
Gerne stehen die Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes Ihnen für weitere Auskünfte zur Verfügung – rufen Sie uns an: 0800 – 4 20 30 40, täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr. Ihr Anruf ist für Sie kostenlos. Oder schreiben Sie eine E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.deDer Begriff Aszites stammt von dem griechischen Wort für Wassersucht "askites" ab und beschreibt die Ansammlung von großen Flüssigkeitsmengen in der Bauchhöhle. Im Volksmund wird dieses Symptom auch als "Bauchwassersucht" bezeichnet.
Die Bauchhöhle ist die größte Körperhöhle des Menschen und befindet sich unterhalb des Zwerchfells. Die im Bauchraum befindlichen Organe liegen eng zusammen. Sie sind vom Bauchfell, dem Peritoneum, umhüllt, das auch den gesamten Bauchraum auskleidet. Nach vorne und seitlich grenzt das Peritoneum die Bauchhöhle zu den Muskel- und Gewebeschichten der Bauchdecke hin ab, im hinteren Bereich grenzt es an den so genannten Retroperitonealraum, in dem sich zum Beispiel auch die Nieren befinden. Der untere Teil der Bauchhöhle stößt auf das Becken und den Beckenboden. Das Peritoneum produziert selbst auf seiner Oberfläche einen dünnen Flüssigkeitsfilm. Bei gesunden Menschen befinden sich in der Bauchhöhle normalerweise höchstens zwischen 50 und 100 Milliliter Flüssigkeit. Sie sorgen als "Schmiermittel" für eine gute Verschiebbarkeit der im Bauchraum liegenden Organe.
In etwa acht von zehn Fällen ist die Ursache eines Aszites eine Schädigung der Leberfunktion, zum Beispiel durch eine Leberzirrhose. Aber auch eine Leistungsminderung des Herzmuskels oder Nierenerkrankungen können zu einem Aszites führen, wenn auch deutlich seltener. Bei einem entzündlichen Aszites sind bakterielle Infektionen die Ursache, zum Beispiel infolge einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder einer Bauchfellentzündung (Peritonitis).
Bei jedem zehnten Patienten mit Aszites steht die Wasseransammlung in direktem Zusammenhang mit einem Tumorbefall der Leber oder anderen Organen in der Bauchhöhle. Fachleute sprechen dann von einem malignen Aszites. Der folgende Text geht vorwiegend auf die Diagnose und Behandlung dieser Aszites-Form bei Krebspatienten ein.
Auch in anderen Bereichen des Körpers kann sich Flüssigkeit krankheitsbedingt ansammeln, was nicht mit einer Aszitesbildung zu verwechseln ist. Geschieht dies etwa im Brustkorb zwischen Lunge und Rippen, bezeichnet man dies als Pleuraerguss, im Herzbeutel als Perikarderguss. Intrazerebrale Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn führen zum Anstieg des Hirndrucks (weitere Informationen für Betroffene im Text Hirnmetastasen). Darüber hinaus können Störungen des Lymphabflusses dazu führen, dass sich Wasser im Gewebe einlagert und sich Lymphödeme ausbilden.
Heute stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, mit deren Hilfe die Symptome eines Aszites zumindest zeitweise gelindert werden können. Allerdings fehlen aussagekräftige Studien darüber, wie sicher und effektiv die derzeit angewandten Verfahren bei malignem Aszites tatsächlich sind. Auch existieren noch keine evidenzbasierten ("beweisgestützten") Leitlinien als allgemein anerkannte Vorgabe zur Behandlung dieses Beschwerdebildes.
Ärzte orientieren sich daher häufig an den vorhandenen Erfahrungen aus der Therapie von Aszitespatienten mit Leberzirrhose: Diese chronische Lebererkrankung ist die häufigste Ursache für die Wasseransammlung im Bauch.
Die Ergebnisse der bislang durchgeführten Studien zur Therapie von Krebspatienten mit Aszites haben zuletzt im Jahr 2006 Wissenschaftler des Deutschen Cochrane-Zentrums in Freiburg analysiert und zusammengefasst (www.cochrane.de). Die wesentlichen Punkte dieser Veröffentlichung dienten als eine Quelle für den vorliegenden Text. Die Autoren der Cochrane-Analyse betonen jedoch, dass sich die vorhandenen Daten auf nur wenige und zum Teil nicht zufriedenstellend durchgeführte Studien stützen. Weitere Literatur zu diesem Thema ist spärlich und auch verschiedene Lehrbücher enthalten teilweise unterschiedliche Informationen.
Welche Behandlung bei einem malignen Aszites im Einzelfall in Frage kommt, hängt daher in erster Linie davon ab, wie sich der Allgemeinzustand eines Patienten darstellt und wie die bestmögliche Lebensqualität für ihn zu erreichen ist. Darüber hinaus spielt für die Therapieentscheidung die Art der zugrunde liegenden Tumorerkrankung eine wesentliche Rolle.
Aszites ist keine zwangsläufige Folge einer Krebserkrankung - alles in allem sind nur sehr wenige Patienten davon betroffen. Er tritt eher auf als Zeichen einer fortgeschrittenen Situation, wenn ein Tumor bereits Metastasen gebildet hat. Wie der weitere Verlauf der Krankheit aussieht, hängt vom zugrunde liegenden Tumortyp und dem Erkrankungsstadium ab und ist nicht pauschal vorhersagbar.
Vielfach geht der Entstehung einer malignen Bauchwassersucht eine Peritonealkarzinose voraus: Das Bauchfell ist von bösartigen Tumorzellen befallen, was dazu führt, dass mehr Flüssigkeit in die Bauchhöhle ein- als ausströmt. Der Ursprungstumor selbst ist jedoch in der Regel nicht im Bauchfell zu finden. Vielmehr sind für eine Peritonealkarzinose metastasierte Tochterzellen eines Tumors verantwortlich, der von anderen im Bauchraum gelegenen Organen ausgeht.
Wasser im Bauchraum findet sich häufiger bei Patientinnen mit Eierstockkrebs, dem Ovarialkarzinom. Bei Magenkrebs, Darmkrebs und Bauchspeicheldrüsentumoren sowie Brustkrebs, Gebärmutterkörperkrebs (Endometriumkarzinom) und Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) kann maligner Aszites im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium auftreten, wenn sich Tumorzellen auch außerhalb des Ausgangsorgans angesiedelt haben. Bei einem kleinen Anteil betroffener Patienten lässt sich der Ursprungstumor nicht identifizieren (CUP-Syndrom); die Ansammlung von Bauchwasser ist dann ebenfalls Symptom einer schon fortgeschrittenen Krebserkrankung.