pflanzliche und alternative Mittel, die zu einer bei Krebs sehr umstrittenen "Immunstimulation" beitragen sollen, lösen oft Fieber aus. Dazu kann zum Beispiel die Mistel gehören.
Fieber ist zwar meist ein uncharakteristisches Symptom, es deutet jedoch fast immer darauf hin, dass "etwas nicht stimmt". Nach der Ursache sollte bei Krebspatienten daher unbedingt gesucht werden.
Bei älteren und/oder stark geschwächten Patienten ist Fieber als Warnhinweis aber weniger zuverlässig, da sie untypisch auf Fieberursachen reagieren, oder das Fieber durch Medikamente "maskiert" ist So wirken zum Beispiel Steroide, Schmerzmittel oder Antirheumatika auch fiebersenkend, alles Medikamente, die ältere Patienten häufig unabhängig von der Tumorerkrankung erhalten. Hier ist es oft dann sehr schwer zu unterscheiden, ob eine Infektion vorliegt, oder unklares Unwohlsein und "Grippegefühl" eine Folge anderer Ursachen sind.
Mancher stark geschwächte Mensch nimmt die erhöhte Temperatur auch weniger wahr und viele alte Patienten haben eine generell niedrigere Körpertemperatur, so dass bei ihnen auch vermeintlich leicht erhöhte Temperaturen schwere Infektionen oder andere Probleme anzeigen können. Die regelmäßige Messung der Körpertemperatur ist hier deshalb wichtig. Infekte machen sich in dieser Patientengruppe oft gar nicht besonders bemerkbar - Anzeichen sind eher Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Verwirrung oder Stürze. Auch verstärkter Husten, reduzierte Urinmenge, niedriger Blutdruck und beschleunigter Pulsrate können Anzeichen einer Infektion, im Einzelfall auch einer Sepsis oder Pneumonie sein.
Fieber und seine Begleiterscheinungen wie Appetitlosigkeit, Frösteln, Schwitzen, Erschöpfung, Kopfschmerzen und so weiter sind für Patienten nicht nur körperlich belastend: Betroffene fühlen sich deutlich krank und sind in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt.
Begleitend zur gezielten ursächlichen Therapie der infektiösen oder tumorbedingten Ursache sollte das Fieber daher nach Möglichkeit durch symptomatische Maßnahmen gesenkt werden. Belege für etwaige negative Folgen der Fiebersenkung auf die Infekt- oder Tumorabwehr gibt es nicht. Es macht also wenig Sinn, das Fieber auszuhalten und auf eine Linderung der Beschwerden zu verzichten.
Neben fiebersenkenden Medikamenten, die vom Arzt empfohlen oder verschrieben werden, können kühle Wadenwickel und Waschungen zum Wohlbefinden beitragen. Wichtig sind ausreichende Flüssigkeits- und Frischluftzufuhr und der Ersatz von ausgeschwitzten Mineralstoffen, den sogenannten Elektrolyten, zum Beispiel mit Bouillons, Mineralwasser mit hohem Salzgehalt oder Ähnlichem, gegebenenfalls auch mit Elektrolytgetränken, wie sie für Sportler oder in der Kinderpflege angeboten werden. Bei hohem Fieber und starkem Flüssigkeitsverlust kann sogar eine entsprechende Infusionen notwendig werden. Über Maßnahmen in der Pflege von Patienten zu Hause informiert auch die Rubrik "Pflege".
Neben der gezielten Therapie gegen die Krankheitserreger können bei verschiedenen Infektionen vorbeugende Maßnahmen oder eine begleitende Behandlung sinnvoll sein. Dazu zählt eine gute Ernährung, die Vorbeugung durch Impfungen, vielleicht schon vor Beginn einer Krebstherapie, der sorgfältige Umgang mit Fremdmaterialien wie Kathetern, die ursächliche Behandlung von infektionsfördernden Symptomen, und natürlich eine gute Pflege und Beobachtung. Nur selten müssen Krebspatienten jedoch auch durch Isolation kurzfristig vor Infektionen geschützt werden.
Bei gefährdeten Patienten, vor allem Betroffenen nach Milzentfernung, kann eventuell gegen bestimmte Bakterien (Streptokokken) geimpft werden. Eine ausreichende Antwort des Körpers auf eine Impfung, die einen langfristigeren Schutz verspricht, ist meist schon sehr bald nach einer Chemo- oder Strahlentherapie möglich, den genauen Zeitpunkt setzt der Arzt fest.
Auch auf die ganz normalen Schutzimpfungen müssen Krebspatienten meist nicht verzichten. Ob ein Aktivimpfstoff, also mit einem lebenden Erreger, oder ein mit wenig Risiko verbundener Totimpfstoff für den jeweils gewünschten Schutz zur Verfügung steht, darüber informiert ebenfalls der Arzt. Generelle Impfempfehlungen sind bei der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut unter www.rki.de, Stichwort "Infektionsschutz", Stichwort "Impfen" und weiter zu "Impfempfehlungen" nachzulesen, darunter auch der Hinweis, dass Impfungen gerade bei Patienten mit chronischen Erkrankungen in der Regel besonders wichtig sind und es keine Hinweise für eine Verschlechterung des Krankheitszustandes durch Impfungen gibt.
Sorgfältige Pflege ist für bettlägerige, immungeschwächte Patienten besonders wichtig. Insgeamt ist sie ein wesentlicher Beitrag zur Infektionsverhütung bei allen Betroffenen, deren körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Punkte, auf die Verwandte und Freunde achten sollten, sind insbesondere die Mundpflege wie auch die Pflege der Haut und nicht zuletzt die Lagerung, wenn jemand nicht aufstehen kann.
Haben ältere oder sehr geschwächte Patienten nicht mehr selbst acht darauf, wie es ihnen geht, ist die Beobachtung wichtig: Eine frühe Diagnose bedeutet immer einen Zeitvorteil bei der Behandlung und kann bei schweren Infekten von entscheidendender Bedeutung sein.
Nur sehr selten ist Isolation nötig: Meist reichen einfache Verhaltensmaßnahmen wie zum Beispiel die Meidung von Kontakten zu Haustieren, der Verzicht auf Besuche von Menschen mit Infekten und ähnliches. Heute müssen meist nur Patienten nach einer Hochdosis-Chemotherapie oder -Bestrahlung zeitweilig isoliert werden. Besucher erkennen die Schutzmaßnahmen, die die Kliniken einleiten, meist schon daran, dass sie Schutzkleidung tragen müssen. Die Patienten werden vor der Therapie meist sehr intensiv beraten und aufgeklärt, die meisten Behandlungszentren stellen inzwischen auch schriftliches Informationsmaterial zur Verfügung. Steigt die Zahl der Immunzellen wieder an, hat aber ein Niveau noch nicht erreicht, das ausreichend Schutz bietet, kann die strenge Isolation wieder aufgehoben werden. Dann reichen einfachere Maßnahmen wie zum Beispiel ein Mundschutz beim Kontakt mit Besuchern.
Wie lange auch zu Hause oder in Therapiepausen noch auf einen besonderen Infektionsschutz geachtet werden muss, hängt vom jeweiligen Blutbild des Patienten ab. In der Regel sind Krebspatienten, denen es wieder gut geht und die von ihren Ärzten keine besonderen Warnhinweise erhalten haben, langfristig jedoch auch nicht anfälliger für Infektionen als andere Menschen auch.