Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Fatigue: Selbst aktiv werden

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Patienten, die während oder nach ihrer Krebserkrankung unter Fatigue leiden, können einige Dinge auch selbst in Angriff nehmen. Was für sie persönlich sinnvoll ist, ergibt sich allerdings am besten im Gespräch mit den behandelnden Ärzten und hängt von den individuellen Ursachen ab.
Erfahrungsgemäß hilft vielen Betroffenen schon das Wissen, dass Fatigue nichts Ungewöhnliches ist, einige Zeit nach Behandlungsende meist überwunden wird und auch nichts über den Verlauf der Krebserkrankung aussagen muss: Sie ist eine verbreitete und bekannte Nebenwirkung vieler Behandlungsformen oder auch der Erkrankung selbst.
Auch für Angehörige, die sich über die für sie unerklärliche und vor allem anhaltende Schwäche oder über andere Symptome des Patienten häufig sehr sorgen, kann die Information über Fatigue eine Entlastung darstellen. Begleitende Gespräche mit Fachleuten für Psychoonkologie im Krankenhaus oder von zu Hause aus, auch die Nutzung von Angeboten der Krebsberatungsstellen geben Patienten wie ihren Angehörigen dabei zusätzliche Hilfestellung.
Nicht erschrecken sollten Betroffenen, wenn unter den Ursachen für ihre Erschöpfung und Niedergeschlagenheit auch nach Anzeichen einer Depression gesucht wird, vor allem dann, wenn Erkrankung und Therapie schon eine Zeitlang zurückliegen. Eine Krebserkrankung ist ein Einschnitt in das bisherige Leben, den nicht jeder gleich gut verkraftet. Dies kann sich gelegentlich sogar erst dann bemerkbar machen, wenn medizinisch eigentlich wieder alles in Ordnung ist. Die Kraft, aus solchen "Tiefs" herauszukommen, fehlt dann bei der Bewältigung des Alltags. Hier können unter Umständen Antidepressiva eine Erleichterung dabei sein, ein neues Gleichgewicht zu finden, die Erkrankung zu bewältigen und auch seelisch hinter sich zu lassen.
Zur Information und Schulung im Umgang mit den psychischen und seelischen Aspekten der Fatigue und der Krebserkrankung selbst gehören im Gespräch mit dem Arzt außerdem Informationen über kleine Entlastungsmöglichkeiten im Alltag, Sport und Bewegung sowie die Möglichkeiten, die Qualität des Schlafs zu verbessern.

Trotz Erschöpfung wichtig: Sport und Bewegung

Erschöpfung und reduzierte Leistungsfähigkeit, das gehört doch dazu zu einer Krebserkrankung und deren Behandlung - und bei dieser Belastung müssen Betroffene sich schonen und geschont werden, so das landläufige Urteil. Stimmt das wirklich?
Natürlich sind Patienten während und nach einer Chemotherapie nicht zu körperlichen oder geistigen Höchstleistungen fähig, unter Bestrahlung wird niemand Marathon laufen wollen, und viele Tumorarten schränken die Anstrengungs- und Bewegungsmöglichkeiten stark ein.
Doch manchmal tun Patienten und besorgte Angehörige auch zu viel des Guten und die Schonung wird selbst zum Risikofaktor: Viele Patienten reduzieren ihre körperliche Anstrengungen auf ein Minimum, so dass ein anhaltender Zustand von Bewegungsmangel entsteht. Dieser Bewegungsmangel hat mehrere negative Effekte auf die Leistungsfähigkeit, zum Beispiel. eine Abnahme der Muskelmasse, eine Reduzierung der in der Muskulatur gespeicherten chemischen Energieträger, Reduzierung der Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems und damit insgesamt auch eine verminderte Ausdauer.

Unter Anleitung kann vorsichtiges Training diese Effekte bremsen oder rückgängig machen: In mehreren Studien ist der Nutzen eines leichten, der Krankheitssituation angemessenen Ausdauertrainings sogar während einer Behandlung nachgewiesen worden. Patienten, die sich in Behandlung befinden, sollten mit Arzt oder Krankengymnasten über einen möglichen Trainingsplan sprechen. 
Zu Hause können Betroffene, bei denen keine Einschränkungen wie beispielsweise Knochenmetastasen oder andere Risikofaktoren vorliegen, einen eigenen Trainingsplan aufstellen, wobei auf eine regelmäßige Durchführung ohne Überforderung zu achten ist.
Ideal sind Ausdauersportarten wie Gehen, Joggen, Radfahren, Schwimmen oder Rudern. Auch regelmäßiges Spazieren gehen in einem schnelleren Tempo drei bis vier Mal die Woche hat bereits einen leistungssteigernden Effekt. Wer schon vor der Krebserkrankung Sport und regelmäßiges Training gewohnt war, kann sich auch an für die jeweilige Sportart typischen Trainingsplänen orientieren, sollte allerdings nicht gleich nach Höchstleistungen streben.
Während des Trainings sollten Puls und Blutdruck alterstypische beziehungsweise vom Arzt vorgebene Werte nicht übersteigen. Als Anhaltspunkt für die Belastung gilt, dass ein lockeres Gespräch während des gesamten Trainings möglich sein sollte.
Nicht angebracht ist ein körperliches Training nur bei Infektionen mit Fieber oder ausgeprägter Mangelernährung. Einschränkungen, über die der Arzt Auskunft gibt, bestehen bei Patienten mit Knochenmetastasen, bei einer Neigung zu Lymphödemen oder anderen individuellen Risikosituationen.

Ohne Rücksprache mit dem Arzt sollten Krebspatienten grundsätzlich keinen Sport beginnen, vor allem dann, wenn sie bisher körperlich nicht aktiv waren.

Schlafprobleme: Ruhen will gelernt sein

Nicht schlafen können trotz großer Müdigkeit - für Krebspatienten mit Fatigue kann auch das zum Problem werden. Hier helfen zunächst Tipps weiter, die grundsätzlich bei Schlafstörungen wirken.
Falls trotz dieser allgemeinen Maßnahmen weiterhin schwere Einschlafstörungen bestehen, ist die vorsichtige Gabe eines Schlafmittels möglich, am besten eines Mittels, das kurz wirkt und daher am nächsten Morgen nicht mehr nachwirkt. Auf eigene Faust sollten Betroffene jedoch nicht allzu viel mit Medikamenten nachhelfen - das Gespräch mit dem Arzt schützt vor Mißbrauch und vor einer Verfestigung der Schlafprobleme. Auch gibt es außer den eigentlichen (Ein-)Schlafmitteln weitere Medikamente, die in der besonderen Situation von Fatigue-Patienten zur Erholung beitragen können und zum Beispiel helfen, wenn nicht das Ein-, sondern das Durchschlafen gestört ist. Dazu gehören Antidepressiva und sogenannte Psychostimulantien.

Gute Erfahrungen können Betroffene mit Einschlafproblemen machen, wenn sie

  • die Dauer des Nachtschlafes auf eine Zeit festlegen, die erfahrungsgemäß zu Erholung führt - oder geführt hat;
  • nach dem Aufwachen sofort aufstehen;
  • bei Einschlafstörungen nicht im Bett liegen bleiben, sondern aufstehen und einer leichten Tätigkeit nachgehen, bis sich wieder ein Gefühl der Müdigkeit einstellt.

Außerdem sollte man

  • das Bett nur zum Schlafen und nicht zum Lesen, Fernsehen usw. nutzen;
  • auch wenn das Schlafbedürfnis tagsüber zu groß ist, die Schlafdauer auf eine Stunde beschränken und danach sofort wieder aufstehen;
  • die Erwartungen an sich selbst zurückschrauben;
  • tagsüber für ausreichend Bewegung und Betätigung sorgen - nur Ausruhen macht müde, und
  • auch an Wochenenden zur gewohnten Zeit aufstehen und bei schlechtem Nachtschlaf nicht versuchen, verlorenen Schlaf nachzuholen.

Konzentrationsmangel: Gibt es das "Chemo-Brain"?

Weitere Symptome, die tatsächlich bei Krebspatienten hin und wieder beobachtet werden können, sind bisher nur mit den englischen Begriffen "Chemo-Fog" oder "Chemo-Brain" bezeichnet worden, die deutschen Übersetzungen "Chemo-Nebel" oder "Chemo-Hirn" sind nicht üblich. Ob sie als Teil des Fatigue-Syndroms, Teil einer Depression oder eher als eigenständige Krankheits- oder Therapiefolgen nach Krebs zu sehen sind, ist bisher ebenfalls unklar.

Grundsätzlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige Zytostatika die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinträchtigen. Die Mischung aus Merkfähigkeits- und Gedächtnisstörungen, leichter Ablenkbarkeit und Wortfindungsstörungen, die zuerst von Frauen aus den USA im Rahmen der Chemotherapie einer Brustkrebsbehandlung beschrieben wurden, ist bisher aber nur wenig untersucht. Dieser "Nebel im Kopf", wie er von einigen Betroffenen genannt wurde, beginnt demnach meist am zweiten Tag nach einer chemotherapeutischen Behandlung und bessert sich innerhalb der nächsten drei Tage wieder.

Bislang beruhen viele Beschreibungen nur auf den subjektiven Empfindungen der Betroffenen. Studien stehen bislang noch am Anfang. So ist auch längst nicht klar, ob es sich hier um zufällige Beobachtungen handelt, die auch mit dem Stress der Therapie ausreichend zu erklären wären, oder ob tatsächlich eine kurzfristige Beeinflussung der Denk- und Merkfähigkeit durch die Chemotherapie vorliegt. Auch müßte geklärt werden, wer tatsächlich darunter leidet, welche Zellgifte besonders stark zu dieser Nebenwirkung führen und wie sie sich gegebenenfalls vermeiden ließe.

Patienten, die Konzentrationsmängel oder tatsächliche größere Einschränkungen ihrer geistigen Leistungsfähigkeit bemerken, sollten sich auf jeden Fall mit ihren behandelnden Ärzten besprechen, was in ihrer Situation individuell zu tun ist.

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Seite drucken   ganzes Thema drucken    Zuletzt aktualisiert: 17.09.2002