Ernährung für Krebspatienten: Welche Tumorarten führen zu Ernährungsproblemen?
Ernährungsbedingte Probleme lassen sich oft erst richtig einschätzen, wenn man die Hintergrundsituation des Patienten berücksichtigt – Übelkeit Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Müdigkeit oder gar Mangelversorgung sind weder typisch für eine bestimmte Tumorerkrankung noch müssen sie zwangsläufig bei allen Betroffenen auftreten!
Der folgende Text bietet einen Überblick über die Ernährungssituation bei häufigen Tumorerkrankungen. Genutzte Quellen sind nach Möglichkeit direkt im Text verlinkt. Eine Auflistung weiterer Quellen und Linktipps findet sich zudem im Text "Links und Adressen".
Letzte Aktualisierung: 20.12.2009
Inhaltsübersicht
So werden Ernährungsprobleme abgeklärt
Welche Faktoren Gewichtsverlust oder andere Ernährungsprobleme verursachen,
sollten Krebspatienten und ihre Angehörigen immer im Gespräch mit den
behandelnden Ärzten klären. Die Frage, ob ein Problem tatsächlich von der
Krebserkrankung herrührt und nicht etwa durch andere Ursachen bedingt ist, kann
nur individuell beantwortet werden. Wichtig ist die Unterscheidung:
- Der Tumor ist selbst der Auslöser: Welche Krebsformen überhaupt Ernährungsprobleme verursachen können und wie diese aussehen, lesen Sie in diesem Text.
- Die Behandlung bedingt Ernährungsprobleme: Mehr dazu im Text "Wie wirkt sich die Krebstherapie aus?".
- Es liegt ein gravierendes Problem vor, das nach Beendigung der Behandlung voraussichtlich weiter bestehen bleiben wird. Welche Möglichkeiten der Unterstützung es dann gibt, lesen Sie im Text "Was tun bei Gewichtsverlust und Mangelernährung?".
Auch das Krankheitsstadium und der Allgemeinzustand sowie eventuell vorhandene Vorerkrankungen des Patienten müssen mit einbezogen werden. Betroffene mit einer fortgeschrittenen Erkrankung haben oft andere Bedürfnisse als Patienten, deren Tumor erfolgreich behandelt werden konnte.
Brustkrebs
Brustkrebs gehört zu den Tumorarten, die nach bisherigem Wissensstand den Energiestoffwechsel meist wenig verändern. Viele Brustkrebspatientinnen bemerken daher keinen Einfluss der Erkrankung auf ihr Gewicht. Appetitlosigkeit oder Übelkeit treten meist nur während der Behandlung auf, zum Beispiel bei einer Chemotherapie.
Eine besondere Ernährungsform benötigen die wenigsten betroffenen Frauen: Sie können sich an den Empfehlungen orientieren, die auch für Gesunde gelten: Ihre Ernährung sollte ausgewogen sein, Energiezufuhr und Energieverbrauch sollten sich die Waage halten. Für Frauen, bei denen die Behandlung oder schon vorhandene Risikofaktoren die Knochengesundheit beeinträchtigen, ist eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig: Sie trägt dazu bei, einer sogenannten Osteoporose vorzubeugen. Bei Bedarf können die behandelnden Ärzte eine Ernährungsberatung vermitteln.
Viele Brustkrebspatientinnen sind noch ein Jahr und länger nach der ersten Behandlung oft sehr erschöpft. Trotz dieses Problems, auch als Fatigue bezeichnet, ist bei ihnen nicht Mangelernährung, sondern eher Übergewicht ein Problem: Dies belegt eine Studie von 2006, an der das Deutsche Krebsforschungszentrum und das Krebsregister des Saarlands beteiligt waren (hier eine Pressemitteilung des Krebsforschungszentrums unter www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2006/
dkfz_pm_06_92.php).
Bei fortgeschrittenen Erkrankungsstadien, beim Auftreten von Metastasen oder deutlichen Schmerzen müssen Nährstoffversorgung und Körpergewicht dagegen überwacht und gegebenenfalls unterstützt werden. Gleiches gilt bei betagten Patientinnen, die häufig bereits vor der Erkrankung nicht ausreichend ernährt waren. Eine Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen kann die Gesundheit gefährden und auch eine Behandlung erschweren.
Abnehmen, um Rückfällen vorzubeugen?
Unter einer Antihormontherapie kommt es bei vielen Brustkrebspatientinnen zu einer Gewichtszunahme. Die Kombination von Übergewicht, hohen Cholesterinwerten, hohem Blutzucker und Bluthochdruck, auch als metabolisches Syndrom bezeichnet, scheint aber nicht nur Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem zu haben. Einer ganzen Reihe von Publikationen zufolge, die seit etwa 2005 veröffentlicht wurden, haben Brustkrebspatientinnen mit Übergewicht und Anzeichen dieses metabolischen Syndroms möglicherweise auch ein erhöhtes Rückfallrisiko. Ob sich durch Abnehmen – das zusammen mit Bewegung bei den meisten Menschen wirksamste Mittel gegen das Syndrom – auch das Risiko einer erneuten Brustkrebserkrankung senken lässt, lässt sich derzeit noch nicht abschließend sagen.
Übergewicht hat jedoch auch unmittelbare Folgen, so die aktuelle Leitlinie zur Brustkrebstherapie: Ein hohes Körpergewicht beeinflusst die Möglichkeiten der Brustoperation, und eine sogenannte Adipositas, also ein deutlich zu hohes Gewicht, steigert das Risiko von Nebenwirkungen auf das Herz bei bestimmten Chemotherapien.
Phytoöstrogene in Lebensmitteln?
Viele Brustkrebspatientinnen wissen, dass ihr Tumor abhängig von Hormonen wächst. Seit einiger Zeit sind daher auch die so genannten Phytoöstrogene in die Diskussion geraten. Diese Bezeichnung steht für eine große Gruppe natürlicher hormonähnlicher Stoffe, die in Pflanzen und damit auch in vielen Lebensmitteln wie zum Beispiel Sojaprodukten vorkommen.
Haben Phytoöstrogene positive oder negative Auswirkungen auf einen hormonabhängigen Brustkrebs? Immer wieder wird beispielsweise behauptet, der Verzehr von Sojaprodukten stehe mit der geringeren Brustkrebsrate von asiatischen Frauen in direkter Verbindung; viele Anbieter werben für angeblich schützende Nahrungsergänzungsmittel mit Soja oder anderen Inhaltsstoffen mit hormonähnlicher Wirkung. Zweifelsfrei bewiesen ist der Zusammenhang zwischen Brustkrebsrisiko und den asiatischen Sojaprodukten jedoch nicht. Auch die Rolle von Phytohormonen in der Linderung von Wechseljahresbeschwerden ist nicht allgemein anerkannt, immer mehr Experten bezweifeln einen Nutzen und sehen sogar ein Risiko.
Im September 2006 veröffentlichten Wissenschaftler in der Zeitschrift des amerikanischen Krebsforschungszentrums diese Aussage als Ergebnis eines Workshops (Journal of the National Cancer Institute, 20.9.2006, Seite 1275 bis 1284). Sie betonten, dass derzeit weder die tierexperimentellen Daten noch die Daten aus klinischen Studien mit Brustkrebspatientinnen ausreichen, um Nutzen oder Risiko beurteilen zu können. Es sei dringend notwendig, mögliche Risiken in Zukunft besser abzuklären.
Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt zwar nicht vor sojahaltigen Lebensmitteln, auf jeden Fall aber vor Nahrungsergänzungsmitteln, die viele Phytoöstrogene enthalten. 2007 wies das BfR darauf hin, dass solche Nahrungsergänzungsmittel wegen der fehlenden Daten zur Sicherheit dieser Inhaltsstoffe nicht einmal für gesunde Frauen empfehlenswert sind: Da Frauen in und nach der Menopause ohnehin ein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufwiesen, sei, so das BfR, "die längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Isoflavonen für diese Verbrauchergruppe nicht ohne Risiko" (www.bfr.bund.de/cm/208/
isolierte_isoflavone_sind_nicht_ohne_risiko.pdf).
Mehr zum Thema Phytohormone hat der Krebsinformationsdienst in dem Text "Risiko Brustkrebs"aufgelistet; weitere Informationen für Brustkrebsbetroffene finden sich unter "Wechseljahre nach Brustkrebs". Warum die meisten Produkte mit Phytohormonen gar keine geprüften Arzneimittel sind, ist beim Thema "Nahrungsergänzungsmittel" erläutert.
Dick- und Enddarmkrebs
Viele Patienten mit Dick- oder Enddarmkrebs verlieren durch Verringerung der Nahrungsaufnahme rund um eine Operation, eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung mehr oder weniger stark an Gewicht. Wird Darmkrebs durch die Therapie in Schach gehalten, normalisiert sich das Gewicht bei den meisten Patienten von alleine wieder.
Anders sieht es aus, wenn die Erkrankung nur zeitweise kontrolliert werden kann, über längere Zeit etwa eine Chemotherapie notwendig ist oder Metastasen festgestellt werden. Dann brauchen Betroffene eine auf die besonderen Bedürfnisse ihrer Situation ausgerichtete Ernährung. Sie soll den Darm und andere an der Verdauung beteiligte Organe wenig belasten, ihnen aber ausreichend Kalorien zuführen, um einen weiteren Gewichtsverlust möglichst in Grenzen zu halten.
Mehr zu diesem Thema hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.
Folgen der Behandlung
In der ersten Zeit nach Operationen reagiert der Darm meist sehr "ungnädig" auf schwer verdauliche, blähende Speisen oder auch schlicht auf zuviel Nahrung in zu kurzer Zeit. Bis sich der Darm wieder an die Nahrungsaufnahne gewöhnt hat, ist es sinnvoll, bei der Speisenauswahl eher Vorsicht walten zu lassen und nur langsam wieder mit einem normalen Kostaufbau zu beginnen.
Besonders mit Ballaststoffen sollten Erkrankte zunächst vorsichtig sein und ihren Darm nur langsam wieder an Vollkornprodukte, rohes Gemüse und Ähnliches gewöhnen.
Ein guter Einstieg in eine angepasste Ernährungsform kann während einer Rehabilitationsmaßnahme nach Abschluss der ersten Behandlung geschehen, mehr dazu hier. Alltagstaugliche Tipps gibt es von den Selbsthilfegruppen, insbesondere von der Deutschen ILCO unter www.ilco.de. Solange sich ehemalige Darmkrebspatienten ausgewogen und ihrem tatsächlichen Energiebedarf entsprechend ernähren, müssen sie langfristig aber meist keine besonderen Regeln beachten.
Selbst für Patienten, die dauerhaft, mit einem Stoma, einem künstlichen Darmausgang leben müssen, gibt es keine ausdrückliche "Stoma-Diät". Darauf weist zum Beispiel auch die ILCO hin.
Dauerhafte Einschränkungen durch verkürzten Darm?
Patienten mit Kolon- und Rektumkarzinomen müssen nicht automatisch eine Mangelversorgung befürchten, selbst wenn der Darm bei der Operation stark verkürzt werden musste oder durch eine Bestrahlung dauerhaft seine vollständige Funktion nicht wiedererlangt: Im Dickdarm findet kaum Nährstoffaufnahme statt, dies geschieht im Dünndarm. In den bei Dick- oder Enddarmkrebs betroffenen Abschnitten wird der Stuhl lediglich eingedickt.
Bei verkürztem Dickdarm kommt es wegen des beschleunigten Transports und des zu hohen Wasseranteils im Stuhl aber zumindest anfangs häufig zu Durchfall. Dieser lässt sich mit Hausmitteln wie etwa geriebenen Äpfeln, Schokolade, harten Eiern oder anderen als "stopfend" geltenen Lebensmitteln zunächst kaum beheben. Da deshalb Austrocknung und starker Salzverlust auftreten können, ist ausreichendes Trinken und eine Kontrolle des Elektrolythaushaltes notwendig. Einfach nur mehr Ballaststoffe zu essen, um den Stuhl zu verfestigen, nützt hier wenig bis gar nichts, sie quellen auf und können den Durchfall sogar verstärken.
Betroffene Patienten benötigen nicht selten eine Fachbetreuung, durch einen Ernärungsberater. Meist lässt sich das Problem nach einiger Zeit mit einer angepassten Ernährung lindern. Bei besonders hartnäckigen Fällen kann eventuell der Haus- oder Facharzt vorübergehend Medikamente verschreiben die den Stuhl eindicken und die aus dem Dünndarm übertretenden Gallensäuren binden. Ob Mittel helfen, die die Darmbeweglichkeit einschränken, muss individuell geprüft werden.
Bewegung hilft - Gewichtskontrolle auch?
Zwar gilt Übergewicht als einer der Risikofaktoren für Dickdarmkrebs, so die Regel Zwei des Europäischen Kodex gegen den Krebs (Fassung 2003). Doch wie sich das Gewicht n a c h der Behandlung auf die Prognose von Krebspatienten auswirkt, kann derzeit noch nicht beurteilt werden.
Mehrere neuere Studien weisen dagegen auf die Rolle von Bewegung und Sport hin: Es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der körperlichen Aktivität und dem Rückfallrisiko. Forscher hatten Patienten mit Darmkrebs nach ihren Bewegungsgewohnheiten befragt und über mehrere Jahre nachbeobachtet. Studienteilnehmer, die sich trotz ihrer Erkrankung viel bewegten und diese Gewohnheit beibehielten, zeigten ein deutlich niedrigeres Rückfallrisiko, selbst wenn sie vor der Diagnose unsportlich gewesen waren.
Ob die Ergebnisse dieser Studien allerdings auf alle Gruppen von Darmkrebspatienten übertragbar sind, lässt sich zur Zeit noch nicht abschätzen.
Stoma und Gewicht
Für Patienten mit einem künstlichen Darmausgang ist es sinnvoll Übergewicht zu vermeiden: Das so genannte Stoma ist eine Öffnung, die auch durch die Muskulatur der Bauchdecke hindurchreicht. Die Haltefunktion dieser Muskeln ist dadurch beeinträchtigt. Drückt viel Gewicht auf das Stoma, kann es leichter zu einem Bauchwandbruch kommen, wie er sonst eher in der Leiste auftritt, oder der Darm wölbt sich durch das Stoma hindurch nach außen vor. Auch lässt sich die Stomaversorgung leichter befestigen, wenn die Bauchdecke flach ist.
Fortgeschrittene Erkrankung
Bei Patienten mit Lebermetastasen oder Absiedelungen des Tumors in den Bauchraum außerhalb des Darms können Probleme sowohl als Nebenwirkung einer Chemotherapie entstehen wie auch als Folge der Erkrankung selbst.
- Nimmt ein Patient ungewollt ab, kann dies den Allgemeinzustand beeinträchtigen oder sogar die Möglichkeiten der Behandlung einschränken. Wie sich das Körpergewicht von Patienten mit Metastasen entwickelt, ist deshalb ein wichtiger Faktor, um den Zeitpunkt für eine angepasste Ernährungsunterstützung zu erkennen.
- Plötzlich auftretende ausgeprägte Schmerzen oder Bauchkrämpfe können darauf hindeuten, dass die Erkrankung die Darmbewegung beeinträchtigt. Auch eine nicht ernährungsbedingte oder sehr hartnäckige Verstopfung ist ein Alarmzeichen, dass etwas mit dem Stuhltransport nicht stimmt oder gar ein Darmverschluss droht, und muss mit dem Arzt besprochen werden.
- Ist die Leber in ihrer Funktion reduziert oder bildet sich Flüssigkeit im Bauchraum (Aszites), sollte der betreuende Arzt nach individuellen Ratschlägen zur Ernährung befragt werden.
Prostatakrebs
Prostatakrebs wirkt sich in der Regel nicht auf die Ernährungssituation und das Körpergewicht betroffener Patienten aus. Kurzzeitige Einschränkungen sind aber rund um eine Operation oder gegebenenfalls eine Bestrahlung möglich.
Was sollten Patienten essen? Eine normale, ausgewogene Auswahl von Lebensmitteln, die dem individuellen Allgemeinzustand und der körperlichen Aktivität angemessen ist, reicht völlig aus. Zusätzliche Maßnahmen sind nicht notwendig. Anders sieht dies aus, wenn eine Prostatakrebserkrankung fortgeschritten ist und zum Beispiel Schmerzen durch Knochenmetastasen auftreten. Schmerzen sind für Betroffene oft so belastend, dass regelmäßiges Essen oder ausreichendes Trinken in den Hintergrund treten. Hier ist die Behandlung der Schmerzen auch deshalb wichtig, um eine ungewollte Gewichtsabnahme und Mangelernährung zu vermeiden.
Selen, Soja und Phytoöstrogene sinnvoll?
Ob eine gesunde Ernährung zur Vorbeugung beitragen kann, ist auch in der Forschung zum Prostatakarzinom ein großes Thema, bisher allerdings mit sehr wenig Erfolg. Auch für bereits Erkrankte haben die Experten zurzeit keine Ratschläge parat:
Zwar werden Nahrungsergänzungsmittel mit Selen oder Soja sowie andere Wirkstoffe wie zum Beispiel das aus Tomaten isolierte Lycopen viel beworben und mit vollmundigen Versprechungen angepriesen. Dass sie tatsächlich vor Rückfällen schützen, ist durch die bisherige Datenlage jedoch keineswegs bewiesen. Ob die hormonähnliche Wirkung mancher pflanzlicher Stoffe schützt, gar keine Wirkung hat oder sogar riskant ist, weiß man noch nicht.
- Das Nationale Krebsforschungsinstitut der USA weist darauf hin, dass diese Substanzen weder in der Vorbeugung noch bei Erkrankten ihren Nutzen tatsächlich beweisen konnten (in englischer Sprache unter www.cancer.gov/cancertopics/pdq/prevention/prostate/
healthprofessional#Section_101 und www.cancer.gov/cancertopics/eatinghints/page3#C17). - Warum Nahrungsergänzungsmittel echte Arzneimittel nicht ersetzen können, hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.
Ernährung und Bewegung
Wie für Brustkrebs und Darmkrebs gibt es auch für Prostatakrebs inzwischen erste Hinweise, dass die Energiebilanz eine Rolle spielen könnte: Dabei geht es darum, wie viel Energie ein Patient über die Nahrung aufnimmt, und wie viel er über Bewegung und Aktivität wieder verbraucht. Erste Studien deuten an, dass körperlich aktive Prostatakrebspatienten eventuell eine bessere Prognose haben als Betroffene, die sich wenig bewegen und keinen Sport treiben. Warum nicht nur die Ernährung, sondern auch körperliche Aktivität für Patienten wichtig ist, erläutert der Text "Sport und Bewegung".
Lungenkrebs
Lungenkrebs verursacht oft keine besonders typischen Beschwerden. Im Nachhinein wird allerdings vielen Patienten klar, dass sie schon längere Zeit vor der Diagnose an Gewicht verloren hatten. Insbesondere die starken Raucher unter den Betroffenen sind seltener als Nichtraucher normal- oder gar übergewichtig, so dass sie bei einer Lungenkrebserkrankung kaum "von der Substanz" zehren können. Ein besonderes Problem von Lungenkrebspatienten ist zudem Appetitlosigkeit. Untergewicht kann ein Hindernis für eine Operation, eine Chemotherapie oder Bestrahlung darstellen. Ab wann eine Nahrungsunterstützung sinnvoll ist und wie sie aussehen kann, hat der Krebsinformationsdienst im Kapitel "Gewichtsverlust und Mangelernährung" zusammengestellt.
- Eine besondere Krebsdiät, bei der nur bestimmte Lebensmittel erlaubt und andere verboten sind, gibt es für Lungenkrebspatienten nicht. Sie sind im Gegenteil auf eine ausgewogene, vielfältige und nährstoffreiche Ernährung angewiesen.
- Vermeintliche oder echte Mängel einfach nur mit Tabletten oder Nahrungsergänzungsmitteln auszugleichen, ist keine Lösung.
Magenkrebs
Für die meisten Magenkrebspatienten bleibt auch nach einer erfolgreichen Operation die Ernährung ein Dauerthema. Durch die Erkrankung selbst wie auch durch die verschiedenen Therapieverfahren haben fast alle Betroffenen viel Gewicht verloren. Das ursprüngliche Gewicht erreichen die wenigsten wieder.
Da die Situation von Magenkrebspatienten kaum mit der anderer Tumorkranker vergleichbar ist, hat der Krebsinformationsdienst einen eigenen Text "Gewicht und Ernährung nach Magenkrebs" zusammengestellt.
Weitere Krebsarten
Auch weniger häufige Tumorformen können Auswirkungen auf das Gewicht haben oder eine unterstützte Ernährung notwendig machen. Neben den behandelnden Ärzten und Ernährungsberatern sind oft die Selbsthilfegruppen eine wertvolle Quelle für Ernährungsinformationen.
- Eine Liste mit Links zu wichtigen Dachverbänden hat der Krebsinformationsdienst hier zusammengestellt.
- Broschüren zum Thema Ernährung bei Krebs finden Sie in unserer Broschürenliste, weitere kann der Krebsinformationsdienst am Telefon nennen.
- Individuelle Fragen beantwortet der Krebsinformationsdienst am Telefon: Unter 0800 – 420 30 40 können Sie Ansprechpartner erfahren oder weitere Literaturtipps erhalten. Der Krebsinformationsdienst ist täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr erreichbar; Anrufe sind kostenlos.
Fortgeschrittene Tumorerkrankungen
Viele Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung schaffen es mit der
gewohnten Ernährung nur schwer, ihr Gewicht einigermaßen stabil zu halten oder
Mangelzustände zu vermeiden.
- Geht es einem Patienten schlecht, sollte er nicht mit gut gemeinten Ratschlägen zum Essen gedrängt oder gar gezwungen werden, wenn er selbst nicht möchte.
- Auch die verschiedenen Formen unterstützender Ernährung, Sonden zur künstlichen Versorgung mit Nährstoffen oder chirurgische Eingriffe zum Offenhalten der Nahrungspassage bei Metastasen sollten nie gegen den Willen eines Betroffenen angeordnet werden.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM, www.dgem.de) empfiehlt zwar, den Ernährungsstatus von Krebspatienten häufiger zu überprüfen. Allerdings sollten nur die Möglichkeiten einer Unterstützung in Erwägung gezogen werden, so die DGEM, mit denen betroffene Patienten sich selbst auch einverstanden erklären können.