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Aszites bei Krebspatienten:
Das Problem mit der Bauchwassersucht

Zur Übersicht

Im Verlauf mancher Tumorerkrankungen kann ein Aszites auftreten. Diese Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum ist für Betroffene oft sehr belastend. Als Ursache kommen Tumorabsiedelungen im Bauchraum oder in der Leber in Frage.

Vorrangiges Ziel der Behandlung ist es, die Symptome zu lindern. Mit den bislang verfügbaren Verfahren können die negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität Betroffener meist deutlich reduziert werden. Welche  der in Frage kommenden Therapien zum Einsatz kommen, hängt in erster Linie von der gesundheitlichen Verfassung des Krebspatienten ab. Für den Erfolg einer Behandlung können außerdem die zugrunde liegende Tumorart und das Krankheitsstadium des Betroffenen ausschlaggebend sein. Aus diesem Grund muss die Behandlung auf die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten abgestimmt werden, pauschale Empfehlungen zur Vorgehensweise gibt es nicht.

Aszites: Ursachen, Diagnose, Behandlung

Die folgenden Informationen führen die wichtigsten Fakten zum Thema Aszites bei Krebserkrankungen auf. Sie richten sich an Tumorpatienten, ihre Familien und Freunde. Information ist eine wichtige Voraussetzung für die aktive Mitwirkung an der eigenen Behandlung. Das persönliche Gespräch mit den behandelnden Ärzten und bei Bedarf auch weiteren Fachleuten ersetzen Informationen aus dem Internet jedoch auf keinen Fall.

Achtung: Patienten, die nicht an Krebs, sondern an einer Leberzirrhose erkrankt sind und deshalb unter Aszites leiden, sollten sich mit ihren behandelnden Ärzten hinsichtlich für sie geeigneter Informationen in Verbindung setzen. Die folgenden Texte gehen auf ihre Situation nicht ein.

Grundlagen zu Aszites: Flüssigkeit in der Bauchhöhle

Aszites: Was versteht man darunter?

Inhaltsübersicht Aszites:

Der Begriff Aszites stammt von dem griechischen Wort für Wassersucht "askites" ab und beschreibt die Ansammlung von großen Flüssigkeitsmengen in der Bauchhöhle. Im Volksmund wird dieses Symptom auch als "Bauchwassersucht" bezeichnet. 

Die Bauchhöhle ist die größte Körperhöhle des Menschen und befindet sich unterhalb des Zwerchfells. Die im Bauchraum befindlichen Organe liegen eng zusammen. Sie sind vom Bauchfell, dem Peritoneum, umhüllt, das auch den gesamten Bauchraum auskleidet. Nach vorne und seitlich grenzt das Peritoneum die Bauchhöhle zu den Muskel- und Gewebeschichten der Bauchdecke hin ab, im hinteren Bereich grenzt es an den so genannten Retroperitonealraum, in dem sich zum Beispiel auch die Nieren befinden. Der untere Teil der Bauchhöhle stößt auf das Becken und den Beckenboden. Das Peritoneum produziert selbst auf seiner Oberfläche einen dünnen Flüssigkeitsfilm. Bei gesunden Menschen befinden sich in der Bauchhöhle normalerweise höchstens zwischen 50 und 100 Milliliter Flüssigkeit. Sie sorgen als "Schmiermittel" für eine gute Verschiebbarkeit der im Bauchraum liegenden Organe.

Allgemein: Wie kommt es zu Aszites?

In etwa acht von zehn Fällen ist die Ursache eines Aszites eine Schädigung der Leberfunktion, zum Beispiel durch eine Leberzirrhose. Aber auch eine Leistungsminderung des Herzmuskels oder Nierenerkrankungen können zu einem Aszites führen, wenn auch deutlich seltener. Bei einem entzündlichen Aszites sind bakterielle Infektionen die Ursache, zum Beispiel infolge einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder einer Bauchfellentzündung (Peritonitis).
Bei jedem zehnten Patienten mit Aszites steht die Wasseransammlung in direktem Zusammenhang mit einem Tumorbefall der Leber oder anderen Organen in der Bauchhöhle. Fachleute sprechen dann von einem malignen Aszites.  Der folgende Text geht vorwiegend auf die Diagnose und Behandlung dieser Aszites-Form bei Krebspatienten ein.

Flüssigkeitsansammlungen in anderen Organen?

Das ist kein Aszites:
Pleuraerguss: Flüssigkeit im Brustkorb
Perikarderguss: Flüssigkeit im Herzbeutel
Lymphödem: Flüssigkeit in den Weichteilen, unter der Haut

Auch in anderen Bereichen des Körpers kann sich Flüssigkeit krankheitsbedingt ansammeln, was nicht mit einer Aszitesbildung zu verwechseln ist. Geschieht dies etwa im Brustkorb zwischen Lunge und Rippen, bezeichnet man dies als Pleuraerguss, im Herzbeutel als Perikarderguss. Intrazerebrale Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn führen zum Anstieg des Hirndrucks (weitere Informationen für Betroffene im Text Hirnmetastasen). Darüber hinaus können Störungen des Lymphabflusses dazu führen, dass sich Wasser im Gewebe einlagert und sich Lymphödeme  ausbilden.

Aktuelles Wissen: Gibt es Leitlinien oder Vorgaben zur Behandlung?

Heute stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, mit deren Hilfe die Symptome eines Aszites zumindest zeitweise gelindert werden können. Allerdings fehlen aussagekräftige Studien darüber, wie sicher und effektiv die derzeit angewandten Verfahren bei malignem Aszites tatsächlich sind. Auch existieren noch keine evidenzbasierten ("beweisgestützten") Leitlinien als allgemein anerkannte Vorgabe zur Behandlung dieses Beschwerdebildes.
Ärzte orientieren sich daher häufig an den vorhandenen Erfahrungen aus der Therapie von Aszitespatienten mit Leberzirrhose: Diese chronische Lebererkrankung ist die häufigste Ursache für die Wasseransammlung im Bauch.
Die Ergebnisse der bislang durchgeführten Studien zur Therapie von Krebspatienten mit Aszites haben zuletzt im Jahr 2006 Wissenschaftler des Deutschen Cochrane-Zentrums in Freiburg analysiert und zusammengefasst (www.cochrane.de). Die wesentlichen Punkte dieser Veröffentlichung dienten als eine Quelle für den vorliegenden Text. Die Autoren der Cochrane-Analyse betonen jedoch, dass sich die vorhandenen Daten auf nur wenige und zum Teil nicht zufriedenstellend durchgeführte Studien stützen. Weitere Literatur zu diesem Thema ist spärlich und auch verschiedene Lehrbücher enthalten teilweise unterschiedliche Informationen.

Welche Behandlung bei einem malignen Aszites im Einzelfall in Frage kommt, hängt daher in erster Linie davon ab, wie sich der Allgemeinzustand eines Patienten darstellt und wie die bestmögliche Lebensqualität für ihn zu erreichen ist. Darüber hinaus spielt für die Therapieentscheidung die Art der zugrunde liegenden Tumorerkrankung eine wesentliche Rolle.

Aszites bei Krebs: Wann tritt er auf?

Aszites ist keine zwangsläufige Folge einer Krebserkrankung - alles in allem sind nur sehr wenige Patienten davon betroffen. Er tritt eher auf als Zeichen einer fortgeschrittenen Situation, wenn ein Tumor bereits Metastasen gebildet hat. Wie der weitere Verlauf der Krankheit aussieht, hängt vom zugrunde liegenden Tumortyp und dem Erkrankungsstadium ab und ist nicht pauschal vorhersagbar.

Vielfach geht der Entstehung einer malignen Bauchwassersucht eine Peritonealkarzinose voraus: Das Bauchfell ist von bösartigen Tumorzellen befallen, was dazu führt, dass mehr Flüssigkeit in die Bauchhöhle ein- als ausströmt. Der Ursprungstumor selbst ist jedoch in der Regel nicht im Bauchfell zu finden. Vielmehr sind für eine Peritonealkarzinose metastasierte Tochterzellen eines Tumors verantwortlich, der von anderen im Bauchraum gelegenen Organen ausgeht. 
Wasser im Bauchraum findet sich häufiger bei Patientinnen mit Eierstockkrebs, dem Ovarialkarzinom. Bei Magenkrebs, Darmkrebs und Bauchspeicheldrüsentumoren sowie Brustkrebs, Gebärmutterkörperkrebs (Endometriumkarzinom) und Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) kann maligner Aszites im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium auftreten, wenn sich Tumorzellen auch außerhalb des Ausgangsorgans angesiedelt haben. Bei einem kleinen Anteil betroffener Patienten lässt sich der Ursprungstumor nicht identifizieren (CUP-Syndrom); die Ansammlung von Bauchwasser ist dann ebenfalls Symptom einer schon fortgeschrittenen Krebserkrankung.

Tumorbiologie: Wie entsteht die Wasseransammlung bei Aszites?

Inhaltsübersicht

Bis heute sind die Mechanismen, die zur Bildung eines malignen Aszites führen, noch nicht in allen Einzelheiten aufgeklärt.
Als gesichert gilt, dass mehrere Faktoren an der Entstehung dieses Symptoms beteiligt sind. Bei einer Tumorerkrankung ist meistens eine Peritonealkarzinose für die Entstehung des Aszites verantwortlich, der Befall des Bauchfells mit Tumorzellen. Ist die Leber von einem Tumor betroffen oder haben sich Metastasen anderer Organtumoren in der Leber gebildet, können Stoffwechselstörungen dazu beitragen, dass sich Wasser in der Bauchhöhle ansammelt. Auch die Durchblutung über die Pfortader kann bei Krebspatienten krankhaft verändert sein. Diese Vene sorgt für den Blutabfluss aus den Verdauungsorganen zur Leber. Ist sie durch Lebertumoren oder eine Geschwulst im oberen Bauchraum eingeengt, erhöht sich der Druck, was den Flüssigkeitshaushalt der Gewebe des Bauchraums ebenfalls stört.

Eingewanderte Tumorzellen

Peripherer Aszites
Ist bei einer Peritonealkarzinose das Bauchfell von Tumorzellen befallen, fließt Flüssikgeit in die Bauchhöhle ein.

Für einen malignen Aszites sind meistens die bei einer Peritonealkarzinose eingewanderten Tumorzellen verantwortlich: Sie blockieren durch ihre Lage die im Bauchfell sitzenden Lymphabflüsse und verhindern so den Abtransport von Flüssigkeit. Zudem produzieren die Krebszellen den so genannten vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF, engl.: Vascular Endothelial Growth Factor): Dieses Protein regt die Neubildung von Blutgefäßen an, um das Tumorgewebe mit Nahrung zu versorgen, und erhöht zugleich die Durchlässigkeit von Blutgefäßen. Durch die erweiterten Gefäße des Bauchfells fließt verstärkt Flüssigkeit, in die Bauchhöhle ein, aber auch das Bluteiweiß Serumalbumin. Als Folge bildet sich Aszitesflüssigkeit mit einem vergleichsweise hohen Proteingehalt.
Ist Aszites die Folge einer Peritonealkarzinose, sprechen Fachleute von einem peripheren Aszites.

Leberprobleme

Aszites bei Lebertumoren oder -metastasen
Aszites kann durch Pfortaderhochdruck oder Funktionsstörungen der Leber ausgelöst werden.

Seltener als eine Peritonealkarzinose fördert auch ein Tumorbefall der Leber die Bildung eines malignen Aszites. Ist die Leber von vielen Metastasen befallen, kann es zu einer portalen Hypertension kommen: Damit meinen Fachleute einen erhöhten Druck in der Leberpfortader, einer Verbindungsvene, die das Blut aus den Bauchorganen wie Magen Darm, Milz und Bauchspeicheldrüse sammelt und der Leber zuführt.
Ist der Blutfluss durch diese Pfortader gestört, kommt es zu einem Blutrückstau vor der Leber und damit zu einem erhöhten Blutdruck in der Ader selbst. Da der Druck im Gewebe außerhalb des Blutgefäßes niedriger ist, wird Flüssigkeit durch die Aderwände hindurch aus dem Blut in den Bauchraum gedrückt; so kann sich Bauchwasser bilden.
Bei dieser Form von Aszites verstärken körpereigene Regulationsmechanismen das Problem noch, anstatt es zu beheben: In den Blutgefäßen hinter der blockierten und gestauten Pfortader sinkt der Blutdruck stark ab. Um den Kreislauf zu stabilisieren, reagiert der Körper mit Gegenmaßnahmen: Die Blutgefäße verengen sich, und hormonelle Mechanismen, das so genannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, werden aktiviert. Sie führen dazu, dass die Nieren Salze und Wasser nicht mehr ausscheiden, sondern im Körper zurückhalten. Das zurückgehaltene Wasser trägt wiederum zu einem höheren Flüssigkeitsvolumen in den Blutgefäßen bei und erhöht den Druck noch weiter: Als Folge wird noch mehr Wasser in den Bauchraum abgesondert, und der Aszites verstärkt sich. Im Zusammenhang mit einer portalen Hypertension sprechen Fachleute auch von einem zentralen Aszites.
Lebermetastasen oder primäre Leberzellkarzinome können zudem die Funktion der Leber beeinträchtigen: So ist beispielsweise oft die Albuminproduktion gestört, wenn die Leber nicht mehr richtig arbeitet. Das Blutprotein Albumin dient unter anderem dazu, im Blut Wasser zu binden, um dessen Austritt aus den Adern in die Zellzwischenräume und ins Gewebe zu verhindern. Kann kein oder nur wenig Albumin gebildet werden, Fachleute sprechen dann von einer Hypalbuminämie, drückt Wasser aus den Blutgefäßen in die Bauchhöhle und/oder ins Gewebe und führt zu Aszites oder auch Lymphödemen.

Gestörter Lymphabfluss

Chylöser Aszites
Bei Tumorpatienten tritt diese Aszitesform nur sehr selten auf.

Bei einem Teil der Patienten mit malignem Aszites drückt der Tumor auf den Hauptlymphabflussweg der Bauchhöhle, der Beckenhöhle und der Beine. In der Fachsprache wird dieser als "Ductus thoracicus" bezeichnet. Da über diesen Weg auch die aus dem Darm aufgenommenen Fette mit abtransportiert werden, ist die Lymphflüssigkeit  milchig-trüb (chylös). Blockiert ein Tumor diesen "Ductus thoracicus", tritt die Lymphe aus den Lymphgefäßen aus und sammelt sich in der Bauchhöhle als so genannter chylöser Aszites an. 

Aszites als Symptom: Nur belastend oder auch gefährlich?

Auch wenn der aufgetriebene Leib für betroffene Patienten belastend ist, so sind die durch Aszites verursachten Probleme wie Druck auf die Organe oder verminderte Albuminsynthese selbst nicht unmittelbar lebensgefährlich.
Ernst kann die Lage jedoch werden, wenn sich Darmbakterien in der Bauchflüssigkeit ansiedeln und zu einer Bauchfellentzündung führen, einer so genannten spontanen bakteriellen Peritonitis. Anzeichen einer Peritonitis bei Patienten mit Aszites sind Fieber und/oder Bauchschmerzen. Unbehandelt ist diese Infektion lebensbedrohlich. Betroffene mit Aszites sollten sich daher bei entsprechenden Symptomen frühzeitig an einen Arzt wenden, um eine mögliche bakterielle Entzündung abklären zu lassen. So kann bei Bedarf rechtzeitig eine Therapie mit Antibiotika eingeleitet werden. Um die Bakterien in der Bauchflüssigkeit sicher nachzuweisen, wird eine Probe untersucht.

Aszites: Welche Diagnosemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Inhaltsübersicht

Größere Mengen an Flüssigkeit in der Bauchhöhle sind bei den meisten Patienten schon auf den ersten Blick sichtbar: Bei mehr als einem Liter Flüssigkeit zeigen sich ein nach vorne gewölbter Bauch und Ausbuchtungen an den Flanken. Beim Abklopfen des Bauches bewegt sich die freie Flüssigkeit in regelrechten Wellen, die sich durch die Bauchdecke ertasten lassen. 
Neben einer körperlichen Untersuchung fragt der Arzt den Patienten bei der Erstdiagnose nach aktuellen Beschwerden und der bisherigen Krankheitsgeschichte. Diese Auskünfte geben Aufschluss darüber, welche Gründe außer der Tumorkrankheit für das Auftauchen und die Ausprägung eines Aszites verantwortlich sein könnten. Mit einer Ultraschalluntersuchung lässt sich relativ einfach nachweisen, ob hinter den Symptomen tatsächlich Flüssigkeit in der Bauchhöhle steht. Für die Behandlungsplanung müssen die behandelnden Ärzte jedoch die genaue Ursache eines Aszites kennen, wenn sie sich nicht vollständig aus bereits vorhandenen Befunden ableiten lässt. Aus diesem Grund sind vor allem dann weiterführende Analysen notwendig, wenn die Flüssigkeitsansammlung erstes Zeichen einer bisher nicht erkannten Krebserkrankung ist oder durch die sonstigen Befunde nicht ausreichend erklärt werden kann.
Wie umfangreich sich die Diagnostik bei Aszites gestaltet und welche Untersuchungen im Einzelnen angewendet werden, muss sich auch an der Gesamtsituation eines Patienten und dem zu erwartenden Nutzen eines Untersuchungsergebnisses für seine Behandlung orientieren. 

Ultraschalluntersuchung

Die Ultraschalluntersuchung oder Sonographie gilt als die beste Methode, um einen Aszites nachzuweisen: Mit ihrer Hilfe können bereits geringe Flüssigkeitsmengen (50 bis 100 Milliliter) erfasst werden. Darüber hinaus hilft dieses Verfahren dabei, einen für die Bildung des Aszites verantwortlichen Tumor in den Bauchorganen aufzuspüren, falls die zugrunde liegende Situation der Tumorerkrankung nicht bekannt ist oder neu geklärt werden muss. Bei der Ausbreitungsabschätzung und zur Beurteilung des Tumorstadiums können auch weitere bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel eine Computertomographie (CT). Die Ultraschalluntersuchung dient auch als Orientierungshilfe bei der Gewinnung einer Flüssigkeitsprobe aus dem Aszites, der Punktion.

Aszitespunktion

Punktion
Die Entnahme von Aszitesflüssigkeit ist zur Diagnosestellung wichtig. Das Ablassen des Bauchwassers bringt zudem Entlastung.

Ist die Aszitesbildung möglicherweise das erste Anzeichen einer vorher nicht bekannten Tumorerkrankung, kann der Arzt dies mit Sicherheit nur durch Analyse einer Bauchwasserprobe abklären. Auch wenn die Krebserkrankung schon länger bekannt ist, liefert eine solche Untersuchung eventuell neue Erkenntnisse über ihre Ausbreitung. Das Ablassen von Flüssigkeit kann zudem auch Teil der entlastenden Behandlung sein, als so genannte Parazentese.

Zur Entnahme von Bauchwasser wird eine diagnostische Aszitespunktion durchgeführt. Die Untersuchung ist in einer entsprechend ausgerüsteten Praxis oder Klinikambulanz auch ohne stationären Aufenthalt möglich. Die Punktionsstelle, oft am linken Unterbauch, wird lokal betäubt. Dann führt der Arzt, meist unter Ultraschallkontrolle, eine Hohlnadel durch die Bauchdecke in den Aszites ein und entnimmt mit einer aufgesetzten Spritze etwas Flüssigkeit steril aus der Bauchhöhle. Die so gewonnene Aszitesprobe, das Punktat, wird anschließend in einem Labor analysiert.
Lassen sich Tumorzellen im Aszites nachweisen, gilt das Vorliegen einer Peritonealkarzinose als nahezu sicher. Mit zytologischen Techniken, also der Analyse einzelner aus der gewonnen Punktionsprobe isolierter Zellen, gewinnt der Arzt weitere Informationen über die Erkrankung. Da in zirka sechs von zehn Fällen der Nachweis von Krebszellen in der Ergussflüssigkeit auch bei einem vorliegenden Tumor nicht gelingt, wiederholen Ärzte bei dringendem Verdacht auf einen malignen Aszites unter Umständen die Punktion. Fällt die zytologische Untersuchung trotz zugrunde liegender Krebserkrankung weiter negativ aus, ist die Entstehung des Aszites eher auf Lebermetastasen, ein Leberkarzinom oder bisher unbekannte weitere Leberveränderungen zurückzuführen.
 
Auch die Ergebnisse biochemischer Laboruntersuchungen des Punktats können auf eine tumorbedingte Ursache des Aszites hindeuten. Hierzu gehört beispielsweise die Bestimmung von Tumormarkern (CEA, CA 125, CA 19-9). Sind die Werte erhöht, bedeutet dies jedoch nicht zwangsläufig, dass eine bösartige Erkrankung vorliegt. Auffällige Werte können aber Hinweise auf einen möglichen bisher unbekannten Primärtumor geben, und hinsichtlich der weiteren Therapie von Nutzen sein. Auch ein erhöhter Cholesterin- sowie ein erhöhter Eiweißgehalt des Bauchwassers sind mögliche Merkmale eines malignen Aszites. Schließlich kann im Rahmen der Aszitesdiagnose zudem der Nachweis von VEGF erfolgen, ein Protein, das vermehrt von Tumorzellen produziert wird.
Ein Marker für das Vorliegen einer Peritonealkarzinose ist ein erhöhter Albumingehalt in der Aszitesflüssigkeit: Da bei Vorliegen einer Peritonealkarzinose die Blutgefäße durchlässiger sind, tritt vermehrt das Protein Albumin aus dem Serum in die Bauchhöhle, wodurch sich der Albumingehalt im Aszites erhöht. Ein niedriger Albumingehalt im Blut deutet hingegen eher auf eine Leberfunktionsstörung (portale Hypertension) hin, die meistens infolge einer Leberzirrhose auftritt, aber auch Zeichen eines Tumorbefalls der Leber sein kann (mehr dazu im Kapitel "Tumorbiologie: Wie entsteht die Wasseransammlung?").

Wegen des Risikos einer Bauchfellentzündung wird Aszitesflüssigkeit in der Regel mikrobiologisch untersucht. So soll zum Beispiel eine spontane bakterielle Peritonitis ausgeschlossen werden. Da der direkte Nachweis von Bakterien durch Anzucht einer Bakterienkultur längere Zeit beansprucht, bestimmen Ärzte häufig zunächst die Zahl der so genannten neutrophilen Granulozyten im Punktat. Hierbei handelt es sich um eine Untergruppe von weißen Blutkörperchen, die eine wichtige Funktion in der Immunabwehr von Bakterien haben. Befinden sie sich in großer Menge in der Aszitesflüssigkeit, wird eine Peritonitis angenommen und eine sofortige Behandlung eingeleitet. Die Gefahr einer solchen spontanen Infektion ist vor allem bei Aszitespatienten gegeben, bei denen eine portale Hypertension aufgetreten ist.

Laparoskopie

Ist der Primärtumor zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt und durch bildgebende Verfahren nicht auffindbar, führen Ärzte manchmal auch eine Bauchspiegelung durch, die so genannte Laparaskopie. Dabei wird durch einen kleinen Hautschnitt ein mit einer Kamera versehenes Spezialendoskop in den Bauchraum eingebracht. Der Arzt kann so die Bauchhöhle und Bauchorgane von innen begutachten und bei Bedarf Aszitesflüssigkeit oder  Proben eines eventuell vorhandenen Tumors entnehmen. Die Bestimmung der Tumoreigenschaften und die weitere Ausbreitungsdiagnostik, das so genannte Staging, beeinflussen die weitere Therapieplanung.

Zum nächsten Kapitel

Aszites behandeln: Entlasten und vorbeugen

Inhaltsübersicht

Oberstes Ziel in der Behandlung eines malignen Aszites ist es, die belastenden Symptome zu lindern, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Allerdings existieren hierfür bislang keine einheitlichen, qualitätsgeprüften Leitlinien. Bei der Therapiewahl spielen daher ganz unterschiedliche Faktoren eine Rolle. An erster Stelle stehen  Krankheitsprognose und Lebensqualität. Aber auch Art, Aggressivität und Ausmaß der zu Grunde liegenden Tumorerkrankung werden bei der Behandlungsplanung mitberücksichtigt: Geht die Aszitesbildung von einem Eierstocktumor aus, so muss anders behandelt werden als bei einer zu Grunde liegenden Darmkrebserkrankung.

Im Folgenden hat der Krebsinformationsdienst mögliche Behandlungsstrategien zusammen gestellt, die zur Therapie eines malignen Aszites in Frage kommen. Welche Behandlungen im Einzelfall tatsächlich sinnvoll sind, können Patienten aber letztendlich nur gemeinsam mit den behandelnden Ärzten entscheiden.

Parazentese

Die Punktion der Bauchhöhle zu therapeutischen Zwecken nennen Fachleute Parazentese oder auch Aszitesdrainage. Sie ist bisher die gebräuchlichste und wichtigste Methode, um größere und belastende Flüssigkeitsmengen (bis zu mehreren Litern) aus der Bauchhöhle möglichst vollständig zu entleeren. Die Parazentese kann, abhängig vom Zustand des Patienten und der Erfahrung des Arztes, ambulant gemacht werden. Ist die Flüssigkeitsmenge sehr groß oder sind von vornherein Komplikationen absehbar, ist eventuell ein kurzer Krankenhausaufenthalt nötig, auch weil die Flüssigkeitsableitung über mehrere Stunden dauern kann.
Wie bei der diagnostischen Punktion führt der Arzt meist unter Ultraschallkontrolle und nach örtlicher Betäubung der Einstichstelle eine Hohlnadel in den Bauch ein. Damit die Flüssigkeit ablaufen kann, wird ein dünner Schlauch an ein Röhrchen angeschlossen, das mit der Punktionskanüle verbunden ist. Nachdem genügend Flüssigkeit entfernt wurde, zieht der Arzt die Nadel aus dem Bauch heraus und deckt die Punktionsstelle steril ab.
Die Parazentese dient dazu, Patienten mit ausgeprägtem Aszites mechanisch zu entlasten und Beschwerden wie Atemnot, Übelkeit und Erbrechen zu lindern.

Welche Nachteile birgt die Parazentese?

Der Effekt der Parazentese ist bei einer fortgeschrittenen Erkrankungssituation oft nur von kurzer Dauer, da sich die Aszitesflüssigkeit innerhalb von Tagen bis Wochen nachbilden kann. Die Punktion muss daher regelmäßig wiederholt werden.
Auch wenn dieses Verfahren bei korrekter Handhabung sehr sicher ist und belastende Symptome vergleichsweise schnell reduziert werden können, sind Komplikationen niemals gänzlich auszuschließen. So kann es theoretisch zu Verletzungen des Darms oder Infektionen des Bauchfells kommen. Bei wiederholter Punktion größerer Flüssigkeitsmengen und gleichzeitiger Leberfunktionsstörung besteht die Gefahr von Eiweißverlusten (Hypoalbuminämie) und Austrocknung (Deydratation). Um diese auszugleichen und so Störungen des Kreislaufs und weiterer Funktionen sowie körperlichen Abbau zu verhindern, wird bei Vorliegen einer Leberfunktionsstörung oft eine Infusion gegeben, meist zusammen mit einer konzentrierten Eiweißlösung. Zu hohe oder zu schnelle  Flüssigkeitsreduktion belastet zudem die Nieren,  es kann zu einer Nierenfunktionsstörung kommen. 

Müssen Parazentesen sehr häufig, oft mehrmals pro Monat, durchgeführt werden, beeinträchtigt dies die Lebensqualität von Patienten erheblich und erfordert bei vielen Patienten auch wiederholte Krankenhausaufenthalte. Darüber hinaus besteht bei der Entnahme größerer Flüssigkeitsvolumina immer auch das Risiko, dass aufgrund von Eiweiß- und Flüssigkeitsverlusten der Blutdruck zu schnell und zu stark abfällt. 
In dieser Situation kann Patienten unter Umständen auch ein dauerhafter Katheter als so genannter Port unter die Haut eingepflanzt werden. Dazu ist keine größere Operation notwendig, ein kleiner Hautschnitt unter örtlicher Betäubung reicht meist aus.
Der künstliche Abfluss ermöglicht es, in kürzeren Zeitabständen kleinere Aszitesmengen aus dem Körper zu leiten, ohne den Flüssigkeitshaushalt drastisch zu verändern. Betroffene bleiben zudem von wiederholten Punktionen mit langen Kanülen verschont und können die Handhabung des Katheters sogar selbst erlernen; der Aszites ist dann für Patienten und/oder ihre Angehörigen zu Hause weitestgehend selbstständig regulierbar. Wie alle Katheter ist aber auch dieses Verfahren mit einem Infektionsrisiko verbunden.

Weitere dauerhafte Katheterverbindungen, die aber nur bei gutem Allgemeinzustand des Patienten in der Therapie eines Aszites zum Einsatz kommen können, sind so genannte Shunts, siehe folgende Kapitel.

Diurese - Entwässerung

Bitte beachten
Hausmittel zur "Entwässerung" sind zur Behandlung von Aszites nicht geeignet!

Medikamente, die die Salz- und dadurch indirekt die Wasserausscheidung über die Niere steigern, werden als Diuretika bezeichnet; umgangssprachlich ist auch der Begriff Wassertabletten verbreitet. Sie können dazu beitragen, das im Bauchraum eingelagerte Wasser aus dem Körper auszuschwemmen.

Die diuretische Therapie hat sich bei Patienten mit Leberzirrhose als gut wirksam erwiesen. Diese Erfahrung kann teilweise auch auf Betroffene mit malignem Aszites übertragen werden, aussagekräftige klinische Studien zum Nutzen bei Krebspatienten fehlen jedoch bisher. Allerdings schlägt diese Behandlungsform nicht bei allen Tumorpatienten an und wirkt, wenn überhaupt, nur für eine begrenzte Zeit.
Bislang können Ärzte nur schwer voraussagen, welche Tumorpatienten von einer Diurese profitieren und welche nicht. Bei Peritonealkarzinose oder chylösem Aszites bleibt die Diurese in der Regel wirkungslos. Bisherige Erfahrungen deuten aber darauf hin, dass sich die diuretische Therapie für Patienten eignen kann, bei denen die Leberfunktion aufgrund von Lebermetastasen oder einem Leberkarzinom gestört ist.
Bei ihnen ist häufig ein erhöhter Renin-Aldosteron-Spiegel im Blut nachzuweisen: Tumoren in der Leber verhindern häufig den Blutfluss durch das Organ, weshalb in den nachfolgenden Blutgefäßen der Blutdruck sinkt, während sich vor der Leber das Blut staut (siehe portale Hypertension). Um dem Abfall des Blutdrucks entgegenzuwirken, aktiviert der Körper das sogenannte Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS). Hierbei handelt es sich um eine Kaskade von verschiedenen Hormonen und Enzymen, deren Aufgabe im Wesentlichen darin besteht, den Blutdruck im Körper aufrechtzuerhalten. So führt die Aktivierung von RAAS unter anderem dazu, dass sich die Blutgefäße verengen und so den Blutdruck erhöhen. Darüber hinaus wird das Nebennierenhormon Aldosteron vermehrt freigesetzt, so dass die Niere Kochsalz beziehungsweise seinen Bestandteil Natrium nicht mehr ausscheidet, sondern im Körper zurückhält.
Diuretika mit dem Wirkstoff Spironolacton hemmen die Funktion von Aldosteron (Aldosteronantagonist), und bewirken so eine verstärkte Natriumausscheidung über die Niere. Da Natrium Flüssigkeit bindet, scheiden die Nieren zudem vermehrt Wasser aus. Mit abnehmendem Wasseranteil im Blut verringert sich die Blutmenge: Aszites und Ödeme als Wasseransammlungen im Gewebe werden ausgeschwemmt, der Blutdruck sinkt. Manchmal geben Ärzte zusätzlich so genannte Schleifendiuretika mit anderen Wirkstoffen. Sie wirken besonders schnell, was auch eine sorgfältige Kontrolle des Salzhaushaltes und des Blutdrucks erfordert, um Komplikationen zu vermeiden.

Während einer Diuretikatherapie müssen der Salzhaushalt des Patienten, seine Herzfunktion und sein Blutdruck regelmäßig überwacht werden, vor allem dann, wenn seine Nierenfunktion beeinträchtigt ist. Als Nebenwirkung können Diuretika zu Übelkeit und Erbrechen führen. Auch Mundtrockenheit, verstärktes Durstgefühl, niedriger Blutdruck und Schwäche werden beobachtet. Die längerfristige Anwendung des Aldosteronantagonisten Spironolacton bewirkt, abhängig von der Dosis, häufiger hormonelle Störungen bei Männern und Frauen.

Chemotherapie

Mit einer Chemotherapie kann versucht werden, die für den Aszites verantwortlichen Tumorzellen am Wachstum zu hindern oder sie sogar so weit wie möglich zurückzudrängen. Ob eine Chemotherapie in Frage kommt und in welcher Form sie angewendet wird, hängt aber immer von der Gesamtsituation ab und kann nur individuell beurteilt werden. Nicht alle Krebsarten sprechen gleich gut auf die verschiedenen Zytostatika an, die zur Chemotherapie zur Verfügung stehen. Ist der Ausgangstumor bekannt, der für die Aszitesbildung verantwortlich ist, orientiert sich die Chemotherapie daher an den Standards für die jeweilige Tumorart.

Systemische Chemotherapie

Die in der Chemotherapie eingesetzten Zytostatika können auf verschiedenen Wegen verabreicht werden: Bei der systemischen Gabe injizieren die Ärzte das Medikament in die Vene oder geben es, wenn möglich, dem Patienten in Tablettenform, damit sich das Zytostatikum mit dem Blutkreislauf im gesamten Körper verteilen kann. Die systemische Chemotherapie zielt auf größere Tumoren und Organmetastasen.

Intraperitoneale Chemotherapie

Bei einigen Krebserkrankungen, wie etwa Eierstockkrebs oder metastasiertem Brustkrebs, hat sich in einigen Fällen auch die intraperitoneale Chemotherapie bewährt. Hier werden die tumorzerstörenden Medikamente direkt in den Bauchraum verabreicht (intra= innerhalb, peritoneal= in der Bauchhöhle). So sollen freischwimmende Tumorzellen in der Bauchhöhle und auf dem Bauchfell angesiedelte kleine Tumorknötchen erfasst werden. Die Zellgifte werden so gezielt und in konzentrierter Form an den Ort gebracht, an dem sie wirken sollen. Andere Organe werden hingegen weniger belastet. Gegen größere Tumoren lässt sich mit der intraperitonealen Chemotherapie allein allerdings oft wenig ausrichten.
Die Gabe der Medikamente in den Bauchraum erfolgt über einen Katheter oder einen dauerhaft unter die Haut gelegten Zugang, einen Port. Vorher wird die Aszitesflüssigkeit möglichst vollständig durch eine Parazentese entfernt. Für eine effiziente Wirkung muss sich das Chemotherapeutikum gleichmäßig in der gesamten Bauchhöhle verteilen, weshalb es in einem größeren Flüssigkeitsvolumen (ein halber bis ein Liter) verabreicht wird. Da Verwachsungen im Bauchraum, zum Beispiel nach vorangegangener Operation, eine gleichmäßige Zytostatikaverteilung behindern können, überwachen die Ärzte sie oft mittels bildgebender Verfahren, zum Beispiel Ultraschall. Wie lange die Mittel im Körper verbleiben müssen, hängt von dem jeweiligen Zytostatikum oder der Kombination verschiedener Substanzen ab; die Dauer variiert zwischen zwei und 24 Stunden. Wegen dieser Rahmenbedingungen ist für die intraperitoneale Chemotherapie oft ein kurzer Krankenhausaufenthalt erforderlich. Sie kann in besonders ausgestatteten Praxen aber auch ambulant durchgeführt werden. Meist ist es notwendig,  die Therapie alle drei bis vier Wochen zu wiederholen, um den Erfolg zu erhalten.

Im Vergleich zur systemischen Chemotherapie belastet die intraperitoneale Chemotherapie weniger den gesamten Körper. Allerdings ist bei dieser Chemotherapieform die Gefahr schwerer Infektionen erhöht,  da die Punktionskanüle direkt in die Bauchhöhle reicht statt in eine Ader. In hoher Konzentration können die Zytostatika außerdem eine schmerzhafte Bauchfellentzündung hervorrufen und zu einer Vernarbung des Gewebes führen, einer peritonealen Gewebsfibrose. Bei Auftreten von erheblichen Nebenwirkungen kann sich die Lebensqualität betroffener Patienten deutlich verschlechtern, so dass die Fortführung und Wiederholung der Therapie immer wieder anhand der aktuellen Situation überdacht werden muss. 

Shunt - dauerhafte Ableitung über eine Vene

Shunts
Damit der Eingriff zum Legen eines Shunts nicht zu belastend wird, müssen Patienten in stabiler und ausreichend guter Verfassung sein.

Ist die Aszitesbildung sehr ausgeprägt oder lässt sich durch Medikamente nicht beeinflussen, brauchen Patienten unter Umständen monatlich mehrere Parazentesen. Dann ziehen Ärzte auch das Einsetzen von so genannten "Shunts" in Betracht. Hier wird die Flüssigkeit nicht nach außen abgeleitet, sondern innerhalb des Körpers über eine Vene abtransportiert.
Je nach Ursache des malignen Aszites kommen dabei unterschiedliche Verfahren in Frage, die jedoch alle mit zum Teil erheblichen Risiken verbunden sind. Ärzte und Patienten müssen daher vor der operativen Implantation genau abwägen, ob die Belastungen durch den Aszites die Risiken einer Shunt-Implantation übersteigen. Bei der Entscheidung spielen daher die Lebensqualität des Patienten und die zu erwartende Überlebenszeit eine Rolle. Eine wesentliche Voraussetzung für diese Eingriffe ist außerdem ein stabiler akzeptabler gesundheitlicher Zustand des Patienten. 

Peritoneo-venöser Shunt (PVS)

Ein peritoneo-venöser Shunt (PVS) ist eine künstliche Verbindung zwischen der Bauchhöhle (Peritonealhöhle) und dem zentralen Venensystem. Dieses Verfahren eignet sich nicht für Patienten mit einem Leberkarzinom oder mit infiziertem Aszites. Das Einsetzen des PVS erfolgt über einen operativen Eingriff, weshalb ein mehrtätiger Krankenhausaufenthalt notwendig sein kann. Über einen PVS kann die Aszitesflüssigkeit aus der Bauchhöhle in den venösen Blutkreislauf fließen und so über die Nieren ausgeschieden werden. Ein Ventil sorgt dafür, dass das Wasser nicht zurück in den Bauchraum strömt. Auch wenn ein PVS die Symptome eines belastenden Aszites lindern und Patienten unter Umständen weitere Punktionen ersparen kann, birgt dieses Verfahren gleichwohl auch Risiken. Vorrangig kommt es daher nur bei Patienten zum Einsatz, deren Gesundheitszustand auf absehbare Zeit stabil bleiben wird: So verstopfen PVS häufig nach einer gewissen Zeit und verlieren ihre Funktionstüchtigkeit. Darüber hinaus sind Blutgerinnungsstörungen, Infektionen, Lungenödeme und Lungenembolien möglich. In sehr seltenen Fällen können sich Tumorzellen aus der Bauchhöhle über das Venensystem im gesamten Körper ausbreiten. Die Ausbreitung der Tumorzellen scheint sich jedoch nicht negativ auf die Überlebenszeit der betroffenen Patienten auszuwirken.

Transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS)

Ein sogenannter transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS) ist eine Verbindung zwischen gestauter Pfortader und ableitender Lebervene. Für Patienten mit Aszites aufgrund einer Leberschrumpfung oder Zirrhose stellt diese Shuntform eine gängige Therapie dar. Die Anwendung eines TIPS eignet sich bei Tumorpatienten dagegen, wenn überhaupt, nur bei Aszites aufgrund von erhöhtem Pfortaderdruck durch massiven Metastasenbefall der Leber oder ein Leberzellkarzinom. Grundvoraussetzung ist wie bei den anderen Shuntformen ein ausreichend guter Allgemeinzustand und ein Abwägen des Nutzens gegenüber den Risiken.

Patienten erhalten vor der Implantation eine lokale Betäubung und ein leichtes Beruhigungsmittel. Der TIPS wird dann über einen Katheter durch die obere Hohlvene und die rechten Herzkammern in die Lebervene eingeführt. Von dieser aus wird innerhalb der Leber mit einer Punktionsnadel eine Verbindung zur Pfortader gestochen. Entlang eines Führungsdrahtes wird dann diese Öffnung mit einem Ballon geweitet und ein sogenannter Stent eingeschoben, ein kleines Gittergerüst in Röhrchenform aus Metall oder Kunststoff. Der Stent soll den neu geschaffenen Abfluss offen halten. Zur Nachbeobachtung müssen Patienten nach der Implantation je nach Gesundheitszustand ungefähr eine Woche im Krankenhaus bleiben. Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen dienen dazu, die Funktion des TIPS zu überwachen.
Mit einem TIPS lässt sich die Ausschwemmung eines Aszites verbessern und so die Lebensqualität betroffener Patienten deutlich verbessern. Eine Verlängerung der Überlebenszeit von Patienten mit nicht therapierbarem Aszites lässt sich mit diesem Verfahren bisher allerdings nicht erreichen.
Auch ein TIPS ist mit möglichen Komplikationen verbunden. So ist beim Einsetzen eine Punktion der Pfortader notwendig, bei der in sehr seltenen Fällen Organe getroffen und verletzt werden können. Auch kann eine so genannte Enzephalopathie, eine Funktionsbeeinträchtigung des Gehirns, auftreten, die sich durch Störungen in Bewegungs-, Konzentrations- und Denkvermögen äußert. Dies ist darauf zurückzuführen, dass aufgrund des TIPS ein Großteil des Blutes nicht mehr durch die Leber fließt und dort  entgiftet wird und in der Folge giftige Stoffe in den Blutkreislauf gelangen können.

Immuntherapie in Praxis und Forschung

Verschiedene neue Ansätze zur Therapie eines malignen Aszites befinden sich derzeit im Fokus der Wissenschaft. Die meisten dieser Behandlungsoptionen werden momentan noch erforscht. Zugelassene Medikamente bilden (noch) die Ausnahme.

Zytokine: Botenstoffe des Immunsystems

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche immunmodulierende Wirkstoffe zur Behandlung eines malignen Aszites getestet worden. Das Prinzip hinter diesen Studienansätzen der Immuntherapie beruhte darauf, gegen die Tumorzellen gerichtete Zellen der Immunabwehr gezielt zu aktivieren. Die meisten dieser Stoffe mussten direkt in die Bauchhöhle verabreicht werden. Erste Untersuchungen erfolgten mit Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-alpha), Interferon-alpha und -beta und Interleukin-2 (IL-2). Die Ergebnisse mit Interferon-alpha und IL-2, die teilweise in Kombination mit Chemotherapie verabreicht wurden, waren bisher nicht sehr erfolgreich. TNF-alpha scheint zwar wirksam gegen Aszites zu sein, weist aber auch erhebliche Nebenwirkungen auf. Keiner dieser Stoffe ist als Medikament gegen Aszites zugelassen, keiner dieser Ansätze gilt als Standardtherapie. Einige werden selbst in Studien nicht mehr weiter verfolgt.

Antikörper

Ein weiterer Ansatz, um Tumorzellen in der Bauchhöhle zu zerstören, ist die Verwendung von Antikörpern. Das sind Eiweißmoleküle, die bestimmte Strukturen auf Zellen als so genannte Antigene erkennen und sich an ihnen festheften. Hoffnungen ruhen dabei auf Antikörpern mit mehreren "Erkennungsstellen". Sogenannte bifunktionelle (bi=zwei) Antikörper erkennen zwei unterschiedliche Antigene auf zwei verschiedenen Zellen und können auf diese Weise beide Zellen zusammenbringen; trifunktionale (tri=drei) Antikörper besitzen Bindungsstellen für drei unterschiedliche Zelltypen.

Der wichtigste Mechanismus sowohl bei bi- als auch bei trifunktionalen Antikörpern besteht in der Kopplung einer spezialisierten Zelle des Immunsystems und einer Tumorzelle. So kann eine gezielte Immunreaktion gegen die Tumorzelle ausgelöst werden. Bei trifunktionalen Antikörpern treffen Krebszellen sogar auf zwei unterschiedliche Zelltypen der Immunabwehr. Indem die trifunktionalen Antikörper die Krebszelle und die beiden Immunzellen gleichzeitig binden, soll eine verstärkt gegen den Tumor gerichtete Immunantwort erzeugt werden.

Seit April 2009 ist mit Catumaxomab ein trifunktionaler Antikörper zur Aszites-Behandlung europaweit zugelassen. Die Zulassung des als Removab® vertriebenen Medikaments gilt für Patienten, für die keine andere Standardtherapie zur Verfügung steht oder bei denen die bisherige Behandlung nicht mehr wirkt. Der trifunktionale Antikörper führt drei verschiedene Zelltypen zusammen. Dies sind Tumorzelle, T-Zelle und sogenannte akzessorische Zelle. Was passiert dabei im Detail?

Wegen der elementaren Rolle des EP-CAM-Antigens ist eine Behandlung mit Catumaxomab nur bei Betroffenen mit EP-CAM-postiven Tumoren möglich, das heißt, diese Zucker-Protein-Verbindung muss auf der Oberfläche der Krebszellen vorhanden sein. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bietet einen Beurteilungsbericht im PDF-Format: www.ema.europa.eu/docs/de_DE/document_library/EPAR_-_Product_Information/human/000972/WC500051809.pdf.

Radio-Immuntherapie

Einen weiteren neuen Ansatz in der Therapie des malignen Aszites stellen monoklonale Antikörper dar, die gezielt typische Oberflächenstrukturen von Krebszellen erkennen und an diese binden können. Durch die Kopplung an eine radioaktive Substanz führt die Bindung gleichzeitig zum Tod der Krebszelle durch radioaktive Strahlung. Die Strahlen verschonen dabei aufgrund der geringen Reichweite weitestgehend die umliegenden gesunden Zellen. In ersten klinischen Studien wurden die Antikörper direkt in die Bauchhöhle verabreicht, wodurch die belastenden Symptome vorübergehend gelindert werden konnten.

Weitere neue Ansätze

Der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor (VEGF, engl.: Vascular Endothelial Growth Factor) ist ein Protein, dass die Neubildung von Blutgefäßen anregt. Tumorzellen produzieren dieses Protein häufig, um ihre eigene Nahrungsversorgung durch neu gebildete Kapillaren (feinste Blutgefäße) sicherzustellen. So lässt sich VEGF auch in deutlich erhöhter Menge in der Aszitesflüssigkeit, zum Beispiel bei Peritonealkarzinose, nachweisen. VEGF fördert zudem die Bildung von Aszites, indem es die Blutgefäße erweitert. Ob die bisher verfügbaren Medikamente, die VEGF hemmen, auch bei Aszites helfen, steht noch nicht fest. Ziel könnte es sein, mithilfe dieser Wirkstoffe sowohl die Aszitesmenge als auch die Anzahl an Tumorzellen zu verringern. Noch werden entsprechende Wirkstoffe gegen Aszites in klinischen Studien geprüft, in der Standardbehandlung haben sie noch keinen Stellenwert. 

Matrix Metalloproteinase Inhibitoren

Matrix Metalloproteinasen (MMP) gehören zu einer Enzymfamilie, die bei der Metastasierung von Tumorzellen eine wichtige Rolle haben und in manchen Tumoren vermehrt nachweisbar sind. In Laboruntersuchungen konnte durch gezielte Hemmung dieser Enzyme verhindert werden, dass Krebszellen in umliegende Gewebe und Organe eindringen und Metastasen bilden. MMP-Hemmer, die an Patienten mit malignem Aszites im Rahmen erster klinischer Studien erprobt wurden, führten bei einigen Probanden zu einem geringeren Körperumfang und reduziertem Gewicht. Aufgrund des verminderten Aszites waren zudem weniger Parazentesen notwendig. Zukünftige Studien mit größeren Patientenzahlen sollen zeigen, ob sich diese Wirkstoffe zur Behandlung eines malignen Aszites zum Beispiel in Kombination mit anderen Therapiemaßnahmen eignen. Noch sind die Mittel daher nicht in der Praxis verfügbar.

Aszites und Alltag: Ernährung, Pflege, Lebensqualität

Inhaltsübersicht Aszites

Krebspatienten und ihre Angehörigen haben oft das Bedürfnis, neben der ärztlichen Versorgung selbst etwas gegen die Erkrankung oder die belastende Symptome zu unternehmen. Da bis heute keine ausreichenden Maßnahmen existieren, um Aszites auf Dauer zu heilen, sind auch die Möglichkeiten Betroffener entsprechend eingeschränkt. Nichtsdestoweniger können die durch Aszites hervorgerufenen Beschwerden gelindert und so die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert werden. Je nachdem, in welchem Ausmaß Aszites auftritt und welche Nebenwirkungen die entsprechenden Therapien  hervorrufen, können Patienten oder ihre Angehörigen auch in die Behandlung und die Pflege miteinbezogen werden.

Für viele Behandlungsverfahren in der Krebstherapie ist heute kein stationärer Aufenthalt in einem Krankenhaus mehr erforderlich. Auch Patienten mit fortgeschrittenen Erkrankungen müssen nicht immer in die Klinik, um Beschwerden zu lindern. So gibt es für einige krankheits- oder auch therapiebedingte Beschwerden durch Aszites Pflegemaßnahmen, die zu Hause vom Patienten selbst oder dessen Angehörigen durchführbar sind. Einen allgemeinen Überblick über die Möglichkeiten der häuslichen Pflege bietet der Text "Pflegetipps – Häusliche Krankenpflege für Krebspatienten".

Ist die Bauchhaut aufgrund eines ausgeprägten Aszites gespannt, kann eine intensive Hautpflege etwa mit einer fettreichen Creme das Spannungsgefühl vermindern.
Bei Mundtrockenheit infolge einer Diurese kann zum Beispiel das Lutschen von gefrorenen Obst- und Joghurtstückchen Abhilfe verschaffen.
Sind wiederholte Aszitespunktionen notwendig, können Patienten und Angehörige unter Umständen angelernt werden, über einen dauerhaften Katheter die Bauchflüssigkeit selbstständig abzuleiten. Die Patienten müssten dann nur noch zum Wechsel der Punktionsnadel in die Klinik. Generell ist bei einem dauerhaften Katheter darauf zu achten, dass die Punktionsstelle steril bleibt, um möglichen Infektionen vorzubeugen.

Ernährung

Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten
Es hilft nicht gegen die Wasseransammlung, weniger zu trinken.

Da die Ursachen eines Aszites vielfältig sein können, gibt es keine allgemeinen  Ratschläge, wie sich Patienten ernähren sollten, um der Flüssigkeitsansammlung entgegenzuwirken und einen körperlichen Abbau durch Eiweiß- und Flüssigkeitsverlust zu verhindern. Die Absprache mit dem Arzt und die individuelle Beratung sind auf jeden Fall notwendig. Da Aszites in der Regel Anzeichen einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung ist, müssen Ernährungsmaßnahmen auch unter diesem Aspekt geplant werden. Viele Patienten leiden aufgrund des Druckes im Bauchraum zudem unter Appetitlosigkeit und einem ständigem Sättigungsgefühl, was ihnen die normale Nahrungsaufnahme oft erschwert. Eine Zusammenstellung möglicher Vorgehensweisen bietet der Krebsinformationsdienst im Text "Ernährung für Krebspatienten".

Krankheitsverarbeitung, Unterstützung, Pflege

Schon die Diagnose Krebs ist für viele Menschen zunächst ein Schock. Plötzlich ist alles bisher Selbstverständliche in Frage gestellt, nicht selten fühlen sich Betroffene existentiell bedroht.  Im Verlauf der Erkrankung und der medizinischen Behandlung sehen sich Patienten immer wieder neuen Veränderungen ausgesetzt, die auch psychisch verarbeitet werden müssen. Belastende und sichtbare Symptome wie Aszites, die das Zeichen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung sein können, erschweren es häufig zusätzlich, sich mit der Situation auseinanderzusetzen. Wie Krebspatienten mit Belastungen umgehen können und so ihre Lebensqualität erhalten oder gar verbessern können, hat der Krebsinformationsdienst in dem Beitrag "Krankheitsverarbeitung" zusammengestellt.

Viele Tumorpatienten kommen häufig mit den Veränderungen, die sich durch die Erkrankung in ihrem Leben einstellen, auf lange Sicht auch ohne fremde Hilfe zurecht. Andere dagegen fühlen sich mit der Situation völlig überfordert. Für Patienten, die sich Unterstützung im Umgang mit ihrer Krankheitssituation wünschen, hat der Krebsinformationsdienst den gesonderten Text "Psychologische Hilfen – belastende Situationen leichter bewältigen" zusammen gestellt.

Auch für Angehörige kann die Tumorerkrankung eines engen Verwandten oder Freundes sehr belastend sein, vor allem dann, wenn sie bei der konkreten Pflege eines Patienten mit Aszites gefordert sind. Unter dem Titel "Angehörige und Freunde – Helfen und helfen lassen" finden Angehörige Hilfestellungen im Umgang mit nahe stehenden Krebspatienten.
Aszites tritt am häufigsten in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien auf. Geht es einem Krebspatienten sehr schlecht, gelingt die Versorgung oft nur mithilfe von Angehörigen, aber auch professionellen Pflegediensten oder anderen Angeboten der Unterstützung. Wie die häusliche Pflege Kranker organisiert werden kann, darüber informiert der Krebsinformationsdienst in zwei Texten:

- "Krankenpflege zu Hause - Ansprechpartner"  
- Informationsblatt "Versorgung in der letzten Lebensphase" (PDF)

Häufige Fachbegriffe zum Thema maligner Aszites




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Seite drucken   Zuletzt aktualisiert: 09.11.2007