Deutsches Krebsforschungszentrum - Krebsinformationsdienst


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Aktuelles

07.01.2010

Aktuelles Thema

Bisphosphonate in der Krebstherapie:
Auf Zähne, Zahnfleisch und Kiefer achten

Viele Krebspatienten erhalten im Rahmen ihrer Therapie sogenannte Bisphosphonate. Diese Medikamente greifen in den Knochenstoffwechsel ein und werden vor allem zur Behandlung von Knochenmetastasen eingesetzt. Sie können außerdem helfen, Knochenschäden, eine sogenannte Osteoporose, zu mindern. Dieses Krankheitsbild kann bei Krebspatienten aufgrund einer Antihormontherapie auftreten. Ob Bisphosphonate vielleicht sogar dazu beitragen, die Bildung von Knochenmetastasen zu verhüten, wird derzeit erforscht.

Doch Bisphosphonate können auch Nebenwirkungen haben. Dazu gehören unter anderem Veränderungen des Kiefers, die den Halt von Zähnen bedrohen und im schlimmsten Fall zu einer sogenannten Nekrose des Kieferknochens führen können. Als Nekrose wird das Absterben von Gewebe bezeichnet. Worauf Krebspatienten achten müssen, die mit Bisphosphonaten behandelt werden, zeigt der Krebsinformationsdienst anhand einer aktuellen Anfrage auf.

"Vor einigen Monaten wurde bei mir Prostatakrebs festgestellt, mit Metastasen in verschiedenen Knochen. Den Umständen entsprechend geht es mir eigentlich gut. Allerdings steht bei mir schon seit Längerem eine Zahnbehandlung an, die ich wegen der Krebsdiagnose aufgeschoben hatte. Mein Zahnarzt hat Bedenken, da ich zur Behandlung der Knochenmetastasen auch Bisphosphonate bekomme. Er befürchtet als Nebenwirkung Probleme mit dem Kieferknochen und würde mich gerne in die Universitäts-Zahnklinik überweisen. Sollte ich auf die Zahnbehandlung ganz verzichten? Oder wäre es möglich, die Bisphosphonate vorübergehend abzusetzen?"

Vielen Dank für Ihre Anfrage an den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Sie berichten von Ihrer Prostatakrebserkrankung und von den Bedenken, die Ihr Zahnarzt wegen einer anstehen Zahnbehandlung hat, da Sie derzeit mit Bisphosphonaten therapiert werden. Gerne vermitteln wir Ihnen Hintergrundinformationen zum Thema. Wir bitten Sie jedoch um Verständnis dafür, dass Auskünfte aus dem Internet die persönliche Beratung durch Ihre Ärzte nicht ersetzen können. 

Schädigungen des Ober- oder Unterkieferknochens während einer Behandlung mit Bisphosphonaten gelten als seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung dieser Medikamente. Erstmals wurde im Jahr 2003 über einen möglichen Zusammenhang berichtet. Seitdem haben sich Fachleute mit dem Thema beschäftigt. Anhand der bislang aufgetretenen Fälle konnten sie zeigen, dass bei der Mehrzahl der Patienten Zahnbehandlungen den Knochenschädigungen vorangegangen waren.

In einer Stellungnahme empfiehlt deshalb die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), notwendige Eingriffe nur mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen vornehmen zu lassen: Dazu gehört beispielsweise die Behandlung nur durch Zahnmediziner, die mit dem Krankheitsbild Osteonekrose vertraut sind.

Zahnbehandlung: Aufschieben oder durchführen?

Sie berichten, dass bei Ihnen eine Zahnbehandlung ansteht. Ob dabei für Sie ein großes Risiko besteht, hängt nicht nur von der Art des Medikaments, mit dem Sie behandelt werden, ab. Wichtig ist auch, ob ein größerer Eingriff geplant ist oder nur eine sogenannte konservative Behandlung ansteht. Als konservativ bezeichnet man beispielsweise das Legen oder den Austausch einer Zahnfüllung ("Plombe"). Eine solche Behandlung ist nach Ansicht von Experten auch unter Bisphosphonaten ohne Risiko. Um welche Art von Eingriff es sich bei Ihnen handelt, sollten Sie im Zweifelsfall mit Ihrem Zahnarzt noch einmal abklären.

Da er Sie aber an eine Universitäts-Zahnklinik überweisen möchte, steht bei Ihnen eventuell eine umfangreichere Behandlung an, wie sie in der oben genannten Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) aufgeführt wird: Ist eine größere Zahnbehandlung mit Operation unvermeidbar, sollte diese nicht verzögert werden, so die DGZMK. Um das Risiko gering zu halten, ist nach Ansicht der Fachgesellschaft die Beteiligung von Spezialisten erforderlich. Das kann ein Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg, ein Oralchirurg, aber auch ein mit der Behandlung von Patienten unter Bisphosphonat-Medikation vertrauter Zahnarzt sein.

Um die Ausbreitung von Krankheitserregern zu bekämpfen, empfehlen die Fachleute zudem, Antibiotika zum Einnehmen einzusetzen. Da Verletzungen unter Umständen schlecht verheilen, müssen Wunden künstlich verschlossen werden. Dafür können Teile der Mundschleimhaut sowie Platten aus Kunststoff eingesetzt werden. Nach dem Eingriff sollte auf eine gute Mundhygiene Wert gelegt werden, konkrete Hinweise liefern die beteiligten Zahnspezialisten. Auch die regelmäßige engmaschige Nachkontrolle mindestens alle drei Monate bleibt wichtig, so die Empfehlung der Fachgesellschaft.

Bisphosphonate absetzen?

Es gibt wenige Daten darüber, ob man durch Unterbrechung der Bisphosphonat-Therapie vor zahnärztlichen Eingriffen das Risiko senken kann, auch die notwendige Dauer des Absetzens ist nicht eindeutig geklärt. Das Vorgehen kann daher nur individuell von den behandelnden Ärzten (also Zahnmediziner und Onkologe) unter Abwägung aller Vorteile und Risiken entschieden werden. Bitten Sie den Arzt, der bei Ihnen die Krebsbehandlung koordiniert, um die Einschätzung, ob bei Ihnen die Medikamente zeitweilig abgesetzt werden können. Eventuell kann er sich auch mit Ihrem Zahnarzt austauschen oder Ihnen Ansprechpartner für eine weiterführende Beratung zu den Risiken vermitteln.

Für weitere Fragen steht Ihnen der Krebsinformationsdienst per E-Mail oder Telefon gerne zur Verfügung.

Hintergrund: Worauf müssen Patienten im Zusammenhang mit Kiefernekrosen achten?

Der genaue Zusammenhang zwischen einer Bisphosphonat-Therapie und der Entstehung von Kiefernekrosen ist noch unklar. Es scheinen verschiedene Ursachen zusammenzuspielen, die gemeinsam die Immunabwehr des Knochengewebes schwächen. Folgen hat dies vor allem dann, wenn die schützende Mundschleimhaut und das Zahnfleisch verletzt sind und Krankheitserreger an den Knochen gelangen. Dort können zum Beispiel Bakterien schwere Entzündungsreaktionen hervorrufen. Zudem greifen Bisphosphonate unter Umständen offenbar störend in die Reparaturmechanismen des Kieferknochens ein. Eigentlich nicht besonders umfangreiche Verletzungen, etwa nach dem Ziehen eines Zahnes, heilen dann nur schlecht ab. Diese Vorgänge können zum Absterben von Knochengewebe führen.

Anzeichen für eine Osteonekrose des Kiefers oder kurz Kiefernekrose können Schmerzen im Mund, an den Zähnen und/oder im Kieferbereich sein, auch Druckstellen durch Zahnprothesen sind ein Warnsignal. Hinzu können Schwellungen, offene Schleimhautstellen oder Geschwüre im Mund kommen. Fühlt sich der Kiefer taub oder schwer an, kann dies ebenso ein Hinweis sein wie gelockerte Zähne. Bei einer ausgeprägten Kiefernekrose liegen Teile des Knochens frei, sie sind also nicht mehr von der Mundschleimhaut bedeckt. Wesentliches Merkmal dieser Erkrankung ist das Aufweichen und Absterben von Teilen des Kieferknochens. Die Behandlung ist langwierig und kann umfangreiche kieferchirurgische Eingriffe notwendig machen. Um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, sollten Krebspatienten während einer Bisphosphonat-Behandlung mindestens alle sechs Monate zum Zahnarzt gehen, auf jeden Fall aber, wenn eines der oben genannten Symptome auftritt.

Welche Risikofaktoren fördern die Entstehung von Schäden am Kieferknochen?

Fachleute haben anhand der bislang bekannten Fälle Risikofaktoren ermittelt, die während der Bisphosphonat-Therapie das Entstehen von Kiefernekrosen begünstigen können:

  • Dosierung der Bisphosphonate: Kiefernekrosen wurden vor allem beobachtet, wenn - wie bei Krebspatienten üblich - die Medikamente hoch dosiert eingesetzt wurden.
  • Art des Bisphosphonats: Schädigungen des Kieferknochens traten bislang nur bei stickstoffhaltigen Medikamenten auf (im Gegensatz zu stickstofffreien Medikamenten). Patienten sollten ihre Ärzte im Zweifelsfall danach fragen, welches Bisphosphonat sie erhalten.
  • Art der Einnahme: Die Gefährdung von Patienten, die Bisphosphonate in Tablettenform einnehmen, ist geringer als bei der regelmäßigen Infusion in die Vene.
  • Zahnbehandlungen: Größere Eingriffe wie Wurzelbehandlungen, der Einsatz von Implantaten und Zahnentfernungen erhöhen das Risiko für Kieferschäden. Krebspatienten, die mit einer Bisphosphonat-Behandlung noch nicht begonnen haben, sollten nach Möglichkeit anstehende Zahnsanierungen vorher abschließen.

Zum Weiterlesen

Weiterführende Informationen zum Thema Prostatakrebs bietet Ihnen der Krebsinformationsdienst in einem eigenen Text, am Telefon und per E-Mail steht der Dienst zur Beantwortung individueller Fragen zur Verfügung.

Einen Überblick zum Thema "Kiefernekrosen unter Bisphosphonat-Therapie" hat die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) unter www.krebsgesellschaft.de/supportivtherapie_kiefernekrose,131796.html veröffentlicht.
Neben Lehrbuchwissen und Fachpublikationen basiert dieser Text vor allem auf zwei Quellen. Zum einen ist dies der Text "Questions and answers on the review of bisphosphonates and the risk of osteonecrosis of the jaw" (auf deutsch: "Fragen und Antworten zur Bewertung von Bisphosphonaten und dem Risiko einer Osteonekrose des Kiefers") des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP, Committee for Medicinal Products for Human Use) der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA (in englischer Sprache). Das Dokument ist im PDF-Format hier zugänglich: www.emea.europa.eu/pdfs/human/opinion/Q&A_Bisphosphonates_29247509en.pdf.
Zum anderen ist die gemeinsame wissenschaftliche Stellungsnahme "Zahnärztliche Betreuung von Patienten unter/nach Bisphosphonat-Medikation" der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), der Arbeitsgemeinschaft Kieferchirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) im Internet unter www.dgzmk.de/uploads/tx_szdgzmkdocuments/Zahnaerztliche_Betreuung_von_Patienten_unternach_Bisphosphonat-Medikation.pdf zugänglich, richtet sich aber vor allem an Fachleute.


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